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Der
aktuelle Jahrgang degradiert ältere Exemplare
nicht zu Alteisen - das S80 Facelift ist nur moderat |
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Auf in den Sturm
Volvos
große Limousine kommt in die Jahre und kam daher unters
Messer: Nun soll das Flaggschiff - nach der straffenden Operation
mit etlichen Raffinessen gespickt - wieder ganz vorn mitschwimmen
und tut es hoffentlich auch.
Volvo - die führende
Lifestyle-Marke unter den PAG-Vertretern gibt zumindest nach
außen ein rundes Bild ab: Die Modelle sind hinsichtlich
Sicherheit und Komfort auf der Höhe. Mit den vier Vorzeige-Reihen
S60, V70, S80 und neuerdings auch XC 90 kann man sich zweifellos
sehen lassen. Allein das Thema S40/V40 passt nicht mehr ganz
zur jüngeren Entwicklung des großen Schweden -
aber hier naht ja Rettung in Form einer baldigen Ablösung.
Die Weichen wurden also gestellt: Der Premiumanspruch, den
die Nordlichter erheben, spiegelt sich in der Produktpalette
wider.
Richtig ist aber auch, dass die Division unter dem Ächzen
der Ford Motor Company sowie der schlechten Gesamtentwicklung
vieler Märkte leidet. Der Absatz könnte nunmal besser
sein - das gilt aber für alle Marktteilnehmer.
Da müssen die Ärmel schonmal
hochgekrempelt werden - und es wird getan, was zu machen ist.
Grund genug, den S80, die große Limousine der gehobenen
Mittelklasse, welche ja Zeit ihres Lebens im Schatten des
knapp darunter angesiedelten Kombi V70 stand, für das
neue Modelljahr fit zu machen. Die typische Stammklientel
des schwedischen Herstellers machte ganz augenscheinlich nie
einen Hehl aus ihrem Hang zu pragmatischen Automobilen - sicher
ein Argument, warum der kommode Reisewagen ein wenig in die
hintere Ecke abgedriftet ist.
Er hätte mehr verdient, keine Frage - und da bietet sich
das Facelift als sinnvolle Gelegenheit, diese Botschaft noch
einmal an den Mann zu bringen.
Wirklich nötig hatte der S80 die kleine Stärkung
gewiss nicht, schließlich handelte es sich auch vorher
um ein Produkt erster Güte, das dem Vergleich mit der
Konkurrenz ruhigen Gewissens ins Auge hätte sehen können.
Doch das Gute ist bekanntlich des Besseren Feind, und Optimierungen
können ja auch nicht schaden.
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Nobel
geht es im Inneren
des S80 zu |
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Wachsame Naturen erkennen den aktuellen
80er vor allem an der neugestalteten Frontschürze sowie
dem Wabenmuster des Kühlergrills. Hinterherfahrende dürften
aufmerken, wenn der Vordermann seine Fahrt verlangsamt, denn
davon künden ab sofort klar blitzende und sehr schnell
anspringende LED's, die nun im unteren teil der Schlussleuchten
ihre Arbeit verrichten. Insgesamt ziert den großen Volvo
etwas mehr Chrom als früher, was ihm eine noch elegantere
Note verleiht.
Der Innenraum glänzt nach wie vor durch eine markentypisch
weiche Sitzanlage, in deren Sessel man förmlich versinkt.
Wer behauptet, Langstreckentauglichkeit definiere sich hauptsächlich
über die Härte des Gestühls, muss sich eines
Besseren belehren lassen. Man will fast denken, es gebe keinen
gemütlicheren Aufenthaltsort als einen Volvo - wenn man
schon große Distanzen überwinden muss, dann bitteschön
hier.
Richtig viel Neues gibt es hingegen nicht. Die immer noch
übersichtlichen Tachoelemente vermitteln ihre Informationen
über Geschwindigkeit und Drehzahl nun im Rahmen einer
Chromeinfassung. Das Qualitätsbild ist alt und somit
hervorragend geblieben - nichts klappert oder knistert, sämtliche
Materialien sehen solide aus und lassen das auch haptisch
spüren.
Bewegt sieht es nicht schlechter aus:
Die seidenweich agierenden Fünfzylinder zeigen, dass
sechs Töpfe nur der wohlklingenden Zahl wegen nötig
sind. Eine sehr harmonische Ehe geht der S80 mit dem 2,5 Liter
großen Turbo ein. Seine 210 Pferde verleihen dem großen
Kleid ein dynamisches Naturell, ohne allerdings hastige Züge
anzunehmen. Um der mühelosen Fortbewegung die krone aufzusetzen,
bedarf es der ruckfrei schaltenden Fünfgangautomatik
- für 1.700 Euro tut sie ihren Dienst.
Beim Topmodell T6 lässt Volvo dem Fahrer erst gar nicht
die Möglichkeit, per Taktstock alias Schaltknüppel
den Ton anzugeben. Allerdings beschränken sich die Übersetzungsmöglichkeiten
in diesem Fall auf vier - offenbar hält man fünf
Stufen - da angesichts 200 Kilowatt aus den vollen zu schöpfen
ist - für genügend.
Leistung bietet der aufgeladene Reihensechszylinder fürwahr
reichlich, aber er treibt sein Spiel in Tateinheit mit dem
Automaten zuweilen etwas hektisch, was nicht so richtig zu
der sonst so komfortablen Limousine passen mag. Zackiges Herunterschalten
treibt die Reifen der Antriebsachse nicht selten an die Haftgrenze
und gibt diesen Umstand - der S 80 hat Frontantrieb - an das
Lenkrad weiter.
Das ist nicht zuletzt ein Resultat der recht weit gespreizten
Schaltstufen; da kann sich der nächst tiefere Gang schonmal
als eine spur zu kurz erweisen und einen ungewollt giftigen
Schub in die Senkrechte erzeugen.
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Leichte
Retuschen an der
Front |
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Von ganz anderem Charakter ist der vielgelobte
D5. Das Triebwerk geht ohne nennenswerte Anfahrschwäche
kräftig zur Sache und dreht für einen Selbstzünder
ungeahnt willig hoch. Ein richtig dynamischer Eindruck entsteht
- hinzu kommt, dass der Fünfzylinder seine Kraft schön
gleichmäßig abgibt; in der Summe aller Eigenschaften
ist dieser Common-Rail als hochattraktives Triebwerk zu empfehlen
- und zwar nicht nur für Vielfahrer.
Standesgemäße Reiselimousinen sollten jedoch nicht
nur angenehme Kraftquellen bieten, sondern auch adäquate
Fahrwerke. An dieser Stelle sei endlich ein neues Highlight
erwähnt, das den Begriff wirklich verdient - Four C heißt
das Zauberwort: Mit Hilfe dieser Technik wird die Dämpfercharakteristik
automatisch dem jeweiligen Strassenzustand angepasst. Per
Knopfdruck darf die Fahrerschaft einen gewünschten Tenor
vorgeben - je nachdem, ob man eher sportliches Blut in den
Adern hat oder aber die sanfte Tour bevorzugt. In einer ersten
unvoreingenommenen Ausfahrt glättete ein mit jenem Fahrwerk
ausgestattetes Exemplar Unebenheiten recht wirkungsvoll. Und
der Schalter für die Grundausrichtung der elektronischen
Dämpfer erfüllt nicht nur Alibi-Funktion, sondern
verwandelt den Gleiter auf Wunsch in eine hart abrollende
Fuhre. Wie schön, dass man weiß, so eine Taste
zu haben und die Insassen nach jedem Passieren einer Bodenwelle
erzittern lassen zu können - aber die Komfort-orientierte
Einstellung steht dem großen Volvo doch besser.
Ohne Probleme durchläuft die Spitzenbaureihe
den Raum-Check - demnach gönnt man den Passagieren vorn
wie hinten genug Bewegungsfreiheit. Sogar länger Gewachsene
mögen ihre rechte Sitzposition finden, um so an einer
entspannten Fahrt teilzunehmen.
Bleibt nur noch die Preisfrage zu klären - und hier werden
nicht wenige konstatieren, dass der S80 keinesfalls ein Sonderangebot
darstellt. Zum Trost verfügt jedoch schon die Basis über
eine erfreulich komplette Ausstattung.
Diese steht mit 30.243 Euro in der Liste: Dabei handelt es
sich um den 140 PS starken sowie 2,4 Liter großen Fünfzylinder.
Bereits er bietet ein Antiblockiersystem, Front-, Seiten-
und Kopf- bzw. Schulterairbags, elektrisch einstell- und beheizbare
Außenspiegel, Bordcomputer, Bremsassistent, elektronisches
Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber rundherum,
Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radioanlage mit RDS,
Tempomat und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.
Die kräftigere Dieselversion beginnt
bei 33.768 Euro und umfasst die gleiche Ausstattung wie der
Basisbenziner. Ganze 35.037 Euro verlangt der Hersteller für
den 2,5 T - bei ebenfalls identischer Ausrüstung. Davon
weit entfernt platziert sich das Topmodell auf einem hohen
Sockel: Hierfür werden mindestens 46.180 Euro fällig.
Berücksichtigt werden muss aber, dass der Sechszylinder-Turbo
erst ab der Linie "Comfort" zu haben ist, die neben
den Grundzutaten auch elektrisch einklappbare Außenspiegel,
eine bessere Radioanlage mit CD-Spieler, einen automatisch
abblendbaren Innenspiegel, beheizbare Ledersitze und einen
Regensensor bereithält. Außerdem fährt der
T6 serienmäßig mit Automatikgetriebe.
Für die Topausstattung "Executive" sind sogar
54.225 Euro zu entrichten, wobei dann kaum noch Wünsche
offen bleiben: In diesem Fall gibt es auch Metallic-Lack,
ein DVD-Navigationssystem, ein elektrisch zu bedienendes Rollo
für die Heckscheibe, Sitzheizung hinten, ein elektrisch
einstellbarer Fahrersitz mit Memory sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer.
Wem das noch nicht reicht, bekommt gegen 560 Euro Aufpreis
einen 10-fach-CD-Wechsler, einen DVD-Player für den Fond
mit zwei 7-Zoll-Bildschirmen in den Kopfstützen der Vordersitze
(3.500 Euro), Parksensor (500 Euro), Beifahrersitz elektrisch
verstellbar (650 Euro) oder eine geschwindigkeitsabhängige
Servolenkung für vergleichsweise moderate 230 Euro.
Natürlich können auch Getränke mittels Kühlfach
in der Fond-Armlehne wunschgemäß temperiert werden
(1.500 Euro), und wer den Kältekompressor der Klimatisierungsautomatik
als zu künstlich empfindet, kann für 990 Euro das
Glas-Schiebe-Hebe-Dach öffnen.
Um die Vielfältigkeit der Gestaltungsoptionen hervorzuheben,
sei angemerkt, dass hiermit nur ein kleiner teil der umfangreichen
Preisliste abgehandelt ist.
Fazit:
Der Volvo S80 hat seinen ursprünglichen Charakter
auch nach dem jüngsten Update nicht verloren: Ein eleganter
sowie zeitlos-individueller Reisewagen reinsten Wassers -
nur eben ein wenig perfekter und ausgereifter. Jetzt bleibt
zu hoffen, dass die Botschaft ankommt - denn von Individualität
allein lässt sich nicht leben, dazu braucht es Verkaufszahlen;
Zahlen, die der größte Schwede sich redlich verdient
hat, auch wenn die Märkte beizeiten turbulent und damit
schwierig sind. Also auf in den Sturm!
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