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Fahrberichte & Tests
 
Volvo S80 Front, Innenraum

REIFE-ZEUGNIS

Der neue Volvo S 80 startet bald mit sämtlichen Schikanen der Technik und erlebt demnächst seine Einführung in den deutschen Markt. Daher nun ein letzter Blick auf das bisherige Modell, welches im Jahre 1998 die Amtsgeschäfte übernahm.

Nun ist der Tag gekommen: Das große Flaggschiff S 80 verabschiedet sich in Pension und macht Platz für seinen auf denselben Namen hörenden Nachfolger. Doch gleichwohl präsentiert er sich noch immer frisch, was ihn durchaus attraktiv macht. Schließlich fehlt es ihm mitnichten an technischer Ausrüstung, hat der Hersteller sein Spitzenmodell mit Hilfe zahlreicher Frischzellentherapien doch stets auf dem aktuellen Stand gehalten.
Klassische Linien prägen die hübsch gestaltete Limousine der oberen Mittelklasse; dieser S 80 verströmt einen Hauch von zeitloser Eleganz mit Elementen der Moderne. Blitzende Scheinwerfer sowie Rückleuchten, deren LED dem Hintermann bei jeder Bremsung entgegen strahlen, verbessern nicht nur die Sicherheit, sondern tragen ebenso der Ästhetik zu.
Der große Volvo ist zumindest in Deutschland ein exklusives Stückchen Automobil, keineswegs nur chic anzusehen, auch rar im Strassenbild. Werte also, die ihm das Zeug zum Klassiker verleihen, an dem jetzige und künftige Eigner noch lange Freude haben werden.

Volvo S80 Seitenansicht
 
Der S 80 ist eine elegante Erscheinung
 

Freude haben auch jene, die im Innern der Businessklasse zum Probesitzen platznehmen. Besonders weiche Polster empfangen den Fahrgast, falls Lederpolster geordert wurden. Das Gestühl des Schweden bedarf keiner langen Besprechung – mit dem Adjektiv "gemütlich" ist es treffend beschrieben. Die warme Witterung will gar nicht so recht zum solide und ausgereiften Interieur passen; der kühle Spätherbst tut es eher, nämlich dann, wenn Sitzheizung und Klimaautomatik wohlige Wärme verbreiten, wird der schwere Nordländer seinem Nimbus gerecht.
Doch es geht auch anders: Der Kältekompressor ist leistungsfähig und verwandelt den Passagierraum sommers in einen angenehm temperierten Zufluchtsort. Dabei lässt sich alles wunderbar einfach bedienen, vom Bordcomputer über die Radioanlage bis hin zum Tempomat.
Auf moderne Kommunikations- und Telematiksysteme müssen auch Besitzer des alten S 80 nicht verzichten. Der mit leisem Summen aus dem Armaturenbrett fahrende Monitor der DVD-Navigation sorgt selbst in diesen Tagen für Erstaunen. Angesteuert wird das System über eine mitgelieferte Fernbedienung oder den Tastenblock hinter dem Lenkrad.

Und wenn das ferne Ziel erstmal einprogrammiert ist, kann es entspannt losgehen. Sanft schwebt der S 80 über lange Autobahnwellen, etwas nervöser freilich reagiert der Viertürer, wenn die Route am Stau vorbei und stattdessen über dörfliche Strassen mit Kopfsteinpflaster führt.
Einparken funktioniert vorzüglich, viel Servounterstützung mit dem Resultat eines leicht zu bedienenden Volants lässt es angenehm vonstatten gehen. Als Sonderausstattung gibt es auch die Variante der geschwindigkeitsabhängigen Lenkhilfe – mit der Konsequenz eines besseren Fahrbahnkontakts bei höheren Tempi.
Einen überbordeten Dynamiker indessen sollte man nicht erwarten. Trotz Sport-Modus (Bestandteil des wunschgemäß lieferbaren Four C-Fahrwerks), welcher das Fahrwerk allerdings kaum spürbar verhärtet, bleibt es beim Fronttriebler-typischen Verhalten: Untersteuern steht also auf dem Plan, wenn Kehren zu forsch angegangen werden. Typisch für den Fronttriebler ist auch, dass er hin und wieder Antriebseinflüsse auf das Lenkrad überträgt, erstrecht, wenn unter der Haube ein drehmomentstarker Selbstzünder werkelt.

Volvo S80 Heck, Rückleuchten
 
Auch nach acht Jahren noch schön
 

Ganze 340 Nm entwickelt der 2,4-Liter-Common-Rail mit fünf Töpfen schon bei 1.750 Umdrehungen. Außer der kleinen Anfahrschwäche gibt es kaum etwas zu bemäkeln; das Triebwerk harmoniert gut mit der weich schaltenden Fünfgangautomatik (auf Wunsch), deren Wandler die minimale Verzögerung nach dem Start wirkungsvoll kaschiert.
Sobald der Turbo einsetzt, erntet man kräftigen Vortrieb. Jener Diesel ist der Beweis dafür, dass man auch mit Leistungen diesseits von 200 PS gut leben kann. Untermotorisiert fühlt sich der D5 wahrlich nicht an, wenngleich seine Fahrleistungen keinen Rekordverdacht erwecken.
Und jetzt kommt es doch noch: Auf der Spur nach einem Funken Vergangenheit wird vor allem der aufmerksame Zuhörer fündig. Denn der Fünfzylinder zeigt sich hemdsärmelig im Tonfall – das geht heute durchaus kultivierter und leiser. Da gilt es nun abzuwarten, ob der in Kürze startende Nachfolger in diesem Punkt gewonnen hat. Dennoch gehört die Antriebseinheit dieses S 80 der ersten Generation zu den sympathischen.

Sympathisch übrigens wird seinen Besitzern außerdem erscheinen, dass man den S 80 D5 tatsächlich mit sechs bis sieben Litern Kraftstoff pro einhundert Kilometer bewegen kann. Die Voraussetzung dafür: Benutzung des Tempomaten und Autobahntempi, die den europäischen Limits entsprechen – von Deutschland einmal abgesehen.
Demnach sind Reichweiten von über tausend Kilometer drin, zumal der Tank offensichtlich mehr als 70 Liter (Werksangabe) fasst. Es gelang dem Autor, bis zu 75 Liter in den Behälter zu quetschen – wenn das keine reife Leistung ist. Nun, bestellbar ist dieser S 80 nicht mehr – wer noch ein neues Exemplar erwischen möchte, muss zu einem vorkonfigurierten Wagen greifen, der ab Lager verfügbar ist. Die Sorge, an ein schlecht ausgestattetes Fahrzeug zu geraten, ist dabei unbegründet. Schließlich verfügt der S 80 von Hause aus über eine vorzügliche Ausstattung: Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radioanlage, Tempomat sowie Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung garantieren eine komfortable und sichere Wohnstube.

Fazit: Der Volvo S 80 der ersten Generation ist auch jetzt noch ein modernes, komfortables und vor allem ausgereiftes Langstreckenauto mit vielen technischen Raffinessen, das der Kunde obendrein zum fairen Kurs, nämlich diesseits der 40.000-Euro-Grenze, erwerben kann. Abstriche gibt es lediglich in Form der Euro 3-Abgasnorm – doch das ist verschmerzbar. Dafür geht der D5 sparsam mit Kraftstoff um, was ihn für Vielfahrer interessant macht.

 



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