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Eine
satte wie seltene Erscheinung auf der Strasse
- der Phaeton W12 6,0. |
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Wenn nicht heute, dann morgen
Volkswagen
ist im Gegensatz zu Audi mit der Tür ins Haus gefallen.
Keine schleichende Einführung einer Oberklasse wie das
Ingolstädter Tochterunternehmen es vor Jahren praktizierte:
Vom halbgaren Audi 200 bis zum brillianten A8 verging schließlich
ein gutes Jahrzehnt. Der Phaeton dagegen ist mehr als ein
eindrucksvoller Beweis dessen, was der große Autohersteller
zu leisten in der Lage ist.
Einige
haben es ja vorher gewusst: Der Phaeton würde ein Ladenhüter.
Und das behauptete ein bunt gemischtes Grüppchen von
Autofans, Bildungsbürgern sowie Stammtischgängern.
Wie diese sich jetzt freuen, dass die meisten Exemplare auf
freier Wildbahn entweder Hamburger, Dresdener oder Wolfsburger
Nummer tragen - wenn man denn überhaupt mal einen sieht.
Da ist von jenem Über-Passat die Rede, wie sie ihn im
Volksmund nennen. Er habe kein Image, er sei überteuert,
und überhaupt sei er nicht der Rede Wert. In dieser Liga
kaufe man eben Mercedes oder BMW - vielleicht ja noch Audi.
Während sich die Diskussionen darüber, ob der Name
Phaeton, dessen historischer Träger aus der Sagenwelt
der griechischen Antike heute als Crashkid gelten dürfte,
gelegt haben, lebt eine ganz andere Debatte - nämlich
nach Art der obigen Beschreibung - lebendig fort.
Dies tut sie vor allem an den zahlreich vorhandenen Stammtischen,
wo man bei guter Bierlaune imaginäre Fahrzeugbestellungen
durchgeht und es dabei an Benzingesprächen nicht fehlen
lässt.
Doch die Sachlage ist eine andere. Ferdinand Piech, ein Mann
der Taten, wollte die Oberklasse bei Volkswagen und führte
sie ein. Ob seine Intention nun darin bestand, die Modellpalette
in Richtung Full-Line-Anbieter auszubauen, oder ob der Durch-Und-Durch-Ingenieur
sein eigenes Wunschauto kreieren wollte, soll uns in diesem
Rahmen nicht weiter beschäftigen.
Was herauskam, ist ein professionelles Stück Arbeit -
nicht mehr und auch nicht weniger.
So steht die Limousine satt auf dem Parkplatz - in riesigem
Format, von klassenüblicher Länge (5,05 m). Doch
dieser Volkswagen, der ja zumindest preislich keiner mehr
ist, kommt nicht einfach als großer Brocken daher. Vielmehr
besticht das Auto durch eine zeitlose und gleichermaßen
schwere im Sinne von solide, aber eben leicht verdauliche
Eleganz, die allen Konkurrenten zur Zeit abgeht.
Den Auftakt jener Darbietung bildet eine extrem scharf konturierte,
dynamische Frontpartie mit charakteristischen Scheinwerfern
und wuchtigem Kühlergrill. Die im wahren Sinne des Wortes
abschließenden Highlights beschränken sich dagegen
auf nacht-orientierte LED-Schlussleuchten, welche im lichtspendenden
Zustand jeweils zwei sternförmige Rund-Gebilde ergeben
- das ist sicher nicht lebensnotwendig, aber immerhin ein
am Rande erwähnenswerter Gag, wie übrigens auch
das gegen Mehrpreis durchgehend beleuchtete Kennzeichen. Doch
halt, da war noch etwas: Im Falle der zwölfzylindrigen
Spitzenversion zeigt die chromblitzende Vierrohr-Abgasanlage
dem Hintermann, welches Kaliber für Vortrieb sorgt.
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Ein Hauch Sportlichkeit
mit Vogelaugenahorn |
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Nebenbei war davon bereits die Rede -
zwölf Zylinder und fünf Meter Außenlänge
sind bei entsprechendem Kaufvertrag mit von der Partie, die
formalen Bedingungen für die automobile Upperclass scheinen
also gegeben. Wenn es sein muss, tun es zwar auch halb so
viele Töpfe. Doch das soll nicht unser Thema sein.
Eindrucksvoll die Fahrgastzelle: Kein Deut Schmalspur-Luxus
findet sich in diesem 100.000-Euro-Gefährt - wirklich
nirgendwo.
Da bedecken in stilvoller Weise angebrachte Wurzelholz-Täfelungen
weite Teile des Innenraums. Die breiten und weich gepolsterten
Ledersessel nehmen Personen jeden Formats großzügig
auf und sind bei Bedarf mit allen erdenklichen Komfort-Funktionen
wie Massage, Belüftung, Beheizung und einer Vielzahl
von elektrischen Verstellmöglichkeiten ausgerüstet
- vorne wie hinten.
Von gleichem Überfluss geprägt präsentiert
sich das gesamte Platzangebot. Kopf- und Schulterfreiheit
entsprechen dem heutigen Oberklasse-Niveau, und der Fond bietet
selbst in der Ausführung mit kurzem Radstand so viel
Kniefreiheit, dass man die Beine übereinanderschlagen
könnte, wenn man nur wollte.
Fast schon kaputtgeredet, aber für Nichtwissende nochmal
erwähnt: Die Klimaautomatik gibt ihre Lüftungsdüsen
nur dann frei, wenn große Differenzen zwischen Außen-
und Innentemperatur gegeben sind, um einen hohen Luftdurchsatz
zu ermöglichen. Anderenfalls sind sie per Holzblende
verschlossen, und für die Luftzufuhr sorgen Strömer
oberhalb des Armaturenbretts, die das Wageninnere mit einem
leichten, aber wirkungsvollen Luftschleier überziehen.
So soll störende Zugluft vermieden werden, die für
die meisten Sommer-Erkältungen gerne verantwortlich gemacht
wird. So ganz unbemerkt geht der Phaeton-Luftschleier natürlich
auch nicht an den Insassen vorbei - wie auch, wenn die Wohnstube
ordentlich temperiert werden soll?
Spätestens jetzt dürfte klar
sein, dass hier geklotzt und nicht gekleckert wurde. Gilt
das auch für den fahrenden Phaeton?
Wer den Schlüssel des Sechsliters ins Zündschloss
steckt und herumdreht - Privilegierte drücken auf den
Startknopf der Keyless-Access-Schließanlage - erlebt
das Kraftpaket nach der säuselnden Anlasser-Tätigkeit
in einen nahezu lautlosen und ebenso vibrationsfreien Lauf
verfallen. Jetzt noch Fahrstufe D eingelegt und losgefahren
- trotzdem passiert nicht viel in akustischer Hinsicht. Spielt
die Musik gerade etwas laut, ist das Triebwerkbollern nur
zu erahnen und der Luxus-Liner scheint sich wie von Geisterhand
angeschoben richtung Horizont zu bewegen.
Zwar tritt das kompakte W-Herz unter kräftigem Gaseinsatz
in Erscheinung, doch steht das produzierte Geräusch keinesfalls
im Verhältnis zur gebotenen Beschleunigung.
Diese übrigens fällt trotz der beträchtlichen
Masse mehr als passabel aus. Zwar geht der schwere Volkswagen
lange nicht so giftig zur Sache wie sein inzwischen ausgelaufener
Konzernbruder Audi A8 6,0, der ja den gleichen Otto unter
der Haube trägt, aber es reicht, um den meisten Autobahn-Mitstreitern
zu entkommen.
Doch obwohl die Vertikalbeschleunigung
nicht zu bemäkeln ist - immerhin unterschreitet der W12
die Sieben-Sekunden-Marke beim Standardsprint mühelos
- ist Agilität nicht das Thema dieser Limousine.
Bei forcierter Kurvenfahrt schiebt der kopflastige Allradler
merklich über die Vorderräder und deutet damit auch
schon die Grenzen seiner sportlichen Fähigkeiten an.
Bei moderater Fahrweise hingegen merkt man dem Phaeton seine
zweieinhalb Tonnen Betriebsgewicht nicht an. Hohe Servokraft
im Stand macht das Dirigieren des Schiffs zum Kinderspiel
- spielend kommt es auch in Fahrt und verzögert dank
großdimensionierter Bremsscheiben nicht weniger gelassen,
ganz so, als bewege man ein viel kleineres Auto. Deutliches
Hitze-Knacken an allen Ecken und Enden selbst nach zurückhaltender
Fahrweise indessen macht klar, dass unter dem Blech ganze
Arbeit geleistet wird und dass hier ungeheure Energien im
Spiel sind, die das Fahren himmlisch leicht machen. Ein riesiger
Motor auf engem Raum sowie die überbordende Masse - hervorgerufen
durch unzählige Komfort-fördernde Maßnahmen
wie Elektromotoren, hydraulische Anlagen und nicht zuletzt
der bleischwere Antriebsstrang - machen eine gewaltige Wärmeentwicklung
unvermeidlich.
Souveräne Reise-Gangart steht im Vordergrund des Konzepts
- die ja angesichts der mächtigen Leistung auch realisiert
werden kann.
Während über die weich schaltende Fünfgangautomatik
kaum ein Wort der Kritik verloren werden kann, sorgt die obligatorische
Luftfederung für eine kleine Dissonanz. Kurze Unebenheiten
nämlich verarbeitet sie etwas hölzern - lange Fahrbahnwellen
hingegen kommen nur stark gefiltert bei den Passagieren an.
Das Niveau der Gesamtgeräusche bewegt sich rein subjektiv
auf einem äußerst niedrigen Pegel - ganz zur Freude
aller Mitreisenden.
Der einzig trübe Gesichtspunkt in der Akte Phaeton W12
6,0 dürfte pekuniärer Natur sein. Denn er kostet
in der luxuriösen Viersitzer-Version 106.100 Euro. Das
ist selbst für eine kaufkräftige Klientel kein Pappenstiel.
Darin sind noch keine etwaigen Sonderoptionen enthalten. Obwohl
schon die Basis höchste automobile Genüsse verspricht,
ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. So kostet
ein in diesem Segment nicht mehr wegzudenkendes Navigationssystem
zusätzliche 2.530 Euro.
Verspielte Gemüter mögen auf den Radar-Tempomat
keinesfalls verzichten - er kostet 2.340 Euro. Wer hohen Wert
auf einzigartige Klangerlebnisse legt, sollte zum Kommunikationspaket
greifen, das nicht zuletzt eine exzellente Audioanlage beinhaltet
- 5.460 Euro werden dafür fällig, allerdings ist
der Autopilot hier enthalten. Das schlüssellose Schließsystem
verlangt nochmal 1.170 Euro - und so könnte man die Liste
endlos fortführen, bis das Wunschauto jenseits von gut
und böse, sprich jenseits von 125.000 Euro angelangt
ist.
Dabei ist die Grundausstattung alles andere als mager: An
Bord befindet sich eine komplette Sicherheitsausstattung inklusive
Antiblockiersystem, Frontairbags, Kopf- und Seitenairbags
vorn und hinten, ein elektronisches Stabilitätsprogramm
sowie Bi-Xenonlicht.
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Wuchtige Front - der
Phaeton hat Oberklasse-
Format |
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Höchstmöglicher Komfort wird
durch elektrisch einstellbare und automatisch abblendbare
Außenspiegel, durch ein Audiosystem, durch einen Bordcomputer,
durch rundherum elektrische Fensterheber, durch einen elektrisch
betätigten Kofferraumdeckel, durch einen automatisch
abblendenden Innenspiegel, durch eine elektrisch einstellbare
Lenksäule, durch eine elektrische Sitzverstellung vorn
wie hinten, durch einen Regensensor, durch einen Tempomat
und schließlich durch eine fernbedienbare Zentralverriegelung
erreicht.
Nicht gerade für Arme zeigen sich auch die Trinksitten.
Unter 14 Liter Super Plus geht auch dann nichts, wenn der
Tempomat auf 130 Stundenkilometer eingestellt ist. Bei beschleunigungsintensiven
Ausfahrten sind auch 20 Liter und mehr leicht drin. Volkswagen
selbst macht aus diesem Umstand keinen Hehl. Laut Werksangabe
konsumiert der teuerste Phaeton zwischen 10,9 und 23,9 l auf
100 Kilometern - wenn das kein Wort ist.
Fazit:
Der Phaeton W12 6,0 ist ein Fahrzeug der superlative - Image
hin oder her. Das erkennen zweifellos alle, die ihn bewegt
haben. Mit Klischees indessen wird sich der große Wagen
wohl noch lange herumschlagen, und Volkswagen wird Durchhaltevermögen
beweisen müssen, will der Konzern das Topmodell etablieren
- Audi kennt den steinigen Weg nur zu gut.
Es wird Generationen dauern, bis der Phaeton die ihm gebührende
Anerkennung findet. Techniker erweisen ihm diese auch jetzt
schon. Ansonsten lautet das Motto eben: Wenn nicht heute,
dann morgen.
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