Eine richtige gehobene Mittelklasse hat Volkswagen bisher nicht im Angebot – allerdings präsentiert sich der viersitzige Passat CC als gelungener Ersatz. Arbeitet auch noch der kräftige 3,6-Liter-Sechszylinder unter der eleganten Motorhaube, müssen auch die leidenschaftlichsten Automobilisten zucken, wenn der Allradler vorgerollt kommt. Autotipp.
ei Volkswagen klaffte lange Zeit eine Lücke. Kleinwagen, Kompaktwagen, Mittel- und Oberklasse. Groschen gefallen, wo bleibt die Businessklasse? Seit 2008 haben die Wolfsburger da etwas feines in der Hinterhand, wenngleich die Lösung nicht klassisch anmutet. Passat CC heißt das Zauberwort; dahinter verbirgt sich ein nobler fahrbarer Untersatz, für den der Name eigentlich zu profan ist. Aber da dachten die Marketing-Strategen vermutlich an den Verkauf – schließlich gehört der Passat zu den Bestsellern der mittleren Kategorie. Nun, was bietet Bruder CC? Mit 4,88 Längenmetern bewegt er sich am unteren Ende seines Segments – rahmenlose Türen und Einzelsitze im Fond dürfen als besondere Schmankerl gewertet werden, denn sie sind in diesen Sphären unüblich. Allein auf die elektrische Verstellung muss verzichtet werden. Macht nichts – das Gesamtpaket Passat CC in seinem ungewöhnlichen Format besticht durch viele angenehme Eigenschaften. Zum Beispiel durch die Optik: Flach und gestreckt fährt der CC unter die Augen der Betrachter. Dabei gibt die Limousine mit kurzem Heck und langer Front einen unglaublich eleganten Eindruck mit einer Prise Sportlichkeit ab.
Und wenn aus den Aussparungen der Heckschürze jeweils links und rechts ein Endrohr lugt, weiß der Kenner sofort: Es handelt sich um das 300 PS starke Topmodell, welches den wohlbekannten Sechszylinder mit dem schmalen Zylinderwinkel in sich trägt. Damit leistet der 3,6-Liter-Direkteinspritzer exakt so viel wie das Aggregat des R36, der aber wesentlich auffälliger daherkommt. Im Passat CC darf er sein Unwesen diskreter treiben. Sensible Ohren können das spezielle Timbre freilich klar heraushören. Bei kräftigem Anfahren posaunt es heiser aus Richtung Heck, während dem Maschinenraum weniger Schallwellen entweichen. Auch in der Fahrgastzelle gibt sich der Benziner eher moderat, sogar im Falle sportiver Gepflogenheiten. Klar, richtig hohe Drehzahlen werden von kerniger Akustik begleitet – als störend indessen ist diese wohl kaum zu bezeichnen, ganz im Gegenteil. Traktionsschwierigkeiten bereitet das vierradangetriebene Flaggschiff keine, so dass es den einen oder anderen beherzten Gaspedaltritt locker verkraftet. Selbst bei regennasser Fahrbahn gelingen Ampelstarts absolut schlupffrei. Demnach müssen Kritiker auch bei forcierter Fahrweise keine komfortschmälernde Antriebseinflüsse im Lenkrad befürchten.
Allerdings animiert der potente Volkswagen selten zu rüdem Umgang. Man kann zwar nicht gerade behaupten, dass kurviges Landstraßen-Terrain mit ihm keinen Spaß bereitete, aber der besteht vorwiegend darin, es locker angehen zu lassen. Zügig im sechsten Gang auf der Geraden, mit präzisem Kurs durch die Kehre, das spontane DSG eine Stufe (oder zwei) herunterschalten lassen und wieder kräftig auf 100 km/h beschleunigen – so lässt es sich im Passat CC leben. Ach ja, da gibt es ja noch die Beschleunigungsstreifen. Alle Spritsparfüchse bitte direkt zur nächsten Passage springen, denn das kostet Treibstoff: Sich aus 80 Stundenkilometern heraus mal kräftig in den Sessel drücken lassen, bis die abgeregelten 250 Sachen erreicht sind. Okay, so leer sind die Autobahnen ja nicht immer, dann ist wieder Richtgeschwindigkeit angesagt und der 24V richtig genügsam. Mit runden neun Litern kann man problemlos auskommen – das ist für die Leistungsklasse plus Allradantrieb, der ordentlich Schleppmoment erzeugt, mehr als in Ordnung. Im Stadtverkehr rächt sich die 4Motion-Ausführung natürlich, aber dafür ist der feine Gleiter auch nicht gebaut.
Gutes Stichwort: Gleiten funktioniert mit der Business-Limousine tadellos, denn ihr Fahrwerk zeigt sich milde abgestimmt und spricht auf aggressive Fugen ebenso aufmerksam an wie bei langwelligen Verwerfungen auf Schnellstraßen. Dazu kommen kommode Sitzeinheiten mit dezent ausgeformten Seitenwangen, um die Passagiere auf Position zu halten, falls der Fahrer doch mal Zähne zeigt. Viel Platz vorn und hinten deutet auf Tourer-Qualitäten hin – und wer partout mit fünf Personen reisen will, kann die gerade so edel wirkende Ablagezone samt Cupholder zwischen den beiden Fondsitzen gegen 100 Euro Aufpreis entfallen lassen. Stil hat das nicht mehr. Dafür die breite Mittelkonsole mit aufgeräumtem Tastenlayout umso mehr, die man je nach Gusto mit verschiedenen Belägen versehen kann. In puncto Verarbeitung lassen sich die Wolfsburger keinesfalls lumpen und kredenzen selbstverständlich astreine Qualität, um dem Anspruch der Klientel gerecht zu werden – das ist in dieser Liga besonders. Klassische Rundinstrumente mit integrierten Anzeigen für Kühlwasser und Tankfüllstand versprühen einen kühl-edlen Touch, während das dazwischen angebrachte Multifunktionsdisplay ein reichhaltiges Menü zur Auswahl bereithält.
Mit 41.225 Euro preisen die Niedersachsen den Sechszylinder-Passat CC verhältnismäßig günstig ein. Beim Wettbewerb ist eine 300 PS-Limousine in dieser Motorenkonfiguration häufig deutlich teurer. Serienmäßig bietet der noble Passat Antiblockiersystem, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Front-, Kopf- und Seitenairbags, Bordcomputer, elektronisch geregelte Dämpfer, elektrische Fensterheber rundherum, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Leichtmetallräder, Klimaanlage, elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Immer wieder faszinierend ist der virtuose Einparkassistent, der zur Zeit wohl bei keinem anderen Hersteller so gut funktioniert. Einfach Parklücke Scannen, Rückwärtsgang rein und Fuß vom Bremspedal – das System lenkt punktgenau. Der Spaß ist mit 770 Euro noch nichtmal überbezahlt. Technisch ebenfalls interessant: Der 525 Euro kostende Spurassistent mit aktiver Lenkung. In der Praxis stört die Vorrichtung indes mehr als sie nützt. Ab 500 Euro kosten Navigationssysteme, und somit ist auch bei Volkswagen angekommen, dass horrende vierstellige Preise die Kundschaft verärgert zum mobilen Gerät greifen lässt. Und das passt nun wirklich nicht zu einem Fahrzeug vom Schlage des Passat CC.
Fazit: Der Volkswagen Passat CC ist eine erfrischende Alternative in der gehobenen Mittelklasse. Der optisch ansprechende Viersitzer wird auf der Flaniermeile prompt zum Hingucker. Und mit dem 300 PS starken Sechszylinder fährt man antriebstechnisch auf der Sonnenseite, garantiert.