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Fahrberichte & Tests
 
Innenansicht Volkswagen Golf

DOPPELHERZ

Obwohl der Golf V die Bühne Ende dieses Jahres verlässt, ist er doch noch immer eine zuverlässige und moderne Größe, nicht nur in der Zulassungsstatistik. Zum besonderen Bonbon wird er mit dem doppelt aufgeladenen 1,4-Liter, denn während andere von Ressourcenschonung sprechen, spart diese Ausführung Kraftstoff, aber mitnichten an Fahrspaß. Autotipp.

Wie lautet derzeit der Tenor? Spritsparen, wo man nur kann. Und die Autohersteller bekunden eifrig, so viel wie nur eben möglich zu tun, um das restliche Quäntchen Effizienz aus dem alten Kollegen Otto oder auch Diesel zu holen. Doch wo bleibt die Fahrfreude? Volkswagen macht es vor: Die Technik ist zwar nicht ganz simpel, aber das Ergebnis kann sich dafür sehen lassen. Wenig Hubraum plus zweifache Aufladung sind die entscheidenden Stichwörter; mit dieser Kombination und dem aus ihr hervorgehenden Motortypen wird dem indes deutlich medienwirksameren Hybriden kräftig eingeheizt, denn der mit Kompressor und Turbo gesegnete Benziner ist ein Kostverächter erster Güte. Aber auch ein muskelbepackter Athlet. Denn dieser Vierzylinder geht als wahres Phänomen durch: Er muss nicht wie ein klassischer Turbo erstmal durchatmen, um dann plötzlich die Antriebsräder auf dem Asphalt scharren zu lassen. Stattdessen scheint er aus den Vollen zu schöpfen und ist schon im Drehzahlkeller präsent. Kontinuierlich und zunächst unspektakulär versetzt der Vierventiler den Golf – fast wie an einem starken Gummiband gezogen – in Fahrt und erteilt der Turboloch-Fraktion eine kalte Absage.

Seitenansicht Volkswagen Golf
 
Als Viertürer auch praktisch: Der Golf
 

Er kann auch böse. Ein niedergetretenes Gaspedal lässt den High-Tech-1,4er kurz zucken (offenbar ein Turboloch-Ersatz für jene, die sich nicht umgewöhnen können) und eine viertel Sekunde später loslegen. Dann drückt es den Passagier in die wunderbar ausgeformten Sportsitze; jetzt offenbart der Benziner noch eine weitere Qualität: Er kann drehen, und zwar nach oben frei heraus. Das Resultat ist ein respektabler Standard-Sprint – es braucht keine acht Sekunden, um einhundert km/h zu erreichen. Wer den TSI in die Knie zwingen möchte, muss schon höhere Tempi walten lassen. Jenseits der 180 Sachen legt er zwar noch immer deutlich zu, aber der Drang lässt spürbar nach. Zeigt die Tachonadel um 220 Stundenkilometer, ist das Ende der Fahnenstange allein der Übersetzung wegen nah. Denn die Ingenieure legten die Stufen recht kurz aus, das fördert die Sprinter-, aber offensichtlich keineswegs die Säuferqualitäten. Skeptiker dürften spätestens nach dem ersten Tankstopp überzeugt werden: Bei moderater Fahrt steht eine Sieben vor dem Komma – für diese Leistungsklasse wohl schon beachtlich.

Allerdings muss man sich schon beherrschen, um im 170 PS-TSI, den es ausschließlich in der GT-Sport-Variante gibt, ruhig unterwegs zu sein. Das drahtige Umfeld lässt den Gasfuß zucken. Viel Seitenhalt bietende Sessel im Jogger-Outfit betören, das kernige, 15 Millimeter tiefergelegte Sportfahrwerk deutet sein Gesicht auf unebenen Straßen bereits an und lässt jenes des Fahrers in der Kurve lachen – hier zeigt es, was Querbeschleunigung in der Praxis bedeutet und arbeitet der strammen E-Servolenkung perfekt zu. Die Sechsgang-Box geht ebenso knackig, da nimmt man den Schalthebel gerne in die Hand. Wer diesen Golf kauft, entscheidet sich übrigens ganz klar gegen eine Sänfte. Die serienmäßigen 17-Zöller fördern auch nicht gerade den Komfort, aber runden den sportlich gemixten Cocktail ab. Damit keine Missverständnisse entstehen: Dieser Volkswagen ist absolut langstreckentauglich, die straffen Stühle sind äußerst bequem und machen somit Laune, auch während einer längeren Urlaubsfahrt. Bei Passanten macht die GT-Ausführung einen mindestens so guten Eindruck wie bei den Insassen selbst. Zumindest jüngeres Publikum scheint sie anzuziehen.

Sportlichere Schürzen, dunklere Leuchten und ein modifizierter Grill mit entsprechendem Schriftzug kommen an. Die starke TSI-Variante zeigt außerdem Auspuff – mittels dezentem Doppelrohr setzt sie sich von den schwächeren Brüdern ab. In der Wohnstube herrscht Golf-Gefühl vor; übersichtliche Instrumente bestimmen das Bild, hochwertige Materialien in gewohnt ordentlicher Verarbeitung sind kein Thema. Die schon einige Jahre in eisblau gehaltene Beleuchtung passt zu den dann in rot herausstechenden Anzeige-Nadeln wie Schaltern.
Das Platzangebot präsentiert sich vorn durchaus von der großzügigen Seite mit Luft zu allen Richtungen hin. Auch der Fond ist ein hübsches Plätzchen – wer häufig mit mehreren Personen unterwegs ist, sollte aber zum Viertürer greifen. Rein optisch mutet der Zweitürer zwar sportlicher an, verlangt seinen hinteren Passagieren aber ein wenig Gelenkigkeit ab. Einmal hinten angekommen, sitzt es sich kommod mit einem Schuss Platz zwischen knien und Vordersitzlehne, auch für Großgewachsene. Bleibt das Gepäckabteil – mit 1.305 Litern Volumen (bei umgelegter Rückbank) schwimmt der Volkswagen ganz oben mit.

Frontansicht Volkswagen Golf GT Sport, Logo, Emblem, Schriftzug
 
Schon von weitem zu erkennen: GT Sport
 

Gilt das auch für den Preis? Ab 24.450 Euro gibt es den GT Sport TSI mit 125 KW; die Serienausstattung fällt mit Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch beheiz- und verstellbaren Außenspiegeln, Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage, Leichtmetallrädern, elektrischem Schiebe-Hebedach sowie fernbedienbarer Zentralverriegelung gar nicht allzu mager aus. Es geht freilich etwas fülliger. Die Sonderausstattungsliste bietet viele Optionen, darunter das Licht-und-Sicht-Paket mit automatisch abblendendem Innenspiegel sowie Regensensor für 165 Euro, Ledersitze (2.010 Euro), Metallic-Lackierung (480 Euro), Navigationssysteme mit Monochrom-Display (ab 1.200 Euro) und natürlich DVD-Lösungen mit großer Farbkarte (ab 2.575 Euro). Der Parksensor schlägt mit 370 Euro zu Buche, und Radioanlagen kosten ab 445 Euro. Wer einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz wünscht, kann ihn für 395 Euro bekommen – ebenso Standheizung (ab 1.125 Euro), Tempomat (195 Euro) oder Bixenonlicht (1.080 Euro).

Fazit: Die Umwelt schonen mit Hilfe von Downsizing scheint möglich – und das trotz ansehnlicher Performance, der Kraftstoffverbrauch des Golf zeigt es: Der GT Sport TSI macht trotz nur 1,4 Litern Hubraum mächtig Spaß und kommt dank schicker Optik auch noch gut an. Lediglich etwas mehr als acht Liter SuperPlus genügen dem Kompaktwagen-Klassiker für einhundert Kilometer Fahrt. Wenn das kein Kaufargument ist.

 



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