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Fahrberichte & Tests
 
Toyota Prius Front, Innenraum

PRIUS, DER ZWEITE

Der Toyota Prius ist eine alltagsfähige, höchst attraktive Mittelklasselimousine im – zumindest von hinten – unkonventionellen Look. Daher kann die Kaufzurückhaltung der Deutschen allein auf Berührungsängste mit Hybrid-Technologie zurückzuführen sein, grundlos jedoch. Autotipp.

Leonardo DiCaprio soll einen fahren, Cameron Diaz auch und schließlich Sting, der Popsänger. Sie alle besitzen angeblich einen Prius. Nachprüfen kann man es nicht, aber mit Gewissheit ist zu sagen: In den Staaten gilt der aus der Reihe fallende Mittelklässler als très chic. Hierzulande muss man Glück haben, um jemanden zu finden, der mit dem Namen des Japaners etwas anfangen kann.
Fest steht, dass die Autokundschaft sich auf weitere Modelle mit kombiniertem Verbrenner- und Elektroantrieb gefasst machen muss, das ist ausschließlich eine Frage der Zeit.
Doch warum die ablehnende Haltung? Sehen viele Autofans das Ende jener Technik, die doch seit vielen Jahrzehnten den Kern der Sache darstellt, die Quelle einer brennenden Leidenschaft ist, über die Träume definiert werden und wurden, – die Rede ist vom Verbrennungsmotor – näher kommen? Bei traditionellen Dingen, vor allem beim Auto, kochen die Emotionen hoch, das ist beim Thema Schaltgetriebe, das der Hardcore-Fan von der Automatik bedroht sieht, nicht anders.

Toyota Prius Heck, Rückleuchten
 
Unkonventionell, aber chic
 

Dabei bekommen die Passagiere vom Elektromotor, der im Falle des Prius erheblich am Vortrieb beteiligt ist, kaum etwas mit. Dass ein automatisches Getriebe hier zum Standard gehört, ist technisch bedingt. Wer damit gut leben kann, wird sich im Hybrid-Toyota wohlfühlen, denn es geht erstaunlich konventionell zu. Gestartet wird auf Knopfdruck, heute ebenfalls bei vielen Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb Usus. Allein der kleine Joystick als Wählhebel-Ersatz wirkt einer anderen Zeit entliehen, ist aber keineswegs Pflicht, wie der Lexus RX 400h zeigt. Ungewöhnlich ist freilich auch jene nach dem Start herrschende Stille; die Startbereitschaft bekommt der Fahrer per Kontroll-Lämpchen mitgeteilt. Ruhig ist es im stehenden Innenraum aber keinesfalls immer, denn bei hohem Energiebedarf, insbesondere an kalten Tagen, läuft der Verbrenner auch im Stand – na bitte. Angefahren wird dennoch elektrisch, aber man merkt es gewöhnlicherweise nicht; selbst bei durchschnittlichem Gaseinsatz ab dem Ampelstart meldet sich der Benziner ohnehin fast unmittelbar nach Losfahren zu Wort. Vollen Leistungseinsatz quittiert der dann hochdrehende Vierzylinder mit kehligem Kreischen – das wirft Motorenfetischisten nicht vom Hocker, dürfte Traditionalisten aber beruhigen.

Gar freuen wird sie der Benzinverbrauch. Denn fünf Liter Super auf 100 km sind angesichts runder 1,3 Tonnen, welche von 113 PS bewegt werden, ein erstaunlicher Wert. Zwar kann der eine oder andere Diesel hier mithalten, sieht bei den Emissionen jedoch alt aus gegen den Meister aus Japan. Von 104 Gramm CO2 pro Kilometer kann ein ähnlich motorisierter Diesel nur träumen, und im NC- beziehungsweise NOx-Bereich unterschreitet der Toyota die derzeit gültigen Euro 4-Werte um fast 90 Prozent.
Dafür gibt es beim Prius keine plötzlich freigesetzten Drehmoment-Schübe. Er beschleunigt weitgehend gleichmäßig und unspektakulär. Man muss sich keinesfalls untermotorisiert fühlen, überschäumendes Temperament hingegen ist was anderes.
Wer übrigens ständig über das Zusammenspiel der gerade operierenden Kräfte informiert werden möchte, kann dies auf dem großen Farbmonitor verfolgen. Dort geben bunte Energiepfeile beispielsweise Aufschluss darüber, ob gerade der E-Motor oder die Verbrennungsmaschine werkelt.

Nun zu den inneren Werten. Als Auffällig erweist sich ein großzügiges Platzangebot vorn und hinten. Für das Gepäck stehen zwischen 408 und 1.210 Liter Aufnahmekapazität zur Verfügung. Der Praxistauglichkeit dient desweiteren die im Verhältnis 60:40 umklappbare Rückenlehne mit der Option auf eine ebene Ladefläche. Damit wäre der erste Aha-Effekt abgehakt. In dieser Fahrgastzelle kann man gut und gerne viele hundert Kilometer ohne Anflug von Enge abspulen, das können sogar größere Personen behaupten. Die Sitze sind für den Europäer eine Spur zu weich geraten, unterm Strich aber durchaus komfortabel. Ebenso wie das Fahrwerk, welches allerdings kaum zu Sporteinsätzen aufgelegt ist. Kräftiges Untersteuern macht dem Eigner immerhin in gutmütiger Weise klar, was Sache ist. Ob der typische Prius-Besitzer indessen jemals die Reifenquietsch-Grenze überschreiten wird, mutet mehr als fraglich an.
Schließlich begeistern den ruhigen High-Tech-Typus eher Zutaten wie LED-Bremsleuchten und das elektro-hydraulische Bremssystem – beides ab Werk vorhanden. Letzteres fordert aufgrund des zunächst ein wenig künstlich wirkenden Pedaldruckpunktes etwas Eingewöhnungszeit. Danach jedoch steht einer wunderbar leichtgängigen Bremspedalbetätigung eine subjektiv hervorragende Verzögerungsleistung gegenüber.

Toyota Prius Ladefläche, Kofferraum, Rückbank
 
Er kann auch Lademeister spielen
 

Mit 23.900 Euro darf der Toyota Prius mit Fug und Recht als günstig bezeichnet werden, gibt es doch eine besonders reichhaltige Grundausstattung, die ABS, Front-, Seiten- und Kopfairbags vorn wie hinten, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundherum, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radioanlage mit RDS und CD-Player sowie eine fernbedienbare Zentralverriegelung enthält. Das Executive-Modell bietet darüber hinaus einen CD-Wechsler, schlüsselloses Schließsystem, Soundsystem und Tempomat, bittet seine Interessenten aber mit 1.500 Euro extra zur Kasse. Die einzigen Sonderausstattungen sind Metallic-Lack (400 Euro) sowie ein DVD-Navigationssystem (2.400 Euro).
Kunden mit einer Restangst vor der komplizierten Technik sollen mittels achtjähriger Garantie (bis 160.000 Kilometer) auf sämtliche den Hybrid betreffende Komponenten überzeugt werden. Eine allgemeine Garantie besteht drei Jahre mit 100.000-Kilometer-Grenze.

Fazit:
Der Toyota Prius ist eine ausgezeichnete Mittelklasse-Limousine, die ohne Frage aus dem Rahmen fällt. Für Hybrid-Skeptiker kann gleich in zweifacher Weise Entwarnung gegeben werden: Das Fahrgefühl gestaltet sich traditionell gemäß konventioneller Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, und der Japaner wartet mit hoher Alltagsfreundlichkeit auf. Eine Probefahrt beim Händler lohnt sich!

 



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