 |
 |
| Schicker
Einstand: Der neue Prius |
|
|
 |
|
Auf Strom gesetzt
Toyotas
Hybridauto, der Prius, gewinnt in der zweiten Auflage nicht
nur an Performance, sondern auch an äußerlicher
Attraktivität. Damit wäre im Hinblick auf die Verkaufschancen
schonmal eine wichtige Hürde genommen, schließlich
möchte auch die technikverliebte Klientel ansprechendes
Design aufgetischt sehen. Und wie gestaltet sich der Fahralltag
mit dem Exoten? Hier ein Überblick.
Mit Verlaub, wir leben
in Deutschland. Und Deutschland hat sich im Laufe der letzten
Jahre zum Land der Diesel und Dieselfreunde entwickelt. So
steht, wenn nicht beim Nachbarn gegenüber, dann aber
nebenan, entweder TDI, CDI, CRD oder CDTI auf dem Kofferraumdeckel,
denn der psychologische Effekt an der Tankstelle ist enorm:
Man hat das Gefühlt mit wenig Geld viele Kilometer abspulen
zu können ganz egal, ob man nun generell viel
oder wenig fährt und die Gesamtkostenbilanz im Vergleich
zum Benziner positiv oder negativ ausfällt, schließlich
wird billig getankt, das will ja was heißen. Abgesehen
davon sind moderne Diesel höchst erquickliche Antriebsquellen,
deren Leistungscharakteristik eine wahre Fangemeinschaft gebildet
hat.
Da kommt der Hybrid wie ein Fremdling daher. Niemand verteidigt
oder schützt ihn gegen die gesunden Vorurteile der eingefleischten
Nur-Verbrennungsmotoren-Oder-Garnichts-Fraktion.
Warum eigentlich? In den USA sind Hybridautos der Renner,
Diesel dagegen chancenlos also doch: Was der Bauer
nicht kennt, frisst er nicht. Wer es besser machen möchte,
genehmige sich doch eine Kostprobe.
 |
 |
| |
Technik-Fans kommen
hier bestimmt auf ihre
Kosten |
|
 |
|
Jene wird zunächst von vielen Aha-Effekten
begleitet. Unterm Blech ists kompliziert, doch davon merkt
der Fahrer nichts. Schließlich werkeln in diesem erwachsenen
Automobil ein konventioneller Otto-Motor sowie ein kräftiger
Elektromotor. Die Aggregate arbeiten Hand in Hand, mal gemeinsam,
mal nur eines allein dieser Umstand erfordert eine
geschickte Organisation sowohl mechanischer als auch elektronischer
Art.
Man merke sich: Beide Triebwerke vermögen nicht zusammen
die maximale Leistung abgeben, wonach der Prius 107 Kilowatt
leisten müsste. Stattdessen sind insgesamt nur 82 KW
drin, welche dem Prius letztlich ein behändes Naturell
bescheren.
Doch zunächst herrscht absolute Stille, auch nachdem
der Startknopf betätigt wurde. Während man glaubt,
dass der Technik-Bolide defekt sei, ist das System in Wirklichkeit
längst bereit. Denn angefahren wird elektrisch, und zwar
ausschließlich. Wenn dem Prius die volle Leistung abverlangt
wird, meldet sich der Otto zu Wort, was allerdings erst ab
Schrittgeschwindigkeit passiert.
Welches der beiden Triebwerke im Fahralltag gefragt ist, ob
allein oder doppelt, hängt entscheidend von der Fahrsituation
ab. Auf die Steuerung hat der Fahrer keinen direkten Einfluss,
kann indessen per Fahrweise bestimmen, wo es lang geht.
Starke Beschleunigungsvorgänge erfordern
stets die Mithilfe des 57 KW erzeugenden Benziners, denn hier
ist erstens viel Leistung gefragt, und außerdem zehrt
das Verlangen nach höherer Geschwindigkeit an den Batteriereserven,
welche der Verbrennungsmotor zum Teil wieder ausgleichen muss.
Im Schiebebetrieb ruht der Benziner; gleichzeitig wird dann
jene reichlich vorhandene kinetische Energie zur Fütterung
des Stromspeichers genutzt. Fahrten im mittleren Geschwindigkeitsbereich
ohne bedeutende Beschleunigung bewerkstelligen wiederum beide
Aggregate gemeinsam. Über die jeweilige Antriebs- und
Aufladekonstellation informiert ein großer, mittig platzierter
Bordmonitor. Da ist man einerseits froh, nicht in die komplexe
Systematik eingreifen zu müssen und gleichzeitig fasziniert
über den offenbar reibungslosen Ablauf der notwendigen
Regelvorgänge.
Per Tastendruck lässt sich der Prius ausschließlich
vom elektrischen Triebwerk bewegen, was in der Praxis jedoch
einen behutsamen Gasfuß bedeutet, wenn man Kollege Otto
wirklich aus dem Spiel lassen möchte. Das rechte Pedal
etwas zu tief gedrückt schon nimmt die Kurbelwelle
ihre Arbeit auf und hilft kräftig nach. Abgesehen davon
bringt dieser Modus die Batterie an den Rand der zulässigen
Mindestaufladung, was ebenfalls die Kolbenmaschine auf den
Plan ruft.
Der Grad zwischen minimaler und maximaler
Kapazität des Stromspeichers ist offensichtlich ein besonders
schmaler in Windeseile, also innerhalb weniger Kilometer
gelingt es, die Batterie zu leeren und wieder in Kraft und
Saft zu bringen. Neben Benzinaggregat und Schubmodus leistet
auch jeder Bremsvorgang seinen Beitrag zur Gewinnung von Elektrizität.
Bleibt das Problem der Kraftübertragung. Geschaltet wird
nach dem Schema konventioneller Automatikgetriebe; allein
der Betätigungshebel erinnert mit seinem stummelartigen
Dasein an Objekte ferner Zukunft jedoch offeriert er
Modi aus Vergangenheit und Gegenwart: R, N und D. P für
parken aktiviert man per darüber befindlichem Schalter.
Und was bringt der Blick unter das Blech? Dort finden wir
ein Planetengetriebe, das im Prinzip so arbeitet wie bei der
Wandlerautomatik allerdings sind Elektromotor, Generator
und Verbrenner in die Mechanik eingebaut. Selbstverständlich
entfällt der Wandler, weil ja stets elektrisch angefahren
wird. Verschiedene Übersetzungsverhältnisse und
deren Organisation ergeben sich aus den Widerständen
und Drehzahlen von Elektromotor und Generator, welche jeweils
mit dem Hohlrad respektive Sonnenrad verbunden sind.
Somit wäre dem potenziellen Käufer
die Angst vorm Umgewöhnen genommen. Wenn der kernige
Benziner am Vortrieb beteiligt ist und er ist es häufig,
gerät schnell in Vergessenheit, dass man Hybrid fährt.
Und wie wirkt die aufwändige Technik auf das Sparpotenzial
aus? Immerhin gelobt das Werk einen Stadtverbrauch von fünf
Litern und weist dem Prius gar einen Verbrauch von nur 4,2
Litern auf der Landstrasse aus.
Erstaunlicher noch: Toyota verspricht, dass die Abgaswerte
insbesondere HC und NOx die Euro-4-Marke gravierend
unterschreiten (rund 90 Prozent). Klar ist schließlich:
Sobald der Verbrenner in einen ungünstigen Betriebsbereich
fällt, greift ihm der E-Motor unter die Arme. Ausdauerndes
Vollgasfahren hingegen dürfte die Verbrauchsbilanz trüben.
Und der Prius an sich? Da steht eine gefällige Limousine
im Format der Mittelklasse mit viel Platz vorne und hinten.
Ein vollwertiges Auto ist dieser High-Tech-Toyota ohne zweifel.
Das Interieur haben die Designer stilsicher gezeichnet
es lässt sich überdies mühelos als markenzugehörig
identifizieren.
Eine ausgeprägte Tastenkultur unterstreicht den Technik-Charakter
des Fahrzeugs und polarisiert damit schließlich
gibt es Freunde und Gegner verspielter Armaturen.
 |
 |
| |
Auch von hinten keine
schlechte Partie |
|
 |
|
Praktische Eigenschaften bekommt der
Kunde selbstverständlich frei Haus mitgeliefert. Dafür
sprechen 410 Liter Kofferraumvolumen in der Grundeinstellung.
Dieses lässt sich auf bis zu 1.210 Liter erweitern, um
kurzfristig erhöhtem Platzbedarf gerecht zu werden.
Sicherheit, Komfort und Luxus sind dem ausgefallenen Japaner
ebenso kein Fremdwort. Schon die 23.900 Euro teure Basis (Sol)
verfügt über Front-, Kopf- und Seitenairbags, Antiblockiersystem
und elektronisches Stabilitätsprogramm. Ferner machen
Audiosystem inklusive CD-Player und RDS-Radio, elektrische
Fensterheber vorn und hinten, automatisch abblendender Innenspiegel
und Klimaautomatik den Aufenthalt angenehmer.
Ganze 1.500 Euro Aufpreis erfordert die Executive-Line; allerdings
bietet sie zusätzlich Nebelscheinwerfer, ein besseres
Klangsystem mit CD-Wechsler, schlüsselloses Schließsystem
sowie einen Tempomat.
Demnach bleibt nicht viel Platz für Sonderausstattungen.
Zwei an der Zahl gibt es allerdings: Da wäre das umfangreiche
Navigationssystem mit Europa-DVD für 2.400 Euro und eine
Metallic-Lackierung (400 Euro).
Fazit:
Der Toyota Prius ist in seiner Neuauflage mehr denn je ein
vollwertiges Auto, das weit mehr darstellt als der Versuch,
eine neue Technik dem Strassenalltag auszusetzen. Er lässt
sich ohne Aufwand bedienen, verfügt über viel Platz
wie Komfort, und man kann ihn für verhältnismäßig
wenig Geld erstehen. Schließlich rollt er schon in Grundausstattung
fürstlich ausgestattet vom Band. Und weil inzwischen
auch die Optik stimmt, darf man zuversichtlich sein, die geplanten
1.500 bis 2.000 bis zum Jahresende abgesetzt zu haben. In
Sachen Haltbarkeit und Zuverlässigkeit tritt der Hersteller
die Flucht nach vorn an: Für alle Fälle schützt
den Käufer eine Garantie auf die Hybrid-Komponenten
sie gilt acht Jahre respektive 160.000 Kilometer. Wenn das
kein Wort ist.
|