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Land
Cruiser. Irgendwie hat den Namen jeder schonmal
gehört, schließlich ist er Tradition.
Schon seit den Fünfzigerjahren steht der
Modellname für robuste Geländetechnik
aus Japan. Die aktuelle Ausführung der 100er-Reihe
wurde 1998 eingeführt, 2002 gründlich
überarbeitet und voriges Jahr nochmals leichten
optischen Retuschen unterzogen. Farblich modifizierte
Rückleuchten mit LED-Bremslichtern bekunden,
dass dieser Geländewagen durchaus der Moderne
angehört, obwohl er den klassischen Stil
der Kastenform pflegt.
Und die Bezeichnung "Geländewagen"
hat der ausladende Land Cruiser 100 redlich verdient.
Dabei ist die kleine Zahl als Zusatz durchaus
wichtig, schließlich gibt es zwei Land Cruiser-Versionen.
Der hier behandelte Einhundert nimmt die Spitzenposition
ein, und der Hersteller ließ keine Chance
aus, diesen Umstand eindrucksvoll zu demonstrieren.
Satte 4,89 m Außenlänge, die üppige
Breite von 1,94 Metern und der mannshohe Aufbau
(1,88 m) zeigen, was Sache ist. Unter dem Blech
gibt es denn robuste Allrad-Technik alter Schule.
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| Wuchtig:
Dieser 4x4 ist mannshoch |
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So basiert der große
Toyota auf einem Leiterrahmen, was eine maximale
Stabilität der Karosserie verspricht. Mit
einem komplett höhenverstellbaren Fahrwerk
sollten größere, mit Baumstämmen
gespickte Schlammpassagen kein unüberwindbares
Hinderniss darstellen. Für ernstere Vorhaben
bietet der Japaner eine Geländereduktion
samt gesperrtem Mitteldifferenzial.
Hält denn das in der Dämpfercharakteristik
variable Fahrwerk auch den vom Werk angepriesenen
Komfort? Nun, die weiche Auslegung sorgt in der
Tat für wohlige Stimmung an Bord. Lange Federwege
lassen Höcker auf der Fahrbahn so gut wie
dahinschmelzen, und selbst kurze Bodenwellen werden
äußerst geschmeidig überrollt,
eine Disziplin, an der manche gestandene Limousinen
scheitern. Dafür behagen dem rund zweieinhalb
Tonnen schweren Schiff schnelle Fahrten weniger.
Den Geradeauslauf beeinflussen vor allem die breiten
Pneus im 18-Zoll-Format (Executive, sonst 17-Zoll)
sowie der Wind, dem die kantige Form eine perfekte
Angriffsfläche bietet. Dass der Land Cruiser
eher gemäßigt durch Windungen dirigiert
werden sollte, versteht sich von selbst. Träge
und stoisch wie ein großer Kreuzfahrt-Liner,
aber ebenso gelassen und sicher wühlt sich
der Japaner über das Pflaster. In städtischen
Regionen flucht man über den großen
Wendekreis, auf dem Land und der großen
Piste fühlt man sich wie in einer festen
Burg.
Zu jenem Gefühl trägt natürlich
auch der verbaute Selbstzünder bei; und zwar
handelt es sich hier um eine Sorte, die vom Aussterben
bedroht ist: Reihensechser, mächtiger Hubraum
und gusseisern, aber immerhin vier Ventile pro
Zylinder sind jene Eckdaten, die auf den ersten
Blick in Erinnerung bleiben. Doch halt, war da
nicht noch etwas? Na klar, kein Rail, keine Hochdruckpumpe.
Dieses Triebwerk ist ein einfacher Direkteinspritzer
mit Verteiler-Einspritzpumpe sowas gibt
es noch, man staune. Und der Brocken gibt gar
keine schlechte Figur ab. Etwas grummelig knottert
die langhubig ausgelegte Großkolbenmaschine
nach dem kaltstart los sobald das Öl
jedoch etwas Wärme abbekommen hat, erreicht
ihre Laufkultur ein ansehnliches Niveau.
Auch die Leistung kann sich sehen lassen. Mit
204 PS sollte ein Allradler selbst von schwerem
Kaliber gut zurechtkommen. Die Praxis zeigt es
denn, sogar im Gebirge, wo der Testwagen zeitweise
eingesetzt wurde, schiebt der Diesel das Schiff
mit Gelassenheit, jedoch niemals hektisch voran.
Im Bereich von 1.200 bis 3.200 Touren dürfen
430 Newtonmeter abgerufen werden, was heute sicher
keinen Spitzenwert darstellt, aber kaum von Pappe
ist. Mit Rücksicht auf den Kupplungsverschleiß
sollte von einem (zwar lieferbaren) Schaltgetriebe
abgesehen werden. Wer häufig mit schweren
Anhängern unterwegs ist, kann davon ohnehin
ein Lied singen.
Der Fünfgangautomat passt ganz wunderbar
zum Charakter des King-Size-Diesels. Unauffällig
sortiert er sämtliche Fahrstufen und lässt
den Riesen dank weicher Wandlerauslegung sanft
anrollen. Was will man schließlich mehr?
Komfortabel reisen natürlich. Das geht beispielsweise
bei heißem Wetter richtig gut, denn die
Klimaautomatik glänzt mit viel kühler
Luft.
Luftig präsentiert sich denn auch die Fahrgastzelle,
obwohl der Anblick des 4x4 von außen auf
mehr Beinfreiheit im Fond schließen lässt.
Über Platzmangel jedoch kann sich nicht beschwert
werden. Außer, man verfrachtet den sechsten
Fahrgast auf die gegen Mehrpreis lieferbare dritte
Sitzbank. Wer die schwere Konstruktion erstmal
unter Mühe installiert hat, wird schnell
feststellen müssen, dass es sich tatsächlich
um ein Kompromissgeschäft handelt. Allenfalls
Kinder reisen hier gern für längere
Zeit; dann aber schwindet die Staufläche
für anfallendes Gepäck.
Ungetrübten Blick auf die vor vier Jahren
renovierte Armaturentafel freilich gibt es lediglich
in der ersten Reihe. Ganz nach der Regel japanischer
Tradition finden die Passagiere viele Tasten und
viele Funktionen, die nach kurzer Zeit aber sitzen.
Executive-Kunden dürfen sich über den
großen Touchscreen freuen, der einige Knöpfchen
entbehrlich macht.
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| Große
Klappe und viel dahinter... |
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Überhaupt bietet jene
Ausstattungslinie alles, was gut und teuer ist,
frei Haus. Merkmale wie Antiblockiersystem, Front-,
Kopf- und Seitenairbags sowie elektronisches Stabilitätsprogramm
bedürfen selbstverständlich keiner Diskussion.
Dass der Land Cruiser über ein System verfügt
(VGRS), welches die Lenkübersetzung je nach
Fahrgeschwindigkeit anpasst, sollte aber zu denken
geben, wenngleich davon in der Praxis kaum etwas
zu spüren ist. Überdies gibt es eine
Alarmanlage, Bordcomputer, elektrische Fensterheber
vorn und hinten, ein elektronisch geregeltes,
hydropneumatisches Fahrwerk mit automatischem
Niveauausgleich an Vorder- und Hinterachse, einen
automatisch abblendenden Innenspiegel, Klimaautomatik,
Lederpolster, Leichtmetallräder, ein elektrisch
einstellbares Lenkrad, DVD-Navigationssystem,
Radioanlage inklusive CD-Wechsler, Regensensor,
elektrisch verstellbare Sitze mit Memory-Schaltung,
Sitzheizung, elektrisches Glas-Schiebe-Hebedach,
Tempomat sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Und kaum jemand ahnt, dass die Automatikversion
in Executive-Ausführung mit 68.300 Euro schon
fast in Mercedes SL-Kreisen angekommen ist. Ein
stolzer Preis für jede Menge Auto jedoch,
das muss klar gesagt werden. Ein Hauch Understatement
schwingt übrigens dennoch mit, so gewaltig
der Land Cruiser 100 auch anmutet britischer
Landhaus-Stil à la Range Rover dürfte
den Neidern in diesem Land mehr Kopfschmerzen
bereiten.
Sonderausstattungen gibt es dabei lediglich ganze
zwei: So kostet die Metallic-Lackierung 800 Euro,
und gegen 2.300 Euro bekommt der Käufer die
berühmt-berüchtigte dritte Sitzbank,
welche allerdings mit einer weiteren Klimaanlage
im Fond sowie einem separaten Audiosystem kombiniert
ist. Wenn das die Reisefreude mal nicht perfekt
macht.
Fazit: Der
Toyota Land Cruiser 100 4,2 Turbodiesel ist ein
gewaltiger Luxus-Geländewagen mit einem Triebwerk
für die Ewigkeit. Doch neben Langlebigkeit
gibt es viel Fahrkomfort, und zur ausgeprägten
Geländefähigkeit in der Kiesgrube gesellen
sich Reisequalitäten auf dem Asphalt. Ganz
billig ist das Vergnügen mit dem großen
Toyota indessen nicht, doch wahre Fans lassen
sich vom Preis kaum erschüttern. Wer es sich
leisten will und kann, lebt mit dem größten
4x4 der Modellpalette ganz hervorragend.
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