Vielleicht war Toyota nicht ganz so früh dran sowohl mit Autos als auch Geländewagen wie manch anderer Automobilhersteller – aber die Verbreitung des seit 1951 ausgelieferten Land Cruisers auf der Welt ist schon beeindruckend. Bis heute bauen die Japaner mindestens so leistungsfähige Kraxler wie der schärfste Wettbewerber. Im folgenden Special geht es um Land Cruiser und den größeren Bruder Land Cruiser V8.
Der 4,7-Liter-Ottomotor klingt natürlich noch mehr nach Leidenschaft; nach dem Starten dreht er kurz hoch und lässt durch mildes Bollern erkennen, wie viele Kolben unter der wuchtigen Motorhaube auf- und abgleiten. Der freundliche Händler verweist im Bedarfsfalle gerne gen Süden. Wer keine langen KFZ-Einkaufsreisen unternehmen will, greift also zum Selbstzünder, der mit 286 PS ebenfalls ganz schön kräftig ausfällt. Es dürfte sich um den stärksten Diesel handeln, den Toyota Deutschland bisher im Programm hatte. Dennoch sind keine großen fahrdynamischen Wunder zu erwarten, schließlich hat der Achtzylinder mit den mindestens 2,7 Tonnen der Karosse eine Menge zu schleppen. Fast fünf Längenmeter misst der große Geländewagen und tummelt sich somit in Oberklasse-tauglichen Gefilden. Aber nicht nur in der Länge schlägt der V8 seinen kleinen Bruder, es gibt außerdem sechs Zentimeter mehr Radstand, was den Aufenthalt im Fond noch luftiger gestaltet. Vor allem die Beinfreiheit fällt üppig aus, wie überdurchschnittlich große Menschen schnell feststellen. Mit 2.320 Litern Gepäckvolumen ist Toyotas größter Allradler selbstverständlich der bessere Lademeister – knapp unter 2.000 Liter kann der 150er transportieren, keineswegs verachtenswert.
Ach ja, geschaltet wird beim V8 ausschließlich per Wandlerautomatik mit sechs Fahrstufen. Und natürlich bewegt sich das Dickschiff munterer vom Fleck als der vierzylindrige Verwandte. In fast schon rasanten 8,2 Sekunden sollen 100 Sachen erreicht werden, während der Vortrieb bei 210 Stundenkilometern endet. Und wahrhaftig: Die Vertikalbeschleunigung kann sich zeigen, wenn 650 Nm (schon ab 1.600 Touren) das Wandleröl in Wallung bringen, gibt es kein Halten mehr. Dann krallen sich die vier Pneus in den Asphalt und rotieren mit Urgewalt. Allein Querbeschleunigung ist für das mächtige Fahrzeug kein wirkliches Thema. Windungen werden mit Seitenneigung beantwortet, was der Aufforderung "hey, lass' es bitte ruhig angehen" gleichkommt. Dann lieber doch ein paar Hindernisse knacken, darin ist auch der luxuriöse Topliner mindestens so fit wie sein preiswerterer Namensvetter in kleinerer Ausführung. Der tiefe Griff in die Technik-Kiste macht es auch in puncto Geländefahrten wenig bewanderten Fahrern möglich, halbwegs heil durch Schlammstrecken zu kommen. Ein bisschen Mut ist jedoch erforderlich, um Hügel und Co. zu bezwingen – schließlich will man die teure Fuhre nicht beschädigen.
Wie war das noch gleich – etwas Schwund ist immer? Aber nein, daher im Zweifelsfalle bitte immer den Geländetempomat (bei Land Cruiser V8 serienmäßig) einschalten – die perfekte Hilfe, um sich aus im wahren Sinne des Wortes festgefahrenen Situationen herauszumanövrieren. Das System hält stets Schrittgeschwindigkeit ein, so starke Gefälle man auch befährt; darüber hinaus trägt es Sorge dafür, dass sämtliche Räder weder blockieren noch durchdrehen, um das Fahrzeug stabil zu halten. Klappt in der Praxis sogar ganz gut und fühlt sich quasi an wie die inzwischen schon angejahrte Bergabfahrkontrolle auf der Ebenen. Schwierige Wegpassagen berücksichtigt die Elektronik, bemüht die entsprechenden Vortriebssysteme und dosiert Gas wie Bremse selbsttätig – und zwar wesentlich sensibler, als es sogar geübte Fahrer können. Mit der neuen Modellgeneration des Land Cruiser hält dieses Feature auch in der kleinen Toyota-Geländewagen-Ausbaustufe Einzug. Ebenso bieten beide Ausführungen viel Hightech im Fahrwerksbereich – variable Dämpfer inklusive Höhenverstellung sind bestellbar, wenngleich für den V8 keine luftgefederte Hinterachse zu bekommen ist. Der Geschmeidigkeit in der Auseinandersetzung mit schlechten Straßen tun die Stahlfedern allerdings keinen Abbruch.
Als Entschädigung für die Psyche fällt die Fahrgastzelle geringfügig luxuriöser aus mit obligatorischer Holztäfelung. Viele Ablagen bietet die Nummer 150 ebenfalls, ausufernde Breite dagegen ausschließlich das Topmodell, das mit seinen knappen zwei Metern zur Vorsicht auf engen Baustellen-Spuren mahnt und gleichzeitig einlädt zum Italien-Ausflug nonstop. Währenddessen lernt man auch mit den unzähligen Schaltern umzugehen, wobei diese sich quantitativ noch in Grenzen halten – zumindest für japanische Luxusauto-Verhältnisse. Ein Teil der Funktionen übernimmt das recht intuitiv zu bedienende Menüprogramm, zu finden auf dem großen Touchscreen – gut einsehbar, mittig und hoch genug auf der Konsole positioniert. Zwei hervorragend abzulesende Rundinstrumente mit tiefen Skalen bringen einen Funken Leidenschaft in die Wohnstube, die übrigens durch hochwertige Verarbeitung überzeugt. Okay, der Handbremshebel hätte vielleicht etwas unauffälliger platziert werden können, aber alles kann man eben nicht haben. In Stufe P ist er ohnehin überflüssig. Dank breiter Mittelarmlehne wird es wohnlich und bequem, die üppigen Fauteuils sorgen ihrerseits für feines Wohlbefinden, das auch nach langer Fahrt keineswegs abebbt.
Sei das letzte Wort der Preisliste zugestanden, und hier besteht sicher Diskussionsbedarf, weil die Anschaffung eines Land Cruiser V8 sicher kein alltägliches Unterfangen darstellt, ist es immerhin mit mindestens 72.600 Euro verbunden. Für diesen Gegenwert gibt es nicht nur viel Auto, sondern auch viel Ausstattung: Alarmanlage, Antiblockiersystem, acht Airbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Bergabfahr-Kontrolle, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Bordcomputer, CD-Wechsler, automatisch abblendender Innenspiegel, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Parksensor, Radio, Regensensor, Scheinwerfer-Reinigungsanlage, schlüsselloses Schließsystem, elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Tempomat. Satte 11.200 Euro Aufpreis erfordert der Executive – und stellt dafür ein sattes Ausstattungsplus in Aussicht: Aktives Fahrwerk, automatisch abblendbare Außenspiegel, Festplatten-Navigationssystem, Lederpolster, elektrisch verstellbare Lenksäule, Pre-Crash-System, Rückfahrkamera, elektrisches Glas-Schiebehebedach, elektrisch verstellbare Sitze, Sitzheizung sowie Soundsystem. Die Sonderausstattungsposten sind übersichtlich: Gegen 950 Euro Mehrpreis rollt der Land Cruiser V8 in Metallic aus dem Showroom, und die dritte Sitzreihe schlägt mit 2.300 Euro zu Buche.
Fazit: Land Cruiser-Fahrspaß reicht von erschwinglich bis extrem teuer, von hemdsärmelig bis luxuriös. Schön, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist, doch im Grundcharakter unterscheiden sich die robusten Alleskönner nicht: Sie sind auch in modernen Zeiten langlebig wie unzerstörbar.