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Da
rollen sie nun, an die 190 Fahrzeuge viele
mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel
zockeln durch den östlichen Teil der
Republik. Manche fegen auch in beachtlichem Tempo
über die Straßen Sachsens. Der Jaguar
XK 140 DHC hat es beispielsweise drauf; Ende der
50er erstmals das Licht der Welt erblickt und
schon damals über 200 Pferdchen unter der
geschwungenen Front. Solange ihn keine Kurven
einbremsen, donnert dieser Brite auch heute noch
den meisten Verkehrsteilnehmern auf und davon.
Es ist ein sonniger Einstand, dieser frühe
Donnerstag; Nervosität herrscht freilich
auf dem großen "Platz der Völkerfreundschaft",
wo sich schon lange vor dem Start viele Oldies
samt ihren Fahrern und natürlich auch Besucher
tummeln. Prominenz ist angesagt wo sind
nur die Größen wie Jan Hofer oder Peter
Sodann? Mit solchen Fragen beschäftigt sich
der Mercedes-Cabrio-Fahrer gerade nicht. Nur mit
der Hilfe des Pannendienstes konnte sein Fahrzeug
wieder zur Bewegung überredet werden, nachdem
es bereits am abendlichen Mittwoch prompt liegenblieb.
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| Schnörkellos:
Das Hotel Friesen |
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Dagegen herrscht im beschaulichen
Werdau noch Ruhe. Die rund 25.000 Einwohner zählende
Stadt liegt etwa acht Kilometer von Zwickau entfernt
und ist vollständig mit dem Classic-Virus
infiziert. Das bekommt auch Michael Jubelt vom
Hotel Friesen zu spüren, denn sein kleiner
Familienbetrieb kann sich über mangelnde
Auslastung kaum beklagen. Das an der Schwelle
zum vierten Stern kategorisierte Haus bietet durchaus
soliden Komfort. Geräumige, schnörkellos
ausgestattete Zimmer erwarten den Hotelgast, und
die Küche bietet ordentliche Hausmannskost.
Der regional angehauchte Sauerbraten mit Klößen
kostet 7,50 Euro das stimmt freundlich.
Im Foyer ausliegende Informationsfolder von der
großen Oldie-Rallye klären den Gast
über die Veranstaltung auf, und im Frühstücksraum
stehen Modellautos der Hotelbesitzer muss
also ebenfalls ein Autofan sein. Er selbst fahre
zwar nicht mit, versicherte er, doch die Verbindung
zum Automobil sei da. Die Teilnehmer der pompösen
Ausfahrt müssen da schon wahre Vollblut-Freaks
sein, schließlich dreht sich drei Tage lang
alles um das rollende Blech.
Über die erste Etappe dürfen sich allein
die Bürger in und um Zwickau sowie alle Angereisten
freuen. Gleichmäßigkeitsfahrten auf
dem Sachsenring und idyllische Örtchen durchreisen,
danach gehts wieder zurück zum Startpunkt
so sieht das Programm dieses ersten Tages
aus.
Grollend bewegt sich der schlichte Mustang Richtung
Straße; der Ami weckt Erinnerungen an Whopper
& Co. Allerdings kommt auch der Autogourmet
auf seine Kosten. Freunde des gepflegteren V8-Umgangs
lauschen stattdessen lieber dem eleganten Bentley
T1, welcher nur leicht säuselnd und mit erhobener
Nase die Flucht nach vorn antritt.
Dagegen ist das Boxer-Rasseln des Volkswagen SP
2 von ganz anderer Natur. Kultivierter Motorenlauf
sieht gewiss anders aus, doch das nach Studie
aussehende Coupé ist eine wahre Seltenheit
in diesen gefilden, war es doch für den brasilianischen
Markt bestimmt.
Fans der Vorkriegs-Automobilität bekommen
mit der Sachsen Classic übrigens ein besonderes
Schmankerl geboten.
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| Über
180 Fahrzeuge rollen nach Dresden |
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Fast 40 Spezialitäten
aus den Dreißiger- und frühen Vierzigerjahren
rollten dieses Jahr durch die sächsischen
Städte und Provinzen. Ein gutes Drittel davon
entfallen bezeichnenderweise auf die Hersteller
Horch und Wanderer kein Wunder, da die
Marken doch im Osten des Kaiserreichs gegründet
wurden und in der Weimarer Republik das Laufen
gelernt haben.
Zu den imposanten Luxuskarossen gehören zweifellos
jene Gefährte, welche auf den Namen "Horch"
hören. Achtzylindermotoren waren hier durchweg
Standard, V12-Triebwerke seltener, aber durchaus
lieferbar, während Wanderer den Reihensechser
bevorzugt.
Ein anderer Schwerpunkt liegt in den Ostmarken.
Frühe Skoda-Modelle prägen das Bild
ebenso wie DDR-Automobilismus, der in Form von
Melkus-Sportwagen, einem Wartburg-Cabrio oder
einer Limousine des Herstellers "Sachsenring"
vertreten wird. An Liebhabern der Ostalgie-Produkte
mangelt es jedenfalls nicht, schließlich
mutieren sie langsam aber sicher vom Massenobjekt
zur Rarität.
Ein bunter Haufen also, der hier jedes Jahr beobachten
werden kann. Von Ostalgie allerdings ist kaum
etwas zu spüren. Das Flair der italienischen
und englischen Klassiker ist durchdringend; die
Ost-Auslese bringt einen Hauch exotischer Spannung
in das Event, und die Vorkriegs-Vehikel rufen
Reminiszenzen an den damals schon erstklassigen
sächsischen Automobilbau auf den Plan, welcher
BMW und Volkswagen sei Dank bis
heute blüht.
Veranstaltet wird die große Ausfahrt von
den vereinigten Motorverlagen Stuttgart
dass auch ein paar Teilnehmer dem Redaktionsteam
der "Auto Motor und Sport" angehören,
erhöht möglicherweise das Interesse
einiger Autofans.
Da schwingt zwangsläufig ein wenig Exklusivität
mit, wenn die Kolonne teuren Blechs sich Richtung
gläserne Manufaktur bewegt, wo heute nicht
nur die Luxuslimousine Phaeton, sondern auch der
eine oder andere Bentley zusammengesetzt wird.
Plötzlich lugt ein profaner Ford Capri RS
im Mokkaton zwischen Größen wie Mercedes
300, BMW 503 und Rolls Royce Silver Cloud hervor.
Wie schön, dass die Sachsen Classic auch
ein Stück bürgerliche (Otto-)Normalität
verkörpert.
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