Sie sind ziemlich gleich: Dreiliter-V6 mit Commonrail-Einspritzung als Herz, zwei Türen und die Herkunft. Und doch sind sie wiederum so verschieden: Der eine sanft, der andere rau, der eine mit Ecken und Kanten, der andere geschliffen – besser oder schlechter ist keines der beiden Coupés von Peugeot und Renault, ob die Wahl auf den 407 oder den Laguna trifft, ist eine Frage des Charakters. Und der soll im folgenden Special analysiert werden.
er sich ein bisschen mit Autos auskennt, schaut zumindest mal hin, wenn einer der beiden Franzosen unverhofft im Straßenbild auftaucht. Das Peugeot-Coupé tut es gefühlt noch etwas öfter, klar, es befindet sich bereits seit einem halben Jahrzehnt auf dem Markt, während der zweitürige Laguna erst rund zwei Jahre erhältlich ist. Und sein Erscheinen gleicht fast einer kleinen Sensation, schließlich war das letzte, wirklich emotional aufgeladene Coupé der Marke im Jahre 1995 zu haben – die legendäre Alpine. Freilich ist das frische Mittelklasse-Coupé konzeptionell keineswegs mit der Alpine zu vergleichen; ein rassiger Sportwagen ist der Laguna nämlich mitnichten, dafür ein vornehmer Segment-Vertreter mit ruhiger Optik. Das Heck mit den schlanken LED-Leuchten weckt Assoziationen an Aston Martin, und die Front erinnert an das Fiat Coupé aus den Neunzigerjahren – wenn das keine Skurrile Mischung ist. Vor allem in gedeckten Tönen rollt da ein eleganter Tourer unter die Augen seiner Betrachter, der durchaus luxuriöse Züge trägt. Anders der Peugeot. Das 407 Coupé ist kein Hingucker auf den ersten Blick. Eher unauffällig fährt der deutlich größere Zweitürer durch die Straßen und könnte schon als obere Mittelklasse durchgehen – über 4,8 Längenmeter misst der ausladende Fronttriebler schließlich, was ihn an den oberen Rand des Segments befördert.
Auf die Vorderräder übrigens wirkt die Motorkraft auch bei Bruder Laguna – einlenken dagegen können alle vier, was dem Zweitürer ein durchweg agiles Handling beschert. Bei niedrigen Tempi drehen die Hinterräder genau in entgegengesetzter Richtung zu den vorderen Pneus ein, um einen kleinen Wendekreis zu ermöglichen. Oberhalb von 60 Stundenkilometern wird hinten konform zu vorn gelenkt; das Ergebnis lässt sich in der Praxis im wahren Sinne des Wortes erfahren. Jenseits der Autobahn – am besten auf windungsreichen Landstraßen – legt das Coupé (eigentlich völlig konträr zu seinem Charakter) zügige Runden auf den Asphalt und gibt damit ein weitaus agileres Bild ab, als man angesichts der Fahrzeugkategorie vermuten würde. Willig durchläuft der Diesel Kehren, bis er untersteuernd und mit Hilfe der Elektronik sanft eingebremst wird. Dabei unterstützt freilich die zielgenau arbeitende Servolenkung, ohne das Gefährt zur Vollblut-Sportlichkeit zu drängen. So viel High-Tech im Bereich Fahrwerk bietet der Peugeot dagegen nicht auf – es gibt allerdings elektronisch justierbare Dämpfer, die Renault-Kunden weder für Geld noch gute Worte bekommen. Ganz anders verhält der 407 sich auf der Landstraße, viel indirekter, aber auch behutsamer geht er Kurven an – wird allerdings auch früher langsamer.
Fahrkomfort steht hier an erster Stelle, gut abgeschottet gleiten sämtliche Insassen an jegliche Ziele – die milde Dämpferabstimmung kassiert langwellige Autobahnschnitzer ebenso wirkungsvoll wie hartnäckige Frosthinterlassenschaften, wenngleich die Vorderachse noch einen Tick sensibler reagieren könnte, um mal auf hohem Niveau zu meckern. Was würde hier besser passen als der bestens bekannte Flüsterdiesel mit sechs Zylindern? Auch im 407 sind es inzwischen drei Liter Volumen, die befüllt werden wollen – laut Werk allerdings nicht so üppig wie das 2,7 Liter große Vorgänger-Aggregat. Tatsächlich lässt sich der V6 im gemischten Betrieb mit deutlich unter acht Litern fahren – für einen stattlichen 1,8-Tonner mit 240 Pferdchen kein schlechter Wert. Exakt drei Liter Hubraum offeriert auch der Laguna; aus ganz anderem Holz indessen ist der ebenfalls per Commonrail-Vorrichtung einspritzende Motor geschnitzt. Kerniger im Naturell und ähnlich bullig – beide stemmen 450 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle – wird die Power an das obligatorische Sechsgang-Automatikgetriebe weitergereicht, so dass die Gummisohlen auf Wunsch des Fahrers jederzeit kapitulieren und mehr Abrieb als nötig in Form schwarzer Striche auf dem Straßenbelag zurücklassen. Ein Quäntchen giftiger als der Peugeot scheint sich das kompaktere Coupé in Bewegung zu setzen – vielleicht liegt es an der Geräuschentwicklung oder der Streuung, die kürzere Achse jedenfalls steckt im Löwen-Auto.
Und das schiebt nachdrücklich, aber betont sanft in Längsrichtung; am besten surft man auf der gewaltigen Drehmomentwelle, um mühelos – wie an einem starken Gummiband gezogen – Fahrt aufzunehmen. Hohe Drehzahlen in der Hinterhand? Nicht mit diesem V6, dessen Power bereits lange vor dem Ende der Markierungen auf der linken Skala gemächlich versandet. Also schnell die Übersetzung wechseln, lieber Wandlerautomat – das tut er in der Tat prompt und auch noch völlig geschmeidig, unabhängig vom Lastzustand. So bewegt sich der Franzose stramm auf die 200 km/h-Marke zu und behält nach Erreichen derselben noch immer Reserven. Ähnlich verhält sich der Laguna, der im oberen Geschwindigkeitsbereich allerdings eher leichtfüßig wirkt und somit etwas nervöser. Schnelle Kurbelwellenrotationen wirken hier lebendiger, das ganze Auto fühlt sich kompakter an, irgendwie agiler und fahraktiver. Das bedeutet keineswegs weniger Fahrkomfort: Auch der kleinere jener beiden Zweitürer versteht es, auf langen Strecken den souveränen Gentleman zu geben. Etwas härter wird hier zwar abgerollt, aber holprigen Wegen dennoch der Garaus gemacht. Keine Chance ebenso für Unebenheiten auf der schnellen Piste, da kann der Renault nötigenfalls auch mal fein nachschwingen und sein tendenziell drahtiges Gesicht verstecken.
Aber freilich nicht lange, denn die Sitzeinheiten versprühen nicht gerade den Charme von Opas Sofa. Straffe Sessel empfangen den Passagier demnach; ausgeprägte Wangen deuten an, dass härtere Gangart kein Problem darstellt. Andererseits taugt das Gestühl für kommode Fernreisen und verhindert verfrühtes Ermüden. Der Fond nimmt zwei erwachsene Gäste großzügig auf und versteckt sie in den deutlich konturierten Kuhlen. Kniefreiheit ist für den gewöhnlichen Mitteleuropäer jedenfalls keiner Rede Wert. Auch vorn wird kaum über Raumfragen diskutiert, und selbst die schicke, aber breit ausfallende Mittelkonsole wirkt sich keinesfalls einengend aus. Dafür aber praktisch, denn ihr Staufach nimmt die eine oder andere Kleinigkeit auf. Und als Entschädigung für die Viersitzigkeit gibt es hinten neben jeder Menge Bewegungsfreiheit natürlich auch eine Minimal-Versorgungsmöglichkeit in Form einer ausklappbaren Armlehne mit Cupholder. Ach ja, und das Coupé birgt ungeahnte praktische Fähigkeiten, so lassen sich die Rücksitzlehnen beispielsweise ganz einfach auf Tastendruck umklappen, so dass ein ebener Boden bis zu den Vordersitzen entsteht. In diesem Fall können nahezu 1.000 Liter Gepäck transportiert werden. Aber auch der Peugeot-Laderaum lässt sich mittels umklappfähigen Lehnen zum ordentlichen Gepäckschlucker erweitern.