Durch Renaults Modellgeschichte ziehen sich mehr oder weniger heiße Ableger profaner Serienmodelle wie ein roter Faden. R5 Turbo, Alpine A610, Safrane Biturbo und Clio V6 dienen als Beispiele für Performance-Kandidaten von zart bis extrem. Die aktuelle Modellpalette bietet Liebhabern rasanter Automobilität relativ alltagstaugliche Ware: Clio RS sowie Megane RS buhlen mit Leistungen jenseits der 200 Pferdchen um die Gunst der Käufer. Fahrbericht.
Beim Clio gibt es – Stichwort Bildschirm – maximal einen Monitor – nämlich den für die Straßenkarte des optionalen Navigationssystems. Ansonsten präsentiert sich das Interieur des Kleinwagens fast schon puristisch und natürlich entsprechend aufgeräumt. Auf unnötigen Schnickschnack wird verzichtet, der Start-Stopp-Knopf entspricht dem Zeitgeist, und ein wohltuender Farbklecks in der schwarzen Kunststofflandschaft findet sich im linken, großen Rundinstrument: Der Drehzahlmesser. Becherhalter und klimatisiertes Handschuhfach gehören zu den Annehmlichkeiten auf der Langstrecke, die man modernen Kleinwagen ja schließlich problemlos zumuten kann. Denn das Platzangebot überzeugt vorn wie hinten, wenngleich der Fond besonders großgewachsenen Menschen naturgemäß kein besonders guter Freund ist auf Dauer. Dem Fahrer dafür das knackig schaltbare wie kurz übersetzte Sechsgang-Getriebe. Wer mit Druck ums Eck fegen will, sollte hier auch beflissen Hand anlegen, schließlich braucht der Sauger Drehzahlen, um seine Power zu entfalten. Der Megane kann, muss aber nicht drehen. Schaltfaules Dahingleiten nach Tourermanier erlaubt der Kraftprotz ohne Mühe.
Limitierte Autobahn-Abschnitte können mit Tempomat-Einsatz entspannt angegangen werden; dabei schweift der Blick über Instrumente nach dem Muster des letzten Renault-Anstrichs. Weniger zerklüftete Flächen und vor allem eine stark vereinfachte Bedienung räumen auf mit alten Klischees der Marke. Klima- und Radiobedienung liegen ordentlich zur Hand und geben keine Rätsel auf. Genügend Ablagefläche inklusive Cupholder sorgen auch im Megane für das richtige Maß an Wohlfühlfaktor; außerdem stimmt die Verarbeitung sämtlicher Materialien, die sich erstens gut anfühlen und zweitens keinerlei Klappergeräusche von sich geben. Und sonst? Beide Offerten brocken dem Eigner keine Abstriche in der Praxisfreundlichkeit ein – beide verfügen nämlich über umklappbare Rücksitzlehnen, was sie im Bedarfsfalle kurzerhand zu Großeinkauf-fähigen Nutztieren avancieren lassen. Über tausend Liter Gepäck schlucken ebenfalls beide, damit kann man leben. Leben kann man auch mit den angepeilten Durchschnittsverbräuchen von 8,4 Litern beim Megane RS und 8,3 Litern beim schnellsten Clio. Leistungsstarke Fahrzeuge müssen keine maßlosen Trinker sein, klarer Fall.
Generell haben sich die Zeiten geändert: Waren Supersportler mit enormen Fahrleistungen früher der automobilen Oberschicht vorbehalten, handelt es sich heute um durchaus bezahlbare Lösungen. Und insbesondere der Megane RS gehört zu den Beschleunigungsassen auf den Straßen. Weniger als 14 Sekunden benötigt er für den Sprint auf 160 km/h – und zeigt einem in etwa gleich teuren Golf GTI damit die Rückleuchten. Ein Golf R, der vergleichbar oder geringfügig besser beschleunigen dürfte als der Megane, kostet mit mindestens 36.400 Euro so viel mehr wie ein fabrikneuer Kleinstwagen. Und die französische Lebensart ist ja ohnehin unbezahlbar, für den einen oder anderen Autofan jedenfalls trifft das zu. Butter bei die Fische: Wie stark wird das Konto also belastet mit dem Kauf des derzeit schnellsten Megane? Für 26.650 Euro wechselt der Franzose den Besitzer und erfreut diesen mit einer Menge Annehmlichkeiten. Zur Sicherheitsausrüstung gehören Front-, Kopf-, Seiten- sowie Anti-submarining-Airbags. Diese neuartigen Luftkissen in der Sitzoberfläche verhindern, dass der Passagier unter dem Gurt durchrutscht. Selbstverständlich sind darüber hinaus Antiblockiersystem und elektronisches Stabilitätsprogramm.
Außerdem beinhaltet das Angebot elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Follow-me-Home-Funktion für die Scheinwerfer, Klimaanlage, Radio, Scheinwerfer-Reinigungsanlage sowie Tempomat. Extra bezahlt werden müssen: LED-Tagfahrlicht (250 Euro), Metallic-Lackierung (500 Euro), Navigationssystem (490 Euro), Panorama-Glasdach (800 Euro), Parksensoren auch vorn (500 Euro, allerdings mit LED-Tagfahrleuchten), Recaro-Sportsitze (ab 1.600 Euro) sowie Bi-Xenonlicht (1.000 Euro). Nicht zu vergessen das 1.590 Euro teure Cup-Paket, das abgesehen von der veränderten Konfiguration des Fahrwerks auch spezielle Leichtmetallräder sowie optisch markante Bremssättel in roter Lackierung enthält. Für 1.490 Euro gibt es beheizte Ledersitze mit elektrischer Verstellung inklusive Memory-Funktion. Ungleich günstiger ist der Clio RS, der darüber hinaus mit einem entscheidenden USP aufwartet: Er ist aktuell der stärkste Kleinwagen auf dem Markt. Mit 201 PS überschreitet er die magische 200er-Grenze, was ihm einen unbestreitbaren Attraktivitätsbonus einheimst.
Die abgespeckte Cup-Version ist schon für sagenhaft günstige 19.900 Euro zu haben – serienmäßig an Bord: ABS, Anti-Submarining-, Front- und Seitenairbags, Bordcomputer, rot lackierte Bremssättel, elektrische Fensterheber, Follow-me-Home-Funktion für die Scheinwerfer, elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Wer im Sommer nicht schwitzend durch die Gegend donnern will, bekommt eine Klimaanlage (inklusive Radio) für 1.300 Euro. Diese ist beim 22.500 Euro teuren Clio RS schon enthalten, sogar in automatischer Ausführung. Gutes Stichwort – denn automatische Getriebe beispielsweise sind weder für Geld noch gute Worte zu haben, das gilt auch für den Megane RS. Doch zurück zum rasanten Clio: Radio und Regensensor gehören hier genauso zum Standardprogramm wie ein Tempomat. Auf die Blickfänger-Bremssättel muss hingegen verzichtet werden. Wer noch Geld übrig hat, bekommt beheizte Ledersitze (1.200 Euro), Navigationssystem (490 Euro), Panorama-Glasdach (850 Euro), Sonderlackierungen (ab 450 Euro) und natürlich das schlüssellose Schließsystem (500 Euro).
Fazit: Die Renault RS-Modelle wandern virtuos auf dem schmalen Grat zwischen hoher Fahrleistung und angemessenem Kraftstoffkonsum. Der Clio baggert mit günstigem Einstieg und Leistungsführerschaft im Segment, während der Megane Fans brachialer Beschleunigung in seinen Bann zieht und überdies ebenfalls wohlfeil eingepreist wurde.