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Special
 

Honda Civic Type R Heckansicht, Innenraum

Honda Civic Type R Frontansicht, Innenraum

 

1. Auch nach einem halben Jahrzehnt wirkt der Civic-Innenraum noch taufrisch...

2. Der Spoiler geht auf das Type R-Konto, die weiißen Felgen gehören zur Edition.

3. Potente Schalensitze erlauben auch mal sportlichere Kurvenfahrten.

4. Schicke Front – der Honda Civic kommt an

 

 

Civic Type R & Zafira OPC im Test

Ende gut, alles gut

Kompakte Autos mit viel Punch können so verschieden sein – der folgende Bericht stellt zwei völlig unterschiedliche Ausgaben dieser Art vor. Beide hier besprochene Fahrzeuge haben eines gemein: Sie streben ihrem Ende entgegen. Der Honda Civic Type R kann noch geordert werden, läuft aber im Dezember aus, während der Zafira OPC bereits nicht mehr konfigurierbar ist. Zeit, sich noch ein letztes Mal mit diesen automobilen Köstlichkeiten zu beschäftigen, die auf deutschen Straßen rar sind.

Ungewöhnliche Paare haben zwar Seltenheitswert, aber sind sehenswert. Denn sie sind interessant, und man fragt sich zurecht, wo die Gemeinsamkeiten liegen; meist gibt es welche, auch wenn diese nicht auf den ersten Blick offenbar werden. Genau aus diesem Grund sorgt der Vergleich der beiden Sportler Honda Civic Type R und Opel Zafira OPC für Erstaunen. Gut, also halten wir fest: Beim drahtigen Japaner handelt es sich um eine gewöhnliche Kompaktklasse mit zwei Türen und Schrägheck, Spoiler, etwas auffälligerem Schwellerwerk als bei den schwächeren Brüdern und einem sportlich-knackigen Kühlergrill. Das ist GTI-Fraktion pur. Die Kompaktklasse aus Rüsselsheim hingegen ist ein Kompaktvan. Wie bitte? Ein Van im Trainingsanzug? Zumindest ist Opel der einzige Hersteller, der so etwas je angeboten hat, und das Outfit ist tatsächlich bemerkenswert. Potente Rohre zieren die Heckpartie, allerdings stecken sie sauber eingefasst in den entsprechenden Aussparungen, was den Zafira keineswegs unseriös daherfahren lässt. Die Schweller präsentieren sich zwar leicht ausgeprägt, aber mitnichten aufdringlich. Vorn prangt ein bisschen Gitter mit Wabenform-Muster, man muss sagen: Dieser OPC ist – ganz im Sinne des einschlägigen Labels – wirklich angemessen gekleidet. Optische Akzente sind bei sportlichen Topmodellen schließlich wichtig.

 

Aber Moment – hier steht ja wirklich ein Kompaktvan auf Rädern. Die etwas kleinere Ausgabe einer klassischen Großraumlimousine mit allem, was dazugehört. Will heißen: Im Bedarfsfalle einfach sämtliche Sitze umlegen und über 1.800 Liter Gepäck einladen. Außerdem passen bis zu sieben Personen in den OPC; dass man die zweite Sitzreihe nach Möglichkeit nicht allzu lange besetzt halten möchte, liegt auf der Hand. Die Platzverhältnisse eines 4,50 Meter-Autos haben auch Grenzen. Bis zu vier Passagiere stören sich daran allerdings überhaupt nicht, denn sie weilen vorn wie hinten ausgesprochen luftig. In der vorderen Reihe gar wirkt der Zafira deutlich ausladender, als seine recht kompakten Abmessungen auf den ersten Blick hätten vermuten lassen. Hinzu kommen die übrigen Vorteile – beispielsweise die des äußerst flexiblen Sitzsystems inklusive verschiebbarer Bank (Mitte) und der zahlreichen Ablagen im gesamten Innenraum, so dass lange Reisen zur stressfreien Angelegenheit werden. Auch auf die Dachreling muss nicht zwingend verzichtet werden, serienmäßig wurde sie jedoch nicht geliefert. Wer also öfter mal Surfbretter durch die Gegend fahren mag, sollte beim Kauf auf dieses Feature achten. Die Hauptfrage beim dynamischsten Van aller Zeiten lautet aber noch immer: Kann man in diesem Segment tatsächlich Fahrspaß bekommen?

 

Okay, eine kurze Sichtung der Eckdaten mutet nicht gerade schlecht an: Zwei Liter Hubraum, Turbo und 240 Pferdchen. Dem stehen mehr als anderthalb Tonnen Leergewicht und in puncto Luftwiderstand nicht eben die günstigsten Bedingungen gegenüber. Schon die ersten freien Meter lassen indes vergessen, dass der Zafira 1,63 m hoch ist und eigentlich ein Allzweckauto reinsten Wassers. Traktion avanciert hier für kurze Zeit zum Fremdwort, wenn der Lader der Luft des ersten Arbeitstaktes gehörig Beine macht und den Antriebsrädern ebenso. Erst beim Beschleunigen aus höheren Tempi sind die Pneus den 320 Nm gewachsen, die in einem breiten Band zwischen 2.400 und 5.000 Touren anliegen. Entsprechend giftig gestaltet sich der Geschwindigkeitszuwachs auch bei schnellen Autobahnrunden, sogar ab 200 km/h marschiert der praktische Rüsselsheimer noch nachdrücklich in die Vertikale, bis der Vorwärtsdrang jenseits der 220 Sachen langsam abebbt. Dabei klingt der Vierzylinder kernig, aber niemals lästig, um klar anzuzeigen, dass sich Kunden mit dem Wunsch nach ambitioniertem Maschinenbau hier gut aufgehoben fühlen dürfen. Er hängt prächtig am Gas und dreht willig nach oben – der Sechzehnventiler ist weit davon entfernt, auch nur im Ansatz als zugeschnürt bezeichnet werden zu können. Da müssen sich Sauger dieser Hubraumklasse schon ins Zeug legen.

 

Genau das tut der Honda Civic Type R. Auch er holt satte Leistung aus zwei Litern Volumen – 201 Pferde walten hier an der Vorderachse. Rund 200 kg weniger Masse lässt das Leistungsgewicht beider Kandidaten nicht so weit auseinanderdriften, wie die reinen PS-Werte zunächst glauben machen. Bei der asiatischen Kompaktklasse verzichtet man gänzlich auf Fremdbeatmung, stattdessen sollen es hohe Drehzahlen herausreißen. Erst bei 7.800 Umdrehungen erreicht das Vierventil-Aggregat seine Nennleistung. Da ist Umstellen angesagt, denn unterhalb von 4.500 Touren geht nicht viel; erst dann setzt ein zweiter Wind ein, und der Fronttriebler presst seine Insassen mit sanftem Druck in die ausgeprägten Sportsitze. Potente Wangen halten die menschliche Fracht fest in der Zange, wenn kurviges Terrain ansteht. Dann ist dieser Civic in seinem Element, prescht in Limitnähe untersteuernd durch Kehren und bereitet dabei viel Fahrfreude. Dass die Servolenkung elektrisch funktioniert, trübt den Kurvenspaß in keiner Weise. Exakte Rückmeldung und viel Fahrbahnkontakt sind gefragt – das machen E-Lösungen heute genauso gut wie ihre rein hydraulischen Pendants, die allerdings im Aussterben begriffen sind. Opel nutzt ebenfalls einen Elektromotor zum Antrieb der Zafira-Lenkhilfe. Fällt bei einem Van eher marginal ins Gewicht, könnte man denken – doch weit gefehlt.

 

Die serienmäßigen Recaros des OPC-Allrounders fallen sogar schon beim Blick durch die Fenster auf, so üppig fällt das Gestühl aus. Reine Optik, oder hatten die Ingenieure wirklich einen gewissen Anspruch an die Querdynamik? Jedenfalls verdient das Sportfahrwerk seine Bezeichnung – Seitenneigung kennt der Hesse wirklich nur in homöopathischen Dosen und lediglich kurz vor Einsetzen des ESP. Dafür muss in Kauf genommen werden, dass vor allem aggressive Bodenwellen dann und wann in die Fahrgastzelle schwappen, eine Sänfte kann und will der stärkste Kompaktvan aller Zeiten nicht sein. Sonst spendierten ihm die Verantwortlichen wohl kaum 18-Zöller – ein Felgenformat, das beim Herausfiltern von Straßenpatzern wenig hilfreich ist. Dafür sieht man die blau lackierten Bremssättel schön – was mit der Kombination von großen Rädern und speziell gestaltetem Lochdesign so alles bewirkt werden kann. Beim Honda lassen sich gar 19-Zoll-Felgen ordern (Racing-Paket für 2.500 Euro), basisseitig indessen steht auch er auf 18-Zöllern. Logischerweise gehört auch der Japaner keinesfalls zu den Komfortoasen und lässt seine Mitfahrer spüren, wenn der Asphalt seine besten Tage schon hinter sich gebracht hat. Weite Autobahn-Landschaften meistern hingegen beide Kandidaten ähnlich entspannt, wenngleich beim Civic die kurze Übersetzung moniert werden könnte.

 

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