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Wirkt
dynamisch, geht aber gegen Jahresende auf's
Altenteil: Die S-Klasse W220 |
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Es hat zwölf geschlagen
Für
die aktuelle S-Klasse sind die Tage gezählt, schon diesen
Herbst wird das Nachfolger-Modell W221 unsere Strassen schmücken.
Die Siebener-Reihe von BMW dagegen bleibt der Welt noch etwas
länger erhalten, wenn auch mit leicht modifizierter Optik
und Technik, denn seit Frühjahr rollen die außen
wie innen gelifteten Exemplare vom Band. Dennoch kein Grund
für den großen Mercedes, sich vor der jüngeren
Konkurrenz zu verstecken, ist sie doch immer noch in hervorragender
Verfassung ein letzter Vergleich soll die Verhältnisse
noch einmal klären.
In der automobilen Oberklasse brechen neue Zeiten an,
das gilt für den Münchener Autobauer BMW und seiner
Siebener Reihe, noch viel mehr aber für die Konkurrenz
aus Stuttgart, die noch dieses Jahr die Nachfolge des seit
1998 im Bau befindlichen W220 regeln wird.
Während der Luxusliner aus Oberbayern umfangreicher Änderungen
an Außenhaut und Technik unterzogen wurde, erwartet
den Oberklassekunden bei Mercedes bald eine völlige Neuentwicklung.
Allerdings beschränkt sich der Fortschritt beim hier
thematisierten Topmodell 760Li weitgehend auf den äußeren
Bereich; die Frontscheinwerfer haben ihre Tränensäcke
verloren, und das Schlussleuchten-Layout präsentiert
sich in neuem Glanze.
Der Antriebstrang bleibt dagegen erhalten, das Zwölfzylindertriebwerk
bezieht seine 445 PS auch in Zukunft aus sechs Litern Hubraum
und verfügt über Benzin-Direkteinspritzung. Mercedes
geht seit Herbst 2002 einen Schritt weiter: Hier sind es ganze
500 PS aus 5,5 Litern, welche mit Hilfe zweier Turbolader
zu Stande kommen.
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Immer noch modern:
Das Flaggschiff von
Mercedes |
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Damit avanciert der S 600 zur zweitschnellsten
(ein S 65 AMG kann es geringfügig besser) Serienlimousine
unserer Strassen, und wer sie einmal gefahren hat, lernt zu
verstehen, was Überholprestige wirklich bedeutet: Nämlich
alles in den Boden zu beschleunigen, das Rang und Namen hat,
seien es auch angesehene Hochkaräter aus Zuffenhausen.
Renommierte Fachzeitschriften bescheinigen der potenten S-Klasse
runde 15 Sekunden bis zur 200 km/h-Marke, das ist wahrlich
ein beeindruckender Wert.
Zwar nimmt sich der BMW dafür fünf Sekunden mehr
Zeit, allerdings befindet er sich damit noch immer auf Traumsportwagen-Niveau.
Um die Verhältnisse klarzustellen: In einer ähnlichen
Liga spielen auch BMW M3, M5 oder Porsche Carrera.
So viel zur reinen Vertikalbeschleunigung. Sportwagen wird
aus den Luxuslimousinen, die jeweils deutlich mehr als zwei
Tonnen auf die Waage bringen, natürlich nicht, wenngleich
sie in keiner Weise schwerfällig wirken. Dank serienmäßiger
High-Tech-Fahrwerke mit aktivem Wankausgleich umrunden die
Dickschiffe Kurven mit angemessener Agilität.
Hier gehen die beiden Spitzenlimousinen
getrennte Wege. Während der Siebener über elektrische,
gegeneinander verdrehbare Stabilisatoren verfügt, die
ausschließlich Wankbewegungen eliminieren, gleicht die
sogenannte Active Body Control von Mercedes auch Nickbewegungen
aus. Das hydraulische System basiert auf konventionellen Stahlfedern.
BMW arbeitet mit einer luftgefederten Hinterachse und setzt
vorn auf Stahl. Die Dämpferhärte ist sowohl beim
760Li als auch beim S 600 variabel und wird in Abhängigkeit
von Fahrstil und Fahrbahnzustand automatisch geregelt.
In der Grundabstimmung ist die S-Klasse eine Spur straffer
als der große BMW (woran die Pneus der Dimension 265/40
18 wohl einen guten Teil der Schuld tragen) passend
zum giftigen Naturell. Das hat zur Folge, dass kurzwellige
Unebenheiten etwas deutlicher wahrgenommen werden als lange
Autobahnschnitzer. Letztere bleiben dem Innenraum weitestgehend
fern demnach genießen die Passagiere vorn wie
hinten höchsten Komfort. Wobei man fast geneigt ist,
lieber im Fond platzzunehmen, denn gerade die Langversion
bietet einen fast verschwenderischen Raum für die Beine.
Beide Limousinen eignen sich gleichermaßen zum Entspannen,
sofern der richtige Chauffeur auf dem Fahrersessel sitzt.
Da avancieren Unterschiede in den Eigenschaften zu Beiläufigkeiten
der Schwabe rollt etwas härter ab, dafür
legt der 760Li bei höheren Drehzahlen einen sportlichen
Klang an den Tag; metallisch, kernig zwar, aber V12-typisch
vibrationsfrei tönt es aus Richtung Motorhaube.
Solche Anstalten macht der S 600 nicht, dieser stellt seine
Sangeskunst allenfalls den Passanten zur Schau, denn unter
Last klingt es heiser grollend aus den blitzblank polierten
Endrohren, während die Insassen selbst bei Höchstdrehzahl
nicht viel von den Spektakel der zwölf Töpfe mitbekommen.
Unbedarfte sind vielmehr damit beschäftigt, den schier
grenzenlosen Sitzkomfort zu bestaunen, hier sind es Aufsehen
erregende Massagesessel im Fond, dort die aktive Sitzbelüftung.
Für den Sechshunderter lässt sich gegen vergünstigten
Aufpreis (272,60 Euro) sogar ein dynamischer Massagesitz für
die erste Reihe bestellen, dessen Sitzwangen auf Wunsch kurvenabhängig
mehr oder weniger Seitenhalt bereitstellen.
Und sonst? Selbstverständlich soll auch das Thema Funktionalität
hier nicht unbehandelt bleiben, erstrecht nicht, da dieses
Kapitel beim BMW ein sensibles ist schließlich
schlugen die Münchner im Jahre 2001 einen gänzlich
anderen Weg bei der Fahrzeugbedienung ein. Dieser, das sei
an dieser Stelle ganz klar gesagt, ist nicht schlechter als
jener der Konkurrenz.
So kompliziert und umständlich wie sein Ruf, ist beispielsweise
das häufig gescholtene iDrive-System nicht dieser
Eindruck gilt auch für die modifizierte Ausführung
des neuen Jahrgangs. Selbst Unerfahrene in Sachen Technik
dürften es nach einigen Tagen Eingewöhnung problemlos
beherrschen. Denn dann ist es ein Leichtes, durch die zwar
zahlreich vorhandenen, aber gut sortierten Menüs zu springen.
Und abgesehen vom Automatik-Wählhebel, der am Lenkrad
sitzt, und der fehlenden Wassertemperaturanzeige (stattdessen
besitzt der Drehzahlmesser einen variablen roten Bereich),
präsentiert sich das Interieur erstaunlich konventionell.
Die Sitzverstellung wanderte von der unteren Seite des Kissens
(beim Vorgänger) in die vordere Armlehne, die Erreichbarkeit
der Tasten kann kaum bemäkelt werden. Und nach der Pflicht
die Kür: Im Wurzelholz eingelassene Intarsien geben dem
Kenner zu verstehen, dass es sich um das Topmodell der Siebener-Reihe
handelt.
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Dezent überarbeitet:
Der 7er BMW des
aktuellen Jahrgangs |
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Der S 600 ist innen von seinen schwächeren
Brüdern nicht zu unterscheiden. Und er gibt seinen Kunden
keine Rätsel auf. Der Wählhebel sitzt in der Mitte,
es gibt keine Steuersysteme, die auf einen speziellen Namen
hören. Das heißt im Umkehrschluss natürlich
nicht, dass die inzwischen reife S-Klasse keine High-Tech-Gerätschaften
an Bord hätte, welche keine aufwendige Bedienung erforderten.
Da bleibt die abkehr von der Konventionalität nicht aus,
denn gestartet wird auf Wunsch ohne Schlüssel per Knopfdruck,
und das serienmäßige Command-System inklusive Reiserechner
und Navigation hält auch so manches Menü parat.
Schön ist aber, dass sich selbst alte S-Klasse-Hasen
auf Anhieb wohl fühlen. Der Miniatursitz für die
Verstellung der echten Sitze war schon beim 1979 vorgestellten
W126 in den Türen untergebracht das hat sich bis
zum heutigen Tag nicht geändert.
Als Seltenheit in der aktuellen Oberklasse-Landschaft darf
getrost durchgehen: Die starke S-Klasse verfügt lediglich
über fünf Fahrstufen; diese Eigenschaft tut ihr
indessen keinen Abbruch, der Automat wechselt die Übersetzungen
mit vorbildlicher Sänfte, und angesichts 800 Nm Drehmoment
sind keine weiteren Gänge erforderlich. Zur Ehrenrettung
der Bayern muss aber gesagt werden, dass der Sechsgangautomat
aus dem Hause ZF die Schaltarbeit im 760Li keinesfalls weniger
weich durchführt.
Eines steht fest: Gut situiert sollten sowohl S 600- als auch
760Li-Interessenten sein, denn ihre Grundpreise sind in beiden
fällen deutlich sechsstellig. Ganze 117.300 Euro verlangen
die Oberbayern für ihr Flaggschiff, Mercedes markiert
mit 130.964 Euro die Spitze.
Um auf die Dimension hinzuweisen: Auch wenn die Differenz
in der Liga keine Hauptrolle mehr spielt, bekommt man für
den Betrag immerhin einen ausgewachsenen Neuwagen.
Da ist es nur ein kleiner Trost, dass beide Autos über
ungewöhnlich komplette Serienausstattungen verfügen.
Zu den dicksten Brocken zählen Autotelefon, Navigationssystem,
edlere Lederpolster, Soundsystem, Tür-Zuziehhilfen sowie
Xenonlicht.
Freilich laufen die Toplimousinen nicht ohne leistungsfähige
Sicherheitsausrüstung vom Band hier ist das volle
Airbag-Paket, Antiblockiersystem und ESP ohne Frage mit von
der Partie. Die S-Klasse bietet darüber hinaus noch das
sogenannte Pre-Safe-System, welches falls ein Aufprall
nicht mehr zu verhindern sein sollte die Sitze blitzschnell
in eine Verletzungen vorbeugende Sitzposition fährt und
das Schiebedach schließt. Über Selbstverständlichkeiten
wie Klimaautomatik, elektrische Fensterheber muss man sich
in dieser Klasse nicht mehr unterhalten. Übrigens auch
nicht über einen hohen Spritverbrauch, das sei zum guten
Schluss noch angemerkt. Beide Testwagen bestritten ihre Runden
kaum unter 15 Liter, bei forcierter Fahrweise können
es auch mal 20 Liter auf einhundert Kilometer sein.
Fazit: Nein, der S 600 gehört trotz baldiger Ablösung
noch nicht zum alten Eisen, er ist vielmehr topfit und liegt
mit den Mitbewerbern durchaus auf Augenhöhe. Jedoch geht
keiner der beiden hier geprüften Spitzenlimousinen als
Sieger hervor; es ist eine Frage des Glaubens und der Gewohnheit,
welcher Wagen dem individuellen Geschmack mehr zusagt. Hier
treffen zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander, die
unterm Strich die gleiche Schwerstarbeit leisten: Nämlich
den Passagier schnell, hochkomfortabel und unter höchstmöglicher
Sicherheit über lange Strecken transportieren. Diese
Aufgabe könnte kaum ein Fahrzeug besser lösen als
die hier behandelten.
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