Warum keine Businessklasse von Skoda? Nachdem die erste Superb-Generation im Grunde ein umgeflaggter Passat mit langem Radstand war, kann sich die zweite als eigenständige Kreation sehen lassen. Im Folgenden geht es um die starke V6-Version mit 3,6 Litern Hubraum. Autotipp.
koda eine billige Marke? Nee, nicht wirklich. Wie die Tschechen einst antraten, um im westlichen Europa Marktanteile zu erkämpfen, ist nun wirklich Schnee von gestern. Favorit, Felicia und Co. sind lange Geschichte, und die aktuelle Modellpalette liest sich mindestens so attraktiv wie das Programm der deutschen Mutter Volkswagen, wenngleich die Auswahl der Fahrzeugsegmente dort naturgemäß größer ist. Aber wer etwas Luxuriöses sucht, muss keineswegs nach Hause geschickt werden, da hat der Skoda-Händler Feines im Angebot. Die Rede ist vom Superb. War die erste Ausgabe des Businessklässlers im Wesentlichen die chinesische Ausführung des VW Passat mit verlängertem Radstand und Chauffeurs-Tauglichkeit, so ist die Zweitauflage eine eigenständig gezeichnete Limousine, deren Komponenten freilich noch immer aus dem Baukasten Volkswagens stammen. Genau wie der aktuelle Passat trägt das Skoda-Topmodell die quereingebauten Triebwerke des Konzerns, was auf die Plattform-Verwandtschaft hindeutet. Dank eines üppigen Radstands (knapp 2,76 m) herrschen im Superb-Fond fürstliche Raumverhältnisse vor, die den ausladenden Tschechen eindrucksvoll in die Sphären der oberen Mittelklasse befördern.
Grund genug, die Ausführung mit der V6-Topmotorisierung genauer unter die Lupe zu nehmen. Satte 3,6 Liter Hubraum kann der Sechszylinder mit dem schmalen 15 Grad-Winkel aufbieten, korrekterweise müsste er "VR" heißen wie damals, als die Techniker von Volkswagen sich anschickten, den seinerzeit von oben herabschauenden Marken aus Stuttgart und München zu zeigen, dass auch sie vernünftigen Motorenbau beherrschen. Das aus der Reihe tanzende Konzept ist weder in Leistung oder Laufruhe noch in puncto Effizienz im Hintertreffen, sonst hätte man es schließlich längst sterben lassen. Zu mindestens 300 PS ist der inzwischen direkteinspritzende Nobel-Otto fähig, im Superb gibt es aber lediglich 260 Pferdchen auf den Weg, offenbar hat man Angst um die Verkäufe des Spitzen-Passat CC. Kein Problem, auch mit der herabgesetzten Leistungsstufe lässt sich wunderbar leben – die Maschine beschleunigt den Skoda nicht nur sportlich, sondern bezeugt mit ihrem sonoren Sound auch akustisch solide Ingenieurkunst. Als Partner bekommt das Aggregat ein DSG mit sechs Gängen zur Seite gestellt, um die 350 Nm Drehmoment auch ja verlustarm zu übertragen; und wenn man bedenkt, dass diese Spezies Getriebe die Übersetzungen fast so ruckarm wechselt wie klassische Wandlerautomaten, könnten sich Gegner der Doppelkupplung fast überwinden, das Konzept zu akzeptieren.
Und noch ein Konzept stammt im Zusammenhang mit dem kräftigsten Antriebsstrang von der Konzernmutter: Der per Haldexkupplung gemanagte Allradantrieb. Bei griffiger Straße wird den Vorderrädern das volle Antriebsmoment zugewiesen, was sich aber je nach Fahrbahn- und Traktionssituation blitzschnell ändern kann. Inzwischen erfasst das System nämlich auch Querbeschleunigung und Lenkwinkel; auf diese Weise kann die elektronische Stabilisierungshilfe aus dem Ufer laufende Querkräfte nicht nur passiv durch Bremsmoment, sondern zudem aktiv bändigen. Das passiert in der Praxis eher selten, denn wer versucht mit einer gediegenen Limousine schon, einen Rundenrekord nach dem nächsten aufzustellen? Andererseits erweckt der Tscheche beim durchlaufen fieser Landstraßen-Windungen nicht gerade den Eindruck, als würde er mit Besatzung locker 1,8 Tonnen auf die Waage bringen – tut er aber. Dennoch gibt er ganz den agilen Gleiter, der dank präziser Servolenkung munter bis forciert zielgenau durch kurviges Geläuf witscht, aber Bodenwellen trotzdem nicht trocken an die menschliche Fracht weiterreicht; so sanft ist die Fuhre dann doch gefedert, um den Anforderungen einer stattlichen gehobenen Mittelklasse gerecht zu werden – und vorzügliche Langstreckentauglichkeit steht hier schließlich ganz hoch im Kurs.
Aber wo bleiben die wirklichen Überraschungen? Bei der ersten Generation gab es einen Regenschirm und den ungewöhnlich langen Radstand – kennt man beides schon, also muss eine Neuerung her: TwinDoor-Konzept heißt das Zauberwort. Obwohl es sich beim Superb augenscheinlich um eine Stufenhecklimousine handelt, kann auf Knopfdruck die komplette Heckklappe samt Glasscheibe geöffnet werden – wie bei einem Fließheck-Modell. Wenn der Einkauf mal größer ausfällt oder in einem Möbelhaus stattfand, gewinnt diese Funktion an praktischer Bedeutung. Erneuter Knopfdruck genügt, um lediglich das untere Stück des Kofferraumdeckels zu öffnen, wie man es wiederum beim Stufenheck erwartet. Und in der Fahrgastzelle gibt es freilich keine Ähnlichkeit mehr zum Passat, dafür kann sich der Passagier auf geräumige Sitzplätze und bequeme Sessel freuen, die mit Lederbezug natürlich Noblesse verströmen. Gleiches gilt für die wunschgemäß lieferbaren Wurzelholz-Paneele. Schaltergruppen aus dem Baukasten erinnern an die Volkswagen-Verwandtschaft, die solide Materialverarbeitung indes auch. Aber keine Sorge, autarkes Design sorgt für die richtige Note Individualität – denn die muss auch bei Skoda unbedingt gewahrt bleiben.
Ab 35.450 Euro kostet der Sechszylinder-Superb und bietet dafür schon eine ganze Menge serienmäßig: Antiblockiersystem, Front-, Knie-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Parksensor, Radioanlage, Regensensor, Sitzheizung, Fahrersitz mit elektrischer Verstellung und Memory-Schaltung, Tempomat sowie Zentralverriegelung samt Funkfernbedienung. Die 3.300 Euro teurere Elegance-Ausstattung enthält darüber hinaus auch einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Nappaleder-Polster, beide Vordersitze elektrisch verstellbar sowie Bixenonlicht. In jedem Falle extra zu bezahlen sind Alarmanlage (260 Euro), Seitenairbags auch hinten (300 Euro), automatisch abblendende Außenspiegel (180 Euro), CD-Wechsler (340 Euro), Einparkassistent (510 Euro), Navigationssystem (ab 400 Euro), Parksensoren auch vorn (310 Euro), elektrisches Schiebedach (870 Euro), Sitzheizung auch hinten (240 Euro), Sonderlacke (500 Euro), Soundsystem (390 Euro) sowie Standheizung inklusive Fernbedienung (1.095 Euro).
Fazit: Der Skoda Superb 3,6 V6 4x4 bietet für höchst angemessenes Geld hohen Antriebs- und Reisekomfort, viel Hubraum und Leistung sowie Platz in Hülle und Fülle. Darüber hinaus rollt der Tscheche mit einem Top-Qualitätseindruck an. Ein Angebot also, das man nicht wirklich ausschlagen kann.