Kleinwagen in Kombination mit starken Dieselmotoren haben definitiv ihre Reize: Wenig Gewicht, ansprechende Fahrleistungen, viel Drehmoment und wenig Verbrauch. Der Fabia 1,9 TDI ist mit seinen 105 Pferdchen zwar nicht der allerstärkste dieser Sorte, steht aber schon ordentlich im Futter. Fahrbericht.
igentlich sind sie ja für die verwinkelte Innenstadt gebaut; oder man nutzt sie als Zweitwagen. Oder sie werden als Hauptauto angeschafft für Kunden mit kleinerem Budget. Die Rede ist von Kleinwagen – meist im zweistelligen PS-Bereich. Genügt ja auch für den segmenttypischen Einsatzzweck. Der hier thematisierte Skoda Fabia tritt in der Diesel-Topversion an und kommt ähnlich muskulös daher wie manche Mittelklasse. Satte 105 PS lassen ihn auf Augenhöhe mit den Passats dieser Welt klettern. Okay, auch das mittlere Segment hat inzwischen kräftig aufgeholt, aber der Fabia-Eigner ist definitiv gut aufgestellt. Vier Zylinder und 1,9 Liter Hubraum stehen auf der Tagesordnung des kräftigsten Selbstzünder-Fabia, klingt irgendwie bekannt. Na klar, das Aggregat entstammt dem reichhaltig sortierten Volkswagen-Regal und tut auch in den tschechischen Schwester-Modellen ausgesprochen gute Dienste. Beim Kaltstart klingt der Pumpe-Düse-Vertreter zwar ein bisschen rau, aber sobald er sich warmgelaufen hat, kann man mit dem Kraftpaket wunderbar leben. Wie lange die inzwischen ebenfalls in der Leistungsklasse erhältlichen Commonrail-Vertreter beim Fabia noch auf sich warten lassen, bleibt spannend.
Wenn es um Sparsamkeit geht, ist der gute alte 1,9er jedenfalls eine Top-Wahl. Bei moderater Fahrweise rückt gar die Vier vor dem Komma in erreichbare Nähe, aber selbst unter häufigerer Ausnutzung der Performance sind runde fünf Liter immer drin. Und hohe Drehzahlen braucht der TDI ja nie, reißen schon ab 1.800 Umdrehungen geballte 240 Nm an den vorderen Pneus. Genug Power, um den ganz knapp unter vier Meter messenden Automobil-Zwerg auf knapp 200 Sachen zu beschleunigen. Diese absolviert er durchaus auch mit wackerem Geradeauslauf, aber wohler fühlt sich der Fabia etwas darunter. Mit um die 150 km/h lassen sich sogar weite Strecken angenehm zurücklegen, zumal die Platzverhältnisse längst nicht mehr dem Kleinwagen-Muster entsprechen. Kein wunder, schließlich besitzt der Tscheche das Format früherer Kompaktklassen und überragt gar den aktuellen Polo geringfügig, wenngleich dieser mit 0,8 Zentimeter mehr Radstand aufwartet. Die pragmatischen Osteuropäer bieten ihr kleinstes Familienmitglied erst gar nicht als Drei- oder Zweitürer an, was das mühselige Hineinklettern in den Fond für Hinterbänkler entfallen lässt.
Demnach gelingt der Einstieg in das hintere Abteil schonmal reibungslos, und genügend Kopf- wie Beinfreiheit findet man ebenfalls vor. Zumindest gilt das für den gemeinen Durchschnitts-Europäer. Straffe Stühle beugen jeglicher Ermüdung vor und verhelfen dem Skoda zu Langstreckenqualitäten. Selbst das Fahrwerk spielt mit und bewahrt die menschliche Fracht vor allzu üblen Straßenpassagen. Das funktioniert bei langwelligen Verwerfungen naturgemäß besser als bei aggressiven Querfugen, die Physik nämlich vermag auch ein Vertreter des Volkswagen-Konzerns nicht auszuschalten. Insgesamt macht der Fabia einen runden Eindruck – keine besonderen Schwächen, allerdings ebenso keine besonderen Auffälligkeiten. Der perfekter Partner für den Alltag, ohne wirklich hervorzustechen. Dazu gesellt sich noch die eine oder andere praktische Eigenschaft – Armlehne mit Ablagemöglichkeit, gekühltes Handschuhfach, das obendrein geteilt befüllbar ist und Cupholder für durstige Naturen sind zwar nur Kleinigkeiten, jedoch wichtige Details, die man auf langen Fahrten zweifellos vermissen würde. Anscheinend folgt das kleine Vehikel der reinen Vernunftlehre
.
Dieser Linie gehorcht auch das Außendesign, daran ändert selbst das auf Wunsch weiß lackierte Dach (500 Euro) nicht viel. Quadratisch, praktisch und gut könnte man fast meinen – aber nein, der Tscheche offenbart auf den zweiten Blick durchaus ein paar optische Gimmicks. Dazu gehören eine muskulös-konturierte Motorhaube sowie die auffällig steil stehende Windschutzscheibe. Oberhalb der hohen Gürtellinie will sich glatt ein Schuss Mini in das Gedächtnis des Betrachters drängen, während jene glattflächige Heckpartie prompt wieder die funktionsfolgende Vernunftebene aktiviert. Zwischen C-Säule und Heckfenster platzierte man einen in Wagenfarbe gehaltenen Steg; außerdem ist die Marke um einen starken Auftritt bemüht, daher verpassten die Gestalter der Fuhre einen dominanten Kühlergrill mit prägnantem Logo. Etwas Gangsterstyle gibt es für 150 Euro – dann präsentieren sich die hinteren Scheiben kräftig getönt (was den Fondinsassen bei sonnigen Tagen entgegenkommt), und wer der Meinung ist, dass die Frontansicht erst mit zwei charaktergebenden Nebelspots perfekt wird, muss mindestens zur Sport-Ausführung greifen oder 200 Euro extra überweisen.
Ab 17.620 Euro übrigens rollt der stärkste Diesel-Fabia zum Kunden – mit Dieselpartikelfilter sind es 600 Euro mehr. Grundsätzlich an Bord befinden sich Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektronische Differenzialsperre, elektrische Fensterheber vorn, Klimaanlage, Radio mit CD-Player, elektronisches Stabilitätsprogramm, Tempomat sowie Zentralverriegelung. Weitere 1.300 Euro kostet die Sport-Line mit Kurvenlicht, Leichtmetallrädern sowie dezent ausgeprägten Sportsitzen. Das exakt gleich teure Elegance-Modell bietet ein erweitertes Ablagenpaket mit Brillenfach, Innenleuchte im Fond sowie Stauraum unter den Vordersitzen, einen erweiterten Bordcomputer mit Punktmatrix-Anzeige und statt Kurvenlicht Sitzheizung. Letztere kostet anderenfalls 230 Euro; andere Komfort- und Technikmerkmale sind ebenfalls gegen Aufpreis zu haben, die Liste beinhaltet beispielsweise CD-Wechsler (340 Euro), Parksensor (260 Euro) oder elektrisches Glas-Schiebedach (500 Euro). Sonderlackierungen kosten zwischen 180 und 410 Euro.
Fazit: Der Skoda Fabia verfügt trotz kompakter Abmessungen über hervorragende Allround-Fähigkeiten und macht mit dem kräftigen Diesel eine Menge Spaß. Das Pumpe-Düse-Aggregat klingt zwar kernig, aber in keiner Weise unattraktiv, sondern verleiht dem Kleinwagen einen drahtigen Touch. Der Spritkonsum darf sich dabei getrost sehen lassen.