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Fahrberichte & Tests
 
Seat Leon Front, Innenraum

LÖWENSTARK

Auch wenn Seat den Léon nach einer spanischen Provinz nannte, sind die Gedanken schonmal beim großen Raubtier, schließlich heißt der kompakte Spanier schlicht Löwe. Und so kämpft er auch um die Gunst der Autokäufer – doch kann er bestehen?

Ganz so schlecht wie Seat vor ein paar Monaten geredet wurde, scheinen die Geschäfte jedenfalls nicht zu laufen, denn gegenüber dem Vorjahr konnte ein dickes Plus in den Zulassungen verbucht werden.
Wer die Flotte einmal genauer betrachtet, kann den Umstand durchaus nachvollziehen, denn die Fahrzeuge sind – vom Alhambra abgesehen – jung und dynamisch, so, wie es die Markenwerte bestimmen.
Das gilt freilich auch für das jüngste Kind des Herstellers, den Léon. Vorne heiß und hinten knackig spricht der bissig gezeichnete Kompakte vor allem die jüngere Klientel an. Bei gleichem Radstand misst er etwa elf Zentimeter mehr als der Hauptrivale aus dem Mutterkonzern. Die Proportionen stehen ihm nicht schlecht; coupéhafte Leichtigkeit erreichten die Designer, indem sie die hinteren Türgriffe in die C-Säule integrierten – ein schicker Trend, die Vorlage lieferte Alfa Romeo bereits vor einem knappen Jahrzehnt. Doch so sportlich der Léon anmutet, so komfortabel ist die Sitzposition. Ein wenig exponiert nehmen die vorderen Fahrgäste Platz.

Seat Leon Heck, Rückleuchten
 
Scharfer Auftritt: Der Léon
 

Der große Abstand zwischen Scheibe und den Frontinsassen erzeugt ein Gefühl der Freiheit, fast wie in einem Van. Fürwahr, eng geht es im Léon keineswegs zu. Die untere Mittelklasse ist ihren Wurzeln eben entwachsen: Von der Allround-Minimallösung, die für Supermarktbesuche ebenso wie für den Urlaub reichen musste, ist sie inzwischen weit entfernt. Per Definition kompakte Automobile sind heute richtige Komfort-Oasen mit allem, was das Autofahrer-Herz begehrt.
Dazu gehört natürlich auch der Umstand, dass sich mindestens vier Personen gut aufgehoben fühlen. Dass der fünfte Passagier nicht um den Körperkontakt mit seinen Sitznachbarn herumkommt, liegt auf der Hand. Das Fond-Abteil wirkt jedoch höchst einladend; über sechs Zentimeter mehr Radstand als der Vorgänger kann der frisch gebackene Spanier aufweisen. Da muss über mangelnde Beinfreiheit kaum diskutiert werden, sie ist schlichtweg kein Thema. Das Kapitel Innenraum bestreitet die Schräghecklimousine also schonmal wacker. Für Ergonomie und Design gilt das übrigens auch.

Die Verwandtschaft zur Konzernmutter Volkswagen ist nur andeutungsweise zu erkennen. Vielmehr bestimmt Eigenständigkeit das Bild, was aber keinesfalls auf die Bedienerfreundlichkeit schlägt. Die Mittelkonsole präsentiert sich etwas kühl, aber klar strukturiert, das Instrumentarium mutet sportlich an und kann hervorragend abgelesen werden. Als kleine Geste an die drahtigen Jungs darf der mittig angeordnete Drehzahlmesser verstanden werden – früher fand man sowas nur im Elfer aus Zuffenhausen vor.
Der Praxistauglichkeit wurde mit Cupholdern Rechnung getragen, welche auch von hinten aus erreicht werden können. Mit Ablagefächern indessen waren die Südländer nicht ganz so großzügig. Außer den üblichen Staufächern wie Handschuhfach oder den Türtaschen befindet sich noch eines unter dem Fahrersitz; dafür kann der Seat bis zu 1.166 Liter Staugut mitnehmen – naturgemäß bei umgeklappter Rücksitzbank. Das ist zwar kein Spitzenwert für die Klasse, doch der Lifestyle-Kompakte soll auch nicht Kombi spielen.
Wer dann eine Kostprobe auf dem straff gehaltenen Gestühl nimmt, erfährt mal wieder, was Sportlichkeit bedeutet. Konturierte Sessel mit moderatem Seitenhalt geben den vor Angst schwitzenden Mitfahrern ein Quäntchen Gefühl Restsicherheit.

Aber keine Sorge, so wild gehts im Léon gar nicht zu. Die Fahrwerksabstimmung fiel eher sanft aus, und richtig schnelle Runden werden mit quietschendem Untersteuern beantwortet. Ein Raubein also ist dieser Seat wohl kaum. Milde rollt er vielmehr über lange Bodenschnitzer, kurzwellige Verwerfungen nimmt der Passagier natürlich schärfer wahr.
Motorenseitig kommt es bunt: Ganze sechs Triebwerke dürfen geordert werden – die beiden stärksten (ein aufgeladener Zweiliter-Direkteinspritzer mit 200 PS sowie der 2,0 TDI mit 170 PS) sind ausschließlich mit der sportlichen Ausstattungslinie "FR" kombinierbar.
Die Basis enthält einen 1,6-Liter-Vierzylinder mit 102 PS, und sparsame Dieselfreunde werden mit dem 1,9-Liter-TDI auf ihre Kosten kommen. Für kräftigeren Vortrieb dürfte der 2,0-Liter-TDI mit 140 Pferdestärken sorgen.
Ein knapper Fahreindruck mit dem Zweiliter-Direkteinspritzer (150 PS) bescheinigt selbigem einen kultivierten Lauf sowie ordentlichen Durchzug. Letzterer allerdings erfordert einen beherzten Umgang mit dem Gaspedal, denn der Vierventiler ist auf Drehzahlen angewiesen, falls Eile angesagt ist.

Seat Leon Rückbank, Ladefläche, Laderaum, Kofferraum
 
Auch eine Kompaktklasse ist flexibel...
 

Die Grundpreise für den Kompaktwagen reichen von 15.990 Euro (102 PS-Benziner) bis 24.690 Euro (TDI FR). Während sich die Basis mit Dingen wie elektrisch verstellbaren Außenspiegeln, Kopf-, Front und Seitenairbags vorn, einer Außentemperaturanzeige, elektrischen Fensterhebern vorn, elektronischem Stabilitätsprogramm sowie einer fernbedienbaren Zentralverriegelung begnügen muss, bietet das Spitzenmodell überdies einen Bordcomputer, elektrische Fensterheber auch hinten, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radio mit CD-Player sowie RDS und einen Tempomat.
Extra bezahlt werden müssen Navigationssystem (ab 1.100 Euro), Seitenairbags hinten (250 Euro), Parksensor (325 Euro), Regensensor samt automatisch abblendendem Innenspiegel (260 Euro), Schiebe-Hebedach in Glas (790 Euro), Sitzheizung (210 Euro), Sonderlackierungen (ab 150 Euro) und Bi-Xenonlicht (985 Euro).
Für den Diesel-Partikelfilter berechnet der Hersteller 575 Euro extra – allein das FR-Spitzenmodell zählt ihn zur Serie. Allerdings erfüllen sämtliche Modelle die Euro-4-Abgasnorm.

Fazit: Der Seat Léon ist eine dynamisch-sportliche Kompaktklasse im markenüblich scharfen Design. Die Verarbeitung präsentiert sich auf hohem Niveau – so ist man es vom Volkswagen-Konzern gewöhnt. Der Sicherheitsstandard kann sich zudem sehen lassen. Wer glaubt, der Spanier sei lediglich ein preisgünstiger Konkurrent des Golf, hat sich gründlich geirrt, er ist allenfalls die ausgefallene und sportlichere Alternative.

 



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