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Fahrberichte & Tests
 
Seat Ibiza Cupra Front

Scharfe Außenhaut, gutmütiger Kern: Der Cupra

 
 

Benzin im Diesel

Heiße Diesel-Feger im Kleinwagen-Gewand à la GTI-Manier waren vor einem Jahrzehnt noch nicht denkbar. Doch inzwischen sind die spezifischen Leistungswerte so enorm, dass der altbekannte 1,9-TDI 160 Pferdestärken locker freisetzt. Damit treibt er die sportlichste Version des Ibiza an, den Cupra TDI. Autotipp.

E
s ist die alte Leier. Diesel sind heute stark, leise und kultiviert. Und weil das so ist, können sie ohne Probleme jenen Part übernehmen, den Anfang der Siebzigerjahre der Ur-Golf in der GTI-Version inne hatte.
Es geht um kleine, flinke und nicht zu schwere Autos, die mit ordentlicher Leistung auch mal großen Limousinen um die Ohren fahren. Meist sind sie besetzt mit Fahrern jüngeren Alters, und entsprechend gestylt fährt die GTI-Abteilung auf den Hof.
Bei Seat heißt es Cupra – und auch die Ibiza-Reihe hat eine solche Variante längst erhalten. Natürlich wahlweise mit Diesel.
Autokenner wissen, dass der eingesessene 1,9-Liter Pumpe-Düse schon lange für 150 PS gut ist, warum sollte er dann nicht auch zehn Pferdchen mehr vertragen? Er verträgt sie problemlos.
Damit außenstehende Verkehrsteilnehmer auch erfahren, dass es sich um die schnellste Ibiza-Variante handelt, verpassten die Designer dem kleinen Topmodell ein blitzendes Auspuffrohr, ein großes Gittermaul unterhalb des vorderen Markenemblems sowie einen kaum zu übersehenden "Cupra"-Schriftzug am Heck. Schicke 17-Zöller runden die optische Kur ab.

Nun weiß man allerdings noch nicht, ob unter der Haube ein Benziner oder Kollege Diesel werkelt, denn notorische Nagel-Gegner dürfen auf eine 180 PS-Otto-Variante mit Aufladung zurückgreifen.
Doch spätestens, wenn man die schwarze Fahne aus dem Hinterteil erblickt, dürften die Verhältnisse klar sein. Diese produziert der kleine Renner nämlich, wenn er nach ausgeprägter Anfahrschwäche mit ordentlichem Druck startet. Lange währt der Schub aber nicht, denn ab 3.500 Touren wird aus dem Sturm wieder eine leichte Brise. Wer den Vortrieb aufrecht erhalten will, muss in diesem Fall schnell zum Schalthebel greifen und den nächst höheren Gang einlegen, um wieder in die Power-Zone zu gelangen. So in etwa könnte man den Drehzahlbereich zwischen 2.000 und 3.500 Umdrehungen nennen; damit wäre die Charakteristik der Vertikalbeschleunigung beschrieben, ob das ein Vor- oder Nachteil ist, mag jeder selbst entscheiden. Dampf ja, aber nicht in allen Gassen – drehfreudig wie ein hochgezüchteter Benziner ist dieser TDI eben nicht.

Wer gut im Schalten ist, kann damit leben und sogar seine liebe Freude daran finden. Sämtliche Fahrstufen des Sechsgang-Getriebe rasten knackig ein, diesen Hebel mag man gerne flott durch das Schaltlabyrinth ziehen. Flotte Kurven dagegen sind so eine Sache. Spätestens jetzt stellt sich heraus, dass der Cupra gar nicht so böse ist wie er aussieht. Mit der leichtgängigen Lenkung kann man den Kleinwagen besser in enge Parklücken dirigieren als ihn schwungvoll um die Ecken treiben. Schnellen Biegungen nähert sich der Zwerg mit sanftem Untersteuern, das bei Bedarf vom zuverlässig eingreifenden Stabilitätsprogramm weiter im Zaum gehalten wird. Das deutet auf ein gutmütiges und tückenfreies Fahrverhalten hin. Als Entschädigung für fehlende sportliche Härte schützt der kleine Spanier seine Passagiere ähnlich wirkungsvoll vor unbarmherzigen Strassenabschnitten wie von Hause aus komfortabler ausgelegte Kleinwagen, was ihn wiederum zum angenehmen Begleiter im Alltag macht, mit dem man auch mal längere Strecken ohne Ermüdungserscheinungen und Stressanfälle zurücklegen kann.

Dafür sorgen hinreichende Platzverhältnisse und straffe Sitze. Allein für die Fondpassagiere könnte eine Marathon-Tour etwas mehr Anstrengung bedeuten, schließlich stellen Kleinwagen nicht ganz so viel Platz in ihren hinteren Abteilen zur Verfügung wie ausgewachsene Reiselimousinen – das ist keine Frage.
Punkten kann der Ibiza außerdem mit einer soliden und funktionalen Innenraum-Anmutung. Hier herrscht nur rein formal spanisches Flair, das mit Hilfe von feuerroter Beleuchtung gerade nachts glaubwürdig hergestellt wird.
Die Beschaffenheit der Materialien riecht schwer nach teutonischem Perfektionismus, und über der Anordnung des Instrumentariums sowie sämtlicher Schalter schwebt der Geist deutscher Ordnungsliebe. Auf diese Weise erleichtert der Ibiza seinen Besitzern das Anfreunden mit ihm enorm. Dennoch präsentiert sich die Wohnstube als eigenständige Kreation, die Verwandtschaft zu Volkswagen haben die Verantwortlichen gut kaschiert. Selbst Details wie die Gestaltung diverser Knöpfchen wurden gut gelöst; sie sind zum größten Teil nicht mit denen ihrer deutschstämmigen Brüder identisch.

Seat Ibiza Cupra Heck, Rückleuchten
 
Knackiger Abschluss
 

Bleibt die Kostenfrage. Sonderlich preiswert ist es nicht, den sportlichsten Ibiza zu fahren. Mit einem Grundpreis von 20.960 Euro hat man das Kleinwagen-Terrain längst verlassen und liegt bereits im gesunden Mittelfeld der Kompaktklasse. Dafür aber kann man ihn getrost von der Stange kaufen, bietet er doch eine reichhaltige Serienausstattung. Diese beinhaltet Front- und Seitenairbags, elektrisch einstellbare Spiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Radio mit RDS und CD-Player sowie eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Warum Optionen wie Kopfairbags oder Xenonlicht für den Cupra weder gegen Geld noch gute Worte zu haben sind, während sie bei den schwächeren Ibiza-Versionen geordert werden können, bleibt unklar.
Wer aber mehr Geld ausgeben möchte als er muss, bestelle beispielsweise ein Navigationssystem (1.455 Euro), das Sportbremspaket mit rot lackierten Vierkolben-Bremssätteln vorn (1.430 Euro) oder einfach einen Tempomat für vergleichsweise moderate 170 Euro.
Als recht preisgünstig erweisen sich auch die Treibstoffkosten, denn selbst bei ruppiger Fahrweise kommt der Öl-Renner kaum über sieben Liter Diesel pro einhundert Kilometer Fahrstrecke hinaus. Wer es lieber zurückhaltend mag, kann sogar die Fünfliter-Marke unterschreiten. Angesichts dieser Tatsache muss man damit leben, dass der stärkste Diesel das Kriterium der Schadstoffarmut lediglich gemäß Euro 3 Norm erfüllt, aber hohe Leistung fordert eben ihren Tribut.

Fazit: Der Seat Ibiza Cupra TDI ist ein sportlicher Kleinwagen mit bissigen Fahrleistungen. Allerdings ist er braver als sein aggressives Outfit glauben machen möchte. Ein moderat abgestimmtes Fahrwerk und die leichtgängige Servolenkung machen aus ihm eher einen sportlich angehauchten Alltagswagen als eine gnadenlose Rennsemmel. Der Spaß bleibt hier jedoch keineswegs auf der Strecke.

 

 



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