Wer günstig autofahren will, muss auf Emotionalität nicht unbedingt verzichten, nur die bezieht sich dann weniger auf Motor und Fahrleistungen. Seat liefert mit dem Ibiza ein gutes Beispiel – er bietet so viel Auto wie nötig, erfreut die Sinne mit rassigem Design und den Geldbeutel mit günstigen Kosten. Jedenfalls gilt das für die Basis, und wie man mit der unterwegs ist, soll die folgende Abhandlung klären.
an braucht nicht immer viel Leistung, um in automobiler Hinsicht besonders glücklich zu werden. Für manche Käufer zählen Dinge wie Design und Praxistauglichkeit. Wobei letztere viele Facetten haben kann, sei es eine hohe Ladekapazität oder die simple Zweckerfüllung – nämlich einfach nur trocken von A nach B kommen. Da bietet der Seat Ibiza insgesamt schon ein bisschen mehr; okay, wer zur Limousine greift, darf keine Transportmaschine erwarten, darüber muss wohl kaum diskutiert werden. Dafür gefällt der Kleinwagen mit markantem Auftreten – viele Sicken und geschliffen ausschauende Kanten bringen Spannung in das optische Geschehen. Zackig-schräge Scheinwerfer sorgen für den Hauch Würze von vorn, hier entstand zweifellos der Polo für alle strikten Gegner des Einheitsgesichts. Denn er ragt aus der Menge, steht für sportive Extravaganz. Warum sollen Kleinwagenfahrer in diesem Punkt auch zurückstecken? Aber Design ist lange nicht der einzige Punkt, der für den Ibiza spricht. Als Nutznießer Volkswagens Plattform-Regal handelt es sich um einen höchst modernen Vertreter des Konzerns, der nicht nur alle heute üblichen Finessen mit auf den Weg bekommen hat, sondern außerdem typischerweise beste Fertigungsqualität beweist.
Kommt man denn auch mit den Basismotorisierungen jenseits von satter Leistung klar? Im Fokus dieser Zeilen stehen mal keine Dieselmotoren, sondern die beiden kleinen Benziner mit 1,2 respektive 1,4 Litern Hubraum. Hier stehen 60, 70 und gar 85 PS zur Verfügung. Sämtliche Ausführungen erfüllen Euro 5 – das ist doch eine Ansage. Keine Direkteinspritzung, keine Turbos – stattdessen einfache und robuste Technik zum bezahlbaren Kurs. Okay, Vierventiler sind es allemal – das Label "12V" handelt sich der Einstiegsmotor aus einem einfachen Grund ein: Es ist ein Dreizylinder. Klingt interessant, klingt sogar exotisch und klingt – nach dem Start – gar nicht schlecht. Von wegen unkultivierter Sack Muscheln, nein, der 1,2er läuft unauffällig und vibrationsarm. Das beschränkt sich nicht allein auf Standgas-Drehzahl; auch im Fahrbetrieb macht das Motörchen einen akustisch verhältnismäßig geordneten Eindruck, wobei der Benziner irgendwann angestrengt wirkt. Das ist kein Wunder, denn eine gute Tonne muss der – in diesem Fall – 70 PS starke Benziner schon schleppen, was an Steigungen Drehzahlen erfordert. Für den alltäglichen Gebrauch reicht der Punch locker aus, wobei klar sein muss: Das Fünfgang-Getriebe will je nach Situation fleißig bedient werden.
Tapetenwechsel – Umstieg in die größere 1,4-Liter-Version. Nun sind immerhin vier Zylinder am Werk, Standard also. Klanglich hört man wenig Unterschied, beide Aggregate laufen für ihre Kategorie wohlerzogen. Spannend wird es dagegen bei der Leistungsentfaltung. Um ein paar Fakten zu nennen: Ganze 20 Nm mehr Drehmoment stemmt der größere Motor auf die Kurbelwelle – allerdings liegen dessen 132 Nm erst bei 3.800 Touren an, während die 112 Nm des kleineren Triebwerks schon bei 3.000 Touren abgerufen werden können. Wie auch immer, 85 Pferdchen zerren da an den Vorderrädern, damit sollte man auskommen; erstaunlicherweise fällt die gefühlte Differenz gar nicht mal so groß aus. Spürbar ist das Plus an Leistung allerdings schon, vor allem Autobahnsteigungen nimmt der 1,4-Liter gelassener, wenngleich oft auch hier Zurückschalten angesagt ist. Die Box beinhaltet ebenso fünf Gänge, was ein recht hohes Drehzahlniveau zur Folge hat. Wirklich gefräßig ist der Spanier allerdings nicht, gibt das Werk selbst für die 85 PS-Variante unter sechs Liter pro 100 Kilometer an – als gemittelten Wert. Der Dreizylinder liegt bei etwa fünfeinhalb Litern, was völlig in Ordnung ist, zumal Wenigfahrer hier ohnehin nicht ganz so sensibel sein dürften, außer beim Thema KFZ-Steuer.
Da auch schon die 1,2-Liter-Ausführungen über 120g CO2/Kilometer emittieren, muss zur hubraumbezogenen Steuer noch der CO2-Obolus von zwei Euro pro Gramm addiert werden, was für die 70 PS-Version 10 Euro (Grundsteuer 24 Euro) und für die 1,4er-Variante 38 Euro (Grundsteuer 28 Euro) jährliche Zusatzkosten bedeutet – also noch im verträglichen Rahmen. Verträglich geht es auch zu, wenn einer der Basis-Ibiza unverhofft doch mal zum längeren Ritt verdonnert wird. Kein Wunder, schließlich offeriert die über vier Meter lange Fuhre ordentlich Raum. Angesichts der Abmessungen von Kleinwagen zu sprechen, dürfte so manchen älteren Autokennern eine runzlige Stirn verpassen, denn früher waren solche Maße der unteren Mittelklasse zuzuordnen. Also sind auch weite Urlaubsfahrten kein Problem für den derzeitigen Einstiegs-Spanier, zumal man auf den straff gepolsterten Stühlen gut sitzen kann. Derweil erfreut der eigenständig gestylte Innenraum das Auge – keine Spur von Volkswagen-Rückständen, da haben die Südeuropäer sauber gearbeitet. Auch keine Tadel an das Kapitel Funktionalität, alle Schalter befinden sich an der richtigen Stelle, und die Bedienung gelingt intuitiv. In Sachen Verarbeitung dagegen ist Volkswagenlevel angesagt – und natürlich auch gewünscht.
Ab 11.690 Euro gibt es den Seat Ibiza, der hat dann drei Zylinder und 60 PS. Serienmäßig sind Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Thoraxairbags, Außentemperaturanzeige, elektrische Fensterheber vorn, elektronisches Stabilitätsprogramm sowie Zentralverriegelung – wohlgemerkt ohne Funkfernbedienung. Die zwar hubraumgleiche, aber stärkere (70 PS) Dreizylinder-Version gibt es erst ab der "Reference"-Line – dann lässt sich der Seat auch per Fernbedienung abschließen und kostet 1.200 Euro mehr. Wer in den Genuss der 85 PS aus 1,4 Litern Hubraum kommen will, muss schon 15.600 Euro hinblättern; für das Geld heißt die Ausstattungslinie bereits "Style" und hält zusätzlich elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber auch hinten, Klimaanlage, Radio sowie Tempomat bereit. Etwas mehr Luxus beschert das 390 Euro teure Technik-Paket mit automatisch abblendendem Innenspiegel, Park- und Regensensor. Das Winterpaket (ab "Reference") für 330 Euro bietet beheizte Scheibenwaschdüsen, eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage und Sitzheizung. Auch Bixenon-Kurvenlicht (800 Euro) ist verfügbar, allerdings nur für die 16.300 Euro teure "Sport"-Ausführung. Schade: Das beim Vorgänger noch integrierte Navigationssystem wich einer TomTom-Lösung – immerhin zum Draufstecken. Vielleicht bringt ein Facelift ja Abhilfe.
Fazit: Der Seat Ibiza lässt sich auch mit den Basismotoren allroundfähig einsetzen. Günstige Kosten stehen hier im Vordergrund, da muss mit dem Fahrspaß naturgemäß etwas gehaushaltet werden. In puncto Styling aber bieten die Einsteigerversionen die gleichen optischen Reize wie ihre High-End-Brüder. Somit ist der schicke Stadtflitzer eine willkommene Alternative im Kleinwagen-Bereich.