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Fahrberichte & Tests
 
Saab 9-5 Front

Kantige Limousine für Leute mit ausgefallenen
Geschmack - der Saab 9-5

 
 

Alter Schwede

Auch wenn der große 9-5 in die Jahre kommt, hat sich doch eines nicht geändert: Wer das Außergewöhnliche liebt, greift zu dieser robusten Business-Limousine mit Ecken und Kanten. In diesem Autotipp geht es um den 2,2 TiD.

Saab-Fahrer sind so ein Völkchen für sich - wie sonst erklärt sich, dass hie und da Klagen über die immer tiefergehende Einflussnahme der Mutter GM in die Entwicklung und damit auch in die generelle Charakteristik dieser doch so eigenständigen Autos laut werden.
Aber ganz so schnell geht das Abendland nun auch wieder nicht unter; zumindest flutscht der letzte Schweden-Wurf (9-3) noch als klar erkennbarer Marken-Anhänger durch, wenngleich der Teufel im Detail steckt, wo er auch schon seine Spuren hinterlassen hat.
Doch letztlich spielt es keine entscheidende Rolle, welche technische Feinheit - ob traditionsbelastet oder nicht - inwieweit Bestand hat oder eben nicht. Das Produkt muss schlussendlich sein Profil nach außen vertreten - da haben adaptierende Ingenieure, Sounddesigner und nicht zuletzt natürlich die guten alten Designer eine Menge Schwerarbeit zu leisten.

Zynische Naturen werden jetzt feststellen, dass genau dieser Gesichtspunkt hier theoretisch vernachlässigt werden könnte. Bedenkt man nämlich, dass die Spezialität der Marke seit je her aufgeladene Ottos und nicht Diesel waren, dürften viele Anhänger angesichts der Selbstzünder, die inzwischen auch vor Saab keinen Halt machen, die Nase rümpfen. Doch mit recht?
Nein. Denn es waren lange Jahre auch stattliche Limousinen, mit denen Individualisten ordentliche Strecken zurückgelegt haben - warum sollten jene das statt mit einem kleinvolumigen Turbo nicht auch mit einem Diesel bewerkstelligen können, ohne gleich einen Stern, Ringe oder gar blau-weise Emblems tragen zu müssen?
Müssen sie gar nicht mehr, denn das spät, aber im Zuge der gründlichen Renovierungsarbeiten des 9-5 immerhin installierte Dieselprogramm versorgt alle Fans des nagelnden Motorenbaus mit entsprechenden Aggregaten.
Wer es stark mag, greift zum lieferbaren 3,0 V6 - ruhigere unter uns kommen mit dem 2,2-Liter Vierzylinder aus, der genau wie die stärkere Antriebsquelle auf das Konto von GM geht und der Thema dieser Abhandlung ist. Die kleine Variante ist eine Spende der deutschen Schwestermarke Opel; und den munteren Direkteinspritzer gibt es erfreulicherweise auch in Verbindung mit einer fünfstufigen Automatik - beim Testwagen der Fall -, welche nicht nur längere Autobahn-Staus stressfreier vorübergehen lässt, sondern grundsätzlich eine gute Begleitung abgibt.

Saab 9-5 Heck, Rückleuchten
 
Neue Schlussleuchten
kämpfen gegen die Zeit
 

Sicher, ein überschäumender Kraftprotz ist der Turbodiesel nicht gerade. Aber er tut im Alltag seinen guten Dienst, und wer nicht gerade Beschleunigungsrennen an der Ampel gewinnen will, spürt keinen Mangel.
Die kleine Anfahrschwäche sei in diesem Fall verziehen - wird sie doch vom Wandler effektiv kaschiert, so dass keine negativen Wirkungen entstehen, schließlich lässt sich der TiD mit automatischem Getriebe nicht abwürgen.
Übersetzungswechsel geschehen weich und spontan, man kann nicht sagen, dass die Motor-Getriebe-Einheit unharmonisch wäre.
Generell zeigt sich der runderneuerte 9-5 von einer harmonischen Seite - auch mit Nagler unter der Haube. So entspricht das Geräuschniveau durchaus einer komfortablen Reiselimousine; ferner bietet der Federungskomfort keinen Grund zur Schelte. Allein die Lenkung könnte präziser arbeiten - so ist sie um die Mittellage ein wenig schwammig.

Das Interieur präsentiert sich markengerecht - kantig, übersichtlich und freilich in einer Hochwertigkeit, wie es sich für eine Firma, die auf ein Premium-Dasein Wert legt, gehört. Zuverlässigkeit sowie Solidität ausstrahlen, diese Eigenschaft ist den Schweden ebenfalls geblieben - das ist es schließlich, was die Kunden stets wünschen.
In puncto Raumgefühl allerdings ist der größte Saab inzwischen etwas ins Hintertreffen geraten. Das kann jetzt sogar ein 9-3 besser, der bekanntermaßen zur Mittelklasse zählt. Enge herrscht wahrlich nicht vor im Schweden-Flaggschiff, jedoch ist es auch nicht besonders großzügig geschnitten - hier sollte beim Generationenwechsel nachgelegt werden. Dass das auch passieren wird, mag niemand bezweifeln - schon gar nicht im Angesicht des frisch aufgelegten kleinen Bruders, der in manchen Disziplinen zeigt, wohin die Reise geht.
Als Trost sei aber hinzugefügt, dass der Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 500 Litern immerhin zu den schluckfreudigeren gehört. Ferner ermöglichen rund 500 kg Zuladung eine intensive Nutzung desselben.

Komfortabel indessen sind alle Versionen des 9-5 - keine Frage. Ausstattungsmäßig liegt schon die Basis auf recht hohem Niveau. Die Sicherheit betreffend gibt es vier Airbags, aktive Kopfstützen, Antiblockiersystem und elektronische Bremskraftverteilung. Das elektronische Stabilitätsprogramm kann leider nur in Kombination mit einem Benziner ausgeliefert werden - ein ärgerlicher Fakt.
Ansonsten bietet der Kühle aus dem Norden einen Bordcomputer, elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, eine Radioanlage, eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Teilleder-Polster (Vector) und eine fernbedienbare Zentralverriegelung.
Selbstverständlich gehts auf Wunsch noch weiter: Sowohl Außen- als auch Innenspiegel werden für 255 Euro automatisch abgeblendet. Eine Diebstahl-Warnanlage gibt es ab 350 Euro. Mindestens 2.905 Euro werden für ein Navigationssystem fällig - mit Farbmonitor kostet es 3.100 Euro. Park- und Regensensor verlangen 360 sowie 75 Euro. Ein elektrisches Schiebe-Hebe-Dach in Glas lässt sich mit 1.050 Euro bezahlen. Elektrisch verstellbare Sitze dürfen in einem luxuriösen Auto ebenfalls nicht fehlen: 500 Euro. Mit Memory-Schaltung und elektrischer Verstellung auch für den Beifahrer sind gleich 1.350 Euro zu berappen. Sollen die Sitze beheizt werden, kostet das 325 Euro oder gar 500 Euro, sofern die Beheizung auch hinten erfolgen soll. Zu guter Letzt seien noch Tempomat und Bi-Xenonlicht erwähnt - sie kosten 450 und 620 Euro.
Für den Saab 9-5 2,2 TiD in der Linear-Ausführung sind 29.650 Euro zu entrichten. Die Topversion (Vector) schlägt dagegen mit 33.200 Euro zu Buche. Übernimmt der Automat das Schalten, erhöht sich der Grundpreis um nochmals 1.600 Euro.

Fazit: Es bleibt wie es ist - der Saab 9-5 ist nach wie vor eine ernstzunehmende Limousine der oberen Mittelklasse mit einer luxuriösen und gleichermaßen attraktiven Ausstattung. Das Dieselangebot macht die Modellpalette bunter und bietet insbesondere vielfahrenden Individualisten die Möglichkeit, ihrer Marke treu zu bleiben. Schwachpunkt ist allein das bei den Selbstzündern fehlende ESP; abgesehen davon befindet sich der betagte Schwede noch in erstaunlich guter Form.

 



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