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Fahrberichte & Tests
 
Saab 9-5 Front, Innenraum

Nagelneu

Der Saab 9-5 ist ein Charakter-Fahrzeug. Seine Käufer legen in erster Linie Wert auf die Botschaft, die er vermittelt: Andersartigkeit. Dennoch hat der Hersteller seinem schon lange auf dem Markt befindlichen Flaggschiff im Zuge vieler Facelifts alles mit auf den Weg gegeben, was modern und gut ist. Seit einiger Zeit gehört dazu auch ein neuer, altbekannter Dieselmotor. Autotipp.

Der Saab 9-5 ist nun wahrlich kein Frischling mehr, befindet er sich doch schon seit 1997 im Verkauf. Seit 1999 immerhin dürfen die Käufer auf eine Kombi-Variante zurückgreifen. Und da der Nachfolger noch auf sich warten lässt, muss sich die interessierte Autowelt zunächst mit Modifikationen zufriedengeben. Was bei der letzten Frischzellenkur indes herauskam, ist akademischer Natur, obwohl der Fortschritt im Gesamtbild auffällt.
Die Detailarbeit betrifft vor allem die Schlussleuchten sowie Scheinwerfer. Letztere erstrahlen seit Oktober 2005 innerhalb eines schicken Chromsaumes.
Doch auch unter der Haube gibt es Neuigkeiten, sofern der Interessent zur Dieselvariante greift. Der alte 2,2-Liter mit Verteilereinspritzpumpe wurde in Rente geschickt; ersetzen muss ihn der wohlbekannte und deutlich modernere 1,9-Liter aus dem GM-Fiat-Baukasten. Er bietet bei weniger Hubraum mehr Leistung (150 statt 120 PS) und erfüllt die Euro-4-Norm. Auch der Partikelfilter fährt selbstredend mit.

Saab 9-5 SportCombi Heck, Rückleuchten
 
Leicht modifizierte Heckleuchten beim 9-5
 

Ist der 1,9er dem schweren SportCombi (in dieser Abhandlung Thema) denn gewachsen? Schließlich ist der 9-5 die einzige obere Mittelklasse, welche jenen Diesel-Vierzylinder aus der einstigen GM-Fiat-Kooperation in sich trägt. Bis zu 1,7 Tonnen (je nach Ausstattung) muss er schleppen, das lässt keine berauschenden Fahrleistungen vermuten. Laut Werk vollzieht sich der Standard-Sprint binnen 10,7 Sekunden; in der Spitze bringt der Businessliner 205 km/h – so weit die Theorie.
Und die Praxis? Nun, auch dieser Selbstzünder verfügt über eine minimale Anfahrschwäche – ist sie erst überwunden, legt sich der Vierzylinder durchaus ins Zeug. Von Untermotorisierung kann keine Rede sein. Munter zieht der 9-5er seine Bahnen, man kann ihn auch mal schaltfaul fahren. Immerhin liegen 320 Nm zwischen 2.000 und 2.750 Touren an. Übrigens trägt das Getriebe ebenso eine Mitschuld daran, dass der 1,9 TiD nicht zu den ganz phlegmatischen Genossen des Landes zählt – es handelt sich um recht kurz übersetzte Fahrstufen. Ein sechster Gang hätte nicht geschadet, um das Drehzahlniveau auf langer Autobahnfahrt etwas abzusenken.

Aber eines muss man dem Triebwerk lassen: Manieren hat es. Lediglich nach dem Kaltstart offenbart es, aus welchem Lager es stammt. Nach kurzem Warmlauf gibt es den akustisch milden Partner und bleibt bis zum Drehzahlende ebenso lärm- wie vibrationsfrei.
Zusammen mit dem eher weich abgestimmten Fahrwerk avanciert der Kombi zum ausdauernden Tourer. Schnelle Kurven mag er nicht, weshalb die Bezeichnung „SportCombi“ manche Stirn runzeln lässt. Diese steht dem kleineren Bruder 9-3 besser zu Gesicht, welchen Biegungen zwar weniger beeindrucken, dem der sanfte Nachschwung bei langwelligen Autobahnverwerfungen indes abgeht. Einziger Wermutstropfen: Auf holprigen Strecken meldet sich die Vorderachse schonmal mit leichtem Stuckern. Dafür verwöhnt die Servolenkung mit Leichtgängigkeit sowie exakter Rückmeldung – und der Geradeauslauf bleibt selbst jenseits von 200 Stundenkilometern stabil. Da kommt die Frage auf, was Saab beim nächsten Modell besser machen sollte, zumal auch der Innenraum kürzlich leicht modifiziert wurde.

Analog zum 9-3er bekam die größte Saab-Baureihe jene schicken wie gleichermaßen praktischen Drehregler für die Klimatisierung. Hervorragend bedienbar waren die Schweden allerdings auch vorher schon, sofern bestimmte Regeln beachtet wurden und werden: Das Zündschloss sitzt in der Mitte, und herausnehmbar ist der Schlüssel erst, nachdem der Rückwärtsgang eingelegt wurde. Letzterer Gag entfiel mit der Umstellung auf bartlose Schlüssel – im 9-3 bereits seit Modellstart eingeführt.
Allein in Sachen Innenraum-Abmessung hat sich etwas getan; so ist der 9-5 zwar nicht eng, doch neuere Semester dieser Kategorie wirken luftiger. Wie ein ordentlicher Maßanzug sitzt der Kombi, welcher seine Langstreckentauglichkeit nicht zuletzt dem straffen Gestühl verdankt. Im Fond gibt es auch für größere Personen genügend Beinfreiheit. Dahinter allerdings sieht es knapper aus: Nur 1.419 Liter schluckt die obere Mittelklasse bei komplett umgeklappter Rückbank, was den 9-5 als ausgeprägten Lifestyle-Kombi entlarvt. Sei es drum, die meisten Käufer dürften selbst diese Staufläche selten ausnutzen.

Saab 9-5, Kofferraum, Ladefläche, Stauraum
 
Ein bisschen Platz für Freizeit-Aktionen...
 

Bleibt die Preisfrage: Ab 34.300 Euro gibt es den Saab 9-5 1,9 TiD SportCombi in der „Linear“-Ausführung, welche mit Features wie Antiblockiersystem, Front und Seitenairbags (für Brust- und Kopfbereich), elektrischen Fensterhebern rundherum, elektronischem Stabilitätsprogramm, Klimaautomatik, Leichtmetallrädern, RDS-Radio und funkfernbedienbarer Zentralverriegelung bereits gut gewappnet auf Kundenfang gehen kann.
Wer nach Höherem strebt, muss zur 37.900 Euro teuren Vector-Linie greifen, die zusätzlich einen Bordcomputer, Teil-Ledersitze sowie einen Tempomat bereithält. Weitere Gimmicks lassen sich denn per Ausstattungsliste ordern – dazu gehören lebensverschönernde Dinge wie DVD-Navigationssystem (ab 2.805 Euro), elektrisch verstellbare Sitze (1.405 Euro) mit Sitzheizung (365 Euro). Kleine Freuden bereiten der automatisch abblendende Innenspiegel (290 Euro) oder Metallic-Lack (830 Euro).
Sicherheitsbewußte Autofahrer wählen freilich Park- (395 Euro) und Regensensor (105 Euro) sowie Xenonlicht für 1.000 Euro. Überdies gibt es das elektrische Glas-Schiebehebedach (1.095 Euro) ebenso wie die Standheizung (655 Euro).

Fazit: Der Saab 9-5 1,9 TiD SportCombi ist ein Fahrzeug für Vielfahrer wie Individualisten und all jene, auf die beides zutrifft. Er ist trotz langer Bauzeit auf der zeitlichen Höhe und zeigt mittels Anwesenheit von ESP und Rußpartikelfilter, dass er keinesfalls zum alten Eisen gehört.

 



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