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Wie
die Zeit vergeht schon fast fünf Jahre
beglückt die Baureihe 9-3 des Hauses Saab
einen ganz besonderen Kundenkreis, denn Masse
ist nicht Sache dieser eben kleinen, aber dafür
feinen Traditionsmarke mit dem seit eh und je
intellektuellen Einschlag. Es ist schon ein Phänomen,
dass sich ausgerechnet Akademiker Lehrer,
Professoren und andere Bildungsanhänger
gerade den skandinavischen Autofirmen hinwenden;
das nordisch Kühle jedenfalls scheint Mainstream-Liebhabern
zu widerstreben, was die Markenoberen einerseits
freuen dürfte, denn wer hat schon etwas gegen
die Rolle eines Exklusiv-Anbieters? Andererseits
braucht der Hersteller aber dringend Stückzahlen,
um frisches Geld zu verdienen schließlich
krankt auch die Mutter GM derzeit an dauerroten
Zahlen sowie an der Marktsituation. Am Auftritt
des offenen 9-3 kann es zumindest nicht liegen,
der Zweitürer steht satt und Blicke einfangend
auf der Straße, verwöhnt das Auge bei
geöffnetem Verdeck mit makelloser Cabrio-Linie
und geschlossen mit edler Stoffverdeck-Romantik
was im Zeitalter immer stärker aufkommender
Blechdach-Vertreter ja erwähnenswert scheint.
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| Zwei
Rohre und Spoiler bekunden Kraft... |
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Erwähnenswert scheint
in diesem Fall auch die Motorisierung des Testwagens.
Schließlich handelt es sich um das Top-Modell;
befeuert wird es von einem turboaufgeladenen (auch
eine lange Saab-Tradition) 2,8-Liter-V6 mit immerhin
250 PS. Und wenn sich stattlicher Hubraum mit
Aufladung paart, kommt dabei meist veritable Potenz
heraus. Da stört es wenig, dass dieser 9-3
runde 1,7 Tonnen leer auf die Waage wuchtet. Knapp
über sieben Sekunden vergehen bis zur 100
km/h-Marke; wenn der Ladedruck einsetzt und die
Nadel der dafür zuständigen Anzeige
ausschlägt, presst der Schwede seine Passagiere
mit betont sanftem Druck in die gemütliche
Sitzanlage. Das Stichwort sanft übrigens
erhält hier besondere Bedeutung, weil der
Sechszylinder auch in akustischer Hinsicht zu
den ganz gepflegten Exemplaren gehört. So
säuselt er nach dem Start murmelnd vor sich
hin und hebt die Stimme auch bei höherer
Drehzahl auf eine angenehme Weise. Er bleibt vibrationsfrei
und moderat in der Lautäußerung, lässt
seine Beobachter allerdings deutlich hören,
dass er seine Kraft aus sechs Töpfen gewinnt.
Schnelle Tempi erhöhen den Geräuschpegel
in der Fahrgastzelle dann aber doch. Vor allem
den Wind bekommen die Insassen zu Ohren, doch
das nimmt der Liebhaber klassischer Cabrios mit
Stoffkapuze gerne in Kauf. Sonst allerdings fährt
man kommod und durchaus langstreckenfest. Die
Platzverhältnisse lassen auch längere
Menschen leben, und im Fond können zwei Erwachsene
getrost auch mal einen Wochenendausflug antreten.
Wenn der Urlaub mal länger dauern sollte,
müsste vorher überlegt werden, wie man
entsprechendes Gepäck auf 352 Liter (Wert
bei geschlossenem Dach) verteilt. Jedoch ist das
Fassungsvolumen nicht von schlechten Eltern, manch
gestandene Mittelklasse-Limousinen bieten ebenfalls
kaum mehr als 400 Liter.
Doch das 9-3 Cabrio bietet weitere Qualitäten:
Die Karosserie lässt sich trotz obligatorischem
Sportfahrwerk auch von Unebenheiten kaum erschüttern
das spricht für das Nordlicht. Und
man muss ihm auch lassen, dass es alte Saab-Hasen
trotz moderner Technik nicht vor den Kopf stößt.
Gut, jener Gag, dass der Zündschlüssel
erst nach Einlegen des Rückwärtsgangs
herausgenommen werden kann, ist vorbei, seit ihm
der Bart rasiert wurde Elektronik hat eben
Vorfahrt.
Dafür erinnert das Tachoskalen-Layout an
frühere Zeiten, und die Bedienung zeigt sich
von der praktischen Seite; die kürzlich neu
installierten Drehregler für die Klimasteuerung
allerdings dürften wohl eher der optischen
Aufwertung dienen. Die Optik des 9-3 kommt im
Sommer übrigens auch nochmal unters Messer,
etwas Feinarbeit hält Saab nach einem halben
Jahrzehnt wohl für nötig, um die Kunden
bei der Stange zu halten. Dann indes sind die
Außenpartien an der Reihe, so dass auch
ahnungsloses Publikum einen Hauch von Fortschritt
erkennen kann. Nötig hat dieser Saab es keinesfalls,
sein Design wirkt beinahe zeitlos und herrlich
unaufdringlich. Das Problem eines 3er-Cabrios
wird der 9-3 daher nie bekommen: Statt in die
ruchige Ecke des fragwürdigen Nachtlebens
wandert er nach ausgelaufener Leasing in die Hände
Autokult liebender Menschen ganz so, wie
heutige Saab 900.
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| Makellose
Cabriolinie der Saab 9-3 |
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Und auch, wenn es dem Cabrio
nicht jeder ansieht es ist eines der Luxuskategorie.
Erstrecht, wenn der Interessent zum 250 PS-Boliden
greift, welcher ausschließlich in der Version
Aero lieferbar ist. Ein kleiner Spoiler
auf dem Heckdeckel sowie die Schweller und eine
geänderte Schürze verraten dem Kenner,
mit wem er sich auf der Autobahn anlegen will
oder vielleicht auch nicht.
Der Einstandspreis liegt bei 44.700 Euro mit manuellem
Sechsgang-Getriebe. Dafür gibts jede Menge
Ausstattung inklusive vier Airbags, Antiblockiersystem,
Bordcomputer, Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder,
Radioanlage, Sitzheizung, elektronischem Stabilitätsprogramm,
Tempomat, Xenonlicht und Zentralverriegelung mit
Funkfernbedienung. Freilich öffnet und schließt
auch das Verdeck per Knopfdruck vollautomatisch
und zwar aufpreisfrei.
Extra kosten hingegen Navigationssystem mit großem
Farb-Touchscreen (ab 2.705 Euro), Parksensor (395
Euro), Regensensor (105 Euro), der automatisch
abblendende Rückspiegel (315 Euro, inklusive
Außenspiegel) sowie elektrisch verstellbare
Sitze mit Memory (1.145 Euro).
Fazit: Das Saab 9-3 Cabrio Aero bleibt
sich selbst und mithin alten Markenliebhabern
treu, die auch schon zum 900 griffen. Allerdings
wird die offene Mittelklasse auch für jene
Individualisten interessant, die es etwas schneller
mögen, denn eines kann man dem Skandinavier
nicht vorwerfen: Dass er keine Performance besitze.
Ein ganz preiswertes Vergnügen ist er aber
nicht, damit muss man leben.
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