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Fahrberichte & Tests
 
Saab 9-3 Front Innenraum

SCHWEDISCH FÜR EINSTEIGER

Mit dem 9-3 1,8i erhält der Kunde eine interessante Einsteiger-Option beim schwedischen Autohersteller Saab. Wem Performance nicht wichtig ist, wohl aber ausgefallene Autokost, ist hier richtig. Mehr im folgenden Autotipp.

GM und die Verwässerung der zugehörigen Marken – ein Virus, das nach der Meinung vieler Fans wie auch Profis bereits seit einiger Zeit im Konzern kursiert. Eine Form jener Mode ist die Nutzung gemeinsamer Technologien. Tatsächlich wurde das Geschäft beispielsweise mit Plattform-übergreifenden Lösungen nie stärker betrieben als in Zeiten, da "Teile-Sharing" aufgrund des Kostendrucks sinn macht – einerseits. Andererseits ist das technische Potenzial heutzutage gegeben, und der Kunde merkt dank geschickter Adaption nur in seltenen Fällen, dass gleiche Komponenten von mehreren Marken genutzt werden.
Bei Saab ist es vielmehr die Abkehr von der typischen Fließheck-Karosserie, die bei eingefleischten Markenanhängern für Verdruss sorgte. Aufmerksame Automobilisten wissen natürlich auch, dass die aktuelle 9-3-Generation von neu entwickelten Triebwerken befeuert wird – auf Wunsch freilich mit Turbo-Beatmung, so viel Tradition muss einfach gewahrt werden. In diesem Fall jedoch kommt ein 1,8-Liter großer Sauger zum Einsatz – in antriebstechnischer Hinsicht kein Überflieger.

Saab 9-3 Heck, Rückleuchten
 
Es geht sportlich – mit dezentem Rohr
 

Doch selbst mit ihm geht es wacker voran. In ruhiger Manier treibt der 122 PS-Brocken den Mittelklässler über die Lande; immerhin wiegt ein moderner Vertreter dieses Segments runde 1,5 Tonnen ohne Besatzung – da sind sportliche Allüren weit entfernt. Dafür benimmt sich der Vierzylinder kultiviert und laufruhig über das gesamte Drehzahlband – was die Passagiere ihm danken, denn die von der Maschine ausgehende Geräuschkulisse in der Fahrgastzelle bleibt stets auf einem angenehmen Level.
Ansätze dynamischer Umgangsformen findet der ambitionierte Fahrer denn in der sauber gehaltenen Fahrwerksabstimmung. Zusammen mit der präzisen Lenkung lässt sich der Fronttriebler agil durch Windungen dirigieren, und wer hohe Drehzahlen nicht scheut, gelangt sogar zu einem Funken Laune bringender Querbeschleunigung – freilich im Rahmen des Möglichen.
Schlechte Wege lassen sich im grundsätzlich straffen 9-3 durchaus kommod passieren, da bleibt kaum Platz zum Nörgeln. Auf langen Autobahnetappen erweist sich der Schwede als angenehmer Gleiter und somit als höchst reisetauglich; dort anzutreffende Asphaltschnitzer pariert er sorgfältig und wirkungsvoll, allein kurze, aggressivere Wellen dürften deutlicher du den Insassen gelangen – das liegt in seiner Natur.

Ergonomisch geformtes Mobiliar mit sitzfreundlicher Polsterung kommt dem Fernstrecken-Komfort entgegen. Großzügig bemessene Platzverhältnisse vorn und hinten ermöglichen auch fülligeren Personen die Teilnahme an der unbeschwerten Fortbewegung.
Praktische Züge werden in Form eines großen Kofferraums, der 421 Liter Gepäck aufnimmt, deutlich. Sämtliche Varianten verfügen über eine Sitzbank mit umklappbarer Rückenlehne, was den Stauraum im Bedarfsfalle erheblich vergrößert.
Bei der Innenarchitektur hielten sich die Designer an alte Saab-Tugenden, die sich in klaren, geordneten, skandinavisch kühlen Linien darstellen. Das macht des Fahrers Arbeitsplatz übersichtlich und leicht bedienbar. Vorzüglich erreicht werden können sämtliche Radiofunktionen, welche hoch auf der Mittelkonsole nebst Instrumentarium thronen. Jenes trägt ebenfalls die Markenhandschrift: Mit zunehmender Geschwindigkeit enger zusammenrückende Ziffern auf der chromumrandeten Rundskala sind zwar nur ein kleines, nichtmal unbedingt praktisches Detail, allerdings fällt es Kennern auf.

Genau wie das heute noch zwischen den Sitzen angebrachte Zündschloss – allein der Bart fehlt dem Schlüssel inzwischen, er musste zu Gunsten einer elektronischen Lösung weichen.
Ansonsten ist der aktuelle 9-3 erfreulich bodenständig geblieben. Da gibts kein iDrive und keine Commander-Systeme – die Klimatisierung wird ebenso per separater Bedieneinheit geregelt wie Senderwahl oder Bordrechner-Einstellungen. In Verbindung mit der lieferbaren Navigation kommt der Eigner indessen nicht um erweiterte Funktionalitäten und damit zusammenhängenden Menü-Steuerungen herum.
Ein weiteres spezifisches Merkmal der schwedischen Traditionsmarke konnte General Motors ebenso erhalten – eine hochwertige, solide anmutende Materialverarbeitung verströmt die Botschaft des Premiumanspruchs in gekonnter Weise. Schließlich hat man eine verwöhnte Klientel im Visier, die Schnitzer kaum verzeiht: Zum Beispiel ehemalige Dreier-BMW-Kunden.

Saab 9-3 Felgen
 
Auch das Schuhwerk ist tageslichtauglich
 

Mindestens 23.950 Euro muss der Interessent für die preiswerteste 1,8i-Variante (Linear) berappen – damit liegt die Basis immerhin unter der magischen 25.000-Euro-Marke und bietet Front-, Seiten- und Kopfairbags vorn wie hinten, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bremsassistent, elektrische Fensterheber 4-fach, Klimaanlage, aktive Kopfstützen, Lederlenkrad, ein elektronisch gesteuertes Lenkradschloss, Radio sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
ESP kostet in Verbindung mit dem Basismotor 300 Euro Aufpreis, stattdessen gibt es eine Traktionskontrolle frei Haus.
Zu den wichtigsten Optionen dürften Leichtmetallräder (ab 900 Euro), Navigation (ab 2.220 Euro), Parksensor (365 Euro), Regensensor (80 Euro) und Bi-Xenonlicht (960 Euro) zählen.
Interessant ist das für 1.050 Euro lieferbare Comfort-Paket, das elektrisch anklappbare Außenspiegel, Bordcomputer, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Park- und Regensensor sowie Tempomat beinhaltet. Wer eine luxuriöse Mittelklasse fahren möchte, bestelle zusätzlich Lederpolster (1.620 Euro), elektrisch verstellbare Sitze (ab 505 Euro) sowie Sitzheizung (330 Euro).

Fazit: Der Saab 9-3 1,8i ist eine durchaus attraktive Premium-Alternative in der Mittelklasse. Mit dem Basismotor ist der Schwede sicher kein Temperamentbündel, aber durchaus gut gewappnet für lange Strecken. Die Limousine bietet demnach jede Menge Fahrkomfort und viel Ausstattung für den Preis. Sehen lassen kann sich auch die Verarbeitungsqualität – GM hat seine Hausaufgaben hervorragend erledigt.

 



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