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| Britischer Barock: Die Rover
75 Front |
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Feine englische Art
Der Rover
75 Tourer verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen:
Wenn nötig verdaut er neben dem regulären Supermarktbesuch
auch mal den einen oder anderen Einkauf im Gartencenter, ist
absolut langstreckenfähig und mit dem inzwischen erhältlichen
Common-Rail-Diesel angemessen wirtschaftlich. Wer das britische
Flair zudem liebt, fährt mit dem Mittelklassekombi goldrichtig.
Es mag wohl stimmen,
wir leben in einer Trend-Gesellschaft. Darauf ist das Autogeschäft
mindestens so gut eingestellt wie die Modebranche: Allradler
bevölkern bestens asphaltierte Strassen immer dichter,
Vans sprengen die Zulassungsstatistik, während eine Statistik
ganz anderer Art immer weniger Kinder zählt; überhaupt
nimmt die Anzahl unkonventioneller Crossover-Erscheinungen
zu.
Freilich gehört die Kombi-Invasion längst zur Automobilgeschichte,
doch der Umstand, dass sie begehrt sind, ist nach wie vor
hochaktuell. Demnach gehört Rover zu den Kombi-Nachzüglern,
gab es den 75 doch lange Zeit nur als Limousine; ferner ist
er bis heute der einzige Lastesel innerhalb der Marke. Und
selbst in diesen Tagen noch bereichern neue Lustlaster den
Markt ein Beispiel ist der auf dem X-Type fußende
Jaguar Estate, der erst vor einigen Monaten auf der IAA Premiere
feierte.
Dabei muss klar sein viele Mode-Kombis sind gar keine
wirklichen Ladekünstler, zumindest nicht zahlentechnisch.
Überaus praktisch sind sie trotzdem, denn wo bei manchen
Limousinen trotz umklappbarer Rücksitzbank im wahren
Sinne des Wortes Ende der Fahnenstange ist, stecken die Edellaster
dank langer Staufläche auch sperriges Gepäck problemlos
weg.
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Grosse Klappe, wenig
dahinter aber immerhin
flexibel |
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Auf die Theorie folgt prompt das Exempel:
Mit einem maximalen Ladevolumen von 1.222 l zeigt sich der
große Engländer eher bescheiden. Ein Citroen C5
Kombi immerhin auch der Mittelklasse zugehörig
kann da mit 1.658 Litern deutlich mehr.
Doch der Wert des Rovers liegt nicht in den blanken Zahlen;
vielmehr kauft man ihn wegen seines Stils. Und in der Beziehung
hat er wahrlich viel zu bieten. Davon zeugt das mit reichlich
poliertem Wurzelholz ausgetäfelte Interieur. Ganz im
Retro-Look mit Schnörkel-Schrift sowie ovalen Tachoskalen
gelingt es der Mittelklasse, Liebhaber englischer Lebensart
in ihren Bann zu ziehen. Gepaart mit einer hochwertig anmutenden
Verarbeitung avanciert der 75 zur attraktiven Alternative
in diesem Segment. Dabei wird die eigenständige Handschrift
des Innenraum-Konzepts auch von den wenigen Schaltern aus
dem BMW-Regal nicht zerstört.
Keinesfalls überschwänglich, aber auch nicht unterdimensioniert
präsentieren sich die vorderen Sitzplätze. Unterm
Strich eignet sich der Tourer als gutes Reisefahrzeug mit
bequemer Bestuhlung. Zu dem Ergebnis werden auch hinten Reisende
kommen. Zwar fällt das zweite Abteil noch eine Nummer
kleiner aus, hält jedoch trotzdem genügend Knie-
und Kopffreiheit bereit zumindest für normal gewachsene
Fahrgäste.
Das Kapitel Antrieb ist speziell beim
jüngst zum Einsatz kommenden Zweiliter-Common-Rail auf
kommode und gelassene Fortbewegung zugeschnitten, was eine
Kombination mit der optionalen Fünfgangautomatik begrüßenswert
erscheinen lässt. Im Fahrbetrieb besticht das von BMW
gestellte Aggregat durch zurückhaltende Lautäußerungen.
Nicht zuviel erwarten sollten potenzielle Käufer dagegen
von der dynamischen Disziplin besonders agil geht es
im CDTi nämlich keinesfalls zu. Wer aufmerksam ist, dem
wird das leicht verzögerte Ansprechen des Diesels nach
dem Start auffallen; dieser Umstand aber stört im alltäglichen
Umgang mit dem Kombi wenig. Nur beim hastigen Niedertreten
des Gaspedals aus dem Stand heraus falls ein sogenannter
Kavalierstart mal gewünscht sein sollte macht
die Anfahrschwäche wildgewordenen Autofahrern einen Strich
durch die Rechnung.
Dafür geht der Automat recht sanft zu Werke und führt
Gangwechsel zudem erfreulich spontan durch. Auf der Piste
zieht der Brite seine Bahnen sauber geradeaus, die Lenkung
arbeitet straff und präzise, jedoch mit dem richtigen
Maß an Indirektheit. Strassenunebenheiten gelangen nur
gut gefiltert in den Innenraum, hierfür trägt das
Fahrwerk Sorge. Dass es mit längeren Autobahnwellen besser
zurecht kommt als mit aggresiven Querfugen, welche schlimmstenfalls
zum Stuckern der Vorderachse führen können, liegt
in der Natur der Sache.
Im Gesamtbild steht der 75er klar auf der Komfort-Seite; er
ist kein sportlich-aktives Auto. Fleißige Lenker vermögen
ihn zwar fix über Landstrassen zu befördern, doch
seinem landestypischen Charakter entspricht eher die gepflegte
Gangart heute nennt man das Cruisen. Wird dennoch einmal
übertrieben, weist sicher beherrschbares Untersteuern
auf die nahenden Grenzen hin. Dann zeigt sich der noble Brite
auch trotz des immer noch nicht erhältlichen Stabilitätsprogramms
von seiner gutmütigen Seite. Dies allerdings kann keinesfalls
über den Schönheitsfehler hinwegtäuschen, der
beizeiten ausgemerzt werden sollte.
Sonst ist die Sicherheitspalette aber auf der Höhe: Kein
Modell mit der Nummer 75 verlässt ohne Front-, Seiten-
und Kopfairbags das Haus. Immerhin gibt es noch eine Traktionskontrolle,
ansonsten stehen Antiblockiersystem inklusive elektronischer
Bremskraftverteilung im Falle eines Falles bereit.
Steht "Celeste" im Kaufvertrag, sind Sorgen über
mangelnden Funktionsluxus verschwendetes Gedankengut. Neben
den Standardpositionen wie Alarmanlage, elektrisch einstell-
und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber,
Lederlenkrad, Radioanlage mit Kassettenlaufwerk inklusive
RDS und fernbedienbarer Zentralverriegelung, bietet das Topmodell
auch Klimaautomatik, Leichtmetallräder sowie elektrisch
einstellbare Ledersitze samt Sitzheizung.
Dafür steht der Grundpreis mit 31.905 Euro alles andere
als tief im Kurs. Für das Fünfstufen-Automatikgetriebe
werden nochmal 1.637 Euro fällig. Satte 2.966 Euro Mehrpreis
muss hinnehmen, wer mittels Bildschirmnavigation über
Dorf und Stadt gelotst werden möchte. In dieser Option
enthalten sind allerdings auch ein verbessertes Audiosystem
wie TV-Tuner. Sinnvollerweise sollte auf das 615 Euro teure
Fahrsicherheitspaket nicht verzichtet werden es beinhaltet
Bordcomputer, einen automatisch abblendenden Innenspiegel
sowie Park- und Regensensor.
Wer häufig schwergewichtig durch die Gegend rollt
beim Kombi wahrscheinlicher als bei allen anderen Autos
bestelle eine Niveauregulierung, für 695 Euro zu haben.
Ganze 925 Euro will Rover für Xenonlicht sehen
möchte man weiter verteuern, ist auch das kein größeres
Problem, die Liste der Extras ist lang.
Das letzte Wort gilt wie so oft dem Kraftstoffkonsum, und
hier schlägt die Stunde des Selbstzünders: Zwischen
5,2 l und 10 l Diesel nennt das Werk im Testbetrieb
kamen wir allerdings selbst über neun Liter kaum hinaus
das ist in Anbetracht des Leergewichts von gut 1,6
Tonnen mehr als akzeptabel.
Fazit:
Der Rover 75 Tourer 2,0 CDTi ist tatsächlich so britisch
wie von ihm behauptet wird. Er bietet ein stilvolles Interieur
und setzt sich damit in eigenständiger Weise von den
zahlreich vorhandenen Konkurrenzmodellen der Mittelklasse
ab. Ferner überzeugen Qualitäts- und Fahreindruck;
der Tourer ist wirklich einer, einer, mit dem lange Strecken
komfortabel abgespult werden können. Der Sollseite könnte
mit einem etwas größeren Laderaum und dem immer
wichtiger werdenden elektronischen Stabilitätsprogramm
entsprochen werden. Bei letzterem bleibt die Hoffnung
das nächste Facelift kommt bestimmt.
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