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Fahrberichte & Tests
 
Renault Mégane, Front
Fast schon konventionell: Das Gesicht des Megane
 
 

Reine Formsache

Renaults polarisierende Design-Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Modellplatte. Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Entscheidung, das innerhalb des Gesamtangebots meistverkaufte Modell – den Mégane – auf den LeQuement-Kurs zu trimmen, war offensichtlich eine gute. Die Erklärung dieser Aussage liefert das Kraftfahrt-Bundesamt.

Das Stimmungsbarometer für den Automarkt heißt KBA. Denn die Zahlen, die das berühmte wie gleichermaßen berüchtigte Kraftfahrt-Bundesamt herausgibt, sind gefragt und erfreuen sich regen Interesses – zumindest dann, wenn es sich um Neuzulassungen handelt. Zwar weiß der Fachmann, dass ein angemeldetes Fahrzeug noch lange kein verkauftes ist, aber eine gewisse Stimmungserzeugung kann man jener monatlich aktualisierten Liste nicht absprechen.
So gesehen gehört der Mégane zu den Marktgewinnern, bildet er doch zusammen mit dem Toyota Corolla und Peugeot 307 die Spitze der importierten Kompaktklasse. Dieser Trend hat sich zu einer stabilen Lage entwickelt und lässt sich – auf dieses Jahr bezogen – bis Juli dokumentieren: Demnach führten von Januar bis zum vorigen Monat 20.310 KFZ-Scheine den Mégane.
Man hat sich scheinbar nicht nur an die ausgefallene Linie dieses Golf-Konkurrenten gewöhnt, sondern sie auch lieben gelernt, jedenfalls der eine oder andere.
Dabei scheint sich der kompakte Renault so gekonnt ins Strassenbild einzureihen, dass er sich häufig jener scharfen Beobachtung entzieht, unter der seine Einführung noch gestanden hatte.

Renault Mégane Innenraum
 
Der Innenraum des
Kompakten wirft keine
Fragen auf
 

Zackige, messerscharf gezeichnete Scheinwerfer geben der Front ein spannendes, aber kein Spektakuläres Gesicht, das den Franzosen dennoch aus der Masse hervorstechen, aber das Gemüt des Volkes offenbar nicht in dem Maße hochkochen lässt wie sein Abschluss.
Dieser hingegen spaltet die Nation mit steil stehender Heckscheibe. Kontrastprogramm: Die bauchige Einheit von Kofferraumdeckel (unterer Teil) und Stoßfänger streckt sich dem Betrachter weit entgegen.
Interessant gestaltet sich denn auch die Seitenansicht – Während das Heckfenster der 3-türigen Version nach unten abfällt, verläuft die Dachlinie gerade, was eine freie Blech-Fläche entstehen lässt. Dem Fünftürer bleiben allein massiv anmutende Bügeltürgriffe als Seiten-schmückendes Beiwerk.
Innen geht alles konventioneller zu, wenngleich man einen Zündschlüssel vergeblich sucht. Gestartet wird ebenso per Knopfdruck wie man den Motor abstellt, und der Testwagen gab sich sogar mit einem Händedruck (Türgriff berühren) zufrieden, wollte man dessen Türen öffnen. Vorausgesetzt freilich, die mitgelieferte Chipkarte befindet sich in der Hosentasche des Akteur. Zum Schließen genügt denn ein Knopfdruck am Türgriff. Skeptikern sei versichert: Das funktioniert gut und ist so bequem, dass man das System nach ein paar Tagen Eingewöhnung gar nicht mehr missen will.

Ansonsten erfordert der Franzose wenig Gewöhnung – auch im Inneren nicht, denn das Cockpit hält eine aufgeräumte Schalterstruktur bereit. Hoch in der Mittelkonsole installierte Klima-Regler sorgen für gute Erreichbarkeit; die Radioanlage, deren Steuerung sich allerdings etwas umständlich gestaltet, liegt – immer noch in Reichweite – knapp darunter. Zwei übersichtliche Rundskalen mit breit gehaltenem Saum in matt schimmerndem Chrom-Look zeigen dem Piloten die aktuelle Geschwindigkeit sowie Motordrehzahl an. Kritik im Kollegenkreis erntete die vom unteren Teil farblich abgesetzte Armaturentafel, welche unter dem Gesichtspunkt der Ästhetik aber durchaus ihre Daseinsberechtigung erfüllt. Hier ist eben Geschmack gefragt.
Die richtige Körpergröße braucht es dagegen, um mit den Platzverhältnissen im Mégane glücklich zu werden. Entwarnung: Der durchschnittlich oder leicht überdurchschnittlich füllige Mensch fühlt sich hier wohl. Knie- und Kopffreiheit sind in hinreichenden Mengen vorhanden, da lässt es sich gut reisen. Außer, der Fahrer hat eine Vorliebe für schnell angegangene Kurven, denn hohe Querbeschleunigung erlauben weder das eher moderat abgestimmte Fahrwerk noch die Sitzanlage. Letztere sorgt zwar für den bequemen Aufenthalt, doch fehlt es an Seitenhalt.

Aber Hand auf's Herz: Wer strebt schon forcierte Kurvenfahrten mit einer unteren Mittelklasse an, die noch dazu dem möglichst wirtschaftlichen Fortkommen dient. Verlangt man das nicht von modernen Dieselaggregaten, deren auch im Testwagen ein Exemplar eingebaut war? Dieser hört auf den namen 1,5 dCi und ist in zwei Ausführungen zu haben. Die hier besprochene Version leistet 82 PS und stellt damit die schwächere Variante dar. Sportlichkeit ist demnach nicht angesagt, aber trotzdem geht es zügig voran. Von Untermotorisierung kann also keine Rede sein, wenngleich dieser Mégane alles andere als ein Sprinter ist. Dafür verbraucht er selbst bei rauher Fahrweise kaum mehr als sechs Liter Dieselkraftstoff. Dank großzügig bemessenem Tank (60 Liter) lassen sich Reichweiten in vierstelliger Kilometer-Zahl mühelos realisieren, was in der Praxis durchaus von erwähnenswerter Bedeutung ist.
Ebenfalls zur angenehmen Seite gehören die akustischen Gepflogenheiten des kleinen wie modernen Common-Rail. So hält sich der Selbstzünder, dessen Gemischaufbereitung neben der Haupteinspritzung auch eine Voreinspritzung durchführt, stets mit Lautäußerungen zurück. Störende Vibrationen gibt es allenfalls nach dem Kaltstart; sobald der Vierzylinder Betriebstemperatur erreicht, verfällt er in einen bis zum Drehzahlende kultivierten Lauf. Sicherlich trägt auch eine gute Geräuschdämmung zur ruhigen Innenraum-Atmosphäre bei.

Auch im Fahrbetrieb zeigt der Mégane eben einen gänzlich anderen Charakter als die Außenhaut ahnen lässt: Introvertiert und zurückhaltend gibt er sich, wenig hektisch oder pulsierend. Das manuelle Fünfganggetriebe lässt sich leichtgängig bedienen, sein Schalthebel will aber präzise durch die Gassen geführt werden – dieser Umstand ruft zur Gemächlichkeit auf. Ferner läuft der Kompakte sauber geradeaus bis in hohe Tempobereiche; auf der Landstrasse mimt er den gemütlichen Gesellen, der Richtungswechsel nicht besonders gerne mag. Die leichtgängige elektrische Servolenkung könnte für den Geschmack aktiver Naturen einen Tick mehr Fahrbahnkontakt vermitteln, befriedigt den Durchschnittsbürger jedoch und erfreut Städter, denn dank ihr ist der Allround-Renault außerordentlich rangierfähig.
Und damit seine künftigen Eigner finanziell rangierfähig bleiben, bietet der Hersteller den Mégane 1,5 dCi bereits ab 15.400 Euro an. Schon in der Basisausführung namens Mégane Authentique finden sich Features wie Antiblockiersystem, Front-, Seiten- und Windowbags vorn, Bordcomputer, Bremsassistent, elektrische Fensterheber vorn, elektronisches Stabilitätsprogramm und eine Zentralverriegelung mit schlüssellosem Startsystem.

Renault Mégane, Heck, Rückleuchten
 
Dieses Heck spaltet die
Nation
 

Lang ist die Liste der Sonderoptionen: Seitenairbags im Fond schlagen mit weiteren 300 Euro zu Buche, 200 Euro kostet eine sensorgesteuerte Reifendruckkontrolle. Dringend zu empfehlen ist die 1.200 Euro kostende Klimaanlage – allein wegen der Wiederverkaufschancen. Wesentlich luxuriöser, aber mit 20.050 Euro auch teurer kommt die Linie Privilège daher, welche schon ab Werk Gimmicks wie einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Leichtmetallräder, Klimaautomatik, Radioanlage und ein schlüsselloses Schließsystem bietet. Außerdem gibt es den luxuriösen Mégane 1,5 dCi inzwischen ausschließlich mit dem 101-PS-Triebwerk.
Wer aus dem Mégane einen kleinen Luxusdampfer machen möchte, erhöhe seinen Einsatz um weitere 5.000 Euro und bekomme dafür ein Bildschirm-Navigationssystem, ein elektrisches Glas-Schiebe-Hebe-Dach, Sitzheizung, Tempomat und sogar Xenonlicht.
Trotz allem Luxus sollten angesichts der Fahrzeugkategorie auch praktische Eigenschaften nicht aus den Augen verloren werden: Schließlich bieten alle Modelle eine asymmetrisch geteilt umklappbare Rücksitzbank frei Haus, die den Stauraum des hinteren Abteils auf über 1.000 Liter Fassungsvermögen erweitert.

Fazit: Der Renault Mégane ist ein unkonventionelles Fahrzeug mit höchst konventionellen Eigenschaften. Ein Hingucker für avantgardistisch angehauchte Menschen mit dennoch hohem Anspruch an die Alltagstauglichkeit eines Personenwagen. Den erfüllt der Mégane mit Bravour, denn er ist bequem, praktisch und einfach zu handhaben. In der Dieselversion erfreut er seine Eigner mit geringem Durst und ruhigen Motorgeräuschen. Nachteil: Ein Rußpartikelfilter ist weder für Geld noch gute Worte lieferbar – aber das kann ja noch kommen.

 

 



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