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Fahrberichte & Tests
 
Renault Grand Espace Front

Großzügig verglast zeigt sich der lange Espace

 
 

Raumgleiter

Der Renault Grand Espace ist einer der luxuriösesten Minivans, die der Markt derzeit bietet. Mit dem großen Dreiliter-Dieselmotor und der dazugehörigen Fünfstufenautomatik avanciert die stattliche Großraum-Limousine zum souveränen Tourer, der für weite Strecken prädestiniert ist. Autotipp.

E
s soll tatsächlich noch Menschen geben, die denken, dass Minivans öde Familienkutschen seien, deren Besitz eher eine Last für kinderreiche Autofahrer darstellt. Demnach steht die Großraumlimousine quasi an der Grenze zum Nutzfahrzeug. Doch Schnee von gestern. Minivans sind heute anspruchsvolle Tourer mit Allroundcharakter, die nicht nur von Familien geschätzt werden. Schließlich passen jene Konzepte nur zu gut in die Welt der trendigen Surfer, Golfer und Jetsetter, die sich mit Ihresgleichen zum spontanen Kurztrip verabreden und mitunter auch sperriges Gepäck zu transportieren pflegen. Da würde der eine oder andere unbedarfte Single die Stirn runzeln, wenn er erführe, dass sein geliebter TT nicht annähernd so viel gekostet hat wie zum Beispiel ein großzügig motorisierter Grand Espace.
Und Schließlich will es was heißen, wenn der Konzern selbst sein praktischstes Produkt in der Reihe der Oberklasse-Vertreter eingegliedert sieht – so kommuniziert er es jedenfalls nach außen. Tatsächlich spielt die Modellreihe preislich in einer gehobenen Liga, denn unter 25.500 Euro geht nichts in Sachen Raumwunder.

Wer in einem High-End-Exemplar platznimmt, versteht recht schnell, was Oberklasse meint. Vor allem mit dem großen, elektrischen Panoramadach verströmt dieser Van das Flair eines üppig geschnittenen und komfortablen Autos. Weitläufige Fensterflächen, besonders die riesige Windschutzscheibe sowie die vorderen Dreieckfenster, erzeugen ein luftiges Gefühl von Freiheit. Allerdings trügt der Schein in diesem Fall nicht: Hier kann sich nun wirklich niemand über Platzmangel beklagen. Der Grand Espace sitzt wie ein weites Kleid, auch große Personen sind Meilen davon entfernt, mit dem Kopf, den Schultern oder Beinen irgendwo anzustoßen. Vorn ist das erstrecht kein Thema, aber auch hinten finden sogar drei Passagiere auf den gut konturierten Einzelsitzen fürstliche Raumverhältnisse vor. Der Sitzkomfort selbst kann sich sehen lassen. Keine Spur von der sonst so gefürchteten französischen Nachgiebigkeit der Polster – im Espace sitzt man straff und Bequem. Natürlich können die hinteren – auf Schienen laufende – Stühle in Längsrichtung verstellt werden oder lassen sich zu Tischen umfunktionieren. Für kurzfristige Transportzwecke übrigens sind die Fondsessel im Handumdrehen zu entfernen, was den Weg für satte 3.050 Liter Ladevolumen (Grand Espace) freimacht.

Das wohl umstrittenste Thema ist die Bedienung. Doch was für ein Renault wäre der Espace ohne unkonventionelle Ansätze? Für den Bereich der Funktionalität gilt das ebenfalls. Wobei die etwas ausgefallene Anordnung der Schalter in diesem Fall dem optischen Konzept des Interieurs entgegenkommt. Radio und der optionale Navi-Bildschirm verschwinden fein säuberlich hinter großen Klappen. Die Klimaautomatik offeriert in allen vier Türen Bedienelemente (ab "Privilège"), über welche Temperatur (vorn) sowie die Gebläsestufe (hinten) angesteuert werden können. Geschwindigkeit und Drehzahl dürfen sämtliche Mitreisende einsehen, werden die Informationen doch zentral und hoch thronend über dem Armaturenbrett ausgegeben.
Unmittelbar darunter befinden sich praktische Staufächer; die nahezu freistehende Mittelkonsole kann neben diversem Kleinkram auch zwei Getränkebecher aufnehmen. Klapptische an den Vordersitzlehnen ermöglichen den Fondpassagieren, das Butterbrot notfalls auch während der Fahrt zu verzehren.

Gestartet wird obligatorisch per Knopfdruck. Danach verfällt der große Diesel in einen ruhigen Lauf. Leichtes Nageln ist lediglich kurz nach dem Kaltstart zu vernehmen, jedoch besser von außen, denn der Fahrgastraum erweist sich als gut gedämmt. Selbst höhere Drehzahlen bekommen die Insassen nur in Form eines kräftigeren Murmelns mit.
Nach einer kleinen Gedenksekunde legt der Sechszylinder kräftig los, verwandelt den Zweitonner aber keinesfalls in einen Sportwagen. Bei einer nominellen Leistung von 177 PS ist das auch nicht zu erwarten. In Kombination mit dem weich schaltenden Fünfgangautomaten lädt jener Selbstzünder vielmehr zum entspannten Cruisen ein. Dabei genehmigt sich der Common-Rail selten mehr als acht Liter Kraftstoff pro einhundert Kilometer – ein angesichts der Masse und der freigesetzten Leistung mehr als zufriedenstellender Wert. Wenn es sein muss, durchbricht der stärkste Diesel auch die 200 km/h-Marke und beschleunigt in weniger als elf Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer. Doch hektische Fortbewegung ist nicht Sache des langen Espace, der zügige Kurvenfahrten mit kräftiger Seitenneigung beantwortet.

Renault Grand Espace Innenraum
 
Beinahe spacig geht es
im Espace zu
 

Preislich beginnt der Grand Espace 3,0 dCi bei 40.850 Euro. Kein billiges Vergnügen also, aber die Serienausstattung entschädigt für die teure Anschaffung. Neben einer kompletten Sicherheitsausstattung (Front-, Seiten- und Windowairbags, ABS, ESP sowie Seitenaufprallschutz), die dem Espace längst fünf Sterne im NCAP-Crashtest eingebracht hat, sind bereits alle wichtigen Komfortmerkmale wie Bordcomputer, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Radio mit RDS und CD-Wechsler und eine fernbedienbare Zentralverriegelung vorhanden.
Die 2.000 Euro teurere Privilège-Linie enthält überdies einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Regensensor, Reifendruckkontrolle, schlüsselloses Schließsystem, Tempomat und Bi-Xenonlicht.
Kaum noch Wünsche offen lässt das Topmodell (Initiale) für 47.450 Euro, welches zusätzlich mit Navigationssystem, Parksensor und elektrisch verstell- sowie beheizbaren Alcantarasitzen aufwartet.
Verzichtet werden sollte nicht auf das riesige Panorama-Glasdach, das unabhängig von der Variante zusätzliche 1.600 Euro verschlingt. Aufpreise werden davon abgesehen für Seitenairbags in der zweiten Reihe (300 Euro) und bis in die dritte Reihe reichende Windowbags (300 Euro) verlangt.

Fazit: Der Renault Grand Espace 3,0 dCi ist ein überaus komfortabler und luxuriöser Begleiter für die Langstrecke. Das große Schiff hält einen nahezu verschwenderischen Platz bereit, ist leise und dank Selbstzünder angemessen sparsam. Dafür muss der Interessent einen hohen Anschaffungspreis in Kauf nehmen und akzeptieren, dass die Maschine derzeit lediglich die Euro 3 Abgasnorm erfüllt.

 

 



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