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Große Glasflächen
kennzeichnen das futuristische
Coupe |
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Mut schafft Lösungen
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Studie zog er Blicke auf sich. Nun wird er auf der Strasse
viel bestaunt - wenn man ihn denn einmal zu Gesicht bekommt.
Letzten Endes war er es, der die neue Design-Ära beim
Createur dautomobiles einläutete -
der Renault Avantime.
Doch was taugt der exzentrische Franzose in der Praxis?
Was für ein Auto
ist das, in dem man nie Ruhe hat? Deshalb nicht, weil man
- gerade eingeparkt und aussteigend - nach dem Fahrzeugtyp
gefragt wird, und auch nicht, weil man in einem Glaskasten
sitzt, in dem man von Passanten, vorbeifahrenden Radfahrern
und anderen Verkehrsteilnehmern begafft wird. Aber diese Art
von Unruhe ist nicht störend. Meistens jedenfalls nicht.
In Deutschland herrscht noch immer das Prinzip Sag mir,
welches Auto Du fährst, und ich sag Dir, wer Du bist.
Aber wer fährt dieses Auto hierzulande? Jenes Auto, das
niemand recht einzuordnen weiß, weil es zumindest design-technisch
von einem anderen Planeten zu stammen scheint. Ratlosigkeit.
Viele sind es nicht, darüber herrscht Gewissheit: Bis
Oktober 2002 wurden bundesweit gerade mal 715 Exemplare dieses
Sonderbaren Gefährts zugelassen.
Ist es ein Show-Auto? Ein Angeber-Auto? Oder schlicht und
einfach ein ungewöhnliches Coupe der oberen Mittelklasse?
Ersteres und Letzteres trifft wohl ungefähr zu. Ungefähr.
Es handelt sich sozusagen um ein Crossover
zwischen Van und Coupe, das seinen Insassen eine Menge Platz
und noch dazu ein faszinierendes Raumgefühl bieten soll.
Glas in Hülle und Fülle, zwei übergroße
Türen sowie die fehlende B-Säule sorgen für
entsprechend luftige Bedingungen rundrum. Da lebt der Beifahrer
noch besser als der Fahrer, denn er kann dank großflächigem
Panorama-Glasdach unabhängig vom Verkehrsgeschehen entweder
nachts die Sterne bewundern oder aber tagsüber den Kumulus
begutachten - soweit die Witterung es zulässt. Diese
übrigens nimmt keinen unerheblichen Einfluss auf das
Innenraumklima. Bei strenger Kälte hat die Heizung allerhand
zu tun - kommt ihrer Aufgabe aber durchaus nach. Wärmedämmung
ist also nicht die Spezialität der Avantime-Karosse.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Kühlleistung der Klimaautomatik
den sommerlichen Anforderungen entspricht, denn genau wie
der Kälte sind die Glashaus-Gäste auch der Sonne
in vollem Maße ausgesetzt. Falls die Kompressor-Frische
einmal nicht ausreichen sollte, können insbesondere Luft-Fans
aus dem großen Renault ein Beinahe-Cabrio zaubern. Mittels
einer einzigen Taste lassen sich sowohl alle vier Fensterscheiben
als auch das große gläserne Panoramadach gleichzeitig
komplett öffnen. Der Effekt ist vorstellbar, Hartgesottene
können ihn aber auch dieser Tage genießen - vorausgesetzt
sie verfügen über Hut und Wintermantel.
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Innen
geht es natur-
gemäß luxuriös zu |
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Insgesamt fühlt man sich im Avantime
wohl. Das Platzangebot vorn ist mehr als ausreichend, fast
noch schöner sitzt es sich allerdings im Fond. Dort thronen
die Passagiere erhaben über den Köpfen der Vordermänner
und genießen einen prachtvollen Rundumblick.
Bedienen sollten den Renault jedoch nur eingefleischte Technik-Freaks.
Zahllose und fast ebenso wahllose Schalter lassen den Otto-Normal-Autofahrer
nicht selten fluchen: Wenn er zum Beispiel damit beschäftigt
ist, einen Radiosender abzuspeichern. Schade eigentlich, denn
die Armaturenlandschaft gefällt dem Auge. Nichts stört,
alle Bedienelemente sind hinter glattflächigen Klappen
versteckt. Doch warum kann das Radio nur über die normalerweise
in der Schublade verstauten Fernbedienung angesteuert werden
- einmal abgesehen von den wichtigsten Funktionen, die der
Fahrer auch vom Bedienungssatellit des Lenkrads abrufen kann,
die aber dennoch außerhalb der Reichweite anderer Mitfahrer
liegen.
Doch genug der Schelte. Neben ordentlicher Qualitätsanmutung
erfreut das Instrumentarium durch übersichtliche Anzeigen,
die nach Renault-Manier digital gehalten sind. Der mittig
platzierte Farbmonitor für das präzise und fehlerfrei
arbeitende Navigationssystem lässt sich aus allen Lebenslagen
heraus gut ablesen.
Für die Langstreckentauglichkeit des Avantime bürgen
die straffen und gut konturierten Ledersitze der Privilege-Ausstattung.
Eine der größten Überraschungen jedoch bot
der Blick in den Kofferaum: Gewaltige 530 Liter Volumen bietet
das wahrhaftig riesengroß erscheindende Gepäckabteil
- viel Holz für ein Coupe. Nicht weniger erstaunlich
die Zuladung: 682 kg. Somit hat sich das Thema Praxistauglichkeit
in Luft aufgelöst.
Überhaupt steckt der Avantime voller Innovationen. Die
einen mehr, die anderen weniger sinnvoll. Vieles kommt nicht
über den Status einer netten Spielerei hinaus. Der berühmt-berüchtigte
doppelte Schwenk-Mechanismus der Türen hat zweifellos
Vorteile: Sie entfernen sich beidseitig vom Karosserie-Rahmen,
so dass auch bei geringem Öffnungsspalt ein bequemer
Ein- und Ausstieg garantiert wird. Allerdings trifft die Hand
beim Öffnen von innen den falschen Winkel, so dass sich
die schweren Pforten nur mit entsprechend großem Widerstand
bewegen lassen.
Problemlos und im wahrsten Sinne des Wortes geräuscharm
gestaltet sich der Fahralltag mit dem großen Revolutionär.
Insbesondere die Sechszylinder-Benzin-Version steht für
entspannendes Gleiten. Ordert man "Privilege" -
dürften sich selbst hochanspruchsvolle Automobilisten
in Sachen Komfort und Sicherheit zufriedengestellt fühlen.
Der Preis beläuft sich in diesem Fall auf 40.100 Euro.
Mit der adaptiven Fünfstufenautomatik beträgt er
gar 41.700 Euro. Doch der Gegenwert kann sich sehen lassen.
Alles Gute und Teure zählt der Avantime 3,0 V6 Privilege
zur Serienausstattung: Frontairbags, Seitenairbags vorn, Windowbags
vorn und hinten, Antiblockiersystem, Außenspiegel elektrisch
einstell-, anklapp- und beheizbar, Bordcomputer, Bremsassistent,
elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrische Höhenverstellung
des Fahrersitzes, elektronisches Stabilitätsprogramm,
Innenspiegel automatisch abblendend, Klimaautomatik, Lederausstattung,
Leichtmetallräder, Navigationssystem inklusive 16:9-Farbbildschirm
mit Kartendarstellung, Panorama-Glasdach elektrisch, Parksensor,
Radioanlage mit 6-fach-CD-Wechsler und Fernbedienung, Regensensor,
Scheinwerfer-Reinigungs-Anlage, Servolenkung geschwindigkeitsabhängig,
Sitzheizung, Tempomat, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung
sowie Xenonlicht.
Viel Platz für Sonderausstattungen bleibt verständlicherweise
nicht mehr übrig. Dennoch gibt es sie. Einer Metallic-Lackierung
stehen 650 Euro gegenüber. Und für den besonders
exklusiven Geschmack lassen sich diverse erweiterte Lederausführungen
bestellen - ab 2.300 Euro ist man dabei.
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Blickfang auch von
vorne Avantime |
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Fehlt noch der Blick auf die Motordaten:
Mit einem Hubraum von 2.946 ccm erreicht der 24-Ventiler stattliche
152 KW Leistung und ein maximales Drehmoment von 285 Nm bei
3.750 Umdrehungen pro Minute.
Dabei ist der Sechszylinder ein durchaus laufruhiger und kräftiger
Geselle. Unter Last wird er zwar akustisch präsent, schiebt
sich aber nicht in den Vordergrund. Und mit dem fünfstufigen
Getriebeautomat geht er eine harmonische Ehe ein. Passend
zum Coupe-Charakter erhält der Avantime somit einen betont
weichen Antriebsstrang. Nur könnten die Gangwechsel speziell
bei eiliger Fahrweise etwas spontaner erfolgen - hier zeigt
der Renault-Automat allerdings die gleichen Symptome, die
sämtliche andere adaptive Schaltboxen auch aufweisen:
Das Getriebe ändert je nach Fahrweise blitzschnell seine
Schaltcharakteristik - häufig jedoch zu schnell. Tritt
man beispielsweise kräftig aufs Gas, um einen Überholvorgang
auszuführen, schaltet der Automat herunter und hält
zum Leidwesen seiner Fahrer den kurzen Gang bei, obwohl nach
dem Überholen kein Anlass für den Wechsel zum Rallye-Stil
besteht.
Doch was zählt im Computerzeitalter eine Automatik, die
nicht in der Lage wäre, ihr Schaltprogramm zu beeinflussen?
Hier steht der Prestigewert über dem Nutzwert - das ist
nichts markenspezifisches.
Im subjektiven Fahreindruck spricht der Franzose weniger an,
als die Leistungsdaten glauben machen. So dauert es ganze
9,2 Sekunden, bis einhundert km/h erreicht werden. Die Höchstgeschwindigkeit
beträgt immerhin 215 Stundenkilometer. Doch sollte berücksichtigt
werden, dass der Avantime kein Leichtgewicht ist. Der hohe
Glasanteil sowie die fehlende B-Säule lassen auf eine
nicht sehr steife Konstruktion schließen, was eine zusätzliche
Verstärkung der Karosserie-Struktur notwenig macht, die
sich auch im Leergewicht niederschlägt. Stattliche 1.836
kg bringt der Avantime mit Automatikgetriebe auf die Waage.
Das daraus resultierende Leistungsgewicht beläuft sich
auf 12,08 kg/KW.
Was an Werten fehlt, macht das Fahrwerk wett. Greift man beherzt
in den Volant, lässt sich das 4,642 m lange Coupe geschwind
durch Kurven dirigieren. Ordentlicher Gaseinsatz auf windungsreichen
Strecken entlockt dem Avantime sicher beherrschbare Untersteuer-Tendenzen.
Soviel Sportlichkeit hätte man dem blickfangenden Fronttriebler
gar nicht zugetraut.
Besondere Wirtschaftlichkeit jedoch auch nicht. Der Spritkonsum
beträgt laut Werk zwischen 8,8 l und 16,3 l Super-Benzin.
In der Praxis ist mit einem Mittelwert von rund zehn Litern
zu rechnen - wer will sich da beschweren?
Fazit: Der Renault Avantime
3,0 V6 ist faszinierend wie einzigartig. Er verbindet außergewöhnliches
Design mit praktischem Nutzwert in einer gelungenen Weise
wie derzeit kein anderes Fahrzeug auf dem Markt. Platz für
Nachbesserungen hält jedes Auto bereit - gewiss auch
das Renault-Coupe. Nun bleibt abzuwarten, ob Patrick LeQuement
- verantwortlich für das Markendesign - mit seinem Entwerfer-Mut
nicht allein steht. Denn auch von Seiten der Klientel braucht
es Mut - Mut, ein Auto wie den Avantime zu fahren.
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