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Fahrberichte & Tests
 
Porsche 911 Turbo Cabrio Generation 996, Heck, Rückleuchten
Macht auch offen eine gute Figur: Das Porsche 911
Turbo Cabriolet
 
 

Offene Dampfansage

Leistungsfetischisten, die zugleich gerne oben ohne fahren, wurden bei Porsche einst fündig: Von 1987 bis 1989 boten die Schwaben einen offenen 911 Turbo an, der seinerzeit mit 300 PS so gut wie allen Verkehrsteilnehmern davonzischte. Seit 2003 darf man dieses Vergnügen wieder genießen – wer es sich leisten kann, bekommt heutzutage allerdings 420 PS, mit denen es nach vorn geht. Autotipp.

Einen Porsche 911 Turbo – ganz gleich, welcher Machart –, sieht man meist nur von hinten, sofern es der Fahrer will. Das gilt im Grunde seit 1976, als der erste Turbo das Licht der Welt erblickte, und dieser Umstand hat sich bis heute nicht geändert. Während das Urmodell mit – aus heutiger Sicht schlappen – 260 PS startete, sind es mittlerweile 420 PS, die den allerdings auch schwerer gewordenen Basis-Turbo (Turbo S: 450 PS) in die Vertikale schießen lassen. Er kratzt inzwischen an der 300 km/h-Marke, für die Version mit Fünfgangautomatik nennt das Werk 298 Stundenkilometer, die Ausführung mit manuellem Sechsgang-Getriebe erreicht laut Hersteller gar 305 km/h. Aber was sind schon Zahlen auf dem Papier? Man muss die Beschleunigung erlebt haben und die Leichtigkeit, mit welcher der 3,6-Liter große Boxer durch das verfügbare Drehzahlband marschiert.
Selbst bei der Vertikalbeschleunigung aus dem Stand vermeldet der Magen eine leichte Unstimmigkeit, so urgewaltig setzt sich das Cabrio in Fahrt. Traktionsverluste kennt dieser Porsche natürlich nicht, denn hier krallen sich alle vier Räder in den Asphalt.

Dabei schreit der Turbo nicht ganz so lauthals wie seine schwächeren Sauger-Kollegen, doch Entwarnung: Das Sound-Menü wurde auch hier sorgfältig komponiert. Bei zivilen Drehzahlen begleitet das Triebwerk den Fahrgenuss mit dezentem Boxer-Grummeln, in den höheren Regionen entwickelt sich der Tonfall zum ernsten Schnauben, das sich kongruent zur Beschleunigung verhält. Passanten auf der Flaniermeile kündigt sich der Elfer beim Daherschlendern mit typischem Bollern aus der Auspuffgegend an – so erwarten es die Fans.
Und man kann tatsächlich auch cruisen, nicht nur auf der Flaniermeile. gemütliches Dahingleiten im großen Gang kann auch in einem Supersportwagen Freude bereiten. Der Turbo dreht auch unten herum angenehm ruckelfrei, so dass man problemlos seine ruhigen Bahnen ziehen kann. Einen Gang heruntergeschaltet – und die Welt sieht wieder anders aus. Das Faszinierende sind diese zwei Gesichter, zwischen denen man wählen kann, als switche man einfach in einen anderen Modus.

Selbstverständlich geht der offene Elfer auch gut durch die Kurve, wenngleich er in dieser Disziplin naturgemäß nicht ganz an sein geschlossenes Pendant heranreicht. Das fehlende Dach lässt anfallendes Torsionsmoment eben doch merklicher angreifen als beim Coupe – das merzen auch Karosserie-Verstärkungen nicht komplett aus. Dies sei aber nur der Form halber angemerkt, einen Abbruch tut das dem Cabrio mitnichten. Hier wird immer noch Performance geboten, die ihresgleichen sucht. Und hartgesottene Fans rasanter Querbeschleunigung werden sich ohnehin bei den geschlossenen Varianten umschauen.
Hier aber werden primär jene Kunden bedient, die Frischluftvergnügen schätzen, aber dennoch höchste Fahrleistungen in allen Lebenslagen wünschen.
Bei offener Fahrt erreicht die Passagiere eine kräftige Brise; wem das zu heftig ist, schließe beide Seitenscheiben, was den Luftstrom bereits deutlich reduziert. Richtig lauschig bis in höhere Geschwindigkeitsbereiche wird es dann bei hochgeklapptem Windschott, das der Hersteller serienmäßig mitliefert.

Ein kleiner Gag, der sich in der Praxis aber schnell als sinnvoll erweist, besteht in einem Verdeck, dessen vollautomatische Schließung bis 50 km/h vorgenommen werden kann. So muss der Fahrer nicht gleich anhalten, wenn er überraschend in einen Regenguss gerät.
Das Interieur präsentiert sich ganz in klassischer Linie. Funktionalität bestimmt hier das Bild, gut ablesbare, verschachtelte Rundinstrumente geben Aufschluss über verschiedene Daten. Der große, in der Mitte angeordnete Drehzahlmesser dürfte Kennern ja bereits seit vielen Jahrzehnten vertraut vorkommen.
Und wer es bisher nicht wußte: Auch ein Porsche 911 besitzt eine praktische Seite: Die Lehnen der Fondsitze lassen sich umklappen, falls der Gepäcktransport mal im Vordergrund stehen sollte. Immerhin lassen sich dann 210 Liter in den Fond packen – bei geschlossenem Zustand natürlich. Der vorn untergebrachte Kofferraum nimmt zusätzliche einhundert Liter auf, keine Rekordwerte, aber für einen reinrassigen Sportwagen durchaus tauglich. Abgesehen davon bieten die Türen praktische Ablagen für Kleinkram, und unter den mittleren Belüftungsdüsen findet man einen Cupholder – falls sich ein Kioskbesuch nicht mehr vermeiden lässt.

Das alles kostet mindestens 138.652 Euro (mit Tiptronic 141.523 Euro) – ein stolzer Preis, aber so viel kostet eben schwäbische Wertarbeit. Dafür gibt es eine üppige Serienausstattung: Vier Airbags, Antiblockiersystem, Bordcomputer, elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber, automatisch abblendender Innenspiegel, Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder, Navigationssystem, Regensensor, elektrisch verstellbare Sitze, Soundsystem, Bixenonlicht und eine fernbedienbare Zentralverriegelung.
Für zusätzliche Sicherheit sorgen außerdem der Seitenaufprallschutz in den Türen sowie ein im Falle des Überschlags blitzschnell ausfahrender Überrollbügel, der zum Erhalt der schönen Cabrio-Linie im gewöhnlichen Fahrbetrieb unsichtbar bleibt.
Darüber hinaus bietet Porsche bekannterweise ein überdurchschnittlich großes Individualisierungsprogramm – ein Blick in die Liste sei jenen empfohlen, die es gerne exklusiv (und natürlich auch teuer) mögen.
Nicht gerade ein preiswertes Vergnügen ist es übrigens, den Turbo mit Kraftstoff zu versorgen – zwischen 9,6 Liter und 21,9 Liter Superplus gibt das Werk für die Tiptronic-Variante an. Der in dieser Ausführung bereitgestellte Testwagen konnte bei gemischter Fahrweise mit guten 15 Litern bewegt werden, was angesichts der Fahrleistungen aber akzeptabel ist. Doch ein potenzieller 911 Turbo-Kunde diskutiert natürlich nicht über Benzinpreise, sondern tankt den 64-Liter-Behälter bei Bedarf wohlwollend voll.

Fazit: Das Porsche 911 Turbo Cabriolet ist eines der faszinierendsten offenen Sportwagen, die der Automarkt derzeit zu bieten hat. Kaum ein anderes Fahrzeug vermag den Kompromiss zwischen höchsten Fahrleistungen, offenem Fahrvergnügen und alltagstauglichem Komfort so gut zu vereinen wie der Renner aus Zuffenhausen. Dafür ist die Sportwagen-Ikone gerade in der hier behandelten Ausführung kein preiswertes Vergnügen. Doch Exklusivität kennt offenbar keine finanziellen Barrieren – der Absatz jedenfalls brummt. Da kann man nur weiterhin viel Erfolg wünschen.

 

 



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