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Fahrberichte & Tests
 
Peugeot 407 Front
Gieriges Löwenmaul untermauert die Markenidentität
 
 

Solide Mitte

Der Peugeot 407 darf als schnörkelloser Vertreter der Mittelklasse mit solider Anmutung gelten. Frankophil eingestellte Menschen mit einem Hang zur Ordnung dürften sich von der eleganten Erscheinung angesprochen fühlen. Im folgenden Autotipp geht es um die Vielfahrer-taugliche Dieselversion HDi 135.

E
twas teutonisches hat er ja, der 407, obwohl er ein waschechter Franzose ist. Das große Löwenmaul blickt gierig drein, das Markenemblem ist kaum zu übersehen, und elegante Klarglasscheinwerfer zeugen von moderner Architektur; keine Frage – es handelt sich um einen Peugeot, das bleibt keinem Kind verborgen. So präsentiert er sich von vorn, von der Schokoladenseite, muss man sagen. Hinten regiert ein kurzer Überhang einfacher Machart, man könnte ihn auch Stummelheck nennen. Das ist keinesfalls hässlich, aber auch nicht aufregend – geordnet und sachlich eben.
Solche Kost scheint der deutsche Bürger jedoch zu mögen, denn er kauft die französische Mittelklasse, im Monat August sogar mehr als jedes andere Importmodell dieses Segments.
Dass die Designer in diesem Fall keine Experimente gewagt haben, zahlt sich zumindest auf dem hiesigen Markt aus. Andererseits ist Peugeot auch keine Marke für abgehobene Baukunst – das erledigen bereits andere Abteilungen im PSA-Lager.

Bürgerliche Mitte kann man das Gebotene aber fast auch schon nicht mehr nennen, jedenfalls, wenn man von Teilen der äußerlichen Optik einmal absieht. Denn während einstige Mittelklassen in erster Linie schlicht gehaltene Fortbewegungsmittel darstellten, warten sie heute mit Fahrkomfort und Technik ganz anderer, noch vor zehn Jahren allenfalls aus höheren Ligen bekannten, Dimensionen auf. Das Interieur strotzt je nach Ausstattung vor Schaltern und übermittelt damit die Botschaft des High-Tech-Zeitalters.
Und es ist obendrein nett gestaltet; die Mittelkonsole sowie bestimmte Bereiche des Armaturenbretts sind mit sportlich-luxuriös anmutender Alu-Optik versehen, sämtliche Bedienelemente können hervorragend erreicht werden, allen voran die Tasten für Heizung und Klima. Ordentlich und übersichtlich ist der Franzose demnach auch innen. Hübsche, Chrom-umrandete Rundinstrumente versprühen zudem einen Hauch von Bodenständigkeit und geben dem Kunden zu verstehen, dass die Verantwortlichen des Hauses PSA wissen: Das Auge isst stets mit.

Und wer den visuellen Eindruck des schicken Cockpits nach dem Einstieg erstmal verarbeitet hat, wird feststellen, dass es sich gar recht gemütlich und luftig sitzen lässt. Beinfreiheit ist vorn ohnehin kein Thema, aber auch hinten können es sich größer gewachsene Fahrgäste durchaus gutgehen lassen. Jene müssen ihre Knie auch dann nicht verbiegen, wenn in der ersten Reihe viel Raum gefordert ist und der Sitz entsprechend weit hinten steht. Das Gestühl selbst ist für französische Verhältnisse ausgesprochen straff gehalten, was lange Reisen angenehm vonstatten gehen lässt.
Mitfahrendes Gepäck kann ohne Probleme im über 400 Liter fassenden Kofferraum untergebracht werden. Wahre Tourer-Qualitäten erhält das französische Mittelklassemodell außerdem durch den zugkräftigen Zweiliter-Common-Rail-Diesel, welcher hier thematisiert wird. Nach Überwinden der kleinen Anfahrschwäche legt sich der Vierzylinder gehörig ins Zeug und treibt den 1,6-Tonner mit Nachdruck nach vorn.

Dabei bleibt er im Tonfall stets zurückhaltend. Allein nach dem Kaltstart vernimmt der sensible Autofahrer leichtes Diesel-Nageln, das bei Geschwindigkeitsaufnahme allerdings rasch in den Hintergrund tritt und von Windgeräuschen überlagert wird.
Unterm Strich ist dieser Peugeot ein kommoder Weggefährte; diese Sprache spricht auch das moderat abgestimmte Fahrwerk. Diesem gelingt besser, den wahren Strassenzustand zu verbergen als akrobatische Kurvenmanöver mitzutragen. Forsche Fahrer ernten bei provozierter Querbeschleunigung deutliche Untersteuertendenzen, die mit ausgeprägtem Reifenquietschen einhergehen.
Gelassenheit ist eine zentrale Botschaft insbesondere der hier behandelten Diesel-Variante. Vor allem auf der Autobahn zieht der HDi seine sauberen Bahnen in souveräner Weise – wenn es sein muss, auch mit über 200 km/h. Das werksseitig ausgelieferte Sechsganggetriebe sorgt für ein niedriges Drehzahlniveau bei höheren Tempi und spielt mithin der Wirtschaftlichkeit in die Hände. Der Spritverbrauch kann sich sehen lassen: Zwischen 4,9 und 7,7 Liter pro 100 Kilometer gibt das Werk an, im gemischten Testbetrieb lag er stets im Bereich von sechs Litern, das schont nicht nur die Geldbörse, sondern wirkt sich auch praktisch aus – beispielsweise in Form von Reichweiten über 1.000 Kilometer.

Peugeot 407 Innenraum
 

Exklusive Anmutung
innen bekommt der
Eigner auf Wunsch

 

Selbstverständlich verfügt der Common-Rail serienmäßig über einen Rußpartikelfilter und erfüllt die Euro-4-Norm.
Mindestens 24.190 Euro kostet die 407er Limousine mit dem starken Selbstzünder, hält dafür aber eine besonders reichhaltige Grundausstattung bereit: ABS, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Front-, Kopf- und Seitenairbags sowie ein neuartiger Lenksäulenairbag, Bordcomputer, elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik und eine fernbedienbare Zentralverriegelung sind obligatorisch.
Gegen 1.600 Euro Aufpreis bekommt der Kunde im Rahmen der höheren Ausstattungslinie "Tendance" zusätzlich Leichtmetallfelgen, eine Radioanlage mit CD-Player, Licht-, Regen- sowie Reifen-Luftdrucksensor.
Weitere 2.690 Euro (Platinum) bescheren dem Interessenten einen automatisch abblendenden Innenspiegel, Lederpolster, Sitzheizung, elektrisch verstellbare Vordersitze und Xenonscheinwerfer.
Aufpreispflichtig bleiben das elektrische Glas-Schiebe-Hebe-Dach (800 Euro), Navigationssystem mit großem Farbbildschirm inklusive CD-Wechsler und Freisprecheinrichtung (2.400 Euro) wie Parksensor (400 Euro).

Fazit: Der Peugeot 407 ist eine elegante Reiselimousine zum verhältnismäßig günstigen Kurs. Der Kunde erhält ein solide verarbeitetes und komfortables Fahrzeug mit ausgeprägten Langstrecken-Qualitäten. Vielfahrer dürften sich über den günstigen Kraftstoffkonsum freuen. Kleiner Wermutstropfen: In Verbindung mit der 1.300 Euro teuren Viergangautomatik erreicht der HDi lediglich die Euro-3-Abgasnorm – hier sollte nachgebessert werden.

 



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