 |
 |
Das
aktuelle 406er Coupe ist vor allem an seinem
großen Maul zu erkennen |
|
|
 |
|
Spätauslese
Auch wenn
Peugeots Coupe namens 406 nicht mehr brandneu ist, hat es
doch wenig von seinem edlen Charakter verloren. Wer den von
Pininfarina gezeichneten Zweitürer besitzt, beweist einen
exklusiven Geschmack - alltäglich ist der elegante Franzose
nämlich nicht gerade. Das unlängst durchgeführte
Facelift sorgt für einen Hauch Aktualität.
Es gibt viele guten Dinge,
die mit der Zeit reifen, und der Gourmet schätzt sie:
Wein und Käse gehören zweifellos dazu. Doch den
Gourmet dieser Art gibt es auch auf dem automobilen Sektor.
Meist handelt es sich dabei um solvente Herrschaften mit etlichen
Garagen und entsprechenden Edel-Häppchen im Inneren derselben.
Sie tragen nicht selten teure Labels à la Ferrari,
Rolls Royce oder Bentley, sind früheren Baujahrs und
technisch veraltet, aber teuer. Doch die Technik spielt ohnehin
keine Rolle, denn zum alltäglichen Gebrauch fährt
man Mercedes CL 600 sowie dergleichen.
Nein halt, so war das mit der Exklusivität nun auch wieder
nicht gemeint. Exklusiver Geschmack erfordert weder eine Adelsherkunft
noch Großunternehmertum, aber er bedarf einer aufgeweckten
Spürnase. Denn der Vorteil des zur Zeit artenreichen
Automarkts - nämlich jener, dass für sämtliche
Geschmäcker etwas zu finden ist, erweist sich angesichts
der entsprechend mühsamen Suche als Nachteil; wer dem
unübersichtlichen Automarkt noch eine Perle entnehmen
will, muss schon genau hinschauen, wenn er zwischen den unzähligen
Offerten auswählt.
Peugeot beweist mit seinem reifen Coupe,
dass es geht - sogar zu einem bürgerlichen Preis. Und
auf Luxus wird hier mitnichten verzichtet. Wobei jener in
diesem Fall mit weniger anfängt: Zwei Türen als
Symbol der Extravaganz. Wer ein Coupe fährt, gibt bekanntermaßen
mehr Geld aus als für die dazugehörige Limousine,
die ja mehr Auto darstellt - das ist beim 406er nicht anders.
Ebenfalls nicht anders ist der Sachverhalt, dass sich Luxus
auch über die Tatsache definiert, ein Produkt zu besitzen,
welches nicht jeder hat - hier trifft es zu.
Erst kürzlich lief das 100.000ste Exemplar vom Band,
und in Deutschland erfreuten sich bisher gut 11.500 Käufer
am eleganten Franzosen. Freilich ist das ein Gesamtergebnis,
mit dem die Marke mehr als zufrieden sein kann - in doppelter
Hinsicht. Denn zum einen darf der erreichte Absatz als für
das Segment angemessen gelten, andererseits bleibt der Zweitürer
eine rare Erscheinung, womit man wieder beim Thema "exklusiv"
wäre.
 |
 |
Oberklasse-Luxus
in der
Mittelklasse |
|
|
 |
|
Damit auch alles in bester Ordnung bleibt,
spendierte PSA seinem wohl zeitlosesten Anhänger eine
kleine - vor allem optische - Frischzellenkur.
Somit ist der erste Eindruck von vorn gerettet: Die Neuauflage
kommt dank neu gestaltetem Stoßfänger nun großmäulig,
aber nicht aufreißerisch daher und kündet jetzt
noch selbstbewusster von einem großen Werk automobiler
Designkunst.
Sonst hat sich nicht viel geändert - alles Gute ist geblieben.
Unter dem Blech herrscht Neuzeit: Es gibt ESP, Bremsassistent
und für den Diesel natürlich einen Rußpartikelfilter ab Werk. Vier Luftsäcke sorgen für eine weich ausgekleidete
Fahrgastzelle, wenn der Bremsweg mal nicht ausreichen sollte.
Kopfairbags hätten einem noblen Reisecoupe nicht schlecht
zu Gesicht gestanden - aber das kann ja noch kommen.
Mit einer unverändert straffen Motorenpalette
geht das betagte Vehikel ins neue Modelljahr: Nur drei Triebwerke
stehen zur Auswahl - und die reichen auch.
Bezeichnenderweise entfallen über 60 Prozent aller zweitürigen
406 auf den 2,2 HDI Common-Rail-Diesel. Nicht ganz zu unrecht
- schon immer hatte es einen besonderen Reiz, auf hohem Niveau
zu sparen. Ein inzwischen satter Dieselanteil auch in der
automobilen Oberklasse zeigt es.
Angemessen, aber nicht vehement bringt der Selbstzünder
die erlesene Mittelklasse in Fahrt. Es reicht zum moderaten
dahingleiten, nicht aber zum stürmen. Macht nichts, weil
das Fahrwerk ohnehin ruhiger Natur ist. Hastige Kurvenhatz
steht dem Peugeot nicht so gut - hier reihen sich sportliche
Werte hinter einem komfortablen Reisepotenzial ein - mit Recht.
So ist der Geräuschpegel erfreulich gering - und der
Diesel tut dem keinen Abbruch. Wer das Aggregat aus den anderen
Baureihen kennt, weiß, dass es sich dabei um einen ausgesprochen
kultivierten Vierzylinder handelt, der sich durch einen weichen
Lauf und gleichmäßige Kraftentfaltung auszeichnet.
Das kann der Basis-Benziner nicht besser.
Zwar geht der ebenso große Otto spritziger zur Sache,
animiert aber nicht zum schnelleren Galopp und wirkt auch
nicht souveräner. Wird das 158 PS starke Triebwerk gefordert,
erzeugt es kernige Laute und zeigt auf diese Weise deutlich,
wo sich das Ende aller guten Dinge abspielt. Der HDI hat zwar
die nominell geringere Leistung (133 PS), kann aber dank kräftigem
Drehmoment in den unteren Regionen gelassener bewegt werden.
Doch wer teuer und gut durchs Land rollen möchte, wird
mit dem Anspruch auf einen Sechszylinder nicht lange auf sich
warten lassen.
Keine Frage - darauf gibt es eine Antwort. Drei Liter Hubraum
treiben das Spitzenmodell der hier behandelten Baureihe an
- jenes V6-Aggregat ist seit Jahren bestens bekannt als seidenweiche,
aber nicht allzu temperamentvolle Antriebsquelle.
Allerdings sorgt die Maschine mit ihren 207 Pferdestärken
für denkbar gelassenes Vorankommen und glänzt durch
die schönste akustische Note. Selbst höhere Drehzahlen
produzieren lediglich ein sanftes rauschen - rauh wird der
V6 nie. Und seine stimme hebt er nur in verhaltenem Maße
- ganz, wie es sich für die gehobene Fortbewegungsart
geziemt.
 |
 |
| |
Nach
wie ein elegantes
Hinterteil |
|
 |
|
Alle drei erprobten Kandidaten verfügten
über ein leichtgängig zu schaltendes Fünfganggetriebe.
Wer 1.200 Euro zusätzlich investiert, erhält zumindest
für das Topmodell eine charakterlich gut passende Viergangautomatik.
Dass es diese für den HDI nicht gibt, ist einerseits
schade, da gerade Vielfahrer die Kombination Diesel und Getriebeautomatik
schätzen, andererseits würde der Wandler noch ein
gutes Stück der ohnehin nicht üppigen Leistung in
Anspruch nehmen, so dass die bestehende Lösung keine
schlechte ist.
Und der Aufenthaltsort? Zunächst muss betont werden,
dass insbesondere die Fondpassagiere großzügige
Platzverhältnisse vorfinden, was durchaus nicht bei jedem
Coupe der Fall ist. Über mangelnde Kniefreiheit dürften
sich die wenigsten Hinterbänkler beschweren. Selbstverständlich
herrscht auch vorn keine Enge. Lange Strecken spult man mühelos
ab - besonders gelingt das mit den weichen Ledersitzen der
Platinum Ausstattung, die mit Bravour jenes Versprechen einhalten,
das ihre Appetit machende Optik gibt: Man sitzt bequem auf
den gut konturierten Sesseln.
Der Einstieg bereitet dank großer Türen auch ungelenkigeren
Menschen keine nennenswerten Schwierigkeiten. Platinum-Besitzer
sind wieder mal im Vorteil, sofern sie es ihren Fahrgästen
der zweiten Reihe leicht machen möchten, denn hier fährt
der elektrische Vordersitz beim umklappen der Lehne automatisch
vor; man mag dies als Spielerei abtun, unpraktisch kann man
sie jedenfalls nicht nennen.
Freunde großer Spielereien werden
beim 406 allerdings enttäuscht sein, denn Knopfsalat
sucht man vergebens. Stattdessen werden die vorderen Insassen
mit einem höchst aufgeräumten Cockpit konfrontiert,
das in sportiver Metall-Optik erstrahlt und bestens verarbeitet
ist. Hier muss sich die Mittelklasse nicht vor ihrem Markenbruder
307 verstecken, der in dieser Disziplin Maßstäbe
setzt. Alles wirkt solide und hochwertig - und fasst sich
entsprechend an.
Das ganze gibt es schon ab 26.690 Euro - soviel kostet die
Basisausführung mit dem Vierzylinder-Benziner. Als HDI
verlangt Peugeot mindestens 28.290 Euro.
Keine der beiden Grundkonfigurationen rollt ärmlich vom
Band. Neben der umfangreichen Sicherheitsausstattung, die
neben vier Airbags auch ein Antiblockiersystem mit elektronischer
Bremskraftverteilung, Bremsassistent und elektronisches Stabilitätsprogramm
umfasst, kommt auch der Komfort nicht zu kurz.
So gibt es elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel,
Bordcomputer elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Lederlenkrad,
Leichtmetallräder, Lichtsensor, Radioanlage mit RDS und
CD-Spieler, Regensensor, Tempomat sowie eine fernbedienbare
Zentralverriegelung frei Haus.
Noch umfangreicher ausstaffiert präsentieren
sich die allerdings auch teureren Platinum-Ausführungen:
Für den Basisbenziner sind 29.540 Euro zu zahlen, der
Diesel schlägt mit 31.140 Euro zu Buche, und der Dreiliter,
den es ohnehin nur in der luxuriösen Version gibt, kostet
gar 33.600 Euro.
Dafür können die Außenspiegel hier auch elektrisch
herangeklappt werden; ferner verfügen die Platinum-Modelle
zusätzlich über einen CD-Wechsler inklusive Soundsystem,
über einen automatisch abblendbaren Innenspiegel, über
eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage, über eine geschwindigkeitsabhängige
Servolenkung sowie über elektrisch einstellbare Vollledersitze
mit Memory.
Entsprechend knapp fällt die Liste der Sonderausstattungen
aus, dennoch gibt es eine: Aufpreispflichtig sind eine Alarmanlage
(240 Euro), Metallic-Lackierung (430 Euro), das in dieser
Klasse empfehlenswerte Navigationssystem mit Monochrom-Display
in der Mittelkonsole für 1.250 Euro und ein elektrisches
Schiebe-Hebe-Dach in Glasausführung (790 Euro).
Fazit:
Das französische Mittelklasse-Coupe aus der Zeichenfeder
Pininfarinas besticht auch nach sechs Jahren noch durch seine
schlichte Eleganz. Doch nicht nur das, denn die kontinuierliche
Aufrüstung mit sicherheits- sowie komfortrelevanter Technik
und nicht zuletzt die jüngst vollzogene optische Aufwertung
sorgen für einen zeitgemäßen Auftritt. Damit
avanciert der zweitürige 406 zu einem ausgefallenen Geheimtipp
mit ausgezeichneten Alltagsqualitäten - eine Spätauslese
in gereiftem Zustand.
|