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Fahrberichte & Tests
 
Peugeot 307 Front
Der 307 ist eine elegante Erscheinung
 
 

Place en masse

Mit viel Raum, einer auffällig hochwertigen Verarbeitung sowie nicht zuletzt einem ansprechenden Design lieferte Peugeot seinen eindrucksvollen Einstand bei der Erneuerung der Kompaktklasse. Das Resultat trägt die Nummer 307 und legt durchaus gute Verkaufszahlen hin.

Wenn es irgendwo Neutralität geben sollte, dann bei den Kompaktwagen. Jeder kann sie ohne Imageschaden fahren: Freiberufler, Ärzte, Hausfrauen, Studenten, Vertreter, Geschäftsleute, Schüler, Millionäre und Rentner.
Nicht nur wegen dieser Tatsache ist der Golf zur Legende geworden. Doch wem der teutonisch-kühle Gewohnheitslook auf Dauer zu fad wird, darf sich bei der in optischer Hinsicht meist reizvolleren Konkurrenz umsehen und wird auch häufig - insbesondere bei südländischen Herstellern - fündig.
Natürlich gilt es - will man ganz oben mitschwimmen -, die gleichen Ansprüche zu erfüllen wie die hiesigen Mitstreiter es vermögen; die untere Mittelklasse kommt bekanntermaßen jener Allround-Klasse gleich, von der man sämtliches Können von der kurzen Fahrt zum Supermarkt um die Ecke bis zur längeren Urlaubsreise erwartet. Angesichts solch vielfältiger Aufgaben und entsprechend buntgemischter Klientel muss sie Komfort-Qualitäten ebenso bieten wie ein Höchstmaß an Flexibilität in Form von großzügigen Innenraum-Abmessungen und variabler Flächennutzung. Zweifellos darf auch der Aspekt Sicherheit nicht zu kurz kommen - hier steht alles gute und teure gleichermaßen hoch im Kurs.
Wer einen kurzen Blick auf die aktuellen Fahrzeuge und deren Ausstattungslisten wirft, merkt schnell, dass er auch in jenem niedrigeren Segment kaum Abstriche bei der individuellen Gestaltung seines Wunschfahrzeugs machen muss.

Peugeot 307 Innenraum
Solide Materialien
kennzeichnen das
Interieur des Kompakten
 
 

Da ist von zahlreichen Airbags und ESP über Navigationssystem bis zu den beheizbaren Ledersitzen alles drin, worüber auch die höheren Kategorien verfügen.
So freilich auch beim Peugeot 307. Und die Kundschaft scheint der Marke sowie dem Modell recht zu geben, denn mit knapp 21.000 Fahrzeugen in der ersten Jahreshälfte 2003 lag der Franzose zusammen mit dem neuen Renault Megane an der Spitze der Importeure - bezogen auf die Kompaktklasse.
Kein Wunder, besticht die elegante Limousine doch mit so manchen positiven Überraschungen. Das fängt mit dem komfortablen Einstieg an; hat man dann einmal platzgenommen, vergisst man schnell, wo man sitzt: Der 307 vermittelt nahezu das Raumgefühl eines Vans. Insbesondere die Vorderpassagiere profitieren von den Weiten zwischen der flach gehaltenen Windschutzscheibe und den Köpfen derselben. Im hinteren Bereich gehts naturgemäß nicht ganz so luftig zu wie in der ersten Reihe, Grund zur Klage aber haben dort Reisende jedoch mitnichten.
Als Überraschung Nummer zwei erweist sich die Gestaltung des Interieurs, die optisch und vor allem haptisch äußerst gut gelang.
Glattflächige und extrem hochwertig anmutende Oberflächen zeigen den Volkswagen dieser Welt, was Solidität bedeutet. Hinzu kommt die ausgezeichnete Funktionalität - Schalter finden sich wohlgeordnet an gut erreichbaren Stellen, und die Tachoeinheit gefällt durch gut ablesbare Rund-Skalen, die der Schönheit halber einen Chromrand tragen. Gewöhnen müssen sich die Kunden allein an die mit ungeraden Zahlen versehene Skalierung des Geschwindigkeitsmessers - andere Länder, andere Betriebsgeschwindigkeiten.

Angetrieben wurde der Testwagen vom beliebten 2,0-Liter Common-Rail-Diesel der PSA-Gruppe. Kenner wissen um den kultivierten Lauf dieses kräftigen Selbstzünders.
Er geht mit dem 307 eine harmonische Ehe ein; die Kraftentfaltung vollzieht sich nachdrücklich und gleichmäßig über das verfügbare Drehzahlband. Dabei ist der HDI akustisch stets präsent, drängt sich aber nie in den Vordergrund.
Um im durchschnittlichen Verkehr mitzuschwimmen, bedarf es ohnehin keiner hohen Drehzahlen - womit das Problem der Lärmbelästigung sowieso in den Hintergrund rücken dürfte. Zwischen 1.800 und 2.500 Touren ist der Zweiliter munter und zieht kräftig durch. Schaltfaules Fahren steht also ganz oben auf der Tagesordnung - hier kann der Diesel sein bekanntermaßen früh mobilisiertes Drehmoment wunderbar ausspielen.
Doch wer es hektischer mag, kann einen Zahn zulegen. Das Fünfganggetriebe lässt sich exakt bedienen, wenngleich es nicht auf die sportliche Gangart ausgerichtet ist.
Dies gilt selbstverständlich auch für das Fahrwerk: Allzu forsche Kurvenfahrten treiben den Bug gen Außenrand, was zwar gut beherrschbar ist, aber nicht zum Charakter des Franzosen passt.

Peugeot 307 Heck
 
Auch als Dreitürer
schön anzusehen
 

Höhere, aber entspanntere Autobahn-Tempi verkraftet der Kompakte tadellos. Der Geradeauslauf zeigt sich stabil und Windgeräusche treten nur in moderater Weise auf, lösen aber naturgemäß den Maschinensound als erste Geige ab - sofern diese nicht von den Gesprächen der Insassen gespielt wird.
Zur gelassenen Spielart passt die luxuriös ausstaffierte Platinum-Ausführung ab 23.850 Euro. Der Grundpreis klingt zunächst nicht günstig, umfasst neben der kompletten Sicherheitsausstattung wie sechs Airbags, Antiblockiersystem inklusive Bremsassistent und elektronischem Stabilitätsprogramm allerdings auch eine Vielzahl an Komfort-Gimmicks.
So gibt es elektrisch einstell-, heranklapp- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Innenspiegel automatisch abblendend, Klimaautomatik, vorn beheizte Ledersitze, Leichtmetallräder, Lichtsensor, Radioanlage inklusive RDS und CD-Spieler, Regensensor sowie eine per Fernbedienung ansteuerbare Zentralverriegelung.
Gegen Aufpreis hält die Liste zwei Arten von Navigationssystemen bereit: Für 1.680 Euro lotst der Pilot den orientierungslosen Fahrer per Monochrom-Display durch den Strassendschungel, und wer 2.380 Euro berappt, darf sich einer bunten Farbkarte erfreuen. Vielfahrer sollten 180 Euro für den ebenfalls lieferbaren Tempomat übrig halten. Und Sonnenfreunde erhalten gegen den Obolus von 750 Euro ein elektrisch zu öffnendes Glas-Schiebe-Hebe-Dach, durch das man natürlich auch den nächtlichen Sternenhimmel beobachten kann.
Schön für alle ist, dass es in Verbindung mit dem 2,0 HDI 79 KW den FAP Rußpartikelfilter frei Haus gibt. Noch schöner wäre natürlich das Erreichen der Euro-4-Abgasnorm - doch das wird die Zeit schon richten.
Dafür lässt sich eine positive Verbrauchsbilanz ziehen: Wer häufig auf Autobahnen und Landstrassen unterwegs ist, darf sich über einen Verbrauch von unter sechs Litern Dieselkraftstoff auf 100 km freuen. Damit wird möglich, was Audi den Bürgern in den Neunzigerjahren per Werbeblock lehrte: Tankreichweiten im vierstelligen Kilometer-Bereich sind auch in der Praxis kein Problem.

Fazit: Der Peugeot 307 stellt ein robustes und elegantes Automobil der unteren Mittelklasse dar. Maßstäbe setzt der Kompaktwagen vor allem in Sachen Raumangebot und Verarbeitung - hier kann ihm momentan niemand das Wasser reichen. Doch auch in den anderen Disziplinen gibt er eine gute Figur ab. Damit erfüllt er das Kriterium des Allrounders mit Bravour - gerade auch im Hinblick auf den Langstreckenbetrieb. Jetzt wird es spannend, denn im Herbst erscheint der neue Golf. Mal sehen, was da kommt.

 

 



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