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Fahrberichte & Tests
 
Opel Meriva Front
Hoher Auftritt eines Kleinen – der Opel Meriva
 
 
Mehrwert-Steuer

Eine stetig komplexer werdende Welt fordert auch den automobilen Sektor heraus, was sich nicht nur in der fortschreitenden Elektronik manifestiert. Folge ist daneben wachsendes Verlangen nach Individualität – die Autoindustrie kommt dem mit Hilfe von Nischenprodukten und gänzlich neuen Fahrzeugkonzepten nach. So gibt es nicht mehr nur den Kompaktwagen oder die große Limousine schlechthin, sondern unzählige Autovarianten in Form von Crossover-Modellen für jedes und mehrere Bedürfnisse gleichzeitig. Flexibilität also ist heute vor allem gefragt, und diese hat sich Opel auf die Fahnen geschrieben: Insbesondere der Meriva soll jenem Verständnis von Multifunktionalität gerecht werden und bleibt dabei erschwinglich.

Wenn früher schon nicht alles besser war, dann doch wenigstens einfacher: Hatte der Nachbar einen Kadett in der Garage, war die Sache klar. Die Dame von gegenüber fuhr Peugeot 205, und zwei Häuser weiter wohnte ein Geschäftsmann samt S-Klasse – die (Auto)Welt war in bester Ordnung. Das ist sie heute selbstverständlich auch, auf ihre Art.
Dem Geschäftsmann offerieren sich neben den klassischen Limousinen eine bunte Auswahl stark motorisierter SUV's, der Kleinwagenfahrer darf inzwischen auch in seiner Klasse zum Kombi greifen, und für den ehemaligen Kadett-Interessenten wäre der Meriva, der hier Thema ist, durchaus von Relevanz. Die kleine, Van-artige Limousine im Viermeter-Format mit kurzen Überhängen und großer, flacher Windschutzscheibe lässt sich rein Formal – hinsichtlich Abmessungen, Motorisierung und Preis also – problemlos in die Kategorie der unteren Mittelklasse einordnen. Sie ist noch ein Stück unterhalb des Zafiras angeordnet und gibt Kunden mit knapper bemessenem Budget die Möglichkeit, ebenso in den Genuss von Variabilität und Komfort nach Vorbild der Großraumlimousinen zu kommen. Wenn man so will, entfällt mit ihm der Aufpreis für den Van im Kompaktbereich – schließlich schlägt der Zafira deutlich teurer zu Buche als ein Basis-Astra. Dagegen kostet der Meriva 1,6 in Grundausstattung mit 13.715 Euro sogar weniger als der preiswerteste Astra.

Opel Meriva Innenraum
 
Kühl und steril lässts sich
leben
 

Und das inklusive aller bauartbedingten Annehmlichkeiten. Kurz und hoch, aber üppiger Radstand, so lautet das Konzept, welches in der Praxis mit zahlreichen Vorteilen aufwartet. Schon der Einstieg gelingt tadellos: Trotz verhältnismäßig schmaler Türen gelangen die Passagiere vorn wie hinten bequem und vor allem ohne Kopfkontakt mit den Dachholmen in die Fahrgastzelle, wo sie ordentlich Beinfreiheit vorfinden (Fond) und dem Nachbarn außerdem nicht zu nahe treten. Letzteres gilt auch für die zweite Reihe – dieser Umstand ist speziell dem sogenannten FlexSpace-System zu verdanken. Es besteht aus einer dreiteiligen Rückbank, deren Mittelsitz versenkt werden kann. In diesem Fall wird der Meriva zwar zum Viersitzer, bietet den hinteren Gästen jedoch erstklassige Platzverhältnisse. Doch selbst mit drei Passagieren lässt es sich aushalten, wenngleich ein mit fünf Personen besetzter Meriva eher zweckmäßig denn aus Fahrfreude bewegt werden dürfte.
Dem Zweck dient auch, dass eben jene variable Rücksitzbank verschiebbar ist. Nun ist es ja nicht so, als gebe es heute kaum Autos mit dieser Funktion, doch der Meriva setzt das i-Pünktchen: So lassen sich die beiden äußeren Drittel der Sitzanlage unabhängig voneinander in Längsrichtung bewegen. Zudem können besonders lange Gegenstände dank umklappbarem Beifahrersitz bis an die Armaturentafel geladen werden.

Bei so hoher Praxistauglichkeit drängt sich natürlich die Frage nach der Bedienerfreundlichkeit auf. Wer sich zur Aufklärung derselben zunächst das Interieur vornimmt, wird jedenfalls rein formal einen erfreulichen Einstand erleben. Chaos? Keine Spur, stattdessen herrscht penibelste Ordnung; die Radio- und Klimaeinheit liegt gut zur Hand – besonders praktisch ist das inzwischen altbekannte Zehner-Tastenfeld, welches verschiedene Funktionsbereiche mit den notwendigen Zahleneingaben versorgt.
Optik und Haptik dürfen durchaus bei Tageslicht begutachtet werden, silber-grau schimmernde Kunststoffapplikationen im Carbon-Stil verleihen der Innenarchitektur des Meriva einen sportlich-kühlen Hauch.
Gemütlichkeit genießt hier keinen hohen Stellenwert, doch schmeichelt die steril-moderne Landschaft den Augen der Insassen. Angenehm gestaltet sich denn der Blick auf das Anzeigenwerk, welches seinerseits schnörkellos gehalten ist und für beste Ablesbarkeit bürgt. Ein zentrales Info-Display hoch auf dem Armaturenbrett gibt Auskunft über Radiosender, Borddaten und sonstige Funktionen wie beispielsweise Fahrhinweise des lieferbaren Navigationssystems.
Liebe zum Detail beweisen die Lüftungsdüsen, deren Lamellen im geschlossenen Zustand zu einer glatten Oberfläche werden – ein inzwischen bekannter Gag, der immer wieder gut ankommt.

Das klingt, als sei der Meriva auch für lange Fahrten gut. Dass dem so ist, beweist nicht zuletzt die Verfügbarkeit eines attraktiven Selbstzünders, namentlich der 1,7 CDTi – im Testwagen war er verbaut und leistete überzeugende Dienste. Mit 74 Kilowatt bringt dieser Geselle seine Karosserie zwar nicht übermotorisiert, doch keinesfalls schwächlich durch das Strassendickicht, dabei liefert er auch auf der Piste gute Ergebnisse. Reisetempi um die 150 km/h lassen sich locker realisieren und auch gut verkraften, danach freilich beeinträchtigt die Phonetik des Windes das Unterhaltungsklima. Vom Triebwerk kann man das nicht gerade behaupten; dieses nämlich bleibt in jeglichen Drehzahlbereichen angemessen leise wie kultiviert – allein der Kaltstart wird von deutlich vernehmbarem Nageln begleitet.
In Sachen Ökonomie erfüllt der Vierzylinder die Kundenerwartungen auf den Punkt: Ein Verbrauch von etwa sechs Litern Dieselkraftstoff per einhundert Kilometer lässt doppelte Freude auf der potenziellen Urlaubsfahrt aufkommen.
Wer den Meriva 1,7 CDTI sein Eigen nennen möchte, muss je nach Ausstattungslinie zwischen 15.900 und 16.810 Euro investieren.

Enthalten im Preis sind auf alle Fälle Antiblockiersystem, Bordcomputer, Front- und Seitenairbags, Traktionskontrolle und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Anspruchsvollere Käufer müssen für etwaige Gimmicks wie elektronisches Stabilitätsprogramm (525 Euro), Kopfairbags (380 Euro), Klimaautomatik (1.665 Euro), Lederausstattung (1.545 Euro), Navigationssystem (ab 1.460 Euro), Parksensor (395 Euro), Radioanlage (ab 435 Euro), elektrisches Schiebe-Hebe-Dach (1.175 Euro) und Xenonlicht (930 Euro) zwar tiefer in die Tasche greifen, erhalten aber erfreulicherweise die Option auf ein üppig ausstaffiertes Fahrzeug. Selbst exotische Extras à la DVD-Entertainment-System mit großem, aus dem Dachhimmel klappendem TFT-Farbbildschirm oder Standheizung sind für 1.990 respektive 1.475 Euro lieferbar. Wer also möchte, macht aus dem Meriva einen wahren Mini-Luxus-Kreuzer, in dem die Insassen alles andere als Not leiden müssen.

Opel Meriva Heck, Rückleuchten, Heck
 
Hinter dieser Klappe
findet einiges Platz
 

Fazit: Der Opel Meriva verbindet praktischen Nutzen mit ökonomischen Werten, ohne dabei an Fahrkomfort einzubüßen. Mit dem kräftigen Selbstzünder ist er außerdem für Vielfahrer durchaus eine Überlegung wert. Somit stellt er eine flexible Alternative zu den klassischen Konkurrenten aus der unteren Mittelklasse dar.
Was zum Fahren wirklich gebraucht wird, findet sich serienmäßig an Bord. Und wer dennoch nicht auf Luxus verzichten möchte, kann ihn gegen Aufpreis bekommen. Ein ausgesprochen fairer Handel zu einem insgesamt überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

 

 



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