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Fahrberichte & Tests
 
Opel Astra Cabrio Front
Passend zur Ausstattungsline "Linea Rossa" - das
Astra Cabrio in rot.
 
 

Oil and Air

Als die ersten Cabrio-Diesel-Kombinationen an den Markt traten, sahen Auto-Enthusiasten das Abendland untergehen. Heute hat sich die Aufregung über den sparsamen Spaß am Lustgefährt gelegt, wenngleich Öl-befeuerte Cabrios noch nicht zu den Topsellern gehören.

Es ist beinahe ein Jahrzehnt her, da trugen Audis dachlose Offerten - Fahrzeuge, die normalerweise außerhalb der Brot-und-Butter-Ordnung ihren Dienst tun und für die jene damals noch lange nicht so aufregenden Selbstzünder eigentlich Tabu waren - die ersten TDI-Zeichen auf der Heckklappe.
Nun, das war zu einer Zeit, als attraktive Diesel gerade das Laufen lernten; Common-Rail oder Pumpe-Düse waren noch unbekannte Techniken. Dieselmotoren hatte man bis dato als schwerfällige, laute, nagelnde - kurz - unkultivierte Kraftspender erlebt, die jenseits von nutzbringendem Einsatz, da sie angesichts spritsparender Attitüde Sinn machten, auf keinen grünen Zweig kamen.
Doch im Laufe der Entwicklung gewann der Diesel an Kraft und verlor im Gegenzug an Rauhbeinigkeit, was ihn für den Einsatz in der automobilen Spaßklasse zumindest zaghaft in Frage kommen ließ.

So war der Aufschrei angesichts der ersten dieselbefeuerten Cabrios aus Ingolstadt zwar vernehmbar, doch der Vorteil nicht zuletzt des geringen Verbrauchs - und die damalige Werbekampagne, mit einer Tankfüllung von Deutschlands Süden nach Flensburg zu kommen, hinterließ bei den Menschen nachhaltig Eindruck - hatte beschwichtigende Wirkung.
Noch immer bieten die Oberbayern ihre Verdeck-geschützen Vertreter nagelnd an, doch keineswegs nur die.
Opel - mit seinen attraktiven DTI-Triebwerken in der Dieselwelt zu Hause - lässt den Selbstzünder auch im luftigen Astra werkeln.
Und jenen schiebt der hier relevante 2,2-Liter mit Bauart-typischem Nachdruck an, vorausgesetzt, die 2.000-Touren-Marke ist überschritten. Dabei ist dieser Astra kein Beschleunigungs-Reißer, aber immerhin mindestens so spannend wie ein durchschnittlich motorisiertes Otto-Cabriolet der unteren Mittelklasse. Vielleicht sogar noch etwas spannender, denn der aktuelle Diesel-Boom hat sich nicht nur wegen der bei hohen Kilometerleistungen niedrigeren Unterhaltskosten eingestellt.
Vielmehr sorgt eine geballte Ladung Zugkraft in den unteren Drehzahlregionen für souveränes Fortkommen - auch beim Astra Cabrio. Das Betriebsgeräusch ist in Kombination mit der Fahrzeugart auch im Jahre 2003 etwas gewöhnungsbedürftig, doch wird Offenfahr-Vergnügen in keiner Weise gestört. Ohnehin schon deshalb nicht, weil der von Wind-Verwöhnten so gemochte Durchzug bei ordentlichen Landstrassen-Tempi jegliche Maschinenlaute zur Nebensache degradiert.

Opel Astra Cabrio Innenraum
Frohes Farbenspiel -
peppiges Innenleben
beim Sondermodell
 
 

Aber auch geschlossen wird der Opel nicht zur Lärmfalle. Auffällige Nagelgeräusche gibt er nur nach dem unmittelbaren Kaltstart von sich, bei Erreichen der Betriebstemperatur fällt er in einen geschmeidigen Lauf und lässt gen Drehzahlende lediglich das Schnauben des arbeitenden Metalls durchklingen.
Der Innenraum ist generell ein angenehmer Aufenthaltsort - nicht nur akustisch. Im Falle der hier zu behandelnden Linea Rossa Ausgabe erlebt vor allem das Auge eine erfrischende Überraschung. Peppig rote Materialeinsätze an den chic vernähten Ledersitzen im Stil einiger Sessel Italiens großer Spider-Legenden der Siebzigerjahre sowie rote Elemente an Lenkrad, Schaltknüppel oder etwa im Fußraum ergeben insgesamt ein warm-buntes Farbenspiel, das den Schönwetter-Effekt bei blauem Himmel und offener Fahrt unterstützt und sogar noch verstärkt. Hier liegt verborgen, dass dieses Auto so richtig Spaß macht. Der visuelle Eindruck des Innenlebens bestimmt mit seiner sonnigen Ausstrahlung den Gesamteindruck über das Auto und überlagert jegliche Vor- und Nachteile.
Es gibt kaum Eigenschaften, die zur Vernichtung der Gute-Laune-Stimmung beitrügen; bedientechnisch gibt es ebenfalls keine großen Probleme.
Besonders angenehm ist die Option, das Verdeck per Fernbedienung öffnen und schließen zu können, was notfalls auch durch Glasscheiben hindurch funktioniert. Sollte der Wagen einmal geöffnet vor dem Wohnzimmerfenster geparkt worden sein und es naht eine Gewitterfront, dann reicht es aus, sich vor die Luke und nicht etwa nach draußen zu begeben, um den Astra vollständig wasserdicht zu machen.

Bei der Auslegung des Fahrwerks waren nicht in erster Linie sportliche Kriterien gefragt. Warum auch, lädt der DTI doch zum gelassenen Fortkommen ein. Eine weiche Abstimmung ist ergo maßgebend für jegliche gesammelten Eindrücke, nach denen die Rücken der Fahrgäste insbesondere beim Überrollen schlechter Strecken geschont werden.
Feine Naturen nehmen dann angesichts leichter Zittererscheinungen wahr, dass sie in einem Cabriolet sitzen. Diese halten sich allerdings in Grenzen; hier kamen die Ingenieure an einer Gratwanderung zwischen erträglichem Fahrzeuggewicht einerseits sowie einer vernünftigen Steifigkeit der dachlosen Karosserie andererseits kaum vorbei.
Passend zum Gesamtbild gibt sich denn die Schaltbox, deren fünf Gänge gut anzusteuern sind, aber nicht übermäßig prägnant einrasten. Mehr indirekt als direkt lässt sich der Astra durch kurvenreiche Passagen jagen - wieseliges Einlenken ist nicht seine Stärke, eine schwammige Lenkung allerdings auch nicht seine Schwäche.
Stets mit von der Partie ist eben jene gemütliche Gelassenheit, die zwischen den zwei Bändern - von der dynamisch-frischen Optik bis zur Getriebe-Antriebseinheit - hin- und hergleitet und davon jeweils abgegrenzt wird.
Kaum bemäkeln lässt sich die Sitzanlage vorn wie hinten. Angemessene Raumfreiheit lautet die Botschaft der Tagesordnung, und im Fond dürfen sich die Passagiere sogar noch etwas geehrter fühlen, gesteht man ihnen doch zwei gut konturierte und damit gleichsam - weil nur für zwei Personen vorgesehen - kapazitätsintensive Platzmöglichkeiten zu.

Opel Astra Cabrio Heck, Rückleuchten
 
Der Astra bietet eine
schöne Cabrio-Linie
 

Gewachsen ist der Astra gegenüber seinem Urvater Kadett in allen Hinsichten; die Abmessungen betreffend sowie den Komfort - und selbstverständlich auch preislich: 27.790 Euro werden für den 2,2 DTI Linea Rossa fällig - bei einer jedoch reichhaltigen Ausstattung.
Vier Airbags befinden sich genauso wie Antiblockiersystem an Bord. Ferner sind die Außenspiegel elektrisch beheiz- und einstellbar. Es gibt einen Bordcomputer, ein elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Ledersitze und Leichtmetallräder, eine Radioanlage, einen Tempomat, ein vollelektrisches Verdeck sowie eine per Funkfernbedienung steuerbare Zentralverriegelung.
Zusätzliches Geld kosten Klimaanlage (ab 1.110 Euro), Parksensor (395 Euro), Navigationssystem (ab 1.160 Euro) und Xenonlicht (760 Euro).

Fazit: Der Opel Astra 2,2 DTI avanciert in der offenen Ausführung und gerade als "Linea Rossa" zum Lifestyle-Objekt par excellence. Sein frisches Interieur und die umfangreiche Ausstattung tragen ihren Teil dazu bei. Der Diesel unter der Haube beschert Vielfahrern einen schonenden Umgang mit ihrem Portemonnaie - allerdings will die nicht ganz billige Anschaffung erstmal erledigt werden. Das Gebotene indessen rechtfertigt den nicht zu knappen Grundpreis, keine Frage. Eine gelungene Mischung also aus Dynamik und Gelassenheit, Vernunft und Spaß - eben Oil and Air.

 

 



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