Opel und Geländewagen – das klingt nach Tradition der Neunzigerjahre; ein Massenphänomen waren sie zwar nicht gerade, dennoch dürfte sich so mancher an Frontera und Monterey erinnern. Aber die Zeiten der kantigen und ebenso ungehobelten 4x4 sind längst vorbei, heute sind die meisten Kraxler soft geworden. So auch der Antara, den das Opel-Modellprogramm seit 2007 führt – es handelt sich um das Schwestermodell des Chevrolet Captiva. Hier Thema: Die Version mit dem 150 PS starken Zweiliter-Commonrail-Diesel.
anchmal kann die Zeit auch täuschen – der Opel Frontera zum Beispiel ist schon eine gefühlte Ewigkeit kein Thema mehr. Dabei befand sich der Geländewagen (auf zwei Generationen verteilt) immerhin bis 2003 im Programm der Blitz-Marke. Nach dreijähriger Pause muss Opel 4x4-Interessierte nicht mehr zur Konkurrenz schicken, mit dem Antara gibt es wieder eine attraktive Serie. Gemeinsamkeiten mit dem Frontera? Nicht viele – einmal abgesehen von der Tatsache, dass beide Fahrzeuge asiatische Kooperationen darstellen. Früher war es Japan, heute Korea. Der Chevrolet Captiva musste als Vorlage herhalten, was man jedoch nur bei äußerst genauer Betrachtung erkennt. Dem Innenraum gaben die Rüsselsheimer ihre prägende Handschrift, und auch die Sonderausstattungsliste weist ihre eigenen Kreationen aus (nicht nur Navigation oder Xenonlicht fehlen bei den Captiva-Optionen), so dass das Verwandtschaftsverhältnis für Unbedarfte ohnehin verborgen bleibt. Dabei fällt das Komponenten-Sharing weitreichend aus, sogar die Triebwerke teilen sich beide Ausführungen. Besonders hoch im Kurs dürfte der Zweiliter-Commonrail-Diesel stehen, der mit 150 PS gut im Futter steht und sich an der Tankstelle zurückhält.
Das gemeinsam von GM Daewoo Auto & Technologie sowie GM Powertrain entwickelte Commonrail-Aggregat mobilisiert 320 Nm Drehmoment bereits bei niedrigen 2.000 Touren, um satt aus dem Drehzahlkeller herauszuschieben. Vier Ventile sowie die variable Turbinengeometrie stempeln das Triebwerk zu einem modernen Vertreter. Der Selbstzünder harmoniert hervorragend mit der lieferbaren Fünfstufen-Automatik – zumal der Wandler die kleine Anfahrschwäche wirkungsvoll kaschiert. Danach legt der Vierzylinder kräftig los und befördert das mit bis zu 1,9 Tonnen nicht ganz leichte Gefährt binnen zwölf Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Genug für ein Fahrzeug dieser Kategorie. In puncto Geräuschverhalten muss sich der Motor auch nicht gerade verstecken – er gibt sich zwar als Diesel zu erkennen, hält sich mit Lärm allerdings zurück, und besonders hohe Drehzahlen benötigt die Fuhre ohnehin nicht. Runde 180 km/h rennt der Antara in der Spitze – auch dieser Wert geht in Ordnung. Übrigens gibt es den Opel auch als reinen Fronttriebler, und ehrlicherweise muss gesagt werden, dass sowieso kaum jemand die asphaltierten Wege verlässt – wenn aber doch, dann sicher nicht mit einem Antara, der schließlich eher die Lifestyle-Fraktion bedient.
Der Testwagen jedoch war ein Allradler; wenn schon, denn schon. Sowohl Fahrer als auch die restlichen Passagiere bekommen von der variablen und natürlich automatischen Steuerung der Momentverteilung wenig mit. Eine elektro-hydraulische Lamellenkupplung regelt den Kraftfluss zwischen den beiden Antriebsachsen blitzschnell vom reinen Frontantrieb bis zu 50:50. Vor allem bei nasser Fahrbahn gibt sich der 4x4 besonders stabil und erteilt Traktionsproblemen eine klare Absage. Weitere Vorteile der Fahrzeuggattung – Allrad hin oder her – sind das komfortable Überrollen von Unebenheiten. Selbst gefürchtete Querfugen schluckt das Kooperationsmodell relativ unbeeindruckt, lange Wellen nimmt es mit elegantem Nachschwung. Schnelle Kurven werden mit entsprechender Neigung quittiert, als Sporttalent geht der Antara verständlicherweise kaum durch. Dafür überzeugt er mit bequemen Stühlen und ist somit perfekt gewappnet für die Langstrecke. Die recht hohe Sitzposition trägt ihren Teil zum Wohlfühlfaktor bei. Dank kompakter Außenlänge von lediglich 4,57 Metern gibt es auch in städtischen Gefilden keine nennenswerten Schwierigkeiten, an die nicht ganz lupenreine Übersichtlichkeit gewöhnt man sich schnell.
An das Interieur müssen sich zumindest alte Opel-Kenner nicht mehr gewöhnen, denn von Chevrolet-Elementen ist im Innenraum nichts zu sehen. Instrumente und Mittelkonsole tragen die Handschrift aus Rüsselsheim; Skalen, Knöpfchen und Materialauswahl sind charakteristisch gestaltet und solide verarbeitet. Tadellose Bedienung und vor allem richtig viel Platz bietet der multifunktionale Opel – bis zu 1.420 Liter fasst der Gepäckraum bei dachhoher Beladung, da kann wirklich kommen, was will: Baumarkt, Möbelhaus oder Zoohandlung. Zudem lassen sich die Sitze in vielfältiger Weise konfigurieren, was die Flexibilität deutlich erhöht. Fondpassagiere genießen ausgeprägte Beinfreiheit, für großgewachsene Menschen ist der Antara ein guter Reisebegleiter. Freilich sitzt man auch in der ersten Reihe ganz hervorragend und langweilt sich etwas weniger, zumal man von hier aus die Landschaft besser im Blick hat. Dank einer Fahrzeughöhe von 1,70 m lässt sich der Wahl-Rüsselsheimer einfach entern und genauso komfortabel wieder entsteigen. Kontakt mit dem Dachhimmel machen allenfalls Sitzriesen. Bleibt also nur noch die Frage nach dem lieben Geld.
Schon ab 26.430 Euro beginnt der Antara, dann als 2,4-Liter-Benziner. Diesel-Kunden müssen naturgemäß etwas tiefer in die Tasche greifen und bekommen den 150 PS starken 2,0 CDTi ab 30.760 Euro. Addiert man Allradantrieb sowie automatisches Getriebe, steigt der Preis auf 34.610 Euro. Die noble Cosmo-Ausführung langt mit 37.200 Euro zwar kräftig hin, gibt jedoch viel zurück: Anhängerstabilisierung, Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, Berganfahr-Assistent, Bordcomputer, Dieselpartikelfilter, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder, Niveauregulierung, Parksensoren vorn wie hinten, Radio, Regensensor, Sitzheizung, elektronisches Stabilitätsprogramm, Tempomat sowie Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung beispielsweise. Interessant ist das Cosmo-Paket mit automatisch abblendendem Innenspiegel, Reifendruck-Kontrollsystem und Bixenonlicht. Für 1.805 Euro gibt es ein DVD-Navigationssystem mit großem Farbmonitor und CD-Wechsler. Wer per Bluetooth freisprechen möchte, wird mit weiteren 435 Euro zur Kasse gebeten.
Fazit: Der Opel Antara 2,0 CDTi ist eine automobile Allzweck-Waffe mit schickem Auftritt und einer satten Portion Fahrkomfort. Der sparsame wie kräftige Diesel bürgt für moderaten Unterhalt – das gilt insbesondere für Vielfahrer. Die Fünfstufen-Wandlerautomatik harmoniert wunderbar mit dem modernen Commonrail-Selbstzünder.