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Fahrberichte & Tests
 
Nissan Primera Front, Innenraum

PRIMA, PRIMERA!

Mittelklasse aus Japan gefällig? Und dann möglichst eine, die der Nachbar aus der Spießergegend von vorn bis hinten mustert? Wer aus der Reihe tanzen will, darf heute neben heißem Italo-Style auch asiatisch wählen, wobei er dann kühlen Futurismus statt rassiger Detail-Landschaft erntet – jedenfalls beim Primera. Autotipp.

In der Mittelklasse wird der Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und Fahrkomfort am besten gelöst. Daher ist jene Fahrzeugkategorie Langstrecklern gleichermaßen lieb wie Gelegenheits-Reisenden, die aber mitnichten auf gemütliche Fortbewegung im eher kurzatmigen Alltagsverkehr verzichten wollen. Immerhin ist das hier thematisierte Segment drittstärkstes nach Zulassungen, und das will schon etwas heißen.
Fraglos dominieren die deutschen Wettbewerber in hiesigen Gefilden – doch zu Recht? Wer sich vom Mainstream abheben möchte, sollte durchaus einen Blick auf den Primera werfen; dieser bietet nicht nur viel Auto, sondern erfreut das Auge mit Lifestye-durchtränkter Anmutung.
Schwere Flanken, eine solide Front mit klaren Scheinwerfern und ausgefallene Rückleuchten (welche im Falle der Fließheck-Limousine am deutlichsten zur Geltung kommen) machen den Fünftürer zum Hingucker – automobile Langeweile sieht jedenfalls anders aus. Doch erst nach dem Einstieg geht es richtig los.

Nissan Primera Heck, Rückleuchten
 
Futuristisches Design von hinten: Primera
 

Wer das Armaturenbrett mit der sogenannten N-Form-Bedieneinheit erstmal auf sich hat wirken lassen, dürfte mit einem mittleren Kulturschock hadern, sofern er mal in Nachbars Passat zum Wochenend-Ausflug mitgenommen wird. Denn der Asiate befindet sich fernab jeglicher Bürgerlichkeit – das etwas vorstehende Tastenfeld samt des mittig angebrachten Farbmonitors erinnert an Captain Kirks Raumschiff. Hier kommen Technik-Freaks wahrlich auf ihre Kosten. Dabei gelingt die Bedienung auch dem Durchschnittsbürger nach kurzer Eingewöhnung problemlos.
Die kleine Cockpit-Aufwertung vor zwei Jahren übrigens hat der Mittelklasse gut getan. Etwas profiliertere Rundinstrumente sowie hochwertig anmutende Schalter auf dem Multifunktionslenkrad geben der Optik mehr Pfiff, während das Layout des Interieurs unterm Strich erhalten blieb. Jenes unterscheidet den Primera schließlich am deutlichsten vom Wettbewerb. Und dieser Nissan hält, was seine futuristische Note verspricht: Rückfahrkamera, Reifendruck-Sensor (serienmäßig beim Tekna) und der automatisch abblendende Innenspiegel (ab Acenta) beweisen, dass es hier höchst modern zugeht.

Und zum frischen Outfit gesellt sich ein üppiges Platzangebot. Sowohl vorn als hinten genießen die Fahrgäste genügend Raum, um frei von jeglicher Enge auch an fernere Ziele zu gelangen.
Knie- und Kopffreiheit im Fond dürfen sich getrost sehen lassen, da freut sich selbst der großgewachsene Mitteleuropäer.
Beim Sitzpolster kommt die Markenherkunft durch – weiche Oberflächen lassen eher biedere Gemütlichkeit denn sportliche Gefühle aufkommen; warum auch nicht, unkomfortabel jedenfalls reist man im Primera mitnichten.
Jene Stilrichtung unterstützt auch die Dämpfung – so verarbeitet das Fahrwerk gemeine Bodenwellen mit ausgeprägter Sanftheit, während kurze Stöße die ansonsten vorherrschende Harmonie im Innenraum stören.
Tadellos und mit stoischer Gelassenheit zieht die Mittelklasse ihre Bahnen auf der Autobahn – schnelle Kurven dagegen sind keineswegs das Spezialgebiet dieses Fronttrieblers, er durcheilt sie quietschenden Rades, doch das bricht ihm keinen einzigen Zacken aus der Krone.

Nissan Primera, Stauraum
 
Platz für Kleinkram bieten viele Ablagen
 

Bleibt das Motor-Kapitel, welches man jüngst einer Straffung unterzog: Nachdem die Diesel-Triebwerke aus dem Programm gestrichen wurden, bleibt dem Kunden zumindest die Qual der Wahl erspart.
Nun stehen zwei vierzylindrige Benziner zur Disposition, die gleichermaßen kräftig wie kultiviert zu Werke gehen.
Bereits der 116 PS starke 1,8-Liter bietet ordentliche Leistungsreserven und beschleunigt die Limousine binnen weniger als zwölf Sekunden auf einhundert Stundenkilometer. Klar ist jedoch: Wer zügig nach vorn kommen will, darf weder Drehzahlen scheuen noch kernigen Maschinentönen ablehnend gegenüberstehen. In der Spitze lassen sich 200 Sachen auf dem Tacho realisieren – das Werk gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 194 km/h an. Freilich kann der Zweiliter (140 PS) alles etwas besser. Dort meldet der Hersteller 201 Stundenkilometer Maximalgeschwindigkeit und 9,8 Sekunden von null auf hundert für den hier behandelten Fünftürer. Im Gegenzug dürfen Verbräuche zwischen 6,9 und 11,9 Litern Superbenzin als angemessen gelten. Der Einstiegsbenziner begnügt sich gar mit 6,1 bis 9,6 Litern. Selbstverständlich ist natürlich, dass beide Aggregate die Euro 4-Abgasnorm erfüllen.

Mindestens 21.390 Euro muss der Kunde für die fünftürige Limousine (1,8) berappen. Dafür gibt es dann die Visia-Ausstattungslinie mit ABS, Front-, Kopf- und Seitenairbags, Bordcomputer, elektrischen Fensterhebern rundherum, Klimaautomatik, Radioanlage inklusive CD-Player, Rückfahrkamera sowie fernbedienbare Zentralverriegelung.
Mit 27.490 Euro schlägt der 2,0-Liter in der teuersten Ausstattungslinie (Tekna) zu Buche. Diese allerdings führt Positionen wie einen automatisch abblendenden Innenspiegel, elektronisches Stabilitätsprogramm, Leichtmetallräder, Regensensor, Reifendruck-Sensor, Tempomat und Xenonlicht.
In jedem Falle extra zu bezahlen sind das DVD-Navigationssystem mit großem Farbbildschirm (2.300 Euro) sowie das Automatikgetriebe für den 1,8-Liter (1.300 Euro). In Verbindung mit dem 2,0-Liter lässt sich ein 1.900 Euro teures CVT-Getriebe ordern, welches allerdings nicht mit ESP kombiniert werden kann. Hier sollte Nachbesserung erfolgen.

Fazit:
Der Nissan Primera ist eine komfortable wie ausgefallene Mittelklasse-Limousine für all jene, denen biedere Autokost wenig zusagt. Für das Gebotene darf die japanische Offerte sogar als wohlfeil gelten. Schade ist, dass die kräftigen Diesel-Triebwerke nicht mehr lieferbar sind. Wer den Selbstzünder noch als Neuwagen abgreifen möchte, muss sich also beeilen.

 



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