Bald kommt der mit einem Hauch Futurismus versehene Nissan Murano auch mit kräftigem Dieselmotor – ein Novum für das schon viele Jahre verfügbare SUV. Der bisherige und auch weiterhin zu ordernde 3,5-Liter-Benziner ist ein Sahnestückchen, das naturgemäß mit höheren Spritkosten erkauft werden muss. In den Anschaffungskosten zeigt sich der Japaner allerdings nahezu unschlagbar. Autotipp.
igentlich ist der Murano ein konventionelles Auto. Das leuchtet aber erst auf den zweiten Blick ein – nämlich exakt dann, wenn man seine muskulös-akzentuierte Silhouette genau studiert und feststellt, dass die Gestalter dem Japanischen Alleskönner eine typische SUV-Linie verpassten. Die Front ist es, die dem Allradler ein markantes Gesicht gibt; vor allem das silber blitzende Kühlergrill-Element haucht dem Nissan zusammen mit den spacigen Projektionsscheinwerfern Futurismus ein, der eine nachhaltige Wirkung hinterlässt. Mit dem Heck verliert der provozierende Design-Cocktail wieder an Schärfe und sorgt dafür, dass sensible Kunden nicht abgeschreckt werden. Klar ist aber auch: Wer sich hierzulande für den Murano entscheidet, bekommt ein exotisches Auto. Ob sich dieser Umstand mit dem bald startenden Selbstzünder ändern wird, bleibt freilich spannend. Dabei gibt es kaum ein attraktiveres Package, denn das SUV offeriert die perfekte Mischung aus leisem Reisewagen mit sahnig laufendem Sechszylinder sowie nützlich-flexiblem Gepäckschlucker, der selbst vor widrigen Fahrbahnverhältnissen keineswegs zurückschreckt. Okay, er ist kein hartgesottener Geländewagen – das allerdings ist bewusst so ausgerichtet.
Auf eine Geländeuntersetzung wird ebenso verzichtet wie auf mechanische Quersperren; letztere werden durch elektronisch beaufsichtigte Bremseingriffe simuliert, was nicht nur Kosten, sondern auch Gewicht einspart. Und der große Nissan ist für seine Fahrzeugkategorie kein ausuferndes Schwergewicht – sein Leergewicht beziffert der Hersteller mit knapp unter zwei Tonnen. Die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse erfolgt bedarfsgerecht per Lamellenkupplung, von deren Arbeitsweise die Insassen wenig mitbekommen. Bei griffigem Untergrund erhalten die Vorderräder deutlich mehr Antriebsmoment, was bei beherztem Gaspedaleinsatz im Lenkrad spürbar wird. Wer sich von der Reaktionsgeschwindigkeit des Systems überzeugen möchte, wiederhole diesen Versuch einfach auf regennasser Straße oder auf geröllhaltigen Pisten. Auch dann ist der kräftige 4x4-Vertreter nicht aus der Ruhe zu bringen und strotzt vor Traktion. Per Schalter lässt sich die Verteilung der Power außerdem auf 50:50 festlegen. Viel interessanter aber ist, dass die Momentverteilung ebenfalls in die Regelelektronik des Stabilitätsprogramms integriert wurde, so dass der Vierradantrieb auch dynamische Relevanz erhält.
Auf diese Weise können schnelle Notkorrekturen bei forcierter Fahrt deutlich wirkungsvoller und präziser erfolgen als mit bloßen Bremseingriffen. Das aber dürfte tatsächlich nur in seltenen Fällen von Bedeutung sein, denn der Murano animiert nicht wirklich zu spektakulären Manövern. Hier spielt vielmehr die sanfte Fortbewegung eine Rolle; der Antriebsstrang mit der obligatorischen CVT-Lösung verleitet demnach zum unaufgeregten Cruisen. Zügig auf das gewünschte Tempo hochbeschleunigen, um die Drehzahl dann abfallen zu lassen – nach diesem Muster fährt man mit dem großen Nissan im wahren Sinne des Wortes am besten. Etwas Gummibandeffekt bleibt mit dieser Automatik nicht aus, nur dass sich der Sound selbst bei erhöhter Drehzahl hören lassen kann. Sonor und kultiviert säuselt es aus Richtung Motorhaube, ohne die Passagiere akustisch zu belästigen – ganz im Gegenteil sogar. Bei zunehmender Geschwindigkeit tritt das Triebwerk immer weiter in den Hintergrund, dennoch beanspruchen die Windgeräusche die Ohren der Insassen nicht über Gebühr. So gesehen beherrscht das SUV die Rolle des Gentlemen perfekt und bringt seine menschliche Fracht entspannt an jedes Ziel.
Dazu tragen auch feine Sessel bei, die mit ihrer üppigen Polsterung lange Strecken zur freudvollen Angelegenheit machen. Dabei verströmt das Leder eine Spur Noblesse. Insgesamt aber orientiert sich das Interieur eher an nordamerikanischen Luxusauto-Maßstäben, wofür die nüchterne Anmutung spricht. Dafür bietet die Wohnstube eine Fülle an Schaltern und Tasten, wie geschaffen für verspielte Naturen mit Faible für Technik. Bedienungsanleitung ja oder nein – so lautet die entscheidende Frage. Am treffendsten wird diese mit jain beantwortet, denn es kommt auf den Bediener an. Intuitiv präsentiert sich der Knöpfchensalat ja zumindest, aber unbedarfte Käufer dürften dennoch einige Zeit brauchen, um durchzusteigen. Da die Haltedauer eines erworbenen Fahrzeugs allerdings länger als ein paar Tage betragen dürfte, sollte das nicht wirklich schmerzen. Auf kompakte Menüsysteme verzichtet Nissan, so sind die relevanten Funktionen schnell anwählbar. Klima- und Radiosteuerung liegen gut zur Hand, denn die Verantwortlichen platzierten sie auf der vorstehenden Mittelkonsole. Das Lenkrad ist zwar nicht knopffrei, aber schön griffig und führt – wenn man hindurchschaut – geradewegs zu den übersichtlichen Rundinstrumenten mit Ansätzen gewisser Sportlichkeit.
Als sportlich geht auch die Preisgestaltung durch, schließlich kostet der Basis-Murano gerade einmal 46.740 Euro. Dafür bietet er eine ungewöhnlich komplette Ausstattung: An Bord sind Antiblockiersystem, Kopf-, Front- und Seitenairbags, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Tripcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Freisprecheinrichtung (Bluetooth), Kameras (im rechten Außenspiegel sowie am Heck), Klimaautomatik, Lederpolster, Leichtmetallräder, Navigationssystem mit großem Farbmonitor, Radio mit CD-Wechsler, Regensensor, schlüsselloses Schließsystem, elektrisch verstell- und beheizbare Vordersitze, elektronisches Stabilitätsprogramm, Tempomat und Xenonscheinwerfer. Das übertrifft allein die 3.710 Euro teurere Executive-Variante mit einer elektrischen Betätigung der Kofferraumklappe, Memoryfunktion für die Sitze, Panorama-Schiebedach (elektrisch), einer beheizten Fondsitzbank sowie einem Soundsystem vom Bose. Noch mehr Entertainment liefern hinten angebrachte Bildschirme, auf denen man Videos schauen kann (300 Euro) – dann aber entfällt das große Glasdach. Bleibt lediglich die Metalliclackierung für 820 Euro und beiden Ausstattungsversionen.
Der Nissan Murano bietet viel Auto für verhältnismäßig wenig Geld. In puncto Ausstattung lässt er keine Wünsch offen – das gilt aber ebenso für den Antriebsstrang, dessen sahniger 3,5-Liter ordentlichen Durchzug und obendrein eine feine Laufkultur beschert. Ab Herbst 2010 sollten dann auch Dieselkunden zum Zuge kommen.