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Fahrberichte & Tests
 
Nissan Micra C+C Front, Innenraum

VITAMIN C+C

Auch manch schwacher budgetierte Autofahrer möchte gerne ein paar Sonnenstrahlen des Autolebens erhaschen – das geht freilich am besten mit einem Cabrio. Der Micra C+C ist eine von vielen Möglichkeiten, sich günstig ein luftiges Plätzchen unter freiem Himmel zu reservieren. Autotipp.

Wer träumt nicht vom Auto ohne Dach? So werden Küstenstraßen, Flaniermeilen und Landstraßen gleich zum doppelten Genuss. Ausnahmsweise geht es mal nicht um Leistung und Hubraum-Protz, sondern allein der luftige Fahrspaß unter sonnigem Himmel steht im Vordergrund, wenn der Geldbeutel mal nicht so locker sitzt und auf den Euro geschaut werden muss. Cabrios gehören bekanntermaßen nicht gerade zu den Vernunftautos der Nation, im Gegenzug sind sie begehrter denn je. Der Markt reagiert mit immer mehr Offerten im Kleinwagen-Bereich – waren es früher vor allem französische Hersteller, die ihren Kunden eine angemessene Lösung für die Anfahrt zu den beliebten Pariser Straßencafés bescherten, kann man inzwischen auch vermehrt bei japanischen Marken „offen“ buchen. Und natürlich kommt das gute, alte Stoffverdeck auch hier aus der Mode: Mitsubishi Colt CZC, Mazda MX-5 Roadster Coupé und nicht zuletzt der zum Hauptgegenstand dieser Abhandlung erkorene Nissan Micra zeigen es, wobei der Mazda eher den alteingesessenen Kultroadstern zuzurechnen ist.

Nissan Micra C+C  Heck, Rückleuchten
 
Offen wird er zum Vergnügen...
 

Aber Kult geht schnell, das zeigt der fast schon zur Ikone gereifte Peugeot 206 CC; und warum sollte es nicht auch Nissan wagen, entweder den nicht ganz so finanzkräftigen Stammkunden oder auch neuer Klientel eine Spaßversion des peppigen Micra anzubieten? Der Spaßfaktor bezieht sich in diesem Fall freilich auf den kleinen Knopf, der Bestandteil jedes C+C-Exemplares ist. Ihn zu drücken genügt – dann entblättert sich dieser Micra leise surrend, aber vollständig, das heißt: Kein Handgriff mehr ist nötig, kein umständlicher Verschluss muss geöffnet werden, das ist bemerkenswert für einen Kleinwagen.
Und wenns mal regnet, darf sich der Eigner die Wassertropfen gar durch getöntes Glas ansehen, selbstverständlich auch frei Haus.
Allerdings ist die offene Variante attraktiver, wenngleich der luftige Micra nicht nur in Sachen Grundpreis mit Einsteigern liebäugelt, sondern auch bezüglich des Cabrio-Vergnügens. So ist der kleine Japaner kein Brutalo, welcher seinen Mitfahrern die Kopfbedeckungen auszieht – dafür sorgt die weit nach vorn gezogene Windscheibe und begrenzt jegliche Brisen auf „mäßig“.

Keine großen Sprünge freilich lassen sich mit dem hier behandelten 1,4-Liter-Benziner machen. Die 88 PS-Maschine tut ihren Dienst und trägt damit zum Thema „Fortkommen“ bei – das geschieht in einer ganz und gar sachlichen Art und Weise. Liebe Fahrdynamiker also, ihr seid diesmal nicht gemeint, mit dem Micra werdet ihr kaum glücklich. Wohl aber jene Kunden, denen der Leistung-ist-Geil-Gedanke widerstrebt, die sich aber von S-Klasse fahrenden Alibi-Umweltpropheten dennoch keinesfalls die Freude am Auto verderben lassen wollen.
Denn der Micra schlendert erfreulicherweise auch mal mit unter sechs Litern Super über die Landstraße, was ihn vor allem für den Geldbeutel attraktiv macht. Und trotz Spartarif ist das Gebotene ansehnlich – die Karosserie wirkt auch auf weniger makellosen Fahrbahnen hinreichend steif und verwindet sich kaum nennenswert. Beim Fahrwerk hält er es wie sein geschlossener Bruder mit milder Abstimmung; klassengemäß absorbiert er längere Wellen besser als kurze, aggressive Querfugen.

Klassengemäß präsentiert sich natürlich auch das Interieur – hier dominieren Übersichtlichkeit und die Kunststoff-Optik, schließlich liegt Schlichtheit in den genen des offenen Micra. Aber er trägt eine sympathische Handschrift; weiß hinterlegte Tachoskalen mixen einen Funken Sportlichkeit in den ansonsten sachlich gehaltenen Cocktail. Etwas mehr Ablagen täten der Wohnstube gut, im Handyzeitalter stellt sich immer die Frage, wo der kleine Zauberknochen untergebracht werden kann, ohne dass er bei zügigen Richtungswechseln zum Geschoss mutiert. Immerhin gibt es ein Fach unter dem Beifahrersitz.
Bemerkenswert übrigens sind die Stühle, auf denen man viele hundert Kilometer entspannt abspulen kann. Wer hätte gedacht, dass der kleine Nissan auch als kommoder Tourer eingesetzt werden kann? Selbst das Platzangebot kann überzeugen, jedenfalls in der ersten Reihe. Der Fond eignet sich nicht gerade zum langen Reisen, aber das ist ein offenes Geheimnis; um allzu große Erwartungen schon im Keim zu ersticken, offeriert der Hersteller seinen kleinsten Frischluft-Kandidaten als 2+2-Sitzer.

Nissan Micra C+C, Seitenansicht
 
Der Micra bleibt auch als Cabrio kompakt...
 

Und das zu einem fairen Kurs: Ab 17.290 Euro gibt es den Roadster mit dem Basis-Motor. Dabei kann sich Grundausrüstung sehen lassen, sie umfasst Antiblockiersystem, vier Airbags, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, elektronisches Stabilitätsprogramm (nicht in Verbindung mit Automatikgetriebe), vollelektrisches Verdeck sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung.
Wer die Premiumausführung (20.940 Euro) wählt, erhält gar ein recht luxuriöses Fahrzeug mit CD-Wechsler, Leichtmetallrädern, Klimaautomatik, schlüssellosem Schließsystem sowie Teil-Ledersitzen inklusive Sitzheizung.
Ein Automatikgetriebe ist ausschließlich für die stärkeren 1,6-Liter-Varianten lieferbar und kostet 900 Euro Aufpreis. Keinerlei Sonderausstattungen gibt es für sämtliche Premium-Versionen, Nissan bietet aber Zubehör ab Werk an – dazu gehört beispielsweise das Bird-View-Navigationssystem für 2.489 Euro.

Fazit: Der Nissan Micra C+C ist ein günstiger Vertreter der automobilen Spaßgesellschaft. Er ist bereits ab Werk ordentlich ausstaffiert und dürfte all jenen Freude bieten, die weniger auf Motorleistung schwören, aber gerne einen sonnigen Platz unter freiem Himmel genießen.

 



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