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Fahrberichte & Tests
 
Mitsubishi Pajero Front
Bullige Front – der Mitsubishi Pajero
 
 

Am kräftigen Wagen

Unter den luxuriösen Vollblut-Geländewagen ist der Pajero von Mitsubishi eine feste Größe. Benzin-Direkteinspritzung, Geländeuntersetzung und Sperrdifferenzial sind nur ein paar Stichwörter, die den technischen und Fahrzeugspezifischen Anspruch hier dokumentieren.

Zugegeben, er ist ein wahrer Brocken von Auto. Der fünftürige Pajero beweist mit guten 4,80 m Länge, knappen 1,90 m Breite und über 1,80 m Höhe schon rein formal Stattlichkeit. Und nicht nur auf dem Papier, denn das Erscheinungsbild untermauert den gewonnenen Eindruck zusätzlich: Wuchtige Stoßfänger ergeben in Verbindung mit ebensolchen Scheinwerfern eine bullige Front. Die Seiten präsentieren sich von dicken Beplankungen flankiert, welche im Bereich zwischen den Achsen mit den Schutzleisten der Radkästen verschmelzen, und diese wiederum münden nahtlos – so scheint es – in die Bug- und Heckschürze. Klingt alles recht glattflächig, ist es auch. Irgendwie aber wieder nicht – ein Design-Cocktail zwar mit harmonischen Rundungen, aber auch mit einem Layout, das einer hügeligen Landschaft gleicht und mithin keinen Zweifel an der Fahrzeug-Gattung aufkommen lässt – stellt dieser fast alles könnende Japaner dar.
Klar ist gleichermaßen: Moderne Geländewagen sind keine so rustikalen Gesellen wie ihre Väter es einst waren. Leiterrohrrahmen? Fehlanzeige. Stattdessen trägt sich die Karosse selbst, wird mit Einzelradaufhängung vorn wie hinten ausgeliefert und auf Wunsch vom direkteinspritzenden V6 angetrieben, der seine Sache gut macht.

Mitsubishi Pajero Innenraum
 

Luxuriöser Innenraum im
großen Mitsubishi

 

Jener 3,5-Liter läuft mit weichem Gebaren in Richtung Drehzahlende. Er verhilft dem Pajero ein Stück weit zum Gefühl, in einer Limousine der oberen Mittelklasse zu sitzen. Nur der Raumeindruck ist insgesamt luftiger. Außerdem behält der Fahrer den Überblick, ganz so, als throne er über der Strasse. Und zum guten Rundumblick gesellt sich denn auch eine tadellose Übersicht auf die Armaturen. Schlicht gehaltene Skalen gewinnen keinen Designpreis, lassen sich in ihrer Ablesbarkeit und der damit einhergehenden Funktionalität jedoch kaum schlagen.
Demnach dürfen die Passagiere getrost guter Dinge sein, was für den Fond nicht weniger gilt. Großgewachsenen steht hier genügend Knie- und Kopffreiheit zur Verfügung. Zudem reist man in der zweiten Reihe licht- und sichtgeschützt hinter dunkelgetöntem Glas – und das ohne Aufpreis. Ferner nehmen alle Fahrgäste auf bequemen Lederstühlen Platz, die vorne beheizbar sind.
Innen wird nicht zu dick aufgetragen, die Atmosphäre ist vielmehr von schnörkellos-funktioneller Natur; dies mag den Liebhaber prachtvoller Fassaden stören, aber kommt Pragmatikern entgegen. Da wirken die Holzapplikationen fast ein wenig deplatziert – man hätte ihre Abwesenheit durchaus verschmerzen können.

Bei den Fahrleistungen freilich muss man mit Abstrichen leben. Selbst üppige 202 Pferdestärken mühen sich angesichts satter zwei Tonnen. Evident wird dies auf der Autobahn, wo die serienmäßige Fünfgangautomatik schon beim leisesten Antippen des Gaspedals zurückschaltet, wenn man einer 100-km/h-limitierten Zone entrinnen möchte und entsprechend beschleunigt. Im Allgemeinen leistet die adaptive Box gute Arbeit in Form von weichen Übersetzungswechseln. Kuppeln und anschließendes Sortieren der Gänge per Hand ist in Verbindung mit dem starken Benziner nicht mehr möglich. Dies ist auch abgesehen von der Tatsache, dass der Sechszylinder hervorragend mit dem Getriebeautomaten harmoniert, ganz im Sinne der Abnutzung. Schließlich sind Geländewagen ideale Zugfahrzeuge und nehmen nicht selten schwere Lasten an den Haken. Wer die maximale Anhängelast von 3.300 kg häufig nutzt, weiß wovon die Rede ist – da schützt der verschleißfrei agierende Wandler effektiv vor einer frühzeitigen Kapitulation der Kupplung.

Das Thema Durst ist angesichts der hier eingesetzten Direkteinspritzung ein prekäres Thema. Wer behutsam und vor allem stetig über den Asphalt gleitet – profitiert vom Schichtladeprinzip und fährt mit elf Litern pro 100 Kilometer. Unter großzügiger Ausnutzung des Drehzahlbandes schnellt der Konsum indes auf 14 Liter und mehr. Dies sei am Rande erwähnt, wobei völlig klar sein muss, dass der Pajero ja nicht als Sparmodell herhalten soll, was den Benzindurchfluss relativiert.
Immerhin, als spritsparende Maßnahme fährt der Mitsubishi im Normalfall mit Heckantrieb. Die vorderen Räder können per Hebel zugeschaltet werden – das funktioniert sogar während der Fahrt – bis einhundert Stundenkilometer. Dabei variiert die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse automatisch je nach Gripp. So kann einer der beiden Achsen im 4x4-Modus bis zu 67 Prozent der Antriebskraft zugeteilt werden.
Sollte es mal richtig steil werden, hilft die extrem kurze Geländeübersetzung bei der Fortsetzung der Fahrt. Im Bedarfsfall kann eine Sperrung des Mitteldifferenzials vorgenommen werden. Somit geht der schwere Mitsubishi gut gerüstet ins Gelände – falls er das überhaupt jemals tut.

Bekanntermaßen sehen die meisten Allradler im Leben keinen richtigen Schlamm, sondern fristen ein mehr oder weniger vielseitiges Dasein auf dem Asphalt. Eigentlich schade, denn so wird das ebenfalls verfügbare, sogenannte "Engine Brake Assist Control"-System wohl selten in Aktion treten. Im Ernstfall bremst es – beim Herabfahren welliger Hänge ohne Pedalbetätigung – einzelne Räder haftungsabhängig ein.
In diesem Atemzug soll das inzwischen zum Standard-Umfang gehörende elektronische Stabilitätsprogramm nicht unerwähnt bleiben. Dieses rundet sozusagen das technische Repertoire an aktiven Fahrwerkshilfen ab, dessen Summe dem kraxelnden Mitsubishi sowohl auf festem Terrain als auch abseits befestigter Wege ein ansehnliches Sicherheitspotenzial beschert.
Was selbstverständlich nicht zu der Annahme führen möge, dass der Pajero ein besonders dynamisches Auto sei. Hohe Kurventempi sind seine Sache naturgemäß nicht. Wer es zu weit treibt, bekommt die Antwort in Form ausgeprägter Seitenneigung, insofern werden die Grenzen des Möglichen recht früh und auch deutlich aufzeigt.

Mitsubishi Pajero Heck
 

Schwerer Brocken: Der
Pajero geht durch dick
und dünn

 

Fahrwerksseitig stehen die Zeichen auf Komfort. Demnach geht der 4x4 mit Unebenheiten erstaunlich gut um; er leitet sie auf ein erträgliches Maß heruntergeschraubt an die Insassen weiter.
Gar nicht heruntergeschraubt dagegen präsentiert sich die Grundausstattung – allerdings auch für den stolzen Gegenwert von 49.950 Euro. Dafür ist nahezu alles an Bord, was Rang und Namen hat: Antiblockiersystem, Front- und Seitenairbags, Bordcomputer, elektronisches Stabilitätsprogramm, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundherum, Getriebeautomatik, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Lederpolster, RDS-Radio mit CD, elektrisches Schiebedach, elektrisch einstellbare Vordersitze, Tempomat und eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Die Sonderausstattungsliste enthält nur eine Position – Metalliclackierung für 435 Euro. Wer möchte, kommt natürlich auch in den Genuss eines Navigationssystems mit großem Farbmonitor. Kehrseite der Medaille: Viel Platz für Individualität bleibt leider nicht. Wer nächtliche Strassen beispielsweise gerne mit Xenonlicht ausgeleuchtet haben möchte, muss ebenso vertröstet werden wie Freunde höhenverstellbarer Fahrwerke – beim Geländewagen keine unpraktische Lösung.

Fazit: Mit dem Mitsubishi Pajero V6 erkauft man sich viel Geländewagen, aber auch ein ordentliches Stück Komfort-Limousine. Entsprechend sanft und leise geht es in der geräumigen Fahrgastzelle zu. Andererseits wird nicht mit gattungsspezifischer Antriebstechnik gegeizt, was den schwersten Mitsubishi zu einem ernsthaften Geländegänger macht. Offensichtlich überzeugt das Konzept die Kundschaft – im vergangenen Jahr griffen knapp 6.000 Autofahrer zum Pajero. Somit konnte er sich innerhalb der reinrassigen Geländewagenfraktion ausgezeichnet schlagen. Herzlichen Glückwunsch.

 

 



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