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Fahrberichte & Tests
 
Mitsubishi Lancer Evo VIII, Front
Aggressiver Auftritt – der Evo ist ein Blickfänger
 
 

Namen-Wechsel

Legende oder überflüssiges Machogehabe? Was auch immer der Otto-Normal-Fahrer über den Evo von Mitsubishi denken mag, er hat seinen festen Platz in der imaginären Liste jener Autos mit dem besonderen Reiz und weltweitem Ruhm. Und wie fährt sich die letzte Ausbaustufe der braven Strassenausgabe eines heißen Rallye-Gefährts? Autotipp.

Das Jahr 2004 werden Mitsubishi-Evo-Fans mit großer Wahrscheinlichkeit gut in Erinnerung behalten. Denn mit einer neuen, der nun achten Evolutionsstufe beim seit 1992 auch als Strassenversion angebotenen Lancer Evo änderten sich einige Geplogenheiten: Seitdem heißt der flinke Japaner auch auf dem deutschen Markt tatsächlich wieder Lancer. Bis dato hielt man Carisma offenbar für aussagekräftiger. Desweiteren gehört der Rallye-Ableger nun dem offiziellen Mitsubishi-Programm an; Einzelabnahmen sind künftig Geschichte, und der stärkste Lancer ist rund 5.000 Euro billiger als sein Vorgänger, allerdings auch 15 Pferdchen schwächer.
Doch Entwarnung: Am grundsätzlichen Charakter der Mittelklasse-Limousine hat sich nichts geändert. Der Zweiliter-Turbomotor reißt das gut 1,5 Tonnen wiegende Gefährt auf Fahrerwunsch derart brachial nach vorn, dass sich ein Staunen auf die Gesichter unbedarfter Mitfahrer legt.
Auf dem gleichen Level umrundet der Mitsubishi Biegungen aller Art. So avanciert die verkehrsarme Landstrasse zur Spielwiese ambitionierter Sportwagen-Fahrer. Hilfreich hierbei ist zweifellos der permanente Allradantrieb, mit dessen Hilfe die Limousine – wenn es verlangt wird – zu einer ungeahnten Querbeschleunigung fähig ist.

Beim Ampelstart bedeutet das Geschwindigkeitszuwachs ohne Traktionsverlust, und auf nasser Fahrbahn ist der Evo trotz üppiger Leistung erstaunlich gut handzuhaben. Dennoch sollten es vor allem Unerfahrene nicht zu wild treiben, denn statt ESP gibt es lediglich ein sauber abgestimmtes Fahrwerk und eine exakt wie gleichermaßen direkt arbeitende Servolenkung – hier beschränkt man sich ganz im Sinne des Purismus nur auf das Wesentliche.
Dies aber reicht sogar, um den Alltag mit dem Strassenfeger recht entspannt zu bestreiten. Wenn man nicht gerade zügig unterwegs ist, hat der Lancer die Chance, seine Reisequalitäten unter Beweis zu stellen. Wer den großen Flügel auf dem Heckdeckel übersehen hat, würde womöglich gar nicht auf die Idee kommen, welch hohe Performance diese Mittelklasse bietet. Die Platzverhältnisse taugen durchaus auch für die Langstrecke, und das straffe Sportfahrwerk sowie das viel Seitenhalt bietende Gestühl könnten sich auf eine fiktive Option in der Sonderausstattungsliste zurückführen lassen.

Selbst das Triebwerk kann sich auch lammfromm benehmen. Ruckeln kennt der hochgezüchtete Vierzylinder kaum. Demnach stellt es kein großes Problem dar, in der unteren Drehzahlregion gemütlich dahinzuschlendern. Ab 2.000 Touren allerdings ist mit dem Gasfuß vorsichtig zu agieren, denn jedes weitere Öffnen der Drosselklappe quittiert der Motor mit konsequenter Drehzahlerhöhung, ungeachtet der Fahrwiderstände.
Bis in den roten Bereich hinein dreht das Kraftwerk willig; es hängt hervorragend am Gas, schreit förmlich nach Drehzahlen. Auch der knackig zu bedienende Schalthebel erfüllt seine Funktion als Taktstock zum großen Konzert der Fahrdynamik in souveräner Art und Weise. Hier ist es eher Kür als Pflicht, alle fünf Fahrstufen fleißig einzusetzen.
Da gerät das Design des Interieur zur Nebensache. Dort dominiert Plastik-Look von der sachlichen Sorte. Zu bedienen gibt es nicht viel; stattdessen findet der Besitzer noch ein Radio in Din-Format vor, was ihm zumindest eine gewisse Auswahl bei seinem Musikgerät ermöglicht.

Daneben gibt es noch drei Drehschalter für das richtige Innenraumklima und freilich den Schalter für die Wahl des passenden Allrad-Modus. Je nach Wetter- und Strassenverhältnisse wird mit Hilfe von drei verschiedenen Programmen eine gezielte Kraftverteilung vorgenommen. Also doch ein Funke Technik an einer sonst einfach gehaltenen Fahrmaschine? Durchaus, denn für die Verteilung des Antriebsmoment zeichnen ein elektro-hydraulisch gesteuertes Hinterachs- sowie Mitteldifferenzial verantwortlich, die in Abhängigkeit von der aktuellen Fahrsituation automatisch aktiv werden.
Doch das schert Passanten, an denen der Mitsubishi vorbeifährt, natürlich viel weniger als die äußere Optik. Letztere macht ihm zum echten Hingucker – nicht nur für Fans diverser Autorennen-Spiele, mit deren Menüs viele Kids im Lande auch ihren Evo konfigurieren dürfen: Große Lufteinlässe in Motorhaube und Frontschürze sowie natürlich der große Heckspoiler, den es in zwei verschiedenen Ausführungen gibt, lassen auch gestandene Männer aufblicken.
In Klarglas gehaltene Scheinwerfer mit Projektionstechnik schließen die Front ab und verleihen dem Japaner einen Hauch von Modernität.

Mitsubishi Lancer Evo VIII, Heck
 
Der große Flügel erfüllt
nicht nur Showzwecke
 

Der Lancer Evo VIII wird dem Kunden für 38.490 Euro feilgeboten. Ein durchaus attraktives Angebot, weil dieser Mitsubishi ohne Frage Erstwagen-Qualitäten bietet – vorausgesetzt, man ist selbstbewusst genug, um mit dem Rallye-Ableger vorzufahren. Selbst der ausgedehnten Urlaubsplanung darf dank großzügigen 430 Liter Kofferraumvolumen sorglos entgegengesehen werden.
Abgesehen davon befindet sich alles an Bord, was der Hersteller für wichtig erachtet: Antiblockiersystem, Frontairbags, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Leichtmetallräder und eine fernbedienbare Zentralverriegelung.
Aufpreis kosten nur Ledersitze (500 Euro) sowie Metallic-Lack (390 Euro). Und um die Musikanlage muss der Käufer sich selbst kümmern, denn es gibt keine integrierte Lösung.
Ebenfalls erwähnenswert: Der stärkste Mitsubishi lässt sich recht sparsam bewegen. Unter 10 Liter Kraftstoff sind bei verhaltener Fahrweise realistisch. Freilich erfordert die forcierte Gangart häufigere Stopps an der Tankstelle – wie sollte es auch anders sein?

Fazit:
Der Mitsubishi Lancer Evo VIII ist ein Vollblutsportwagen, der allerdings auch volle Alltagstauglichkeit bietet. Sein Preis ist angesichts des Gebotenen ausgesprochen fair – nach der Senkung im Rahmen des Facelifts gilt das sowieso. Mit der achten Auflage ist dem japanischen Hersteller ein würdiger Nachfolger gelungen, der die bereits über zehn Jahre währende Tradition fortsetzt. Dass der Erfolg dieses Modells auch in Zukunft nicht ausbleiben wird, ist wohl zu erwarten.

 

 



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