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Fahrberichte & Tests
 
Mini Cooper S Front

Kenner sehen sofort: Die Hutze auf der Motorhaube
gehört zum Mini Cooper S

 
 

EILSACHE

Der Mini Cooper S soll die Dampfhammer-Funktion innerhalb der beschaulichen Modellpalette übernehmen. Tatsächlich machen bereits die Papierdaten Appetit auf einen Ausflug mit der Topversion. Wie die Praxis aussieht, versucht der folgende Autotipp herauszufinden.

Es hat alles so schön angefangen: Als die Münchener vor gut zwei Jahren ihre hochtechnisierte Neuauflage des kleinen Traditionalisten präsentierten, gab es neben den Tränen erbitterter Nostalgiker, die jenes als Plagiat empfundene neu-britische Spaßvehikel aus Zeitgeist-Verweigerung ablehnten, auch Freudentränen.
Sie wurden von den ebenfalls zahlreich vorhandenen Klassik-Gourmets hervorgebracht; diese Spezies von Autoliebhabern bevorzugt zwar das vergangene Erscheinungsbild - jedoch kombiniert mit modernen Innereien.
Genau so ein Kaliber ist der Mini von den Motorenwerken.
Er sieht fast so aus wie der Alte, scheint aber mit Wachstumshormonen behandelt worden zu sein. So schwoll seine Außenlänge gegenüber dem Veteran um rund 60 cm an und beträgt nun 3,655 m beim Cooper S. Die schwächeren Ausführungen bringen es wegen der modellspezifisch etwas anders geformten Stoßfänger auf "nur" 3,626 m.
An Breite gewann er immerhin gut 15 cm. Deutlich über 40 cm weiter gar stehen beim aktuellen Briten die Räder auseinander, was dem Innenraum die dringend benötigte Luft verschafft.

Doch damit nicht genug. Neuzeitliche Mini-Fahrer darben weder Komfort- noch Sicherheitsnot. Bei Bedarf nämlich bietet der Kleine ein Bildschirm-Navigationssystem ebenso wie Kopfairbags oder Stabilitätsprogramm.
Auch fehlte es nicht an Liebe, Kennern der guten alten Zeit das Interieur optisch schmackhaft zu machen.
Eigentlich Perfekt - abgesehen vom vierzylindrigen Benziner-Herz im Bug. Und weil der 115 Pferdestärken leistende Otto dem Mini Cooper nicht so recht einheizen wollte, was den zwar vorhandenen Spaßfaktor, für den das Fahrwerk zweifellos mitverantwortlich ist, merklich trübt, musste eine neue, diesmal aber deutlich kräftigere Variante her.
Der Cooper S war geboren. Mittels mechanisch angetriebenem Kompressor und Ladeluftkühler wird die Leistung des exakt 1.598 ccm großen Triebwerks auf 120 KW (163 PS) angehoben. Das Drehmoment kann sich dabei sehen lassen: 210 Nm bei 4.000 Umdrehungen pro Minute.
Wofür "S" nun steht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Dem Naturell am nächsten kämen Prädikate wie "Super" oder "Sport". Und weil kein moderner Sportwagen ohne eine Sechgang-Schaltbox auskommt, fehlt diese natürlich auch hier nicht. Schön daran ist, dass sie sich nicht nur laut Pressetext, sondern tatsächlich "knackig" bedienen lässt.

Dem Fahrwerk verpassten die Ingenieure noch einen zusätzlichen Schuss Härte. Schlecht bekommt sie dem kleinen Flitzer dabei nicht - ganz im Gegenteil. Zusammen mit der sehr direkt ausgelegten, straff zu handelnden Servolenkung vermittelt es die unmissverständliche Nachricht vom kompromisslosen Rassesportler. Einen kleinen Moment sieht es sogar so aus, als spielten diesbezüglich alle Komponenten mit. Das serienmäßige Gestühl scheint mit seinem großzügigen Maß an Seitenhalt auf denkbar hohe Querbeschleunigung ausgerichtet zu sein.
Tatsächlich gehören Kurven nicht zu den Feinden des potenten Cooper. Er lenkt willig ein und deutet das Ende der Fahnenstange erstaunlich neutral bis leicht untersteuernd an. Entgegen anderer Meinungen erwies sich der Geradeauslauf des geprüften Testwagens speziell bei hohen Tempi als etwas nervös - was jedoch eher als Kehrseite des sonst exzellenten Fahrwerks denn als gravierender Nachteil schlechthin angesehen werden sollte.

Kommen wir zum Punkt, an dem sich Geschichte wiederholt. Natürlich steigt mit der nominellen Kraft auch die Erwartung an das Gebotene. Wer den stärksten Mini mit einem behutsamen Gasfuß bewegt, möge sich nicht über mangelnde Leistung beschweren. Also verhält sich auch der Kompressor-Cooper nach dem gleichen Prinzip wie sein schwächerer Typ-Genosse. Die Langatmigkeit, mit der das Aggregat seine Arbeit verrichtet, hat irritierende Züge - dieser Mini ist ebenso Dreh- wie Fahrmaschine. Will heißen: Unter 4.000 Touren gibt es nur verhaltenen Vortrieb, dann aber setzt Schub ein - und das wohlgemerkt nach dem Drehmoment-Höhepunkt. Folge ist aber, dass der theoretisch mögliche Kraftstoffkonsum von 8,4 l auf 100 km in der Regel nicht eingehalten wird. Ohne Frage kann der Cooper S auch ruckelfrei im großen Gang und damit sparsam gefahren werden - Drehmoment ist in ausreichendem Maße vorhanden. Aber wenn der propagierte Spaß mit von der Partie sein soll, kommt man an einem "Spaß-Zuschlag" nicht vorbei, der sich in Form von Verbräuchen zwischen acht und zehn Litern Super Plus auswirkt.
Die akustische Präsenz gefällt hingegen; hier empfängt das Ohr eine Mischung aus grollenden, von der abgewandelten Auspuffanlage produzierten Klängen sowie dem Surren des arbeitswütigen Kompressors.
Wird jede Fahrstufe ausgenutzt, zeigt sich denn auch wieder ein geradegerücktes Bild angemessener Beschleunigung - sowohl in der Praxis als auch auf dem Papier: Nach 7,4 Sekunden passiert die Tachonadel 100 km/h - bei einem Leistungsgewicht von 9,5 kg/KW nicht zu bemäkeln.
Jenseits von 190 Stundenkilometern geht aber nicht mehr allzu viel; ab 218 km/h ist dann endgültig Schluss mit weiterem Tempo-Zuwachs.

Mini Cooper S  Heck, Rückleuchten
 
Zwei Rohre für
jede Menge Dampf
 

Auch wenn man dem Mini vorwerfen könnte, alles andere als ein Vernunft-Auto zu sein, erhellt ein Blick auf die Praxistauglichkeit ungemein. Und wer nicht gerade hinten sitzt, bescheinigt ihm ordentliche Platzverhältnisse, die auch längere Fahrten zulassen. Trotz kerniger Federung und Lenkung ist Komfort keine irrelevante Größe, die nicht erwähnenswert wäre.
Der Kofferraum fasst in Grundkonfiguration nur 150 Liter, lässt sich aber durch Zurücklegen der hinteren Sitzbank auf 670 Liter Volumen vergrößern. Eine Zuladung von 430 kg erstaunt
in diesem Zusammenhang.
Kommen wir zum empfindlichsten Thema, den Preisen. In Grundausstattung kostet die dreitürige Lifestyle-Limousine als Cooper S 19.900 Euro. Sie verfügt frei Haus über vier Airbags, Antiblockiersystem, elektrisch verstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, Leichtmetallräder, Traktionskontrolle und Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.

Mini Cooper S  Innenraum
Auch Mini-Fahrer
leiden keine Not: Navi auf
Wunsch
 
 

Kopfairbags schlagen mit 300 Euro zu Buche, 20 Euro mehr kostet das elektronische Stabilitätsprogramm - beides Sicherheitsmerkmale, die eigentlich zur Serie gehören sollten.
Ab 930 Euro gibt es eine Klimaanlage, 320 Euro mehr bezahlen Technik-Verwöhnte für eine automatische Regelung derselben. Für 2.430 Euro wird der Weg mittels Navigationssystem gelotst. Dazu gehört ein großes TFT-Display inklusive Bordcomputer und Radio. Für 270 Euro erfreut ein Sicht-Paket mit einer beheizten Frontscheibe, Regensensor und automatisch abblendendem Innenspiegel. Ein Parksensor ist ebenso lieferbar - für 300 Euro. Wer Lederpolster mag, zahlt 1.580 Euro extra und bekommt dafür sogar Lordosenstütze sowie Sitzheizung gleich mit dazu. Ein exklusives Auto sollte nicht ohne Xenonlicht durch die Nacht rollen - 530 Euro Aufpreis erfordern die weiß-bläulichen Gasentladungslampen.

Fazit: Der Mini Cooper S wird dem, was er nach den Wünschen seiner Väter sein soll, gerecht. Er soll vor allem Emotionen ansprechen, gefallen und Spaß machen. Dass er dieses tut, darüber bestehen keinerlei Zweifel. Ein Tick mehr Dampf im unteren Bereich wäre eine noch zu erfüllende Eigenschaft aus dem Pflichtenheft - damit ist es aber auch schon getan.




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