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Fahrberichte & Tests
 
MG ZT Front

Der im wahren Sinne des Wortes drahtig
anmutende Wabenkühlergrill kennzeichnet den ZT

 
 

Bitte geben Sie Acht!

Komfortabel ausgestattete Mittelklasse-Limousinen kratzen heutzutage häufig an der 50.000-Euro-Grenze, aber die meisten dieser Fahrzeuge sind alltägliche und keinesfalls in irgendeiner Weise hervorstechende Erscheinungen. Anders der MG ZT 260. Fahrbericht.

E
s ist zu schade. Finanzielle Nöte lassen zwei wunderschöne und traditionsreiche Marken wie MG und Rover in eine ungewisse Zukunft treiben. Wer zur Zeit fündig werden will, muss einen Blick in die Läger werfen. Und dieser kann sich lohnen, denn der Konzern hat gerade im letzten Jahr auch trotz einer schwierigen Finanzlage noch Bemerkenswertes geleistet. Zum Beispiel die aufwendige Modifikation der ZT-Reihe, um sie für ein kräftiges Topmodell fitzumachen. Wem der MG ZT 2,5 – basierend auf dem Rover 75 – bisher zu schwach und daher zu wenig charismatisch erschien, dem wird seit vorigem Jahr geholfen.
Statt Front- bietet die nun kräftigste Sportlimousine Heckantrieb, und dem profanen V6 wich ein großvolumiger Achtzylinder aus dem Hause Ford.
So einfach dieser V8 gestrickt ist (zwei Ventile pro Zylinder und eine obenliegende Nockenwelle), so eindrucksvoll vermag er die Fahrer des ZT 260 in gute Laune zu versetzen. Allein der Start weckt mit einem tiefen Blubbern Emotionen; das müssen die Massenhersteller mit ihren technischen Hochkarätern erstmal schaffen.

In dieser Preisliga bieten sie zwar topfit daherkommende Gefährte, die allerdings nicht weniger sachlich anmuten. Der starke ZT lässt niemals Zweifel an seiner exklusiven Zylinderzahl aufkommen, diese erfährt jeder auch nur halbwegs autointeressierte Passant auf dem akustischen Wege. Dumpf bollernd setzt sich die Limousine denn in Bewegung; es geht mit Nachdruck zwar, doch keinesfalls giftig nach vorn. Denn die Leistung fällt mit 260 PS nicht weltbewegend aus, aber von Untermotorisierung kann nun wirklich keine Rede mehr sein. Wo es der sechstöpfige ZT an Durchzug vermissen lässt, schiebt der 4,6-Liter immer noch energisch in die Vertikale, wenngleich der eine oder andere moderne Sechszylinder der Konkurrenz diese Disziplin nicht schlechter meistert. Dann erinnert man sich gerne wieder an die Weisheit, dass ja schließlich der Ton die Musik ergibt – und schon ist gute Stimmung wieder an der Tagesordnung. Optisch setzt sich das MG-Flaggschiff nur dezent von seinen schwächeren Brüdern ab; vier statt zwei Auspuffendrohre schmücken das Heck des Boliden in unauffälliger Art und Weise.

Wer die V8-Ausgabe genauer untersucht, findet ferner Leichtmetallräder in einem speziellen Design – 18-Zöller indessen tun es auch hier. Darüber hinaus gibt es natürlich zahlreiche Merkmale, die sämtliche ZT-Modelle vom gewöhnlichen Rover 75 unterscheiden. Dazu gehören selbstverständlich der berühmte Wabenkühlergrill und kräftige Seitenschweller.
Innen machen unter anderem weiß hinterlegte Zifferblätter auf den kleinen Unterschied aufmerksam. Übrigens geht mit der Umstellung von Rover auf MG kein nennenswerter Verlust an Fahrkomfort einher, obwohl das sportliche Schwestermodell etwas härter mit seinen Passagieren umspringt als die Basis. Doch die Tatsache, dass die Fahrt über manchen Kanaldeckel etwas intensiver vernommen wird, trübt den insgesamt komfortablen Einschlag dieser dennoch sportlichen Limousine kaum. Allerdings mögen sich jene Kunden wiederum, welche einen Hochleistungssportler erwartet haben, nicht getäuscht fühlen, denn die Kurvenhatz ist keinesfalls das Metier einer 1,8-Tonnen-Limousine. Satt auf der Strasse liegt der Hecktriebler dennoch, hohe Tempi realisiert er mit sauberem Geradeauslauf. Für die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h braucht ein Fahrzeug weit diesseits der 300 PS-Marke freilich einen gewissen Anlauf, aber auch diese Region ist dem starken MG nicht fremd.

Und sonst? Es gibt bequeme Ledersitze sowie freizügigen Raum. Vorn wie hinten dürfen die Insassen einen angenehmen Aufenthalt genießen, der auch nach längerer Fahrt noch Freude bereitet. Straffe Polster beugen eventueller Müdigkeit vor, falls jemand das Steuer nicht mehr verlassen möchte. Außerdem zeigen sich die Sessel in ausgeprägter Konturierung – ganz nach dem Muster sportlicher MG-Philosophie. Kopf- und Beinfreiheit bietet der Brite in einem für die Mittelklasse üblichen Maß.
Etwas Bayern in die englische Komposition bringen diverse Schalter aus dem BMW-Kasten – das zeigen beispielsweise die Tasten von Navigationssystem und Radio.
Dennoch bleibt britisches Flair hier nicht auf der Strecke. Elegante, ovale Instrumente mit Schnörkelschrift und zierlichen Nadeln vermitteln die feine englische Lebensart. Statt Wurzelholzfurnier indes spendierte das Werk seiner sportlichen Variante einen Armaturenbeschlag aus hochwertig anmutendem Metall. Etwas mehr Liebe zum Detail hätte man bei den Farben der verschiedenen Displays walten lassen können, denn die rot beleuchteten Flüssigkristalle des elektronischen Kilometerzählers wollen nicht so recht zum orange schimmernden Bordcomputer passen.

MG ZT Innenraum
 
Sportlichkeit auf die
feine englische Art
 

Ganze 47.650 Euro verlangt der Hersteller für seine attraktivste Limousine und bleibt damit deutlich unter der magischen 50.000-Euro-Grenze. Dabei führt der Viertürer alles mit, was gut und teuer ist. Dazu zählen Alarmanlage, Front-, Seiten- und Kopfairbags, Antiblockiersystem, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Ledersitze, Leichtmetallräder, Navigationssystem, elektrisch verstellbare Sitze, Sitzheizung, Tempomat, Xenonlicht sowie eine fernbedienbare Zentralverriegelung. Schade ist, dass die elektronische Stabilitätskontrolle vergessen wurde.
Individualisierungswünsche dürften angesichts der Fülle an Ausstattungsmerkmalen kaum aufkommen – abgesehen von den Farbwünschen. Hier allerdings sollte man sich derzeit keine großen Hoffnungen mehr machen, weil die britischen Bänder stillstehen.
Den Spritverbrauch beziffert der Hersteller mit einer Bandbreite von 10 bis 18 Litern auf einhundert Kilometern – aber das ist bei einem Motor dieses Kalibers wohl keine Überraschung.

Fazit: Der MG ZT 260 ist eine höchst attraktive Limousine zum günstigen Preis. Ihr V8-Triebwerk ist die reine Ohrenweide; die Fahrleistungen sind nicht überwältigend, aber entsprechen denen eines ernsthaften Sportwagens. Nachteil: Kunden müssen nun die Verfügbarkeit prüfen, da die Produktion zur Zeit stillsteht und keine individuellen Fahrzeuge konfiguriert werden können.

 

 

 



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