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Mercury Comet 289 cid v8

1. Mercury Comet – ein unbekannter Ami mit coolem Outfit

2. Schlichtes Design der 60er – wer's liebt, wird mit dem Kompakten glücklich

3. Keine elektrischen Fensterheber, aber elektrisch verstellbare Sitze...

 

Der Mercury Comet im Profil
American Dream
Wie stolpert man über einen Mercury Comet, der nun wirklich im Verborgenen blüht neben den ganzen Mainstream-Amis wie Corvette, Mustang und Co.? Die Geschichte begann mit einer Mischung aus Zufall und etwas Phantasie.

Der Markt steckt voller interessanter Autos. Also ab die in Fahrzeugbörsen und mal nach anderen Kriterien suchen als gezielt ein bestimmtes Modell. Bis Baujahr 1970 und 150 bis 200 PS – so soll das Wunschgefährt aussehen. Heraus kommt viel deutsches Blech, einige Briten und – wer hätte es geglaubt – ein paar versprengte Amis. Ein Ford Comet wird dort ausgewiesen; ein 66er soll es sein – da ist die Angst vor großen Hubräumen unbegründet, denn die 30 Jahre hat er längst überschritten. Und die muss man schließlich voll haben, um mit rund 190 Euro Steuern pro Jahr durch die Gegend zu gondeln – unabhängig von Brennraumgröße und Schadstoffklasse. Aber beim Comet, der übrigens gar kein Ford, sondern ein Mercury ist, handelt es sich um ein vergleichsweise kleines Modell. Es gibt ihn sogar als Sechszylinder. Dieser hier ist aber ein V8, wie später herausstellen sollte. Zunächst kamen Rätsel auf, ob das Modell original sein würde, ob da schon jemand gebastelt hat – bei amerikanischen Fahrzeugen ja durchaus nicht unüblich. Üblich ist auch die Farbkombination von cremefarbener Außenlackierung und etwas kitschig wirkender, roter Innenausstattung.

 

Also machen wir uns auf den Weg zu Arthur Bechtel (www.arthur-bechtel.com) nach Stuttgart, wo das Fahrzeug steht. Ein interessanter Laden mit auffällig vielen Briten; wer nach Jaguar und MG sucht, wird hier ganz sicher fündig – ein schöner XK 120 steht neben zahlreichen XJ-Modellen, bereits seit 35 Jahren weiß der Händler, wie die Engländer ticken bzw. fahren. Aber heute interessiert uns der Mercury Comet – ein Überbleibsel eines wohl befreundeten Händlers. Also inspizieren wir den für USA-Verhältnisse doch eher kompakten Wagen und bitten um Motorstart. Der V8 springt prompt an und macht sich mittels dezentem Bollern bemerkbar. Ein Blick auf die Fahrgestellnummer, die sich unter der Haube verbirgt, bringt Klarheit: Dieser Comet ist kein Bastelfahrzeug. Die ersten fünf Zeichen "6H22C5" reichen, um Produktionsstandort (H = Lorain, Ohio) sowie Motor (C= 289 CID/200 PS) ermitteln zu können. CID steht für "Cubic Inch Displacement" – also Kubikzoll, so gibt man in England und den USA den Hubrum der Verbrennungsmotoren an. Multipliziert man diesen Wert mit 16,387064, so erhält man den Hubraum in Kubikzentimetern. Der Comet (übrigens auch als zweitürige Limousine erhältlich) verfügt also über 4,7 Liter Volumen.

 

Aber genug der Theorie – wie fühlt sich ein 43 Jahre alter amerikanischer Mittelklassewagen an? Auf jeden Fall kaum nach Mittelklasse, das steht fest. Das dünne Lenkrad dreht sich leichtgängig, erinnert an die ersten Mercedes S-Klassen (W140) mit Parameter-Lenkung. Das Lenkspiel erinnert an ein bis zwei S-Klasse-Generationen früher und das Bremspedal-Gefühl an den Citroen DS – interessante Mischung. Der V8-Akzent ist stets mit von der Partie, aber nie aufdringlich. Und trotz Wandler, der von Überbrückung so viel kennt wie Johann Lafer von Stabhochsprung, fühlt sich der Mercury flink an, setzt sich nachdrücklich in Bewegung. Die Fahrstufen wechselt der Automat erstaunlich ruckfrei; und der Ami kann noch federn. Okay, immer schön vorsichtig durch die Kehren, zu hohe Kurventempi mag die Fuhre aus dem Ford-Konzern nicht. Dann lieber die roten Stühle genießen, in denen man förmlich versinkt. Platz gibt es übrigens auch in vernünftig bemessenen Dosen, selbst der Fond meint es gut mit seinen Gästen. Auf der durchgehenden Vordersitzbank können sich gar drei Personen problemlos niederlassen. Witzig sind die kleinen Skalen und fast schon niedlich die Knöpfchen. Verkehrte Welt: Während das Mobiliar per Stellmotor zu justieren ist, müssen sämtliche Seitenfenster per Kurbel bedient werden.

 

Fazit: Amicar-Flair mal eine Nummer kleiner und schlicht lässt sich mit dem Mercury Comet verwirklichen. Auf V8-Brabbeln muss indes keinesfalls verzichtet werden. Trinkfest dürfte der 4,7er trotzdem sein, aber er ist ja kein Alltagsfahrzeug.



 
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