Der Mythos SL gewinnt wieder an Schärfe: Mercedes bringt den SLS AMG mit auf die IAA und weckt mit ihm Emotion sowie Erinnerung. Als Krönung ist der flügeltürige und an den ehemaligen 300 SL angelehnte High-Tech-Bolide nicht ganz so unerreichbar wie der SLR McLaren. Vorstellung.
ür viele Autofans, das ist klar, wird auch der neue Mercedes SLS AMG nur ein Traum blieben. Andererseits wird es wiederum einige Liebhaber geben, für die der künftige Supersportler in erreichbare Nähe gerückt ist. Denn mit exakt 177.310 Euro kostet der SLS nicht mehr als eine satt ausgestattete High-End-S-Klasse und bringt neben einer geballten Portion Faszination – schon alleine durch seine bloße Erscheinung – auch jede Menge Technik mit. Konsequenter Leichtbau verhindert maßloses Verfetten, obwohl in puncto Sicherheit und Servo-Spielkram alle Register gezogen wurden. Runde 1,6 Tonnen sind es letztlich – alle Achtung. Wie funktioniert so etwas? Der SLS baut auf einer Aluminium-Spaceframe-Karosserie auf, die das Chassis nicht nur leichter, sondern gleichzeitig auch steifer macht. Der Leichtbau zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesamtkonzept SLS und wurde mit einer beachtlichen Konsequenz verfolgt. Selbst auf Details achteten die Ingenieure – angefangen bei gewichtsoptimierten Schmiederädern bis hin zu extra leichten Antriebswellen aus Carbon, die dem Rennsport entstammen. Der bekannte 6,2-Liter-Sauger-V8 geht auf 571 Pferdchen gestärkt aus der Überarbeitung.
Mit nur 205 Kilogramm Gewicht ist der Kraftbrocken verhältnismäßig leicht und wurde zudem weit in Richtung Fahrzeugmitte gepflanzt, um der Masseverteilung Rechnung zu tragen. Transaxle plus tiefer Schwerpunkt – das verheißt verdammt viel Fahrspaß auf kurvigem Gebiet. Und damit die Ölversorgung auch bei den wildesten Fahrern stets gewährleistet wird, gibt es für den Super-SL eine Trockensumpfschmierung. Statt Wandlerautomatik übernimmt ein Doppelkupplungsgetriebe mit ebenfalls sieben Fahrstufen die Kraftübertragung. Weniger Gewicht und eine Minimierung von Anfahr-Schlupf sprechen für diese Box. Keramik-Bremsen sollen dafür sorgen, dass der Top-AMG ebenso gut verzögert wie beschleunigt. Die Werte, auf die sich potenzielle Käufer einstellen sollen, versprechen wahrlich viel: Nach nur 3,8 Sekunden werden 100 Sachen erreicht, verspricht das Werk. Die Höchstgeschwindigkeit beziffert es mit elektronisch begrenzten 317 km/h – warum bei einer solch krummen Zahl eingebremst wird, ist noch herauszufinden. Neben dreistufigem ESP und den Zutaten aus dem Motorsport gibt es auch bürgerliche Dinge für den SLS – und zwar serienmäßig: Navigationssystem, Parksensor, Regensensor, schlüsselloses Schließsystem, Sitzheizung sowie Tempomat.
Fazit: Der SLS AMG fasziniert durch Fahrleistung, Optik und Technik. Ein wahrer Über-SL mit Flügeltüren wie in den Fünfzigerjahren. Der Preis von deutlich unter 200.000 Euro in der Grundausstattung verlockt. Absolut gesehen zwar handelt es sich um eine statte Stange Geld, gemessen am Gebotenen jedoch geht der Kurs als äußerst fair durch.