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Fahrberichte & Tests
 
Mercedes C-Klasse Front, Innenraum

C-Kadenz

Seit dem 31. März steht die neue C-Klasse von Mercedes-Benz bei den Händlern. Sie löst den ab 2000 gebauten, werksintern W203 genannten Vorgänger im Jubiläumsjahr der Kompaktlimousinen aus Stuttgart ab. Seit 25 Jahren rollen Mittelklassewagen mit Stern von den Bändern in Sindelfingen und Bremen. Der Urenkel des 190ers schlägt neue Töne an: Es gibt ihn künftig mit zwei Gesichtern. Neuheit.

In der Mercedes-Tonleiter ist der erste Ton nicht das C, sondern seit einiger Zeit das A. Das C wurde in letzter Zeit seltener gespielt, was in Deutschland die Zulassungszahlen des Vorgängers dokumentieren: Im letzten vollen Produktionsjahr 2006 kamen auf eine C-Klasse fast doppelt so viele Dreier vom Erzrivalen BMW. Trotzdem ist die alte C-Klasse weltweit betrachtet die bisher erfolgreichste. Mit der nun präsentierten Generation sollen nicht nur Umsteiger gewonnen, sondern zugleich die Stammklientel gehalten werden. Hierzu bediente man sich unter anderem eines kleinen Kunstgriffs: Die Designabteilung verpasste dem Wagen einfach zwei verschiedene Frontdesigns. Steht der Stern bei den Linien „Classic“ und „Elegance“ noch auf der Haube und thront über dem typisch geformten Grill, so prangt er bei „Avantgarde“ in einer Maske mit drei mächtigen Chromlamellen. Der typische Mercedeskäufer greift zu einen der beiden ersten Varianten, der sportlich ambitionierte Umsteiger zur letzten, so das Kalkül der Macher. Bei Mercedes-Traditionalisten löst dieser Trick Unbehagen bis leichtes Entsetzen aus, weicht man damit doch von der sonst lupenreinen Sterne-Ordnung ab: Bei Limousinen steht der Stern auf der Haube, Punkt! Zudem kommen Erinnerungen an unselige SEC-Umbauten in den Achtzigern auf, vor denen damals keine Mercedes-Limousine sicher war. Insbesondere dann nicht, wenn sie in den Besitz zottelhaariger Goldkettchenträger übergegangen ist. Aber keine Bange, das Design des neuen C kann in beiden Varianten als äußerst gelungen und stimmig bezeichnet werden. Mehr noch: Niemals zuvor kam die kleine Baureihe derart dynamisch und zugleich elegant daher.

Mercedes C-Klasse, Heck, Rückleuchten
 
Elegantes Heck – die neue C-Klasse
 

Neben den beiden Grillvarianten wird die Front durch kantig gezeichnete Scheinwerfer geprägt, in der Seitenansicht fällt die deutliche Keilform ins Auge, die durch eine nach hinten ansteigende Linienführung unterstrichen wird. Bei allen Linien sind die Fenster chromumrandet, bei „Elegance“ und „Avantgarde“ sind zusätzliche Chromverzierungen an der Bordkante, an der oberhalb des Schwellers verlaufenden Sicke, an den Stoßfängern und am Heckdeckel zu finden. Auch etwas S-Klasse ist mit von der Partie, die Heckgestaltung und die leicht ausgestellten Radhäusern erinnern etwas an die Oberklasse. Im Innenraum ist die Erneuerung konsequent weitergeführt worden und überall sicht- wie fühlbar. Neben den Schaltern in der Mittelkonsole werden künftig nun auch in der C-Klasse viele Funktionen über den Command-Drehsteller ausgeführt. Durch das neue Bediensystem ist die Beherrschung der vielen Funktionen geradezu spielend einfach – zweifellos maßstabtauglich für die Klasse. Der Command-Monitor wird nur im Bedarfsfalle ausgefahren und versteckt sich sonst unter einer Abdeckung oberhalb der Mittelkonsole. Beim Betrachten des Kombiinstrumentes werden Erinnerungen an frühere Mercedes-Zeiten wach: Die schönen Rundinstrumente sind mercedestypisch skaliert und beschriftet. Kenner vermissen höchstens noch die früher bei allen Modellen obligatorische Analoguhr und den Öldruckmesser. Je nach Ausstattungsvariante zieren Hölzer, Aluminium oder Klavierlack die hochwertig verarbeiteten Oberflächen.

Besonders wichtig war den Ingenieuren das Thema Komfort, einer klassischen Mercedes-Tugend. Dieses manifestiert sich nicht nur in einer narrensicheren Bedienung, sondern auch einer entsprechenden Abstimmung des Fahrwerks. Um keine Kompromisse zu Ungunsten der Agilität hinnehmen zu müssen, ist viel Entwicklungsarbeit in die Dämpfungstechnik investiert worden. Mit dem Agility Control genannten System ist es gelungen, erstklassigen Komfort mit hoher Fahrsicherheit und Dynamik zu vereinen. Sowohl Komfortliebhaber als auch sportlichere Fahrer, die bisher zu Fremdmarken gegriffen haben, werden es dankend zur Kenntnis nehmen. Wer es noch etwas sportlicher mag, wird zum aufpreispflichtigen Advanced Agility-Paket greifen, hier kann der Fahrer zwischen „Komfort“ und „Sport“ wählen. Auch im Geräuschkapitel werden nur leise Töne gespielt, zusammen mit den vielfach verstellbaren und gut konturierten Sitzen fährt die C-Klasse im Komfortbereich auf höchstem Niveau. Weiterhin wurde viel für die Sicherheit getan: Serienmäßig sind sieben Airbags, NECK-PRO-Kopfstützen und die PRE- und PRO-SAFE genannten Insassenschutzsysteme an Bord. Das Adaptive Brake-System ermöglicht nahezu alle Bremsfunktionen, über die auch die umstrittene SBC-Bremse verfügte. Hierzu gehören Hillhold, Trockenbremsfunktionen und eine verbesserte Wirkung des Bremsassistenten. Zur guten Sicht bei Nacht trägt das aufpreispflichtige Intelligent Light System bei, welches über fünf verschiedene Lichtfunktionen verfügt.

Mercedes C-Klasse Front
 
Einst und heute – Mercedes-Mittelklasse
 

Auf der Motorenseite wird eine reichhaltige Auswahl geboten, die größtenteils durch den Vorgänger bekannt ist. Umfassende Überarbeitungen der Triebwerke führten bei den Vierzylindern zur Anhebung der Leistung bei gesenkten Verbrauchswerten. Insgesamt stehen bereits zum Start acht verschiedene Motorisierungen zur Auswahl. Die Basis der fünf Benziner bildet der C 180 K mit 156 PS und 230 Nm, er verhilft der kleinen Limousine binnen 9,5 Sekunden auf 100 km/h und zu einer Spitze von immerhin 223 km/h. Vor 20 Jahren hätte man sich wohl angesichts dieser Werte eines Basismodells verwundert die Augen gerieben. Der Verbrauch liegt bei moderaten 7,8 Liter je 100 km. Es folgen der C 200 K mit 183 PS sowie die drei Sechszylinder C 230 (204 PS), C 280 (231 PS) und C 350 mit 272 PS, das vorläufige Spitzenmodell. Der Sprint auf Einhundert gelingt beim C 350 in nur 6,4 Sekunden, die Endgeschwindigkeit ist auf 250 km/h begrenzt. Bei den Vierzylinder-Dieseln C 200 CDI und C 220 CDI mit 136 PS bzw. 170 PS geht es da schon etwas ruhiger zu, aber auch sie erreichen Höchstgeschwindigkeiten von deutlich über 200 km/h. Beide begnügen sich mit 6,1 Litern Diesel. Der C 320 CDI leistet 224 PS und bietet mit 510 Nm ein gehöriges Drehmoment, das schon bei 1.600 U/min anliegt. Für die Kraftübertragung sorgen sowohl Sechsgangschaltgetriebe als auch aufpreispflichtige Automatikgetriebe mit fünf (Vierzylinder) und sieben Stufen (Sechszylinder), wobei der C 350 als einziger serienmäßig über die 7G-Tronic verfügt. Der preisliche Einstand beginnt mit dem C 180 K, mindestens 29.988 Euro sind zu überweisen, um C-Klasse-Fahrer werden zu können. Der C 350 belastet das Konto da schon mit 44.328 Euro. In der Grundausführung versteht sich, denn auch eine andere Mercedes-Tradition wurde beibehalten: Die lange Aufpreisliste.

Fazit: Mit der neuen C-Klasse hat Mercedes den richtigen Ton getroffen und schickt eine viel versprechende Neuentwicklung in den harten Konkurrenzkampf der Premiumhersteller, mit der verlorene Marktanteile sicher wieder zurückerobert werden können. Typische Mercedes-Tugenden wie Komfort, Sicherheit und Qualität wurden konsequent umgesetzt. Durch die unterschiedlich akzentuierte Gestaltung leistet sich die C-Klasse eine Besonderheit, die sonst keiner bietet.

 

 



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