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Fahrberichte & Tests
 
Mercedes A Klasse Front Innenraum

Basis Instinkt

Der wahre Baby-Benz heißt schon lange nicht mehr C-Klasse, sondern startet mit dem Beginn des Alphabets. Doch selbst die A-Klasse ist mit der zweiten Generation erwachsen geworden und avanciert so zum äußerst kompakten Tourer. Wer das Coupé bestellt, erhält sogar einen Augenschmaus. Autotipp.

Zu Beginn der Achtzigerjahre war die Auto- und vor allem Mercedes-Welt noch in bester Ordnung. Eine Haupt- (W123) und Luxusbaureihe (W126), davon abgeleitet zwei Coupés (W123 und W126), ein Kombi (W123) und der SL (W107) standen in der Preisliste. Gut, ein Förster, der auf Qualität setzte, konnte die damals noch taufrische G-Reihe bestellen. Doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis das Revolutionäre geschah: Eine neue, unterhalb des W123 platzierte Baureihe wurde 1982 ihrer Bestimmung übergeben, der W201, damals Baby-Benz genannt in der Presse, war geboren. Nicht wenige Fans sahen darin den Untergang der Markenehre. Schließlich war Mercedes ein Label für den feinen Automobilbau, da hatten profane Mittelklassen nichts zu suchen – schon genug, dass die Marke mit der gehobenen Mittelklasse eine halbwegs große Masse bedienen konnte – denn ein Mercedes war noch lange nichts für jedermann. Fast 30 Jahre später steht die Mercedes-Welt auf dem Kopf: Es wimmelt vor Modellen, die mittlere Baureihe stellt schon lange nicht mehr den Einsteiger, und selbst das Basis-Vehikel A-Klasse wurde schonmal komplett erneuert.

Mercedes A Klasse Heck, Rückleuchten
 
Schicker Kompaktwagen für alle Fälle...
 

Als nämlich im Jahre 1997 die erste A-Klasse auf die Straße kam, verhagelten dem Hersteller neben dem misslungenen Elchtest auch Qualitätsprobleme die Tour. Und heute? Längst vergessen, das neue Modell steht satt auf dem Asphalt, es wirkt mitnichten billig – auch das Interieur versprüht besten Mercedes-Charme inklusive bekannter Schalterchen und dem vertrauten Tachoskalen-Layout. Solide Materialien präsentieren sich zudem sauber verarbeitet, das können auch die Ingolstädter nicht besser, denen man ja in jener Hinsicht die Maßstab-Rolle zuspricht – ob das so berechtigt ist, sei nun dahingestellt.
Der Testwagen rollte mit zwei Einstiegsmöglichkeiten an, im Mercedes-Jargon „Coupé“ genannt. Als Konsequenz erntet der Käufer ein eleganteres Erscheinungsbild und zumindest das Gefühl, etwas ausgefallenes zu besitzen, während der Wettbewerb nur schnöde „Drei- oder Fünftürer“ in der Kompaktwagen-Preisliste führt – allein Opel geht mit dem Astra GTC nach einem ähnlichen Prinzip vor. Aber dennoch fehlt der Konkurrenz ein entscheidendes Argument: Die unschlagbar geringen Abmessungen.

Man darf nicht vergessen, dass die A-Klasse ja im Golf-Revier wildert, doch ihr Konzept mit ultrakompakter Länge (mit 3,84 m ist sie über 36 Zentimeter kürzer als der Golf) punktet gerade in urbanen Gebieten. Umso beachtlicher ist, dass der kleinste Mercedes mit bis zu 1.370 Litern Gepäckvolumen viele untere Mittelklassen überflügelt. Der Wolfsburger Allrounder beispielsweise fasst in der Grundkonfiguration gerade 350 Liter, während der Schwabe in der Basis schon 435 Liter einpacken kann.
Und was sagt die menschliche Fracht? Klar, dass der Benz eher einem stramm sitzenden Maßanzug statt schlabbriger Jogginghose gleicht. Dennoch lässt es sich reisen, schon allein wegen der knackig-straffen Sitzanlage, welche jeglicher Ermüdung vorbeugt. Ausdauer wird nur nötig, falls man einmal zu den möglichen drei Personen im Fond gehören sollte – moderne Menschen sind dann doch nicht mehr so hart im Nehmen, jener Sportsgeist, den unsere Großväter mitbrachten, als sie mit dem Käfer oder Fiat 500 über die Alpen fuhren, ist aber ja auch lange nicht mehr nötig, außer, um schätzen zu lernen, in welcher Komfort-Oase man im Falle aktueller Kompaktwagen platznimmt.

Bleibt der Antrieb. Zwei Liter Hubraum, vier Zylinder, Commonrail-Einspritzung – hier ist wohl ein Diesel am Werke. Das lässt sich auch hören, denn es ist fast schon Tradition, dass Öl-befeuerte Triebwerke aus Stuttgart ihre Arbeit charakteristisch-nagelnd aufnehmen. Da schließt sich der Bogen; und schon steht wieder der W123 vor dem geistigen Auge. Allerdings brachte er es als 200 D bestenfalls auf 60 PS, während der A 200 CDI zwar kernig tönend, aber immerhin davonrauscht, 140 Pferdchen bewegen eben so manche Masse. Und hat die A-Klasse erstmal 100 Sachen oder mehr auf dem Tacho, dann tritt der Maschinenton zurück und überlässt dem Wind respektive der Audioanlage die Beschallung – die Autos wurden eben doch leiser, ein schleichender, aber fortschreitender Prozess, der sich inzwischen indessen weiter verlangsamt hat. Und sparsamer werden sie: Fünfeinhalb Liter Dieselkraftstoff bei Richtgeschwindigkeit genehmigt sich der stärkste Selbstzünder der Baureihe – wer will da meckern? Schließlich ist man in einem mehr als ordentlich motorisierten Gefährt unterwegs, das konnten 200 D-Fahrer kaum behaupten.

Mercedes A Klasse Panoramadach
 
Das große Panoramadach sorgt für Licht...
 

Ab 26.120 Euro gibt es die kräftigste Diesel-A-Klasse mit drei Türen. Nicht diskutiert werden muss freilich über einen Diesel-Partikelfilter, er ist ebenso serienmäßig wie das Sechsgang-Schaltgetriebe. Außerdem dürfen sich 200er-Käufer aussuchen, welche Ausstattungslinie sie gerne hätten – ohne Mehrpreis: Avantgarde oder Elegance. Doch selbst die Classic-Version verspricht eine ordentliche Ausrüstung schon ab Werk, welche Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, Bordcomputer, elektrische Fensterheber, elektronisches Stabilitätsprogramm, Klimaanlage und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung beinhaltet. Der A 200 CDI bringt denn auch Lederlenkrad und Leichtmetallräder mit. Der Unterschied zwischen Avantgarde und Elegance ist nahezu rein optischer Natur, wesentliche Mehrausstattungen gibt es nicht. Grundsätzlich extra gekauft werden müssen Navigationssystem (ab 2.094 Euro), Radio (ab 511 Euro), Tempomat (297 Euro) und Xenonlicht (981 Euro). Wer für die passive Sicherheit noch etwas tun will, sollte zu Sidebags im Fond (398 Euro) und Windowbag (267 Euro) greifen. Ein Parksensor gegen ärgerliche Rempler kostet übrigens 678 Euro. Luxus gibt es in Form von Ledersitzen (ab 1.273 Euro) oder einem großen Panorama-Glas-Schiebedach, das mit 1.118 Euro zu Buche schlägt.

Fazit: Die Mercedes A-Klasse ist trotz kompakter Abmessungen ein nützlicher Allrounder mit gutem Fahrkomfort. Das macht sie in der Stadt ebenso einsetzbar wie auf der Langstrecke. Auf Wunsch gibt es luxuriöse Ausstattungsdetails. Der Grundpreis darf im Verhältnis zum Gebotenen als angemessen durchgehen, der Spritkonsum bewegt sich auf niedrigem Niveau.

 

 



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