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Fahrberichte & Tests
 
Mazda RX-8 Front
Heißer Feger auf der Piste – der Mazda RX-8
 
 

Lückenschluss

Seit 2003 führt Mazda wieder jene Tradition fort, die bereits 1970 mit dem RX-2 begann und mit dem Ende des RX-7 für den deutschen Markt 2005 vorerst unterbrochen wurde. Aber nun dürfen sich die Sportwagenfans wieder am RX-8 erfreuen, der nicht nur jede Menge Performance und Fahrspaß, sondern auch einen Hauch von Unkonventionalität bietet. Autotipp.

Mazda und Sportwagen – das ist kein Thema für die breite Masse, aber für zahlreiche glühende Fans schon. Und in diesem Zusammenhang spielt der Wankel eine zentrale Rolle, denn die kräftigsten Mazda besaßen niemals Zylinder, sondern zwei rotierende Scheiben. Damit wäre schonmal das erste Argument für die These geliefert, warum der RX anders, im Vergleich zu den Wettbewerbern unkonventionell ist – genau jene Baureihe, die den Rotationskolbenmotor länger als jedes andere Fahrzeug, nämlich weit über 30 Jahre unter der Haube trägt.
Beim aktuellen RX-8 gibt es sogar noch ein zweites: Dieses wunderschön gestaltete Coupe bietet vier Türen, die obendrein gegenläufig aufschwenken. Das ist nicht nur praktisch, sondern verleiht dem Hecktriebler den gewissen Pfiff, der den meisten anderen Wettbewerbern zur Zeit abgeht.
Und endlich gibt es mal eine Art von Schnickschnack, die auch in der Praxis Sinn macht. Wer einmal im Fond des RX-8 platzgenommen hat, wird verstehen, was der Autor meint. Denn der Einstieg gelingt äußerst kommod, weil keine B-Säulen vorhanden sind. Und wie geht es weiter? Nun, die Insassen dürfen sich gut aufgehoben fühlen.

Mazda RX-8 Innenraum
 
Sportlich, aber dennoch
kommod
 

Nämlich so ähnlich wie in kleinen, kuscheligen Nischen; aber es gibt ausreichend Beinfreiheit, und mittelgroße Personen zumindest finden auch ordentlichen Freiraum für den Oberkörper vor. Die Sicht nach draussen führt durch jeweils ein separates, ausstellbares Fenster mit Bullaugen-Charakter. Abgetrennt werden beide Sitzflächen mittels bis in den hinteren Lehnenbereich ragendem Tunnel, der sich – aus der Not eine Tugend machend – dank Mehrzweck-Qualitäten als nützlich erweist, fungiert er doch als Armlehne und Aufnahmelager für Kleinkram sowie Getränkedosen.
In der ersten Reihe grinsen insbesondere dynamisch orientierte Kunden; denn hier bieten straffe und stark konturierte Sportsitze üppigen Seitenhalt für ausgeprägte Kurvenfahrten. Das Cockpit stellt einen optischen Leckerbissen dar – besonders die Mittelkonsole schmeichelt dem Auge mit ihrer schwarzen Hochglanz-Oberfläche. Hier sind außerdem die Schalter für Klimaautomatik und Radio in wohl sortierter Weise untergebracht.
Abgesehen von der durchaus erkennbaren praktischen Note, hält das Interieur auch Platz für ein wenig Detail-Liebe bereit.

Da wäre zum Beispiel der kurze Schalthebel in Form eines Wankelschen Rotors. Reminiszenzen an die unkonventionelle Antriebsart lässt übrigens auch der entsprechend gestylte Handbremshebel anklingen – schließlich will man die Passagiere daran erinnern, in welch ausgefallen motorisiertem Fahrzeug sie gerade platznehmen. Aber auch die äußere Form ist Hingucker-verdächtig. Dafür sorgt die bullige Front mit den weit ausgestellten Kotflügeln. Wo der RX-8 im Rückspiegel auftaucht, wird sogar Unbedarften recht schnell klar, dass sie es hier mit einem potenten Sportwagen zu tun haben müssen.
Selbstverständlich gibt es auch von außen dezente Hinweise auf das, was sich unter dem Blech abspielt: Eine große Sicke auf der Motorhaube – ebenfalls in Rotor-Form – erzählt etwas versteckt, aber in klarer Sprache über die kleine Besonderheit und gleichermaßen große Tradition jener Baureihe.
Ebenso, aber in anderer Form daran erinnernd verrät ein großer, in der Mitte und somit gut erkennbarer Drehzahlmesser, wie oft der Wankel seine Runden macht – bis zu Rekord-verdächtige 10.000 Touren weist die Skala aus, während der rote Bereich etwas früher beginnt.

Ganz so weit muss man es im Alltag nicht treiben, wer die Performance des 231 PS starken Coupes allerdings ausnutzen will, muss die Maschine schon kräftig rotieren lassen. Dann klettern die großen Ziffern des Digitaltachos rasch in den dreistelligen Bereich. Unter acht Sekunden bis einhundert Stundenkilometer (231 PS-Version) sind selbst im ambitionierten Sportwagen-Bereich kein Pappenstiel.
Das Arbeitsgeräusch des Zweischeiben-Motors ist geprägt durch vibrationsfreies Surren; es spiegelt den Geschwindigkeitszuwachs akustisch nicht ganz so eindrucksvoll wider, wie es der eine oder andere Wankel-Neuling vermutet hätte. Nahezu unspektakulär stößt der Viertürer in hohe Autobahntempi vor, das heimst ihm auch Reisequalitäten ein, denn auf der freien Wildbahn avanciert er zum souveränen Tourer.
Und obwohl dieser Mazda ein anspruchsvoller Kurvendynamiker ist, antwortet er auf Fahrbahnschnitzer milde. Selbst kurze Querfugen dringen verhältnismäßig gedämpft in den Innenraum.
Wer also weniger als 290 Liter Gepäck benötigt, wird mit dem Japaner durchaus auch auf der Urlaubsstrecke glücklich – ganz zu schweigen von der hervorragenden Alltagstauglichkeit.

Mazda RX-8 Heck, Rückleuchten
 
Vier Türen für praktische
Einsätze können trotzdem
extravagant aussehen
 

Ebenfalls ein Grund zum glücklich bleiben liefert – nach Vertragsabschluss – das Konto des Interessenten, welches im Verhältnis zum Gebotenen gar nicht übermäßig stark belastet wird. Ab 31.900 Euro beginnt der Spaß mit dem stärkeren der beiden RX-8. Wem der Grundpreis dennoch hoch erscheint, muss gesagt werden, dass hier bereits alles enthalten ist, was der moderne Auto-Mensch heute zum leben braucht.
Das beginnt mit einer ordentlichen Sicherheitsausstattung, die Front-, Kopf- und Seitenairbags, Antiblockiersystem sowie das elektronische Stabilitätsprogramm beinhaltet. Für Fahrkomfort sorgen elektrische Fensterheber wie Klimaautomatik. Außerdem gibt es eine Alarmanlage, ein Soundsystem mit CD-Wechsler, Sportsitze, eine fernbedienbare Zentralverriegelung und sogar Xenonlicht. Die 1.600 Euro teurere Version namens "Revolution" bietet überdies elektrisch verstell- und beheizbare Ledersitze.
Extra kosten lediglich ein DVD-Navigationssystem mit großem Farbbildschirm (2.300 Euro), Metallic-Lack (540 Euro) und ein elektrisches Glas-Schiebe-Hebedach (820 Euro).

Fazit: Der RX-8 ist ein ausgefallenes, aber dennoch völlig alltagstaugliches Spaßauto; mit seinem aufregenden Design und einer gehörigen Portion Unkonventionalität ragt er in erfrischenderweise aus dem grauen Modellalltag hervor. Der Preis darf angesichts des Gegenwertes als ausgesprochen günstig gelten.



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