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| Dynamische Limousine der Mittelklasse |
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MAZDAS NEUE MITTE
Mit dem Mazda 6 hat der
japanische Hersteller seine bürgerliche Limousine zumindest
schonmal optisch aus der staubigen Ecke geholt, denn genau
wie die nahezu 25 Jahre währende Typenbezeichnung (626)
wich auch die äußerliche Tristesse. Jetzt bleibt
zu klären, wie es um die inneren Werte bestellt ist.
So
langsam erwachen die Japaner und erkennen, dass visuelle Reize
beim Autokauf neben dem Image offenbar eine mehr als tragende
Rolle spielen. Damit steht gleichermaßen fest: Nicht
nur der deutsche, sondern zumindest der westeuropäische
Markt stellt andere Anforderungen an das Design als es beispielsweise
Nordamerika oder Japan tun.
Nissan und Toyota haben bereits reagiert - das zeigt der Blick
auf einige Neuheiten wie Primera, Micra oder aber Toyota Corolla
und der jüngst hervorgebrachte Avensis.
Sie bestechen durch elegante Züge, aber erfreuen auch
mittels innovativem Styling, das die Gratwanderung zwischen
Retro und Moderne perfekt beherrscht (Micra).
Auch Mazdas Wurf in der Mittelklasse ist nicht gerade unattraktiv.
Neue Sportlichkeit oder auch neue Eleganz könnte das
Ziel der Kreativen geheißen haben - wie auch immer,
was herausgekommen ist, kann sich sehen lassen.
Die zum Gegenstand dieser Abhandlung gekürten Stufenheck-Limousine
besticht durch ihre harmonisch gezeichnete Silhouette mit
auffallend weicher Linienführung. Gefreut werden darf
sich ferner über eine inzwischen charakteristische Front,
die endlich das gewünschte Maß Markenidentität
liefert und zugleich für einen starken Auftritt sorgt.
Langsam, aber sicher setzt sich eine stärkere Betonung
des unverwechselbaren Kühlergrill-Designs mit dem in
der Mitte platzierten Markenlogo und den fünf signifikanten
Kerben auch Modellübergreifend durch; funkelnd klare
Scheinwerfer - im Falle der Top-Version sogar mit Gasentladung
und Projektionstechnik - verleihen allerdings speziell der
Sechser-Schnauze einen Hauch Eleganz und vor allem einen Schwung
Frische.
Doch aller fließenden Linien zum Trotz kann die Karosserie
eine zarte Spur von Sportlichkeit nicht verbergen, die dann
in der Wohnstube noch stärker zur Geltung kommt: Elemente
wie ein Drei-Speichen-Lederlenkrad (ab "Exclusive")
oder eine in Alu-Optik gehaltene Mittelkonsole tragen dem
Rechnung.
Während die Gestaltung des Interieurs aus architektonischer
Sicht gefällt, treiben bunt verstreute Taster und Knöpchen
Technik-Gegnern zuweilen Schweißperlen auf die Stirn.
Schnell wird aber klar, dass die Situation gar nicht so ausweglos
ist, wie zunächst angenommen. Hat man den Schalter-Salat
erstmal im Geiste entwirrt, zeigt sich der Mazda 6 von einer
durchaus bedienerfreundlichen Seite. Liebhaber vieler Funktionen
- deren es ja auch genügend geben soll - werden ohnehin
nichts gegen die Drück- und Dreh-Oase haben.
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Innen
gibts ne Menge
zum Spielen |
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Aus praktischer Sicht gibt es ebenfalls
keinen Grund für Kopfschmerzen. Die Limousine wartet
mit angenehmen Komfort-Eigenschaften auf: Das Gestühl
ist weitestgehend Urlaubstauglich, die platzverhältnisse
vorn wie hinten recht großzügig. So gesehen werden
den Japaner nicht nur Familienausflügler, sondern auch
jene, die sich ein robustes Allround-Fahrzeug mit guten Qualitäten
wünschen, schätzen lernen.
Gepäck ist an Bord der Limousine ebenso willkommen wie
die Passagiere selbst. Da sprechen 500 Liter Kofferraumvolumen
und 470 kg Zuladung ein mächtiges Wort.
Als guter Begleiter auf längeren Autobahn-Etappen hat
sich der 2.261 ccm große Vierzylinder erwiesen. Mit
einer nominellen Leistung von 122 KW sowie einem Drehmoment
von 207 Nm bei 4.000 Umdrehungen pro Minute ist er ja zweifellos
bereits auf dem Datenblatt gut gerüstet.
Dieser Eindruck wird im Fahralltag durchaus bestätigt.
Von Untermotorisierung kann nun wirklich keine Rede sein -
allerdings sollte die Kurbelwelle des recht langhubig ausgelegten
Otto fleißig rotieren, damit die 4,68 m lange Limousine
nachdrücklich voran kommt. Dann erreicht der 1.415 kg
schwere Viertürer 100 Stundenkilometer bereits nach 8,9
Sekunden und rennt 214 Sachen in der Spitze. Das Leistungsgewicht
liegt mit 11,6 kg pro Kilowatt naturgemäß jenseits
sportlicher Reichweiten.
Dennoch stellt der 2,3-Liter eine gute Wahl dar, zumal das
Triebwerk leise und kultiviert läuft. Diese Unauffälligkeit
des Geräuschbildes hält bis in die höheren
Drehzahlregionen an. Lediglich beim vollen Ausdrehen macht
der Motor in kerniger Weise auf sich aufmerksam - jedoch ist
diese Art von Fortbewegung dem Naturell des Mittelklässlers
sowieso nicht angemessen.
Auch das Fahrwerk präsentiert sich eher von der sanften
Seite. Langen Bodenwellen kontra gebend muss es mit kurzen
Querfugen einen nachhaltigeren Kampf aufnehmen, was in der
Natur der Fahrbahn-Wellen liegt. Insgesamt aber darf der Federungskomfort
als gut gelten.
In dynamischer Hinsicht leistet es zusammen mit den üppig
dimensionierten Pneus (215/45 17) - serienmäßiges
Merkmal der Linie "Top" - ganze Arbeit. Kurvenfahren
kann also auch in jenen zunächst unscheinbaren Limousinen
Spaß machen. Wer es zu doll treibt, den ruft Fronttriebler-typisches
Untersteuern zur Ordnung.
Selbst das passend abgestufte Fünfganggetriebe
schafft es nicht, des Fahrers Freude zur vermiesen.
Die Schaltarbeit gelingt mit der Box ganz gut, nur könnten
sich die Gänge etwas exakter einlegen lassen.
Ein Glanzkapitel liefert indessen die Anschaffung der Mittelklasse.
Wer sich für die stärkste Antriebsquelle entscheidet,
kommt an der teuersten Ausstattungslinie "Top" nicht
vorbei.
So kostet der 2,3 Liter als Stufenheck mindestens 25.610 Euro
- verwöhnt seinen Eigner dafür aber mit allen erdenklichen
Sicherheits- und Komfortgimmicks.
Zu den aktiven Schutzengeln zählen Antiblockiersystem
sowie ein elektronisches Stabilitätsprogramm. Im passiven
Bereich sollen Front-, Seiten- und Kopfairbags vorn wie hinten
die schlimmsten Unfallverletzungen bereits im Vorfeld verhindern.
Damit verfügt der 6 über die wichtigsten Sicherheitsmerkmale,
die heute zum Kanon gehören.
Doch auch der Komfort kommt nicht zu knapp: elektrisch einstell-
und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, elektrische
Fensterheber rundrum, Klimaautomatik, Leichtmetallräder,
Radioanlage inklusive Bose-Soundsystem sowie 6-fach-CD-Wechsler,
Sitzheizung, Tempomat, Xenonlicht und Zentralverriegelung
mit Funkfernbedienung befinden sich ab Werk an Bord.
Einen Aufpreis erfordern lediglich das elektrische Glas-Schiebe-Hebe-Dach
(770 Euro) und die Lederausstattung mit elektrisch verstellbarem
Fahrersitz (1.340 Euro). Wer per Bildschirm-Navigation durch
den Verkehr gelotst werden möchte, zahlt ebenfalls. Für
das DVD-System, dessen Farbmonitor mittels Elektromotor aus
dem Armaturenbrett fährt, sind angemessene 2.300 Euro
fällig. Immerhin umfasst das Speichermedium ganz Europa;
ferner erweist sich die Routenführung des Geräts
als hervorragend, und dank ordentlich bemessener Rechnerkapazitäten
werden auch Ungeduldige während der Streckenaufstellung
nicht nervös.
Der Kraftstoffkonsum kann - berücksichtigt man die Leistung
- mit guten acht Litern auf 100 km als akzeptabel gelten;
das war genau die Menge, die wir über unsere Testdistanz
benötigten. Damit lagen wir um Rahmen dessen, was das
Werk angibt: Demnach sollen zwischen 7 l und 12,2 l durch
die Leitungen des starken Vierzylinders fließen.
Fazit: Mazda
im Wandel - die frische Mittelklasse hat in der Tat daran
gewonnen, was den Vorgängern fehlte. Dazu gehören
ein charismatisches Gesicht, Eleganz und sportliche Dynamik
- kurz, weg vom biederen Spießer-Image. Das ist den
Japanern gelungen, und nicht nur das. Auch im Preis-Leistungsverhältnis
kann der 6er so einigen Konkurrenten was vormachen, und seine
Praxistauglichkeit sowie die markenübliche Zuverlässigkeit
bleiben ebenfalls nicht auf der Strecke. Willkommen im Boot
der neuen Mitte.
Mai 2003
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