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Fahrberichte & Tests
 
Maserati GranTurismo Frontansicht, Innenraum, Scheinwerfer
Maserati GranTurismo Heckansicht

1. Das rassige Coupé hält auch innen, was die Außenhaut verspricht.....

2. Baggert massiv mit der Front – Maserati GranTurismo

3. Paddeln für unverbesserliche Schaltfans...

4. Ein bisschen Auspuff darf ein V8 mit über 400 PS schon zeigen...

 

Test: Maserati GranTurismo
Auf grosser Fahrt
Maserati ist eine faszinierende Automarke mit wilder und wechselhafter (Renn-)Geschichte. Schließlich war das Label einst dem Motorsport verschrieben wie kaum ein anderer Autohersteller. Heute schätzen Kenner die sportiven Produkte mit der ausgewogenen Mischung aus Exklusivität und Alltagstauglichkeit. In der folgenden Abhandlung geht es um den begehrten GranTurismo.

Maserati ist ein großer Name – aber nicht übergroß wie beispielsweise Ferrari. Das ist wichtig, denn die Autos müssen fahr- und kaufbar bleiben. Da spielt das Image naturgemäß eine große Rolle; viele Kunden haben schließlich erst eine gewisse Hemmschwelle zu überwinden, bevor sie mit einem Fahrzeug der italienischen Edelschmiede davonrauschen. Andere dagegen gieren nach der Marke, nach dem Mythos, der immerzu mitschwingt und schlichtweg danach, etwas zu fahren, was im Straßenbild keinesfalls alltäglich ist. Der GranTurismo beispielsweise ist so ein Kandidat. Ein bildschönes Coupé hat Pininfarina hier auf die Räder gestellt – ganz im Sinne der Tradition. Diese reicht nämlich bis in die Vierzigerjahre zurück, als man noch mit Leistungen weit unter 100 PS auskommen musste. Aber sechs Zylinder hatte der zweitürige A6 1500 aus dem Jahre 1947 immerhin, wenn auch nur 1,5 Liter Hubraum – wie die Modellbezeichnung eindeutig verrät. In puncto Performance haben sich die Ansprüche dann doch verändert. Was die Zylinderzahl angeht, dominiert bei Maserati seit je her der V8. Wenngleich das Label auch Vierzylinder-Rennwagen baute, phasenweise viele Sechszylinder und ein paar wenige Zwölfer, die entweder ebenfalls als Rennwagen die Werkshallen verließen oder kaum über den Prototypen-Status hinauskamen – als Standardkonzept favorisieren die Techniker aus Modena stets acht Töpfe.

 

Auch heute fährt Maserati ausschließlich mit Achtzylindern. Da macht das große Coupé, der GranTurismo, natürlich keine Ausnahme. Und Größe ist in diesem Fall tatsächlich wörtlich zu nehmen, denn mit stattlichen 4,88 Längenmetern gehört die Nobelkarosse zu den ausladenden Zweitürern im Land. Das entspricht nahezu 40 Zentimeter Längenwachstum gegenüber dem Vorgänger, der Radstand wuchs dagegen um knappe 30 Zentimeter – jetzt kann der gemeine Durchschnittseuropäer endlich auch mal längere Strecken im Fond des italienischen Beaus zurücklegen. Vordersitzlehnen schnell vorgeklappt und ab in die kuscheligen Nischen. Aber eines muss man diesen Fauteuils wirklich lassen: Sie fallen üppig aus, sind gut konturiert und bestechen durch mächtige, weder zu straffe noch zu weiche Lederpolster in feinster Verarbeitung. Sogar Cupholder stehen im Fond bereit; aber bitte nur bei sanfter Fahrweise nutzen, unschöne Flecken gezuckerter Getränke kommen nicht gut in dieser exklusiven Wohnstube. Aber die Botschaft ist angekommen: Das Coupé will unbedingt dem Muster des klassischen GT entsprechen – demnach ist Fernreisetauglichkeit ein klares Muss.

 

Daher federt der potente Hecktriebler recht manierlich, wenngleich die Grundausrichtung straff ausfällt. Walzen im 285/40er-Format mit 19 Zoll helfen auch nicht gerade, kurzwellige Verwerfungen zu mildern. Will heißen: Kopfsteinpflaster dringt schon in die Fahrgastzelle, zügige Autobahnkilometer absolviert der Maserati indessen vorbildlich. Er liegt satt auf der Straße und lässt sich auch bei hohen Geschwindigkeiten kaum aus der Ruhe bringen; lange Kurven erzeugen auch jenseits der 200 km/h keine feuchten Hände. Das Geräuschniveau bleibt ebenfalls angenehm, man versteht sich akustisch wunderbar. Akustik ist ein gutes Stichwort. Klar hat neben den Anwesenden auch der 90 Grad-V8 ein Wörtchen mitzureden. Schon im Leerlauf gibt er Kunden mit Benzin im Blut die klare Botschaft, dass es sich gelohnt hat, einen sechsstelligen Betrag auf das Konto des Händlers zu überweisen. Aber wer jetzt dumpfes Bollern nach dem Muster der SL 63 AMG dieser Welt erwartet, hat sich geirrt. Es ist eher der typisch helle Maschinenton, der unweigerlich an Ferrari erinnert – daher stammt der Motor schließlich; mit steigender Drehzahl wird er kehlig und liefert eindrucksvoll jenes Argument, warum guter Aggregatebau so wichtig ist: Weil er Emotionen weckt.

 

Aber auch die Innenarchitektur muss stimmen. Das tut sie im Falle des rassigen Sportlers; während man sich binnen weniger Sekunden (5,2) auf 100 km/h katapultieren lässt, weilt man von edlen Materialien umgeben und eingebettet in einer herrlichen Landschaft aus Leder und Aluminium (auf Wunsch). Dann ein Blick auf die Instrumente: Die Tachoskala bis 320 Sachen und ein Drehzahlbesser, dessen roter Bereich bei etwa 7.500 Touren beginnt, zeigen, wo hier der Hammer hängt. Vmax bei 250 Stundenkilometer abgeregelt? Von wegen, man lässt das Coupé rennen, bis den 405 Pferdchen der Basisversion die Puste ausgeht – das ist in etwa dann gegeben, wenn die Nadel des Geschwindigkeitsmessers bei etwa 290 verharrt. Ach ja, den GranTurismo gab es im Gegensatz zum frühen Quattroporte von Beginn an ausschließlich mit der ZF-Wandlerautomatik samt sechs Fahrstufen und sauberen Übersetzungswechseln. Eine gute Entscheidung, schließlich gibt es außer einem günstigen Preis keine Argumente für ein automatisiertes Schaltgetriebe – und am Getriebe sollte es in dieser Liga nun wirklich nicht scheitern. Bedienen lässt sich der Italiener übrigens rätselfrei und überrascht mit einer interessanten Mischung der Tastenelemente, die mutmaßlich aus den Regalen von Alfa Romeo (Warnblinkschalter) und Peugeot (Navigationssystem) entstammen. Letzteres beziehen die Franzosen freilich ebenso von Magnetti Marelli.

 

Jetzt kommt der Zeitpunkt, da über Geld gesprochen werden sollte: Für 112.280 Euro gibt es den Maserati GranTurismo. Das ist zwar eine ordentliche Stange Bares, aber in Anbetracht des Gebotenen keineswegs zu viel. Obligatorischerweise verfügt der Zweitürer über Antiblockiersystem, sechs Airbags, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Bordcomputer, ein selbstsperrendes Hinterachsdifferenzial, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, elektrische Fensterheber, Klimaautomatik, Lederpolster, Navigationssystem mit 30 GB-Festplatte, Farbmonitor sowie Bluetooth-Freisprechanlage, einen Parksensor, Radioanlage mit anspruchsvollem Soundsystem, Regensensor, elektrisch verstellbare Sitze, elektronische Stabilitätskontrolle, Tempomat, Bixenonlicht sowie Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Gibt es da noch Luft für Sonderausstattungen? Aber ja, extra kosten beispielsweise abblendbare Außenspiegel (455 Euro), elektronisch gesteuerte Dämpfer (2.500 Euro), Reifendruck-Kontrolle (835 Euro) sowie Sitzheizung inklusive elektrisch verstellbarer Lenksäule und Memory-Schaltung für 1.785 Euro. Darüber hinaus gibt es unzählige Innenraumindividualisierungen von der Farbwahl der Teppich-Keder (85 Euro) bis hin zu teuren Holzofferten.

 

Fazit: Der Maserati GranTurismo ist ein exotisch angehauchtes Hochleistungscoupé zum angemessenen Preis. Das wunderschön gezeichnete Pininfarina-Resultat ist eine hervorragende Alternative zum hiesigen Wettbewerb. Die V8-Maschine betört nicht nur mit ihrem markanten Klang, sondern ebenfalls mit mächtig Power.



 
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