 |
 |
| Kein
Lexus war eigenständiger im Design als der
SC |
|
|
 |
|
Stille Acht
Mit dem
offenen SC 430 gibt Toyotas Nobelmarke Lexus eine Antwort
auf den Mercedes SL, die Roadster-Legende aus Schwaben. Während
der Absatz in den Staaten boomt, führt der Japan-V8 hierzulande
mit rund einhundert Exemplaren pro Jahr ein handfestes Exotenleben.
Eines tun sie beide:
Aufsehen erregen. Wo Lexus SC oder Mercedes SL vorbeifahren,
wird geschaut. Passanten drehen sich um, kleine Jungs zeigen
mit dem Finger auf sie und autophile Männer strecken
ihre Hälse.
Doch beim Lexus ist es eher ein rätselndes Interesse
mit fragendem Gesichtsausdruck. "Was ist das für
einer"? - So in etwa könnte die Position aussehen.
Wenn jemand den Fahrer erwischt und sich nach den Eckdaten
erkundigt, folgt meist Staunen. Mit einem V8, nahezu 300 PS
sowie einem Grundpreis, der die 70.000-Euro-Marke schrammt,
hat man dann doch nicht gerechnet.
Und auf den überraschenden Wissensgewinn folgt nicht
selten die Ernüchterung, häufig von Menschen, die
keinesfalls zur Zielgruppe gehören. Sie würden doch
lieber zum Audi A4 greifen; manche ziehen auch den TT vor.
Wieder bestätigt sich die Theorie: Image ist nicht alles,
aber ohne Image ist alles nichts, welche für das Luxussegment
und vor allem in Deutschland besondere Gültigkeit hat
- daran rütteln auch Marketingstrategen mächtiger
Konzerne so schnell nicht.
Wessen Einfahrt einen SL aufbieten kann, scheint den gesellschaftlichen
Spitzenplatz innezuhaben, wo doch schon allein die Marke für
das Aufsteigertum reserviert ist. Da klingen horrende Preise
wie eine Selbstverständlichkeit. Aber was stört
das schon - weiß doch der stille Genießer um die
Realität und erfreut sich der hohen Exklusivität
seines seltenen Roadsters. Ihn fesselt der Reiz des Verborgenen
mehr als die offene Demonstration des Überflusses.
 |
 |
| |
Noble
Stube: Das
Interieur des Roadsters |
|
 |
|
Dabei kann man dem SC mitnichten vorwerfen,
dass es sich dabei um ein nach dem Vorbild deutscher Edelmarken
plagiiertes Objekt handele. Kein anderer Lexus verkörpert
Eigenständigkeit in so eindrucksvoller Weise.
Sein Design stellt eine Mischung aus barockem Schwung und
dynamisch anmutender Kraft dar. Speziell in der Dreiviertel-Heckansicht
zeigt das kräftige Hinterteil in Verbindung mit den serienmäßigen
18-Zoll-Pneus, welche die bulligen Radkästen gut ausfüllen,
entsprechende Wirkung. Da könnte man fast auf die beiden,
links und rechts angebrachten, Chrom-Endrohre verzichten.
Nüchterner und weniger sportlich, dafür aber umso
edler präsentiert sich die Front. Auf den Modegag der
mit Blinkern versehenen Außenspiegeln antwortet Lexus
mit einem optisch ähnlich wirkenden Chromstreifen.Liebenswert
verspielt geht es dagegen im Innenraum zu. Übersichtlich
und sportiv sind allein die runden, verschachtelten Tachoskalen,
die gleichermaßen gut abgelesen werden können.
Ansonsten herrscht ein lebhafter Stilmix von britisch-barock
bis modern im Sinne von Schalter High-Tech vor. So dürfte
die Mittelkonsole mit ihren unzähligen Knöpfchen
- bedient werden Audioanlage wie Klimaautomatik und das auf
Wunsch lieferbare Navigationssystem - Freude bei der Neuzeitlichen
Fahrerschaft hervorrufen, während sie Proteste bei all
jenen auslösen könnte, die noch nicht im Computerzeitalter
angekommen sind. Schwer zu bedienen ist der SC indessen nicht
- was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, ist schnell durchdrungen.
Erstklassig und auch für große
Touren zu gebrauchen sind die weichen, gut konturierten Ledersitze.
Während man vorn gut aufgehoben ist und über eine
ordentliche Bewegungsfreiheit verfügt, ist der Fond in
der Praxis nur für die Gepäckaufbewahrung nutzbar.
Reinstes Vergnügen freilich bereitet der Lexus während
der Fahrt. Vor allem der seidenweiche Antriebstrang verleiht
roten Ampeln ein gewisses Maß an Attraktivität,
ist man in diesem Fall doch gezwungen, wieder aus dem Stand
hochzubeschleunigen. Dies geschieht im flüsterton und
auf Wunsch auch mit gehörigem Nachdruck, jedoch niemals
hektisch - angesichts dieses Umstands eine Fahrspaß
bereitende Handlung. Dabei glänzt der obligatorische
Fünfgangautomat nicht zuletzt dank großvolumigem
Triebwerk durch relative Schaltarmut; und wenn denn Übersetzungswechsel
durchgeführt werden, passiert das selbst unter Last völlig
ruckfrei.
Fahrbahnwellen nimmt der Roadster gelassen, aber mit einer
sportlich-straffen Note. Diese Tatsache liest man besonders
anhand kurzer Querfugen ab, dann nämlich mischt sich
ein Quäntchen Nervosität in die abgesehen davon
Tresorhafte Fahrgastzelle. Cabriotypische Verwindung ist im
offenen Zustand - wenn auch nur in geringem Maße - an
der üblichen Tagesordnung. Geschlossen wirkt das verstärkende
Metalldach den auftretenden Torsionskräften entgegen.
Dieses wird übrigens vollelektrisch
betätigt - aber was anderes hätte man ja auch nicht
erwartet. Funktionsluxus steht im Lexus an oberster Stelle
- alles irgendwie bewegliche steuern Elektromotoren. Dazu
gehören neben dem Aludach auch Fenster, Lenkrad, Sitze
sowie Spiegel - und auch die Speicherfunktion gehört
natürlich dazu. Wer den Schnickschnack liebt, hier bekommt
man ihn: Abblendbare Außen- und Innenspiegel, Alarmanlage,
beleuchtete Makeup-Spiegel in den Sonnenblenden oder Bordcomputer
- alles vorhanden. An handfesten Dingen fehlt es ebenso wenig.
Dazu gehören Audioanlage inklusive CD-Wechsler, Kassette
und RDS-Radio, Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Soundsystem
von Mark Levinson, Sitzheizung, Tempomat und eine fernbedienbare
Zentralverriegelung.
Die Sicherheitspositionen umfassen Antiblockiersystem, vier
Airbags, Bremsassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm,
Scheinwerfer-Reinigungsanlage, elektronische Reifendruckkontrolle
sowie Xenon-Hauptscheinwerfer.
Damit der SC einfach rangiert werden kann, arbeitet die geschwindigkeitsabhängige
Servolenkung im Stand mit hoher Unterstützung. Bei schnelleren
Tempi vermittelt sie guten Fahrbahnkontakt und dirigiert das
Cabrio - wenn es sein muss - auch behände über kurvige
Landstrassen.
Als Gag oder Entschädigung für den knappen Fondraum
darf das zum Auto gelieferte Kofferset aufgefasst werden.
Es passt jedenfalls wie maßgeschneidert auf die Rücksitzbank
- damit entfällt ein Kopfzerbrechen darüber, ob
und wie das Urlaubsgepäck der nächsten Reise an
den Zielort gelangt.
Der Grundpreis beträgt gerechtfertigte 69.000 Euro. Extra
bezahlt werden müssen nur Navigationssystem (3.450 Euro)
und Metallic-Lack für 900 Euro. Schade, dass es keine
weiteren Sonderoptionen gibt. Dinge wie schlüsselloses
Schließsystem, elektronisch beeinflussbare Dämpfer
oder gar Sitzbelüftung - für den LS teilweise zu
haben, hätten garantiert ihre Abnehmer gefunden.
Mercedes verlangt für einen in Leistung und Hubraum vergleichbaren
SL 500 immerhin 96.396 Euro. Ausstattungsbereinigt liegt der
Preisvorteil des SC 430 bei gut 30.000 Euro - doch für
ein entsprechendes Image scheint man den Preis eines guten
Mittelklasse-Autos gerne hinzunehmen.
Nur weil es noch teurer geht, ist der Lexus aber kein billiges
Vergnügen - auch im Unterhalt nicht. Spätestens
an der Tankstelle zeigt sich, dass der große 4,3-Liter
seinen Tribut fordert - denn unter 15 l Super geht nicht viel.
Fazit:
Der Lexus SC 430 ist ein Auto für den stillen Genießer.
Einen rollenden Kontoauszug stellt er nur für Kenner
dar. Ferner verwöhnt er durch den markentypisch seidenweichen
Antrieb sowie durch einen außergewöhnlich hohen
Funktionskomfort. Die reizvolle Optik tut ihr Übriges,
kann aber letztlich keine zusätzlichen Käufe generieren.
Muss sie auch nicht, die Geschäfte bei Toyota laufen
gut, und der SC verkauft sich global gesehen blendend - in
Deutschland wird er auf ewig ein Mauerblümchen-Dasein
fristen. Nein, er bleibt eine exklusive Alternative für
alle Autoliebhaber, denen ein SL zu langweilig ist.
|