Autos mit grünem Anstrich sind heute in jeder Klasse vertreten; die Zeiten, da ein paar versprengte Öko-Kleinwagen mit mickrigen Leistungen Autofans scharenweise abschreckten, sind lange vorbei. Der Lexus LS 600h L zeigt, dass auch veritable Luxuskarossen keine uferlosen Spritfresser sein müssen. Autotipp.
cht Zylinder, fünf Liter Hubraum und 445 PS. Zahlen, die es Umweltschützern eiskalt den Rücken herunterlaufen lassen müssen. Dabei ist die Rede vom Lexus LS 600h – dem ersten und bisher einzigen Vollhybrid in der Luxusklasse. Die satte Leistung entstammt dem Zusammenschluss des Verbrenners (394 PS) mit dem 224 PS starken Elektromotor. Um es vorwegzunehmen: Lexus nennt äußerst moderate 9,3 Liter Durchschnittsverbrauch pro 100 km – ein für die Fahrzeugdimension fast phänomenaler Wert, der nicht nur auf dem Papier steht. Verschiedene Testrunden bestätigen einen Konsum von unter zehn Litern Superbenzin. Um den Hybrid-LS auf Sparsamkeit zu trimmen, haben sich die Ingenieure richtig ins Zeug gelegt und dem V8 nicht einfach eine kräftige E-Maschine zur Seite gestellt. Auch das exakt 4.969 ccm messende Großkolbentriebwerk bietet etliche Schikanen, um den Durst gering und die Rohemissionen sauber zu halten. Die stufenlos verstellbare Einlassnockenwelle beispielsweise wird per Aktuator bewegt statt hydraulisch. Denn Öl ist beim Kaltstart zäh, was das System zeitweise lahm legt; außerdem funktioniert die Hydro-Steuerung unterhalb von 1.000 Touren auch nicht zuverlässig – ganz im Gegensatz zur elektrischen Lösung. Zudem verfügt der Hightech-Otto über insgesamt 16 Einspritzdüsen, so dass er den Kraftstoff wahlweise direkt in die Brennräume oder in das Saugrohr stäuben kann – bei Bedarf auch beides gleichzeitig.
Betriebstemperatur und Last bestimmen stets, welche Einspritzverfahren angewandt werden, um die Effizienz zu steigern und den Giftanteil im Abgas so klein wie möglich zu halten. Dazu gesellt sich ein wassergekühlter Hochleistungs-Elektromotor in kompakter Bauweise plus Generator. Das Drehzahllevel des Permanentmagnet-E-Triebwerks kann über einen Ravigneaux-Satz gesplittet werden, so dass eine lange und kurze Übersetzung entstehen, um die elektrischen 300 Nm bestmöglich zu nutzen. Darüber hinaus sieht das so genannte leistungsverzweigte System ein Planetengetriebe vor, über das Verbrenner und E-Maschine zusammenfinden und die Räder – stufenlos übersetzt – antreiben. Im Gegensatz zu den RX-Hybrid-Modellen, die einen eigenen, dritten E-Motor besitzen, um die zweite Achse zu versorgen, verfügt der LS über ein Verteilergetriebe mit eigens verfeinertem Torsendifferenzial, das extra wenig Bauraum einnimmt. Diese Konstruktion verleiht der Limousine absolute Souveränität in Traktion und Querbeschleunigung. Die Grundverteilung der Kraft erfolgt mit Schwerpunkt auf die Hinterräder, die 60 Prozent des Antriebsmoments erhalten. Aber genug der Theorie, wie fährt sich das Lexus-Flaggschiff nun?
Zunächst wird per Knopfdruck gestartet – das kennt man ja inzwischen von vielen modernen Fahrzeugen mit schlüssellosem Schließsystem. Je nach äußerer Bedingung und Ladezustand des Akkus springt der Benziner mit dezent durchklingendem V8-Timbre an oder auch nicht. Fahrstufe "D" schnell eingelegt über den konventionellen Wählhebel, dann kann es losgehen – also keine Anleihen aus Captain Kirks Raumschiff. Leise kriecht der LS los, bei praller Nickel-Metallhydrid-Batterie auch rein elektrisch. Ein Druck aufs Gaspedal lässt die ausladende Limousine mit Nachdruck Fahrt aufnehmen; die Übersetzung wird ohne Rucke in Richtung lang verändert. Bei Kickdown schnellt die Drehzahl nach oben und verharrt, während der Edeljapaner zügig gen 250 km/h strebt. Jetzt zeigt er den gefürchteten Gummibandeffekt, der bei schwach motorisierten CVT-Vehikeln für lange Gesichter sorgt. Hier aber reißt es der vollmundig klingende Achtzylinder raus und sorgt für einen Ohrenschmaus. Bei zurückhaltender Fahrweise verschwindet die Geräuschkulisse des Verbrenners fast vollständig, was nicht nur am grundsätzlich leisen Motor liegt, sondern ebenso am durchgängig niedrigen Drehzahlniveau. Übrigens besitzt der 600er analog zum Toyota Prius einen EV-Schalter, um rein elektrisch zu fahren, was natürlich lediglich bei zartem Antippen des Gaspedals und auch nur über eine kurze Strecke funktioniert.
Und wie rollt der LS über schlechte Strecken? Serienmäßige Luftpolster mit adaptiver Dämpfung halten Patzer aus dem Fahrgastraum; dennoch reagiert insbesondere die Vorderachse recht straff auf Querfugen oder abgesenkte Bordsteine. Dafür entfaltet der Elektro-Benziner sein ganzes Können auf der Autobahn, wo er langwellige Verwerfungen sanft nachschwingend korrigiert und den nahezu perfekten Gleiter gibt. Kurviges Terrain nimmt der Fünfmeter-Brocken zwar gelassen, gibt dem Fahrer aber zu verstehen, dass er gerade kein Leichtgewicht dirigiert. Von der variablen Lenkübersetzung merkt man kaum etwas, im Gegensatz zur bayrischen Lösung, die notfalls auch zackig-direkt vorlebt, gehen die Japaner hier deutlich sensibler vor. Üppige Lederfauteuils machen das Aussteigen zur Qual: Hier will man einfach noch sitzenbleiben. Das gilt besonders für die Fondplätze der langen Wellness-Version mit verschiedenen Massageprogrammen. Ganz sicher ein Clou und in dieser Klasse einzigartig: Auf Knopfdruck wird eine Seite prompt zum Liegesitz – für Showeffekte ausgezeichnet, aber wohler fühlt man sich irgendwie, wenn der Sessel die Standardposition innehat. Dann merkt man vor allem die ausufernde Beinfreiheit. So lang kann ein Mensch gar nicht sein, um hier über mangelnde Beweglichkeit der Knie zu klagen. Und sonst? Edle Materialien in tadelloser Verarbeitung bekunden Klassenniveau; um Fan der vielfältigen Tastenlandschaft zu werden, muss man allerdings schon einen speziellen Spieltrieb besitzen, was für viele Interessierte sicherlich zutrifft. Zur Not heißt es eben: Bedienungsanleitung wälzen, das kann ja durchaus Spaß machen.
Ab 103.900 Euro gibt es den Lexus LS 600h – die lange Version kostet 112.250 Euro. Serienmäßig sind in jedem Falle Antiblockiersystem, Front-, Knie-, Kopf- und Seitenairbags, elektrisch verstell-, beheiz- sowie abblendbare Außenspiegel, Bordcomputer, automatisch abblendender Innenspiegel, elektrische Fensterheber rundherum, Klimaautomatik, Kofferraumdeckel elektrisch, Leichtmetallräder, Lenkrad beheizt und elektrisch verstellbar, DVD-Navigationssystem inklusive 8-Zoll-Farbmonitor, Parksensor samt Einparkassistent, Radioanlage mit Highend-Soundsystem, Regensensor, Rollo elektrisch für Heckfenster, Rückfahrkamera, Servolenkung mit variabler Übersetzung, Servoschließung für Türen und Heckdeckel, Frontscheinwerfer in LED-Ausführung inklusive Kurvenlichtfunktion, schlüsselloses Schließsystem, elektrisch verstellbare Vordersitze, Sitzheizung vorn (mit Belüftung) wie hinten, elektronisches Stabilitätsprogramm und Tempomat. Das Ambiance-Paket (15.450 Euro) beinhaltet Seitenairbags hinten, ein elektrisches Glasschiebedach, Kühlfach im Fond, eine exklusive Lederausstattung mit weitreichenden Alcantara-Verkleidungen, ein Entertainment-System inklusive großem Farbmonitor im Dachhimmel und elektrisch verstellbare Fondsitze. Ganze 3.500 Euro kostet der aktive Tempomat inklusive Pre-Crash-System, und für weitere 2.600 Euro wird letzteres durch eine Infrarotkamera (Objekterkennung) und einen aktiven Lenkassistenten ergänzt.
Fazit: Der Lexus LS 600h ist ein waschechter Luxusliner mit hohem Fahrkomfort und extrem viel Technik. Das rund zweieinhalb Tonnen schwere Schiff kommt gemessen an der gewaltigen Performance mit äußerst wenig Kraftstoff aus. Vom exotischen Hybrid-Antrieb ist in der Praxis nicht viel zu spüren.